ERGO: EU-Forschungsprojekt zu hormonell wirksamen Stoffen

Projektvideo: ERGO

Projektvideo: ERGO

Das Projekt ERGO, Endocrine Disruptor Guideline Optimization, zielt darauf ab, die Identifizierung und Regulierung von hormonell wirksamen Stoffen (endokrine Disruptoren) zu verbessern. Dafür soll gezeigt werden, inwieweit die Auswirkungen von diesen Stoffen in Säugetieren auf Nicht-Säugetiere extrapolierbar sind und umgekehrt. Grundlage der Untersuchungen ist dabei das Schilddrüsenhormonsystem.

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor hormonell wirksamen Substanzen, muss die Identifizierung und das Risikomanagement sogenannter endokriner Disruptoren (EDs) verbessert und effizienter gemacht werden. Im Rahmen des EU Horizon 2020Forschungsprojekts ERGO soll dafür überprüft werden inwieweit es möglich ist die Auswirkungen von EDs zwischen verschiedenen Gruppen der Wirbeltiere zu übertragen. Ausgangspunkt ist die begründete Annahme, dass zum Beispiel eine nachteilige Wirkung bei einem Fisch oder einer Amphibie auch auf nachteilige Wirkungen beim Menschen hindeutet und umgekehrt. Durch die Prüfung soll die momentan noch bestehende Abgrenzung zwischen der Forschung an Säugetieren und Nicht-Säugetieren überwunden werden, und so auch Tierversuche vermieden werden können. Als Basis dieser Forschung dient in diesem Projekt das Schilddrüsenhormonsystem, welches hochkonserviert (d.h. weitestgehend ähnlich) innerhalb der Klasse der Wirbeltiere ist.

Zur Etablierung neuer Ansätze nutzt ERGO das Konzept der Adverse Outcome Pathways, kurz AOPs. Dabei werden die Schritte von der Exposition des Organismus mit der Chemikalie über die chemischen und biologischen Wechselwirkungen im Organismus bis hin zum nachtteiligen Effekt für einzelne Organismen oder ganze Populationen dargestellt, und als Kette von Ereignissen gesehen. Ein Ziel des Projektes  ist es Schnittstellen und Gemeinsamkeiten zwischen den Wechselwirkungen in unterschiedlichen Vertretern der Wirbeltierklasse darzustellen, welche dann zur Extrapolation und Vorhersage von Effekten über Speziesgrenzen hinweg genutzt werden können. Zur Erarbeitung solcher AOP Netzwerke werden in ERGO verschiedene Experimente mit Zellsystemen (in vitro) und Tieren (in vivo) sowie Modellierungs- und Biotransformationsversuche (in silico) durchgeführt.

In der Europäischen Union (EU) gibt es verschiedene Regulierungen, welche das Screenen und Testen von EDs nach EU Testmethoden-Verordnung erfordern, zum Beispiel die Pflanzenschutzmittelverordnung. Die Identifizierung von EDs und ihren Effekten ist jedoch herausfordernd, vor allem aufgrund der oft schwachen Datenlage bei wenig untersuchten oder bisher unbekannten EDs. Momentan werden die Daten aus der Bewertung der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit bei der Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt nur wenig beachtet und auch anders herum. Die gegenseitige Anerkennung und Berücksichtigung der Testergebnisse könnte die Untersuchung und die Identifizierung von EDs schneller, einfacher und günstiger gestalten. Dies würde bei der Umsetzung der EU-weiten Regulierungen helfen, und auch die Entwicklung von Produkten frei von endokrinen Disruptoren fördern. 

Das ERGO Projekt startete im Januar 2019 und hat eine Laufzeit von 60 Monaten. Nach der Auswahl der zu testenden Chemikalien finden momentan die ersten Experimente statt. Das Projekt wird koordiniert von der Syddansk Universiteit aus Dänemark. Neben dem Umweltbundesamt und der Syddansk Universiteit arbeiten eine Vielzahl von weiteren Universitäten und Forschungsinstitutionen sowie Vertreter aus der Industrie am Projekt mit. Insgesamt sind 15 Partner aus 8 Ländern involviert. Das UBA nimmt hier eine koordinierende und beratende Rolle ein und ist für den Wissenstransfer innerhalb des Projekts zuständig.

ERGO ist Teil des EU Schwerpunkt-Clusters „EURION“, in dem insgesamt acht internationale Projekte zu EDs angesiedelt sind.

Geplante Ergebnisse des Projektes sind unter anderem die Erweiterung der bestehenden Testrichtlinien für EDs im Hinblick auf eine verbesserte Identifizierung von Auswirkungen auf das Schilddrüsenhormonsystem sowie ein Konzept, um die nachteiligen Effekte zwischen den Wirbeltierklassen zu extrapolieren, und so die Risikobewertung von EDs insgesamt zu verbessern.