ESPACE - European Spatial Planning: Adapting to Climate Events

Hintergrund und Ziele

Das Projekt möchte die Notwendigkeit zur ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ verdeutlichen sowie Empfehlungen zur Berücksichtigung von Anpassung in der Raumplanung auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene erarbeiten. Das Projekt wird sich insbesondere damit befassen, wie zukünftig unter veränderten Klimabedingungen die Wasserressourcen bewirtschaftet und hierfür Planungen gestalten werden können.

Ohne eine adäquate und gezielte Raumplanung werden die Risiken des Klimawandels nicht in den Griff zu kriegen sein. Die Klimarisiken werden von der aktuellen Raumplanungspolitik jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Das Projekt greift dieses Problem auf, indem es sich für die Einbindung entsprechender Anpassungsstrategien in die bestehenden Raumplanungssysteme einsetzt.

Im Teil I des Projekts werden grundlegende Probleme beobachtet, die die Implementierung von Anpassungsmaßnahmen auf lokaler Ebene erschweren. Teil II baut auf diese Erkenntnisse auf und entwickelt die angestoßenen Ideen und Lösungsansätze weiter. Durch theoretische Forschungsarbeiten und zwei praktischen Fallstudien wird untersucht, warum sich Anpassungsstrategien, die auf höherer Ebene entwickelt wurden, nur schlecht in die Praxis vor Ort umsetzen lassen. So kann in Erfahrung gebracht werden, wo Defizite in Bezug auf die Koordination und das Management der Anpassung an den Klimawandel liegen.

Ziele:

Zu den Zielen des 1. Teils des Projekts gehört die Ausarbeitung

  • eines neuen transnationalen Ansatzes zur Raumplanung und zum Klimawandel,
  •  einer politischen Leitlinie mit Anpassungsstrategien und
  • von Empfehlungen zur Implementierung dieser Leitlinie in Raumplanungsstrategien.

Die Projektpartner haben erkannt, wie wichtig die Raumplanung ist wenn es darum geht, die Bevölkerung auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten. Ein wichtiges Ziel ist es daher, das Denken und Handeln in der Raumplanung zu verändern. Das Projekt hat sich dabei in erster Line mit den Auswirkungen des Klimawandels im Bereich des raumbezogenen Wassermanagements auseinandergesetzt. Hierzu gehören u.a. Hochwasserschutz an Küsten, Flussmündungen und Flüssen sowie die Wasserressourcen und die Wasserqualität.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Projekts bezieht sich auf das Problem, dass das Bewusstsein über Risiken des Klimawandels allgemeinen nur unzureichend ist. Ein Ziel des Projekts ist daher die Sensibilisierung von Politikern, Fachleuten und der Öffentlichkeit für diese Problematik, damit der Klimawandel in der zukünftigen Raumplanung mehr Berücksichtigung findet. Deshalb soll von den Erkenntnissen des Projekts ein möglichst weit reichendes Netzwerk von Personen und Organisationen profitieren. Dieses soll die "erweiterte Partnerschaft" ermöglichen, in der sich interessierte Organisationen an der Durchführung und Umsetzung des Projekts beteiligen können. Die erweiterte Partnerschaft bietet die Möglichkeit zur Bildung eines Netzwerks von Personen und Organisationen im Bereich Klimawandel und Raumplanung und will gewährleisten, dass die Ergebnisse des Projekts an eine möglichst große Gruppe von Beteiligten kommuniziert werden.

Laufzeit

bis

Untersuchungsregion/-raum

Land
  • Belgien
  • Deutschland
  • Großbritannien
  • Niederlande
Bundesland
  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Hessen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
Naturräumliche Zuordnung
  • Alb und nordbayerisches Hügelland
  • Alpen
  • Alpenvorland
  • Links- und rechtsrheinische Mittelgebirge
  • Oberrheingraben
  • Westdeutsche Tieflandsbucht
  • Zentrale Mittelgebirge und Harz

Schritte im Prozess zur Anpassung an den Klimawandel

Schritt 1: Klimawandel verstehen und beschreiben

Ansatz und Ergebnisse 

Bis zum Jahr 2100 kann von einem weiteren Anstieg der Temperatur um 1,4 bis 5,8° C ausgegangen werden (nach Intergovernmental Panel on Climate Change - ⁠IPCC⁠). Da die optimale Methode zur Entwicklung regionaler Klimamodelle noch nicht gefunden ist, sollen mehrere "downscaling"-Methoden auf unterschiedliche GCMs (Global Circulation Modelle) angewendet werden, die auf verschiedenen Emissionsszenarien beruhen. Anschließend kann ein regionales ⁠Klimamodell⁠ ausgewählt werden, dessen Daten als Input für die Modellierung z.B. der Wasserbilanz dienen. Die Erstellung von Wasserbilanzmodellen für die derzeitigen Klimabedingungen anhand gemessener Klimadaten ist eine Grundvoraussetzung für die Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen Komponenten des Wasserhaushalts. Statistiken über Extremereignisse dienen der Ermittlung von Hochwasserabflüssen auf der Grundlage der Ergebnisse der modellierten Wasserbilanzen. Typische Hochwasserereignisse mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten sind eine wichtige Information für Raumplaner beim Hochwasserschutz in Flussgebieten. Hydraulische Modelle und Modellierung von Schadenspotenzialen ermöglichen Schätzungen über die physischen Auswirkungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen infolge eines erhöhten Schadenspotenzials und die ökologischen und soziokulturellen Auswirkungen. Für die deutschen Fallstudien werden Szenarien aus dem Projekt KLIWA benutzt.

Parameter (Klimasignale)
  • Hitzewellen
  • Veränderte Niederschlagsmuster
  • Höhere mittlere Temperaturen
  • Starkniederschlag (inkl. Hagel, Schnee)

Schritt 2a: Risiken erkennen und bewerten (Klimafolgen/-wirkungen)

Analyseansatz 

Es drohen häufigere Überschwemmungen infolge stärkerer Niederschläge, stärkerer Stürme und eines Anstiegs des Meeresspiegels. Die Ernteerträge werden sich verändern und die Tierwelt wird sich den neuen Bedingungen anpassen müssen, in dem sie wenn möglich in höher gelegene Gebiete im Norden abwandert. Die höheren Temperaturen im Sommer werden mehr Hitzeopfer fordern und die Zahl der von Insekten übertragenen Krankheiten ansteigen lassen. ⁠Klimafolgen⁠ für den Bereich Wasser betreffen den Hochwasserschutz (Küsten, Ästuare, Flüsse) sowie die Wasserressourcen und Wasserqualität.

Schritt 3: Maßnahmen entwickeln und vergleichen

Maßnahmen und/oder Strategien 

Anpassung an den Klimawandel⁠ ist unerlässlich, wenn die Folgeschäden begrenzt und die sich durch den Klimawandel ergebenden Möglichkeiten genutzt werden sollen. Die staatlichen Stellen haben die Aufgabe, die durch die Klimaveränderung hervorgerufen Risken zu reduzieren und für die Zukunft zu planen. Zudem wächst die Einsicht, dass die Reduzierung der Treibhausgase nicht ausreicht, um einschneidende Auswirkungen zu verhindern. Anpassung bedeutet also, dass die Gesellschaft sich ändern muss, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren und die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen.

Ziel ist die Einbindung von Anpassungsstrategien in die bestehenden Raumplanungssysteme und politischen Leitlinien für die Raumplanung. Dazu müssen Politiker, Fachleute und die Öffentlichkeit für die Problematik sensibilisiert werden, damit der Klimawandel in der Raumplanung der Zukunft größere Berücksichtigung findet. Die "erweiterte Partnerschaft" als Kommunikationsstrategie ist eine Maßnahme zur Unterstützung dieses Prozesses.

Im 1. Teil des Projekts sind für die Anpassungsstrategien 14 Empfehlungen genannt, für die jeweils mehrere Fallstudien, Instrumente sowie Beispielpläne und -strategien erarbeitet werden. Die folgenden Empfehlungen richten sich an alle Verwaltungsebenen, von europäischen Einrichtungen über nationale Regierungen bis hin zu regionalen und lokalen Behörden:

1. Machen Sie die Anpassung an den Klimawandel zum grundlegenden Ziel der Raumplanung.

2. Blicken Sie über die Laufzeit Ihrer Planung hinaus und begreifen Sie die klimatischen Risiken.

3. Kombinieren Sie Ansätze des Chancen- und Risikomanagements zur Einbindung der Anpassungsthematik in die Raumplanung.

Diese drei grundlegenden Prinzipien lassen sich folgendermaßen implementieren:

4. Achten Sie auf einen integrierten Anpassungsansatz sowohl innerhalb einzelner Organisationen als auch in der Zusammenarbeit mit anderen Partnern.

5. Überprüfen Sie bestehende Pläne, Strategien, Richtlinien, Vorschriften, Gesetze, Verhaltenskodizes und Leitlinien im Zusammenhang mit der Raumplanung.

6. Fördern Sie einschlägige Forschungsarbeiten zu den Gefahren des Klimawandels, so dass frühzeitig neues Wissen in die raumbezogenen Planungsprozesse einfließen kann.

7. Bewerten Sie die Gefahren und Chancen, die vom Klimawandel in allen raumbezogenen Politikbreichen ausgehen.

8. Bestimmen Sie Raumplanungsstrategien und -maßnahmen zum Umgang mit den Risiken, die in einer Gefahrenanalyse ermittelt wurden.

9. Bewerten Sie, inwieweit einzelne raumbezogene Planungen als Ganzes zur Anpassung an den Klimawandel beitragen.

10. Implementieren Sie die Anpassungsstrategien in die einzelnen Planungs- und Entwicklungsentscheidungen und erläutern Sie den Anspruchsgruppen die verbleibenden Risiken.

11. Entwickeln Sie ehrgeizige langfristige Lösungsansätze für die Gefahren des Klimawandels, die derzeitige, nicht angepasste aber bereits entwickelte Gebiete und sonstige Formen der ⁠Landnutzung⁠ bedrohen.

12. Unterstützen und fördern Sie "Schrittmacher des Wandels".

13. Politiker müssen anerkennen, dass der Klimawandel langfristig ausgerichtete politische Entscheidungen erfordert, die über die eigene Amtszeit hinaus Gültigkeit behalten.

14. Die Raumpläne und Anpassungsmaßnahmen sollten in einem fortlaufenden Prozess regelmäßig überprüft werden.

Im 2. Teil ist ein "Decision Support Guidance" erstellt worden, der die oben genannten Empfehlungen 2, 3 und 9 zusätzlich unterstützt. Hier kommt auch der "decision-making framework" des Unitied Kingdom Climate Impacts Programm (UKCIP) zur Anwendung und es wird dargestellt, wie er für "klima-beeinflussende" Entscheidungen, die von Raumplanern getroffen werden müssen, angewandt werden könnte.

 

Zeithorizont
  • 2071–2100 (ferne Zukunft)
Weitere Zeitangaben und Erläuterungen 

langfristig (länger als 100 Jahre)

Schritt 4: Maßnahmen planen und umsetzen

Kosten 

Kosten-Nutzen-Analysen (für einige Fallstudien bzw. Leitfäden)

Wer war oder ist beteiligt?

Förderung / Finanzierung 

EU, Interreg IIIB Nordwesteuropa (North West Europe) und der ESPACE-Partnerschaft; gefördert vom Britischen Amt für Kommunen und kommunale Verwaltung

Projektleitung 

Hampshire County Council (Großbritannien)

Beteiligte/Partner 

The Environment Agency (Großbritannien), Regionaal Landschap Zenne - Zuun en Zoniën (Belgien), South East Climate Change Partnership (Großbritannien), South East England Regional Assembly (Großbritannien), Surrey County Council (Großbritannien), Waterschap Rivierenland (Niederlande), West Sussex County Council (Großbritannien), Ministerie van VROM (Niederlande), Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft (Deutschland)

Ansprechpartner

Hampshire Country Council
The Castle, Winchester
8UD Hampshire
UK-SO23

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Handlungsfelder:
 Biologische Vielfalt  Küsten- und Meeresschutz  Landwirtschaft  Menschliche Gesundheit  Raumordnung, Regional- und Bauleitplanung  Verkehr, Verkehrsinfrastruktur  Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft