Apotheken können zu weniger Arzneimitteln in der Umwelt beitragen

Ein Kundengespräch in einer Apothekezum Vergrößern anklicken
Im Kundengespräch kann (auch) zu umsichtigem Umgang mit Medikamenten beraten werden
Quelle: Alexander Ford / Gettyimages

Arzneimittel werden immer öfter in der Umwelt nachgewiesen. Das Thema „Arzneimittel in der Umwelt“ wird im Pharmaziestudium und in Fortbildungen bisher aber nur selten behandelt. Ein UBA-Bericht gibt Anregungen, wie die Thematik für die Lehre didaktisch und inhaltlich umgesetzt werden kann. Zudem wurden Konzepte für eine multimediale Lernplattform und zur Kundeninformation in Apotheken entwickelt.

In Deutschland werden in allen Umweltmedien Arzneimittelrückstände gefunden. Arzneimittelwirkstoffe lassen sich inzwischen flächendeckend in Fließgewässern, Böden aber auch im Grundwasser und vereinzelt sogar im Trinkwasser nachweisen. Obwohl die Konzentrationen in den Umweltmedien als gering eingestuft werden, können anhand wissenschaftlicher Studien negative Effekte beispielsweise auf aquatische Organismen beobachtet werden. Auch wenn nach heutigem Kenntnisstand Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ausgeschlossen werden, sollte im Sinne des Vorsorgeprinzips gehandelt und der Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt reduziert werden, zumal bis heute nicht bekannt ist, welche Effekte eine chronische Aufnahme auch von niedrigen Konzentrationen auf Mensch und Umwelt haben.

Apothekerinnen und Apotheker stehen in direktem Kontakt mit der Kundschaft und haben daher die Möglichkeit, auch umweltrelevante Aspekte von Arzneimitteln in ihre Beratung einfließen zu lassen – und somit zu weniger Arzneimitteln in der Umwelt beizutragen. Beispielsweise können Apotheker*innen im Einzelfall kleinere Packungen empfehlen, pflanzliche Alternativen anbieten oder Hinweise zur richtigen Entsorgung nicht aufgebrauchter Medikamente geben. Bevor Apothekerinnen und Apotheker Umweltaspekte in ihren Berufsalltag integrieren können, ist es wichtig, dass sie über medikamentenbedingte Umweltprobleme sachlich aufgeklärt sind, sodass sie sich selbst eine Meinung bilden können. Das bedeutet zum einen, dass der wissenschaftliche Hintergrund und die zentralen Fakten über die Umweltrelevanz von Arzneimittelwirkstoffen im Wasser bekannt sind. Zum anderen sollten sie darin geschult sein, welche Beratungsinhalte für sie infrage kommen und wie die Beratung der Kunden und Kundinnen zu dem Thema in den beruflichen Alltag integriert werden kann. Daher wurden im Projekt „Die Apotheke als zentraler Ort für den (umwelt-)bewussten Umgang mit Arzneimitteln“ (FKZ: 3716 65 4120) Konzepte für ein Lehr- und Informationsangebot für die universitäre Lehre von angehenden Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sowie für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für praktizierende Apothekerinnen und Apotheker entwickelt. Die Konzepte wurden pilothaft in zwei Aus- und Fortbildungsveranstaltungen erfolgreich erprobt. Auf begleitenden Workshops wurden außerdem umweltrelevante Handlungskonzepte gemeinsam mit angehenden und praktizierenden Pharmazeutinnen und Pharmazeuten erarbeitet. Die Teilnehmenden erlangten auf den angebotenen Veranstaltungen fundiertes Wissen zum Thema Arzneimittel in der Umwelt und können nun das Erlernte in den beruflichen Alltag einfließen lassen und ihren Umgang mit Arzneimitteln nachhaltiger gestalten.

Als ein unterstützendes Element für die universitäre Lehre bzw. für die Fort- und Weiterbildung wurde ein multimediales Lehrkonzept erstellt, welches in Kürze umgesetzt werden soll. Die Inhalte der Plattform sollen der Wissensvermittlung innerhalb von Weiterbildungsmaßnahmen, Vortragsreihen oder der Lehre dienen. Zur Förderung eines umsichtigen Umgangs mit Medikamenten wurde zusätzlich ein Konzept zur Erstellung von Informationsmaterialien erarbeitet. Diese können in der Apotheke ausgegeben werden, um die Kundschaft zu informieren und sensibilisieren. Hauptaugenmerk lag dabei auf der sachgemäßen Entsorgung nicht mehr benötigter Arzneimittel, da dieser Aspekt als eine einfach zu kommunizierende aber auch umzusetzende Maßnahme zum Schutz der Umwelt erachtet wird.

Daneben wurde ein Leitfaden in Form eines Handbuches gestaltet. Dieses Handbuch gibt Hinweise und Anregungen, wie die Thematik Arzneimittel in der Umwelt sowohl in der Apothekerfortbildung als auch in der Ausbildung/pharmazeutischen Lehre integriert und didaktisch sowie inhaltlich umgesetzt werden kann. Zudem stellt es die Möglichkeit der Umsetzung einer multimedialen Lernplattform zur unterstützenden Wissensvermittlung vor.

Das Forschungsprojekt, dessen Abschlussbericht inkl. Handbuch nun veröffentlicht ist, wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes vom Institut für sozial-ökologische Forschung durchgeführt.

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