Klimawandel in Sachsen – wir passen uns an!

Ziel der Studie

Umfassender Überblick über die jeweiligen Betroffenheiten der verschiedenen Umweltmedien und Landnutzungen vom ⁠Klimawandel⁠ in Sachsen, Vorstellung bereits umgesetzter sowie sich in Planung befindlicher Anpassungsmaßnahmen, Aufzeigen von Handlungsmaßnahmen zur ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ in Sachsen

Erscheinungsjahr

Untersuchungsregion/-raum

Bundesland Sachsen

Verwendete Klimamodelle / Ensembles

Emissionsszenarien A1B SRES-Szenario
Klimamodelle ECHAM5
Ensembles ja (WEREX-V-Ensemble)
Anzahl der Modellläufe 20
Regionales Klimamodell 

WEREX

Weitere Parameter 

Temperatur, Niederschlag, Verdunstung

Zeitraum 

nicht dokumentiert

Klimawirkungen

Klimawirkungen in Handlungsfeld
  • Biologische Vielfalt
    • Arten und Populationen

„Aus den Ergebnissen lässt sich, allerdings mit der gebotenen Vorsicht aufgrund der einfachen Auswertungsmethode schlussfolgern, dass ein größerer Anteil der Pflanzenarten des Tieflandes von der zu erwartenden Klimaerwärmung eher profitieren könnte; vor allem die Temperaturerhöhung hat eine fördernde Wirkung. Im Bergland ist es umgekehrt, hier werden die meisten Pflanzenarten mit aktuellem Verbreitungsschwerpunkt im Bergland durch den projizierten Temperaturanstieg eher benachteiligt.“ (S.104)
„Am Beispiel der Artengruppe Tagfalter wurde von WIEMERS et al. (2013) analysiert, welche Arten im Zuge der Klimaerwärmung wieder oder neu nach Sachsen einwandern könnten, weil sich für diese Arten in Sachsen zukünftig ein geeigneter Klimaraum (modellierte Klimanische) ergibt. Dabei zeigte sich nicht nur bei einigen historisch bereits nachgewiesenen Arten (z. B. Steppen-Gelbling), sondern auch bei 22 in Sachsen noch nie gefundenen Arten (z. B. Schwarzer Trauerfalter; 5,7 % aller bewerteten Arten) eine hohe Einwanderungswahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten 70 Jahre.“ (S. 105)

Klimawirkungen in Handlungsfeld
  • Boden
    • Bodenwasserhaushalt
    • Bodenstruktur
    • Bodenfunktionen

„Eine weitere Erwärmung sowie häufigere und intensivere Extremereignisse können dazu führen, dass die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigt wird und Agrarumweltprobleme künftig zunehmen werden, wenn nicht wirksame Gegenmaßnahmen durchgeführt werden. Die Erreichung wichtiger Umweltziele, z. B. der EU-Wasserrahmenrichtlinie, kann dadurch gefährdet werden. […]Auch das künftige Risiko von Bodenerosion, Oberflächenabflüssen und Hochwasser wird höher eingeschätzt. Trockenperioden könnten die Winderosionsgefahr insbesondere auf den Sandböden in Nordsachsen verstärken. Weiterhin ist damit zu rechnen, dass es durch Starkregen künftig zu mehr Oberflächenabflüssen und Wassererosion kommt. […]Davon betroffen sind vor allem die hügeligen Lößgebiete und die Vor- und Mittelgebirgslagen.“ (S. 32)
„Durch höhere Lufttemperaturen und in der Tendenz geringere Niederschläge, die zunehmend als Starkregen fallen, nimmt die Bodenfeuchte ab. Böden mit einer geringen nutzbaren Feldkapazität (pflanzenverfügbarer Wasserrückhalt im Boden) können bei längeren Trockenphasen die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgen. Lössböden hingegen sind aufgrund der hohen nutzbaren Feldkapazität weniger von Trockenphasen betroffen. Auf diesen Böden wird jedoch unter den erwarteten Klimaänderungen die Sickerwasserspende (potenzielle Grundwasserneubildung) weiter zurückgehen.“ (S. 51)

Klimawirkungen in Handlungsfeld
  • Landwirtschaft
    • Ertrag und Qualität der Ernteprodukte
    • Pflanzengesundheit
    • Produktivität in der Tierhaltung und Tiergesundheit

„Trockenheitsbedingte Ertragseinbußen sind am stärksten in Nord- und Ostsachsen zu erwarten. Ertragssteigerungen sind hingegen am ehesten in den Vor- und Mittelgebirgslagen möglich. Gemüse, Kartoffeln und Sonderkulturen werden künftig ohne Bewässerung weitgehend nicht mehr rentabel anzubauen sein. Darüber hinaus ist künftig mit weiterem Anpassungsbedarf zu rechnen. So können in der Tierhaltung künftig vor allem Anpassungen im Bereich der Stall- und Tierhaltungsanlagen erforderlich werden, um Stressbelastungen der Tiere durch witterungsbedingte Extreme (Hitze, Staub, Ozon etc.) zu vermindern.“ (S. 28f.)
„Die klimatischen Veränderungen werden sich auch auf die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten, Unkräutern und Schädlingen in landwirtschaftlichen Kulturen auswirken. Im Trend nehmen heute bereits Wärme liebende Krankheiten zu, denen kurze Feuchte- oder Tauphasen zur Ausbreitung ausreichen. Dies belegen auch die langjährigen im Pflanzenschutz durchgeführten Erhebungen in Sachsen im Rahmen der Schaderregerüberwachung. Daneben wird ein abnehmender Trend bei Pilzinfektionen beobachtet, die für ihre Entwicklung Niederschläge und längere Feuchtephasen sowie eher mäßig warme Bedingungen benötigen. Steigende Temperaturen bedingen auch eine deutliche Zunahme der Unkrautarten aus wärmeren Klimazonen, die in Sachsen seit einigen Jahren insbesondere in Mais beobachtet wird. Insgesamt wird eine zunehmende Überwinterung von Schädlingen erwartet. Dies kann im darauffolgenden Frühjahr zu explosionsartigen Vermehrungen führen. Zusätzlich führt der Klimawandel auch zu Wirkungsveränderungen bei den Pflanzenschutzmitteln. So wirken bei hohen Temperaturen und Trockenheit Blattherbizide schlechter wegen der Ausbildung einer starken Wachsschicht der Zielpflanzen und Bodenherbizide schlechter wegen verminderter Wirkstoffaufnahme.“ (S. 34)

Klimawirkungen in Handlungsfeld
  • Wald- und Forstwirtschaft
    • Baumartenzusammensetzung
    • Vitalität / Mortalitätseffekte
    • Forstphänologie

„Die in der Abbildung 45 dargestellten klimatischen Veränderungen entsprechen damit zugleich auch dem Vorkommen sog. Leitbaumarten. Sieben Klimastufen (röm. Ziffern in Abb. 45) bilden den Klimaraum ab, in dem diese Baumarten auf mittleren unvernässten Standorten vorkommen würden. Mit den als submediterran bezeichneten Klimaarealen führt der Klimawandel künftig auch Zustände herbei, die aus historischer Zeit für Sachsen nicht bekannt sind. Für diese Gebiete existieren keine natürlichen Leitbilder, so dass diese in weiter entfernten Regionen Europas gesucht werden müssen.“ (S. 62)
„Auch wenn die künftigen Klimaareale unabhängig vom betrachteten Klimaszenario zum Ende des Jahrhunderts für Fichte und Tanne nur noch verschwindend kleine Vorkommen ausweisen, bedeutet das nicht unbedingt das völlige Verschwinden beider Baumarten. Gewiss ist allerdings, dass diese Baumarten außerhalb dieser Räume Störungen unterliegen werden, die in Ausmaß und Häufigkeit natürliche Vorbilder übersteigen.“ (S. 66)

Klimawirkungen in Handlungsfeld
  • Wasser
    • Grundwasser
    • Gewässerzustand von Oberflächengewässern
    • Wasserverfügbarkeit

„Untersuchungen zur Entwicklung von Wetterlagen zeigen, dass sich Sachsen zukünftig auf eine Zunahme von Extremereignissen einstellen muss. Die Erhöhung der Temperaturen und die damit verbundene höhere Verdunstung werden insbesondere im sächsischen Tiefland zunehmend zu Problemen bei der ganzjährigen Wasserverfügbarkeit führen. Die Erhöhung der Lufttemperatur führt auch zur Erwärmung der Gewässer. Die jahreszeitliche Verschiebung der Niederschläge mit der derzeit zu beobachtenden Frühjahrstrockenheit kann zu geringerem Pflanzenwachstum führen und damit eine verringerte Stickstoffaufnahme bewirken. Der nicht verbrauchte Stickstoff verunreinigt dann nach auftretenden Starkniederschlägen das Grund- und Oberflächenwasser. Trockenphasen bedeuten auch Stress für die Gewässerökosysteme. Insbesondere Gewässer, die bereits einem Nutzungsdruck unterliegen, können durch erhöhte Temperaturen und saisonal geringere Abflüsse weiter beeinträchtigt werden.“ (S. 82)

Klimawirkungen in Handlungsfeld
  • Raumordnung, Regional- und Bauleitplanung

„Der Klimawandel ist ein gesamtgesellschaftliches und globales Problem, das häufig die Aufgaben und Möglichkeiten einzelner Gemeinden oder Fachbereiche überschreitet. Die Raumordnung kann mit ihren Instrumenten dazu beitragen, überörtliche und fachübergreifende Problemlösungen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung herbeizuführen. Dabei ist es erforderlich, trotz noch bestehender Unsicherheiten in Bezug auf die künftige Klimaentwicklung sowie vorhandener Risikobandbreiten, möglichst verbindlich planerisch tätig zu werden. Förderlich dabei ist, dass Maßnahmen zur Klimaanpassung zumeist weitere Umweltvorteile und Synergien haben und damit als „No-Regret-Strategien“ in der Regel sinnvoll und vertretbar sind.“ (S. 123)

Methodischer Ansatz

Kurzbeschreibung des methodischen Ansatzes 

Betrachtung von Zeitreihen verschiedener Klimaparameter bis zur Gegenwart, Ermittlung von Chancen und Risiken des Klimawandels für verschiedene Handlungsfelder und Naturräume, Erarbeitung geeigneter Anpassungsmaßnahmen

Analysekonzeptansatz Disaster-Risk-Ansatz
Komponenten im Analysekonzept  Klimatischer Einfluss, Räumliches Vorkommen, Chancen und Risiken, Anpassungskapazität
Methodik zur Operationalisierung Nicht bekannt

Wer war oder ist beteiligt?

Herausgeber Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landschaft
Kontakt 

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Bibliographische Angaben 

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (Hg.): ⁠Klimawandel⁠ in Sachsen – wir passen uns an! Dresden 2015

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Handlungsfelder:
 Biologische Vielfalt  Boden  Landwirtschaft  Raumordnung, Regional- und Bauleitplanung  Wald- und Forstwirtschaft  Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft