IPCC-Bericht: Klimawandel verläuft schneller und folgenschwerer

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Die drohende Klimaerwärmung birgt für Mensch und Umwelt große Risiken.
Quelle: Julien Jandric / Fotolia.com

Der erste Teil des Sechsten Sachstandsberichtes des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Weltklimarat) wurde am 9. August 2021 veröffentlicht. Er fasst den wissenschaftlichen Sachstand zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, seinen Ursachen und dem Ausmaß zusammen. Die zentralen Ergebnisse im Überblick.

Der Bericht kommt zu dem Schluss: Die vom Menschen verursachten (anthropogenen) Treibhausgasemissionen sind eindeutig die Ursache für die bisherige und die weitere Erwärmung des Klimasystems. Zahlreiche ⁠Klimafolgen⁠ - einschließlich der Extremereignisse - sind schnell eingetreten und lassen sich direkt dem anthropogenen ⁠Treibhauseffekt⁠ zuordnen. Sie sind intensiver und häufiger geworden und werden dies auch in den kommenden Jahrzehnten weiterhin tun. Viele Veränderungen sind schneller eingetreten als es in den letzten 20.000 Jahren vorgekommen ist, insbesondere der globale Temperaturanstieg.

Der Anstieg der globalen mittleren Oberflächentemperatur (GST, „laufender Mittelwert“ über 20 Jahre) im Vergleich zum vorindustriellem Niveau wird wahrscheinlich Anfang der 2030er Jahre den Wert von 1,5°C erreichen, und zwar in allen untersuchten Emissions-Szenarien (SSP1-1.9 bis SSP3-7.0), im Hochemissions-⁠Szenario⁠ SSP5-8.5 sogar früher. Einzelne Jahre werden diesen Wert noch im aktuellen Jahrzehnt überschreiten. In allen fünf Szenarien steigt die GST im Vergleich zum vorindustriellen Niveau bis mindestens 2050 weiter an (auf 1,6°C bis 2,4°C). Im SSP1-1.9 sinkt die GST bis 2100 wieder ab auf 1,4°C, in allen anderen Szenarien steigt sie bis 2100 weiter an (auf 1,8°C bis 4,4°C). Die GST-Angaben sind „best estimates“ für die einzelnen Szenarien, die Angabe der Spannbreiten sind in der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) nachlesbar. Viele weitere Details finden sich in der „Technischen Zusammenfassung“. Sämtliche Informationen stehen im vollständigen Teilbericht, der 3932 Seiten umfasst.

Trotz der schnelleren Erwärmung sind die verbleibenden ⁠CO2⁠-Budgets im Vergleich zum IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5) aufgrund methodischer Verbesserungen annähernd unverändert (unter Berücksichtigung der Emissionen zwischen 2015 und 2020). Um einen GST-Anstieg von insgesamt 1,7 °C mit 67%-iger Wahrscheinlichkeit zu vermeiden, verbleibt ab 01.01.2020 ein globales CO2-Budget von 700 Gt CO2. Für eine Begrenzung des GST-Anstiegs auf 1,5°C gegenüber vorindustriellem Niveau wären es nur noch 400 Gt CO2. (Zum Vergleich: 2019 hat die Menschheit CO2-Emissionen von insgesamt 43 Gt verursacht.)

Weitere Informationen zum IPCC-Bericht

Vom 26. Juli bis 6. August 2021 fand erstmals in virtuellem Format die 54. Plenarsitzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Verabschiedung des Berichts der Arbeitsgruppe 1 (WG1) des 6. Sachstandsberichts „Climate Change 2021: The Physical Science Basis“. Entsprechend der IPCC-Regeln verabschiedete das Plenum die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policy Makers – SPM) Satz für Satz und nahm den zugrundeliegenden Gesamtbericht im Ganzen an. Der erste Teilbericht fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimasystems zusammen.
An der Erstellung des umfangreichen ersten Teilberichts waren 234 Autor*innen beteiligt. Im Februar und März 2022 erscheinen zwei weitere Teilberichte des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts. Diese informieren im Bericht der Arbeitsgruppe 2 über den weltweiten Kenntnisstand zu Risiken und Folgen des Klimawandels für Menschen und Ökosysteme, Möglichkeiten zur ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ und im Bericht der Arbeitsgruppe 3 über die Möglichkeiten zur Minderung des Klimawandels.