Vom Klima-Wissen zum Klima-Handeln auf regionaler Ebene
Längere und extreme Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignisse: der Klimawandel ist längst keine Fiktion mehr. Er ist real und bereits jetzt in Deutschland spürbar. Das Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass) im Umweltbundesamt hat in den vergangenen Jahren detaillierte Informationen zusammengetragen wie sich der Klimawandel auf unsere Gesellschaft, Gesundheit, Wirtschaft und Lebensgewohnheiten auswirkt und unsere Zukunft verändern wird (Vulnerabilitätsanalyse 2015). Zum Beispiel wies die Vulnerabilitätsanalyse 2015 darauf hin, dass deutsche Wälder mehrere Trockenjahre hintereinander nur schwer überstehen könnten – mit problematischen Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft (v.a. Forst-, Energie- und Baugewerbe), die biologische Vielfalt, und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger. Aktuelle Studien bestätigen diese und weitere Annahmen. So teilte etwa das Statistische Bundesamt kürzlich mit, dass knapp 80% der deutschen Bäume deutliche Anzeichen für Trockenstress zeigen, die über Kronenverlichtungen messbar werden (Destatis 2020). Klimafolgen und Vulnerabilitäten verteilen sich jedoch in Deutschland sehr ungleichmäßig. Der steigende Meeresspiegel und häufigere Sturmfluten betreffen vor allem Deutschlands Küstenregionen und küstennahe Gebiete. Starkregenereignisse führen aufgrund des hohen Versiegelungsgrades besonders in Städten zu Überschwemmungsproblemen und einer Überlastung von Infrastrukturen. Dürreperioden führen zu Produktionsausfällen in der Landwirtschaft oder zu niedrigwasserbedingten Problemen in der Schifffahrt. So unterschiedlich die Auswirkungen des Klimawandels auch sein mögen, es gibt wohl kaum eine Region, kaum einen Wirtschaftszweig und kaum eine Gesellschaftsgruppe die nicht von den Folgen des Klimawandels betroffen wäre.
Um der Klimakrise zu begegnen und die Resilienz von Städten und Regionen zu stärken, bedarf es gut durchdachter und abgestimmter Zukunftsentscheidungen. Die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) bietet einen strategischen Rahmen zum Klimahandeln und forciert Maßnahmen auf Bundesebene durch den Aktionsplan Anpassung (APA). Erfolgreiches Klimamanagement benötigt darüber hinaus auch gut informierte und qualifizierte Entscheidungsträgerinnen und -träger auf regionaler Ebene. Politikerinnen und Politiker, Planerinnen und Planer, Unternehmen und Privatpersonen müssen nicht nur über regional-spezifische Auswirkungen des Klimawandels Bescheid wissen, sondern auch über darauf abgestimmte Handlungsoptionen, Maßnahmen und Werkzeuge verfügen. An einer solchen Informationsgrundlage arbeiten seit diesem Sommer acht Verbundprojekte in ganz Deutschland im Rahmen der Fördermaßnahme RegIKlim „Regionale Informationen zum Klimahandeln“. Diese neue Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hat es sich zum Ziel gesetzt, entscheidungsrelevantes Wissen zu Klimaveränderungen für Städte und Regionen aufzubereiten und geeignete Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Dabei kommt der Zusammenarbeit zwischen Beteiligten aus der Wissenschaft und Praxis eine besondere Bedeutung zu.