Regionale Klimafolgen in Rheinland-Pfalz

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Bundesland Rheinland-Pfalz
Quelle: KomPass / UBA

Die Folgen des Klimawandels sind nicht überall gleich. Daher lohnt es sich, sie kleinräumiger auf Ebene der Bundesländer zu betrachten. Welche Auswirkungen des Klimawandels in Rheinland-Pfalz zu erwarten sind, erfahren Sie auf dieser Seite.

Inhaltsverzeichnis

 

Länderspezifische Klimaänderungen

 

BEREITS AUFGETRETENE UND ERWARTETE KLIMAÄNDERUNGEN

Der Anstieg der Jahresmitteltemperatur liegt in Rheinland-Pfalz über dem Bundesdurchschnitt (+1,6 °C seit Beginn der Messungen 1881). Bei der Niederschlagshöhe ist der in Rheinland-Pfalz beobachtete Trend für das Gesamtjahr leicht positiv (+11 % seit Beginn der Messungen 1881). Insbesondere der Frühling (+17 %) und der Winter (+31 %) sind nahezu in ganz Rheinland-Pfalz deutlich feuchter geworden. Der Schwerpunkt liegt, bedingt durch die Zunahme der Westwindwetterlagen in den letzten Jahrzehnten, in den Mittelgebirgslagen Eifel, Hunsrück und Pfälzerwald. Auch winterliche Starkniederschläge haben an Intensität und Häufigkeit zugenommen. Die Sommermonate zeigen hingegen in Rheinland-Pfalz eine leicht fallende Tendenz der Niederschlagsmenge. Die mittlere Anzahl der Sommertage und auch der heißen Tage ist stark ansteigend. Gerade in den großen Flusstälern und hier vor allem in den Ballungsgebieten wurde die stärkste Zunahme beobachtet. Der Anstieg in den Höhenlagen ist dagegen moderater. Der Anteil der Frost- und Eistage ist landesweit rückläufig, allerdings mit großen Unterschieden von Jahr zu Jahr. Regional ist die Abnahme an Frosttagen im Pfälzerwald, im Hunsrück, in der Eifel und im Westerwald am Größten. Beim Trend der Eistage sind keine regionalen Unterschiede zuverlässig ableitbar. Bei der Pflanzenphänologie lässt sich in Rheinland-Pfalz eine Verschiebung der Jahreszeiten beobachten. Während Frühjahr und Sommer in Rheinland-Pfalz früher beginnen, aber kaum länger andauern als in der Vergangenheit, hat sich der Herbst durch den früheren Beginn verlängert. Der Winter ist kürzer geworden.

 

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

  • Klimabericht Rheinland-Pfalz 2007: Der Landesbericht fasst alle klimarelevanten Daten und Zusammenhänge auf Landesebene zusammen. Er gliedert sich in: Ziele, Grundsätze und Strategien in der Klimapolitik in Rheinland-Pfalz. Beschrieben werden Art, Ausmaß und allgemeine Folgen der Klimaveränderungen, und es werden die spezifischen Folgen und daraus abzuleitende Anpassungsoptionen erörtert.
    Bericht der Enquete Kommission „Klimawandel“ des rheinland-pfälzischen Landtages: Die Enquete-Kommission des Landtages von Rheinland-Pfalz hat sich von 2007 bis 2009 mit den Auswirkungen des Klimawandels in Rheinland-Pfalz beschäftigt und eine Vielzahl von Experten dazu befragt. Die Ergebnisse und Folgerungen sind in einem Bericht festgehalten.
    Daten und Fakten zur Umwelt in Rheinland-Pfalz 2011; Kapitel Klima: Hierzu erstellte der DWD Karten des beobachteten Trends der Jahresmitteltemperatur, der Sommertage, der heißen Tage, der Frosttage, der Eistage und der Phänologie in Rheinland-Pfalz.
    Klimawandel in Süddeutschland (Klimamonitoring im Rahmen des Kooperationsvorhabens KLIWA Monitoringbericht 2016: Beobachtete Veränderungen von meteorologischen und hydrologischen Kenngrößen in Rheinland-Pfalz; ausgewertet nach Einzugsgebieten.
    Klimawandelbericht 2013 - Grundlagen und Empfehlungen für Naturschutz und Biodiversität, Boden, Wasser, Landwirtschaft, Weinbau und Wald. Erste strategische Aussagen zur Anpassung an den Klimawandel in Rheinland-Pfalz bezogen auf ausgewählte Handlungsfelder
  • Klimawandelinformationssystem Rheinland-Pfalz (kwis-rlp): Daten & Fakten; ständig aktualisiert: Informationssystem mit Karten & Diagrammen zu Niederschlag, Temperatur, Sonnenscheindauer, Tagesmaximumtemperatur, Tagesminimumtemperatur und klimatologischen Kenntagen, Klimaprojektionen
 

LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAMODELLE UND KLIMAPROJEKTIONEN

  • CCLM4.8 (7,0 km)  für das  KLIWA-Gebiet  (Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz), (ERA40 1971-2000; ECHAM5-Lauf1, Lauf2 und Lauf3 C20 1971-2000, A1B 2021-2050)
  • CCLM4.8 (4,5 km) SE-England, Frankreich, Deutschland, Schweiz, N-Italien, W-Österreich (ERA40 1991-2000; ECHAM5-Lauf1, C20 1991-2000, A1B 2041-2050, A1B 2091-2100)
  • CCLM4.8 (2,8 km)  für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg (ERA40 1980-1984; ECHAM5-Lauf1 C20 1971-2000, A1B 2021-2050)
  • CCLM4.8 (1,3 km) für Rheinland-Pfalz (ERA40 1991-2000; ECHAM5-Lauf1 C20 1991-2000, A1B 2041-2050, A1B 2091-2100)
  • CCLM5.0 (2,8 km, convection resolving) für Süd-Deutschland (Antrieb: ECHAM 6 - RCP8.5; 3 Zeitscheiben: 1971-2000, 2021-2050, 2071-2100)
 

Länderspezifische Klimafolgen und Vulnerabilität

 

BEOBACHTETE UND ERWARTETE KLIMAFOLGEN

Landwirtschaft und Weinbau:
Verlängerte Vegetationsperiode, Höhere Variabilität der Witterung (z.B. vernalisationsrelevante Temperaturen werden seltener erreicht, vermehrtes Auftreten von Hitzeschäden), Bedarf an winterfesten Arten geht zurück (reduzierte Frostgefahr, Abnahme der Frostresistenz), Ertragszunahme bei ausreichender Wasserversorgung, wachsender Beregnungsbedarf im Oberrheingebiet, steigender Befallsdruck durch Schaderreger und verstärktes Aufkommen von Schädlingen, neue Pflanzenkrankheiten und Schädlinge (Oberrheingraben als Einwanderungskorridor), Probleme durch Umverteilung niederschlagsreicher Phasen (Infektionsrisiko durch Pilze und Bakterien), Schäden durch Starkniederschläge, Qualität des Riesling; Trend zu Rotweinen/wärmeliebenden Rebsorten (auf Basis des Huglin-Index)

Wald und Forstwirtschaft:
Veränderung der Wuchsdynamik und der Konkurrenzfähigkeit der Arten untereinander, Veränderung der Wuchszonen der Baumarten. In den Tieflagen (planar) können weniger trockenheitstolerante Baumarten aufgrund einer sich ändernden (negativen) Wasserbilanz an ihre Grenzen stoßen. Der Eignungsverlust von einigen Baumarten kann in kollinen Mittelgebirgen zu ökologischen Vorteilen für andere Baumarten führen, indem sich beispielsweise die Konkurrenzverhältnisse verschieben. Die Höhenlagen (submontan und montan) können aufgrund von Temperaturerhöhungen künftig günstigere Standorte für einzelne Baumarten werden. Der allgemein erkennbare Eignungsverlust der Baumarten kann die Vulnerabilität der Waldökosysteme gegenüber baumartenspezifischen Schädlingen oder weiteren Extremereignissen erhöhen (Sturmwurf, Windbruch, Hagel, Trockenperioden).

Wasserwirtschaft:
Kleinere und mittlere Hochwasser haben in Rheinland-Pfalz in den letzten 80 Jahren an einer Mehrzahl der Pegel zugenommen, jedoch zum größten Teil nicht eindeutig. In den letzten 15 Jahren haben sich die zunehmenden Trends abgeschwächt. Die Entwicklung von Niedrigwasserphasen zeigen keinen eindeutigen Trend, nachteilige Änderungen können aber in Verbindung mit Trockenperioden zu Problemen für eine Vielzahl an Akteuren führen z.B. für Binnenschifffahrt, Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Trinkwasserversorgung, wachsenden Beregnungsbedarf, Veränderung der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften im Wasser (Gewässerökologie). Die Grundwasserstände und die Grundwasserneubildung haben in der letzten Dekade tendenziell abgenommen. Es gibt keine signifikante Zunahme von Starkniederschlägen, wenngleich in den vergangenen Jahren einige besonders seltene Ereignisse stattfanden, jedoch können lokale Starkregenereignisse zu Überlastungen kommunaler Kanalnetze führen.

Boden:
Bodenwasserhaushalt: Zunahme von Perioden geringen Wasservorrats im Boden während der Vegetationsperiode (Trockenstressrisiko steigt); besonders betroffen sind Böden mit einer geringen nutzbaren Feldkapazität und grundwasserferne Standorte. Bodenerosion (Regenerosivität): Mit einer Zunahme von Starkregenereignissen wird in Zukunft gerechnet. Die Gefahr für Bodenerosion steigt besonders für Standorte und Kulturen, die eine geringe Bodenbedeckung aufweisen. Saisonale Veränderungen der Niederschlagsmengen (Qualität und Quantität der Grundwasserneubildung, Auftreten von Zwischen- und Oberflächenabfluss). Bodenkohlenstoff: Der Gehalt an organischem Kohlenstoff kann an einigen Standorten aufgrund des Klimawandels abnehmen.

Gesundheit:
Eine zunehmende Häufigkeit, Intensität und Länge von Hitzewellen sowie die Zunahme von Tropennächten führt insbesondere im Oberrheingraben zu einer hohen gesundheitlichen Belastung. Durch neu eingewanderte bzw. verstärkte Vermehrung von Vektoren (vor allem Zecken und Stechmücken) steigt die Gefahr der Übertragung von Krankheiten. Die Pollenflugzeit hat sich verlängert durch einen früheren Frühlingsbeginn und die Neuansiedelung der Beifuß-Ambrosie. Die lufthygienische Belastung verstärkt sich durch Ozon (Veränderung des Strahlungshaushalts in Kombination mit der Erwärmung) und Feinstaub (Zunahme der Länge von Trockenperioden).

Natur- und Artenschutz:
Zunehmende Trockenheit führt zu Bestandsrückgängen der Tier- und Pflanzenarten in Mooren, Sümpfen und Quellgebieten. Weiterhin verändert sich das Artenspektrum durch Wanderbewegungen (Zu- und Abwanderung) und Arealverschiebungen. In den Flusstälern von Rhein, Mosel und Nahe werden künftig mehr Arten als heute erwartet – als Einwanderungswege für mediterrane Arten, die ihre Verbreitungsgrenze nach Norden verschieben, sind sie wichtige Biodiversitätszentren.

Tourismus:
Durch die zunehmend milden Winter und einem deutlichen Rückgang der Schneedeckentage verliert der Wintersporttourismus an Bedeutung. Dagegen steht für Frühjahrs- und Herbst-Aktivitäten, Wanderurlaube (Mandelblüte, Weinlese etc.), Badezeit eine längere Saison zur Verfügung. Die zunehmende Häufigkeit, Intensität und Länge von Hitzewellen kann sich in den besonders belasteten Gebieten des Oberrheingrabens negativ auf die Sommeraktivitäten auswirken. Eine zunehmende Belastung von Badegewässern durch Blaualgen ist möglich.

Schifffahrt:
Sommer: häufigere und längere Niedrigwasserperioden (Verminderung des Tiefganges / Frachtreduzierung), Winter: Schifffahrtsbeschränkungen durch Hochwasser

Energiewirtschaft:
Kühlwasserprobleme im Sommer, Spitzenlast durch Kühlanlagen bei Hitzeperioden. In milden Wintern weniger Energiebedarf

Finanzwirtschaft:
Die zunehmende Gefährdung durch Extremereignisse (Hagel, Starkregen, Hitze und Trockenheit) verlangt vorsorgende Maßnahmen zum Schutz privaten und öffentlichen Eigentums. Neben baulicher und struktureller Maßnahmen gewinnen Versicherungen zunehmend an Bedeutung (z. B. Erweiterte Elementarschadenversicherung).

Räumliche Planung:
Kommunale Anpassung an den Klimawandel wird dringlicher hinsichtlich Schutz vor Hochwasser und Starkregen, Sicherung der Grundwasserspeicher, Schutz vor Hitze an Arbeits- und Wohnorten, Erhalt der biologischen Vielfalt und Schutz vor gesundheitsgefährdenden Tier- und Pflanzenarten.

 

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

Erkenntnisse zu bereits beobachteten und erwarteten Klimafolgen in Rheinland-Pfalz liegen aus folgenden Quellen vor:

 

LÄNDERSPEZIFISCHE WIRKMODELLE

In Rheinland-Pfalz wurden bisher folgende Wirkmodelle verwendet:

  • LARSIM (Large Area Runoff Simulation Model) zur Modellierung des Wasserhaushalts
  • WASIM-ETH (Wasserhaushalts-Simulations-Model ETH) zur Modellierung des Standortwasserhaushalts
  • GWN-BW (Grundwasserneubildung-BW) zur Simulation der Grundwasserneubildung
  • STOFFBILANZ zur Simulation des Landschaftswasserhaushalts, Bodenerosion, Nitrat 
  • BALANCE zur Waldwachstumssimulation
  • SILVA zur Waldwachstumssimulation
  • BIOKLIMAHÜLLEN zur Modellierung der bioklimatischen Nische der Baumarten
  • KLIMAEIGNUNGSMATRIX zur Modellierung der klimatischen/wirtschaftlichen Eignung der Baumarten
  • ABAG (Allgemeine Bodenabtragsgleichung) zur Simulation der Bodenerosion
  • LISEM (Limburg Soil Erosion Model) zur Simulation der Bodenerosion
  • ÖKOLOGISCHE-NISCHEN-MODELLE zur Simulation der ökologischen Nische ausgewählter Arten