Indikator: Siedlungs- und Verkehrsfläche

Ein Diagramm stellt in Balkenform für jedes Jahr dar, wie viel Hektar Fläche in Deutschland zwischen 1993 und 2019 pro Tag neu für Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen wurden. Ergänzend wird als Linie der Vier-Jahres-Durchschnitt abgebildet.zum Vergrößern anklicken
Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • In den Jahren 2016 bis 2019 wurden täglich 52 Hektar für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu in Anspruch genommen.
  • Der Anstieg sollte laut Bundesregierung ursprünglich bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag sinken. Nach den Zielen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie soll der tägliche Anstieg bis zum Jahr 2030 nun weniger als 30 Hektar betragen.
  • Das Integrierte Umweltprogramm des Bundesumweltministeriums benennt eine Senkung des täglichen Anstiegs auf 20 Hektar pro Tag bis 2030.
  • Es müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, damit diese Ziele erreicht werden können.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Die Umwandlung von Ackerböden, Wald oder Grünland in Siedlungs- und Verkehrsfläche verursacht beträchtliche Umweltauswirkungen: Ein Großteil der Flächen wird mit Gebäuden oder Anlagen bebaut oder für Verkehrswege in Anspruch genommen. Dies zerstört die natürliche Bodenfruchtbarkeit und behindert eine zukünftige (Wieder-)Nutzung für die Land- und Forstwirtschaft. Versiegelte Flächen verlieren ihre Fähigkeit zur Regulierung des Mikroklimas und können im Sommer keinen Beitrag zur Milderung der Überhitzung in Städten leisten. Auch die Artenvielfalt wird beeinträchtigt, da durch die neuen Siedlungs- und Verkehrsflächen Landschaften zerschnitten und die Lebensräume kleiner werden.

Überdies erzeugen neu erschlossene Siedlungs- und Verkehrsflächen zusätzlichen Verkehr, der wiederum Lärm und Schadstoffbelastungen verursacht. Außerdem erhöht dies den Materialverbrauch für den Bau von Gebäuden und Erschließungsinfrastruktur. Neue Gebäude und Infrastrukturen müssen betrieben werden, dadurch steigt auch der Energieverbrauch.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Im „Fahrplan für ein ressourceneffizientes Europa“ der EU wird angestrebt, die Landnahme so zu reduzieren, dass bis 2050 netto kein Land mehr verbraucht wird (KOM/2011/0571). Die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie (BReg 2016) und des Klimaschutzprogramm 2030 (BReg 2019) sehen spezifizierend vor, dass bis 2030 weniger als 30 Hektar pro Tag neu als Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke ausgewiesen werden sollen. Das „Integrierte Umweltprogramm 2030“ des Bundesumweltministeriums nennt für das Jahr 2030 ein ambitionierteres Ziel von 20 Hektar pro Tag (BMUB 2016), da bei linearer Fortschreibung zum Erreichen des Netto-Null Ziels 2050 – wie es auch der Klimaschutzplan 2050 vorsieht – dieser Wert erreicht werden sollte (BMUB 2016).

Im Zeitraum von 2016 bis 2019 nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche im Durchschnitt um 52 Hektar pro Tag zu. Seit dem Jahr 2000 hat sich die tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche etwa halbiert. Grund dafür waren geschärfte Regelungen im Bau- und Planungsrecht, größere Anstrengungen in den Ländern und Gemeinden, eine verhaltene konjunkturelle Entwicklung und der demografische Wandel. Setzt sich der Trend der letzten fünf Jahre fort, kann das Ziel des Integrierten Umweltprogramms 20 Hektar pro Tag bis 2030 erreicht werden. Den Trend zu halten ist jedoch anspruchsvoll, was sich auch daran zeigt, dass die Einzelwerte der letzten drei Jahre stetig gestiegen sind.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Der Indikator bildet die durchschnittliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Hektar pro Tag ab. Als Siedlungs- und Verkehrsfläche gelten Gebäude- und Freiflächen, Betriebsflächen (ohne Abbauland), Erholungsflächen, Friedhöfe und Verkehrsflächen. Der Indikator wird jährlich vom Statistischen Bundesamt auf der Basis der von den Ländern berichteten Bodennutzungs-Daten berechnet. Diese unterliegen in vielen Fällen Sondereffekten und müssen vom Statistischen Bundesamt teilweise korrigiert werden. Methodische Hinweise dazu finden sich in der Publikation „Bodenfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung“ (Destatis 2020).

Ausführliche Informationen  zum Thema finden Sie im Daten-Artikel: "Siedlungs- und Verkehrsfläche".