Westantarktischer Eisschild bereits instabil?

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Schon heute ist ein deutlicher Gletscherschwund zu verzeichnen.
Quelle: Armin Rose / Fotolia.com

Neue wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die riesige Eismasse des Westantarktischen Eisschildes begonnen hat, unaufhaltsam ins Meer abzufließen. Über einen längeren Zeitraum würde dadurch der Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen.

Der Westantarktische Eisschild gehört zu den sogenannten Kipp-Elementen im Klimasystem: Ab einem bestimmten Kipp-Punkt, das ist eine bestimmte globale Erwärmung des Klimas, wird die gewaltige Eismasse instabil und fließt langsam ins Meer ab. Dieser Prozess ist nicht zu stoppen. Die Auswirkungen sind – wie das für Kipp-Punkte im Klimasystem charakteristisch ist – gravierend: Der globale Meeresspiegel steigt dadurch um über 3 Meter an. Wie schnell sich der Meeresspiegelanstieg vollzieht, ist noch unklar. Die Wissenschaft geht davon aus, dass dieser Prozess über mehrere Jahrhunderte den Wasserspiegel unaufhaltsam anhebt und Inseln und Küstenstädte bedroht.

Mehrere, kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die Westantarktis den Kipp-Punkt überschritten haben könnte. Mehr noch: Auch Teile des viel größeren Ostantarktischen Eisschildes könnten bei weiterem Fortschreiten der globalen Klimaerwärmung erheblich an Eismasse verlieren. Die Ostantarktis wurde lange Zeit als sehr stabil angesehen. Aber auch hier gibt es laut neuester Ergebnisse einen Kipp-Punkt. Bei welcher globalen Erwärmung der bodennahen Luft und des Ozeans dieser Kipp-Punkt erreicht wird, ist noch unbekannt. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass das Risiko der Instabilität von Teilen der Ostantarktis bei fortgesetztem Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre steigt.

Die jüngsten Forschungsergebnisse unterstreichen erneut, dass ein rascher und entscheidender Durchbruch bei der Senkung der weltweiten Treibhausgasemissionen von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Nur so kann das Risiko des Eintretens weiterer Kipp-Punkte im Klimasystem einschließlich der damit verbundenen gravierenden Folgen verringert werden.