Energiemanagement mit System

Ein systematisches Energiemanagement kann die Energieeffizienz in Unternehmen und Organisationen fortlaufend erhöhen sowie den Energieverbrauch und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen mindern. Durch die Kostenentlastungen stärkt es zudem die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Mittlerweile nutzt eine Vielzahl von Unternehmen und anderen Organisationen ein Energiemanagementsystem.

Inhaltsverzeichnis

 

Wie funktioniert ein Energiemanagement?

Mit Hilfe eines Energiemanagements werden Energieeinsparpotenziale identifiziert und gehoben. Zunächst werden Energieströme im Betrieb und die zugehörigen Energieträger erfasst und analysiert, darauf aufbauend dann Verbesserungsideen erarbeitet, auf Wirtschaftlichkeit bewertet und anschließend umgesetzt. Das Energiemanagement hilft so bei der Entscheidung für Investitionen in die Energieeffizienz. Um auch langfristig eine Verbesserung der Energieeffizienz zu erreichen, legen Unternehmen eine organisationsweite Energiepolitik fest, setzen sich Energieziele, schaffen Aktionspläne und messen die Zielerreichung anhand von Leistungskennzahlen. Außerdem nimmt das Energiemanagement Einfluss auf die organisatorischen und technischen Abläufe im Betrieb sowie die Verhaltensweisen der Beschäftigten. So werden beispielsweise Zuständigkeiten für energierelevante Prozesse geregelt, Kommunikationsverfahren festgelegt und die nötigen Kompetenzen des Personals ermittelt und sichergestellt.

 

Internationale Energiemanagementnorm ISO 50001

Mit der im Jahr 2011 veröffentlichten Norm ISO 50001 wurde ein internationaler Standard für ein Energiemanagementsystem geschaffen. Die ISO 50001 ist eine Managementsystemnorm. Sie ist nicht sektorspezifisch ausgerichtet und kann von unterschiedlichsten Organisationen, von kleinen und mittleren Unternehmen bis hin zu Großunternehmen oder Behörden, angewandt werden. Die Norm setzt einen Rahmen, innerhalb dessen individuelles Engagement des Unternehmens bzw. der Organisation erforderlich ist. Es ist die Aufgabe des jeweiligen Unternehmens, die in der ISO 50001 formulierten Anforderungen angemessenen auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden und umzusetzen. Mittlerweile bestehen laut Zählung der Internationalen Normungsorganisation (ISO) für das Jahr 2018 in Deutschland rund 6.250 gültige Zertifikate (s. Daten zur Umwelt: Umwelt- und Energiemanagementsysteme).

Im Jahr 2018 erschien die novellierte Fassung der ISO 50001. Schwerpunkt der Novelle war die Anpassung der Norm an die einheitliche Grundstruktur für ISO-Managementsystemnormen (sog. „High-Level-Structure“ – HLS). Die ISO 50001 folgt nun dem gleichen Aufbau wie die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001, die Umweltmanagementnorm ISO 14001, die auch Bestandteil von EMAS ist, und die Norm ISO 45001 für Arbeitssicherheitsmanagement. Auch Basisdefinitionen und allgemeingültige Texte wurden im Zuge der Novelle mit den anderen Managementsystemnormen vereinheitlicht. Dadurch lassen sich die verschiedenen Managementsysteme besser miteinander verbinden.

Neben zahlreichen Detailänderungen betont die novellierte ISO 50001:2018 nun stärker die Verantwortung der obersten Leitung einer Organisation für ein wirksames Energiemanagement und sieht eine bessere Integration energetischer Fragestellungen in strategische Managementprozesse vor. Wie auch in anderen Managementsystemen fordert die ISO 50001, dass Unternehmen und Organisationen ihr Umfeld genauer unter die Lupe nehmen. Dazu gehört es, relevante interne und externe Themen zu bestimmen, die einen Einfluss auf das Energiemanagement haben können und die Erfordernisse und Erwartungen von Anspruchsgruppen zu verstehen. Auch die sich daraus ergebenden Risiken und Chancen für das Energiemanagement sind nunmehr zu betrachten.

 

UBA/BMU-Leitfaden zur Anwendung der ISO 50001

Der Leitfaden „Energiemanagementsysteme in der Praxis – Vom Energieaudit zum Managementsystem nach ISO 50001“ von UBA und BMU soll Organisationen jedweder Art, Größe und Branchenzugehörigkeit bei der Implementierung eines Energiemanagementsystems nach der ISO 50001 unterstützen.

Besonderes Augenmerk wird auf Unternehmen gelegt, die bereits gesetzlich dazu verpflichtet sind, ein Energieaudit durchzuführen. Für diese Unternehmen wird gezeigt, welche Schritte nötig sind, um zu einem Energiemanagementsystem zu gelangen, das den Anforderungen der ISO 50001:2018 genügt. Auch Unternehmen, die bereits ein Energiemanagementsystem betreiben und dieses auf die novellierte Norm umstellen müssen, spricht der Leitfaden an, in dem er die Neuerungen aufgreift und kenntlich macht. Für Unternehmen, die bislang wenig Erfahrungen im Energiemanagement haben, enthält der Leitfaden neben guten Argumenten einen „Probedurchlauf“. Damit können gerade auch kleinere Unternehmen mit überschaubarem Aufwand prüfen, ob sich ein Energiemanagementsystem für sie lohnt. Viele Praxisbeispiele und -tipps zeigen, wie Effizienzpotenziale identifiziert, bewertet und umgesetzt und damit einhergehende Kosteneinsparungen realisiert werden können. Nicht zuletzt gibt der Leitfaden auch solchen Unternehmen und Organisationen Hinweise, die aufbauend neben Energie auch andere Umweltaspekte, wie Wasser, Material oder Treibhausgasemissionen mit Hilfe eine EMAS-Umweltmanagementsystems in den Blick nehmen wollen.

 

Verpflichtende Energieaudits für Großunternehmen

Mit Umsetzung der europäischen Richtlinie 2012/27/EU im Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) wurden im Jahr 2015 erstmals rund 50.000 deutsche Großunternehmen dazu verpflichtet, ein Energieaudit durchzuführen. Das Energieaudit richtet sich nach den Anforderungen der Norm DIN EN 16247-1 und kann entweder durch fachkundige interne oder externe Personen durchgeführt werden. Als Alternative zum Energieaudit können verpflichtete Unternehmen ein Energiemanagementsystem nach der ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach der europäischen EMAS-Verordnung einführen. Das Zertifikat bzw. die EMAS-Registrierung dienen als Nachweis zur Erfüllung der gesetzlichen Pflicht. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ist für den Vollzug zuständig und stellt auf seiner Website Merkblätter zur Verfügung.

 

ISO 50001 und das Erneuerbare-Energien-Gesetz

Besondere Relevanz hat die Einführung eines Energiemanagementsystems für energieintensive Unternehmen. Auf der einen Seite besteht für sie das größte Potenzial für Energie- und Kosteneinsparungen. Auf der anderen Seite sind sie es, die momentan am meisten von Vergünstigungen profitieren können. So müssen energieintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die nach EMAS oder ISO 50001 zertifiziert sind, unter bestimmten Bedingungen nur eine stark begrenzte EEG-Umlage zahlen. Um die Vergünstigung der so genannten besonderen Ausgleichsregelung in Anspruch nehmen zu können, müssen die Unternehmen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Antrag stellen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat Merkblätter auf seiner Website veröffentlicht.

 

ISO 50001 und Spitzenausgleich

Auf Antrag bei der zuständigen Zollverwaltung können energieintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes ihre Strom- und Energiesteuerlast über den sog. Spitzenausgleich senken. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie im betreffenden Jahr ein Energiemanagementsystem nach der ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach der europäischen EMAS-Verordnung betreiben bzw. betrieben haben. Kleine und mittlere Unternehmen können auch ein alternatives System zur Verbesserung der Energieeffizienz betreiben. Weitere Informationen zu den Antragsvoraussetzungen, zum Antragsverfahren und der Nachweisführung stellt die Generalzolldirektion auf ihren Webseiten bereit.