Indikator: Rohstoffkonsum

Ein Diagramm stellt die Primärrohstoffnutzung pro Kopf für die Jahre 2000 bis 2014 dar. Dabei wird nach verschiedenen Materialtypen unterschieden. Der Rohstoffkonsum ging langfristig zurück, zeigte in den letzten Jahren jedoch keine klare Entwicklung.zum Vergrößern anklicken
Primärrohstoffnutzung für inländischen Konsum und Investitionen (RMC) pro Kopf
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Der Rohstoffkonsum pro Kopf ist zwischen 2000 und 2014 um 16 % gesunken.
  • 2014 dienten 61 % des inländischen Primärrohstoffbedarfs dem Konsum. 39 % wurden für Investitionen in Ausrüstungen und Bauten verwendet.
  • Es werden auch Rohstoffe in die Betrachtung einbezogen, die im In- und Ausland für die Herstellung der konsumierten Güter benötigt wurden.
  • Der deutsche Rohstoffkonsum ist zu hoch und soll weiter gesenkt werden.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Zur Herstellung von Gütern und Erbringung von Dienstleistungen werden Rohstoffe benötigt. Die deutsche Wirtschaft ist stark international verflochten: Deutschland importiert und exportiert in großem Umfang teilweise verarbeitete oder fertige Produkte. Das Gewicht der zu ihrer Herstellung eingesetzten Rohstoffe spiegeln die „Rohstoff-Äquivalente“ wider. Diese berücksichtigen alle Rohstoffe, die im In- und Ausland zur Erzeugung der Güter genutzt wurden. Der hier dargestellte Indikator bezieht das Gesamtgewicht aller Güter ein, die in Deutschland für den eigenen Konsum verwendet wurden – einschließlich der „Rohstoff- Äquivalente“. Um die Problematik greif- und vergleichbarer zu machen, wird der „Rohstoffkonsum“ auf die Einwohnerzahl Deutschlands bezogen.

Erzeugung, Gewinnung und Aufbereitung von Primärrohstoffen gehen mit hohen Umweltauswirkungen einher. Wäre der weltweite Pro-Kopf-Rohstoffbedarf so hoch wie in Deutschland, würde dies die globalen Ökosysteme sehr stark belasten. Deutschland steht somit in der Verantwortung, die Nutzung von Primärrohstoffen zu verringern.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Der Rohstoffkonsum pro Kopf sank zwischen 2000 und 2014 um mehr als 16 %. Vor allem die Aufwendungen für Investitionen waren rückläufig. Diese verursachten 2014 39 % der Rohstoffbedarfe. Diese Entwicklung lässt sich vor allem mit dem Rückgang der Bauinvestitionen zwischen den Jahren 2000 und 2010 erklären. Seit 2010 stiegen die Bauinvestitionen wieder, was mit einem Anstieg der Nutzung mineralischer Rohstoffe einherging. Auch die Verwendung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen stieg langfristig deutlich. Relevant ist das Recycling von Abfällen: Dieses senkt den Bedarf an Rohstoffen, die der Umwelt entnommen werden müssen. Insgesamt entwickelte sich der Rohstoffkonsum seit dem Jahr 2008 in keine eindeutige Richtung.

Die deutsche und europäische Politik hat sich bislang kein Ziel für den Rohstoffkonsum gesetzt. Fachleute wie auch das Umweltbundesamt sind jedoch der Ansicht, dass der Rohstoffkonsum deutlich reduziert werden sollte. Die politischen Strategien wie der europäische „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ oder das „Deutsche Ressourceneffizienzprogramm II“ gehen in die richtige Richtung, müssen langfristig aber ambitioniert weiterentwickelt werden.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Der Indikator „Rohstoffkonsum“ setzt sich zusammen aus der inländischen Rohstoffentnahme und den Importen. Um die indirekten Importe („Rohstoff-Äquivalente“) zu berechnen, werden Input-Output- und Verflechtungs-Tabellen sowie Daten zu Im- und Exporten der deutschen Volkswirtschaft herangezogen. Das Verfahren wurde im Rahmen von Forschungsvorhaben für das Umweltbundesamt entwickelt und ist in einem Forschungsbericht (UBA 2016) beschrieben.