Indikator: Rohstoffkonsum

Ein Diagramm stellt die Primärrohstoffnutzung pro Kopf für die Jahre 2000 bis 2016 dar. Dabei wird nach verschiedenen Materialtypen unterschieden. Der Rohstoffkonsum ging langfristig zurück, zeigte in den letzten Jahren jedoch keinen klaren Trend.zum Vergrößern anklicken
Primärrohstoffnutzung für inländischen Konsum und Investitionen (RMC) pro Kopf
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Primärrohstoffnutzung pro Kopf ist zwischen 2000 und 2016 insgesamt um 24 % gesunken, verzeichnet seit 2009 aber keinen klaren Trend.
  • Es werden auch Rohstoffe in die Betrachtung einbezogen, die im In- und Ausland für die Herstellung der konsumierten Güter benötigt wurden.
  • Der deutsche Rohstoffkonsum ist im internationalen Vergleich zu hoch und soll weiter gesenkt werden.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Zur Herstellung von Gütern und Erbringung von Dienstleistungen werden Rohstoffe benötigt. Die deutsche Wirtschaft ist stark international verflochten: Deutschland importiert und exportiert in großem Umfang teilweise verarbeitete oder fertige Produkte. Das Gewicht der zu ihrer Herstellung eingesetzten Rohstoffe spiegeln die „Rohstoff-Äquivalente“ wider. Diese berücksichtigen alle Rohstoffe, die im In- und Ausland zur Erzeugung der Güter genutzt wurden. Der hier dargestellte Indikator bezieht das Gesamtgewicht aller Güter ein, die in Deutschland für den eigenen Konsum und Investitionen verwendet wurden – einschließlich der „Rohstoff- Äquivalente“. Um die Problematik greif- und vergleichbarer zu machen, wird der „Rohstoffkonsum“ auf die Einwohnerzahl Deutschlands bezogen.

Erzeugung, Gewinnung und Aufbereitung von Primärrohstoffen gehen mit hohen Umweltauswirkungen einher. Wäre der weltweite Pro-Kopf-Rohstoffbedarf so hoch wie in Deutschland, würde dies die globalen Ökosysteme sehr stark belasten. Deutschland steht somit in der Verantwortung, die Nutzung von Primärrohstoffen zu verringern.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Der Rohstoffkonsum pro Kopf sank zwischen 2000 und 2016 um etwa 24 %. Vor allem die Aufwendungen für Investitionen und Bauten waren rückläufig. Während sich der Konsum der privaten Haushalte, der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck und des Staates 2016 im Vergleich zu 2000 um 5 % verringerte, sanken die Primärrohstoffaufwendungen für Anlageinvestitionen im gleichen Zeitraum um rund 28 %. Diese Entwicklung lässt sich vor allem mit dem Rückgang der Bauinvestitionen zwischen den Jahren 2000 und 2010 erklären. Seit 2010 stiegen die Bauinvestitionen wieder, was mit einem Anstieg der Nutzung mineralischer Rohstoffe einherging. Relevant ist das Recycling von Abfällen: Dieses senkt den Bedarf an Rohstoffen, die der Umwelt entnommen werden müssen. Insgesamt entwickelte sich der Rohstoffkonsum seit dem Jahr 2010 in keine eindeutige Richtung.

Die deutsche und europäische Politik hat sich bislang kein quantitatives Ziel für den Rohstoffkonsum gesetzt. Fachleute wie auch das Umweltbundesamt sind jedoch der Ansicht, dass der Rohstoffkonsum deutlich reduziert werden sollte. Die politischen Strategien wie das „Deutsche Ressourceneffizienzprogramm III“ (BMU 2020) gehen in die richtige Richtung, müssen langfristig aber ambitioniert weiterentwickelt werden.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Der Indikator „Rohstoffkonsum“ setzt sich zusammen aus der inländischen Rohstoffentnahme und den Importen abzüglich der Rohstoffe die für die Herstellung exportierter Güter verwendet werden. Um die indirekten Importe („Rohstoff-Äquivalente“) zu berechnen, werden Input-Output- und Verflechtungs-Tabellen sowie Daten zu Im- und Exporten der deutschen Volkswirtschaft herangezogen. Das Verfahren wurde im Rahmen von Forschungsvorhaben für das Umweltbundesamt entwickelt und ist in einem Forschungsbericht (UBA 2016) beschrieben.