Baden in der Natur

Der Rursee in der Eifelzum Vergrößern anklicken
Ncht jeder Fluss und jeder See ist zum Schwimmen geeignet
Quelle: John Smith / Fotolia

See statt Schwimmbad, Baden ohne Technik und Chemie – doch nicht jeder Fluss und jeder See ist zum Schwimmen geeignet. Strömungen, Untiefen und Pflanzenbewuchs können zu Unfällen führen, Krankheitserreger oder Cyanobakterien zum Gesundheitsrisiko werden.

Cyanobakterien (umgangssprachlich Blaualgen)

Wenn Sie in knietiefem, blaugrünem Wasser Ihre Zehen nicht mehr sehen, sollten Sie dort nicht baden, da dann zu viele Cyanobakterien im Wasser sind. Cyanobakterien können vielerlei Beschwerden verursachen: manche reizen die Haut, andere produzieren Gifte und können gefährlich werden, wenn sehr viel der „grünen Brühe“ verschluckt wird. Recht häufig enthalten Cyanobakterien Lebergifte, die über einen längeren Zeitraum und in hohen Konzentrationen aufgenommen, zu Leberschäden führen können.

Cyanobakterien als Aufwuchs

Cyanobakterien können nicht nur im Wasser schwebend (als sogenanntes Plankton) vorkommen, sondern auch als Schicht auf Oberflächen wachsen (Aufwuchs) – d.h. auf Sedimenten, Bauteilen von Stegen, Steinen, Unterwasserpflanzen. In Deutschland sind am Tegeler See in Berlin nun aktuell (Juni 2017) erstmals  toxische Cyanobakterien im Bereich von Wasserpflanzen  beobachtet worden . In dem Maße, in dem Gewässer - wieder klarer werden, nehmen auch Unterwasserpflanzen wieder zu. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung - für den Naturschutz, denn die Artenvielfalt nimmt wieder zu und die Gewässer nähern sich stärker ihrem natürlichen  Zustand. Aber auch für die Nutzung durch den Menschen, zum Beispiel zur Trinkwassergewinnung und zum Baden. Denn im klaren, nährstoffarmen Wasser sind kaum planktische Cyanobakterien.  Allerdings können sie verstärkt als Aufwuchs vorkommen, vor allemauf Unterwasserpflanzen. Dies zeigt das Beispiel am Tegeler See. Bislang ist noch unklar, ob toxische Aufwuchs-Cyanobakterien auch an anderen Badegewässern in Deutschland vorkommen. Dies zu klären ist nunmehr Forschungsaufgabe.

Situation am Tegeler See (Stand 15.06.2017)
Der Tegeler See in Berlin ist nach jahrelanger Sanierung wunderbar klar und hat keine "Blaualgenblüten" mehr. Dadurch, dass nun mehr Licht durchkommt, kann sich jetzt aber offensichtlich eine Cyanobakterienart verbreiten, die nicht primär planktisch (also suspendiert im Wasser) lebt, sondern als Aufwuchs auf Flächen - auch auf Wasserpflanzen. Sie produziert ein Nervengift - Anatoxin-a (ATX) -  das in angeschwemmten Klumpen an Quellmoos in erheblicher Konzentration enthalten ist und teilweise auch in den Mägen der verendeten Hunde gefunden wurde. Veterinäre halten es für sehr wahrscheinlich, dass dies die Ursache des Hundesterbens war.

Im freien Wasser – auch unweit solcher Quellmoos-Anschwemmungen ist die Konzentration an Anatoxin-a sehr niedrig.  

Da Menschen nicht Schilf und Quellmoos zu sich nehmen so wie die Hunde sieht  das UBA kein gesundheitliches Risiko für die Badenden, sofern man sich von Arealen mit angeschwemmtem Material fern hält und Wasserschlucken vermeidet. 

Aktuelle Informationen beim LaGeSo Berlin

Belastung mit Bakterien

Schlechte Wasserqualität zum Beispiel durch Einleitung von geklärten Abwässern, bei der auch Krankheitserreger im Wasser auftreten, kann man als Badender nicht „mit bloßem Auge" erkennen. Hinweise auf Verschmutzungen können aber sein:

  • sichtbare Einleitungen von Abwasser oder Regenwasser
  • landwirtschaftliche Nutzung (Viehhaltung, Gülleausbringung) in direkter Badegewässernähe
  • große Anzahl von Wasservögeln auf dem Badegewässer
  • sichtbare Verschmutzung am Ufer eines Badegewässers z. B. größere Mengen an Hunde-oder Vogelkot – Entenfutterstellen eignen sich nicht zum Baden!

Informieren Sie sich über die Wasserqualität im Internet und nutzen Sie Badegewässer mit ausgewiesener Qualität. Hierfür werden regelmäßig Wasserproben genommen und auf zwei Indikatorbakterien für eine fäkale Verschmutzung untersucht: Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Die aktuellen Ergebnisse der Untersuchungen können für jedes Badegewässer online auf den Internetseiten der Bundesländer eingesehen werden. Eine Übersicht gibt es unter http://www.uba.de/wasserqualitaet-in-badegewaessern.
Krankheitserreger können unter anderem zu Durchfallerkrankungen oder Augen- und Ohreninfektionen führen. Bei zu hohen Belastungen gibt es ein Badeverbot.

Europäische Badegewässer – Grenzenlose Überwachung der Wasserqualität

In Europa wird die Qualität des Wassers in Badegewässern nach gemeinsamen Vorgaben überwacht. Aus den Messergebnissen von vier Jahren wird die Einstufung der Wasserqualität berechnet. Über die Wasserqualität informieren europaweit einheitliche Symbole, die gut sichtbar am Badegewässer ausgehängt werden. Die Ergebnisse der vorangegangenen Badesaison für jedes Badegewässer in Europa gibt es hier: http://www.eea.europa.eu/themes/water/status-and-monitoring/state-of-bathing-water.

Blaue Flagge – hier ist nicht nur das Wasser sauber

Für Deutschland vergibt die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) alljährlich die „Blaue Flagge“ als Umweltauszeichnung an Badestellen, die neben einer ausgezeichneten Wasserqualität auch Anforderungen hinsichtlich des Umweltmanagements, der Umweltkommunikation, Strand-Service und Sicherheit erfüllen.

Bewertet werden unter anderem

  • umweltgerechte Abfallentsorgung
  • Sanitäreinrichtungen
  • Sicherheitseinrichtungen und
  • die Aufklärung von Touristen und Einwohnern zu umweltgerechtem Verhalten

Badedermatitis: Kleine Tiere – große Wirkung

Wenn man vom Baden mit einem juckenden Hautausschlag zurückkommt, waren möglicherweise Zerkarien am Werk. Zerkarien sind winzige Larven von Saugwürmern, die eigentlich Wasservögel befallen aber manchmal auch versuchen in die Haut von Menschen einzudringen. Die Zerkarien sterben in der Haut ab, lösen aber Hautreaktionen aus, die bei Erstkontakt zu kleinen roten Pusteln und bei mehrmaligem Kontakt auch zu größeren juckenden Quaddeln, die ein bis zwei Wochen anhalten, führen können.

Badende können den Kontakt mit Zerkarien verringern, indem sie flache Uferbereiche mit Pflanzen meiden, nach dem Baden die Kleidung wechseln und sich mit einem Handtuch kräftig abtrocknen. Ganz vermeiden lässt sich der Kontakt bei starkem Befall in einem Badegewässer aber nicht. Bitte informieren Sie die zuständige Überwachungsbehörde.

Unfällen vorbeugen

  • Kinder, die noch nicht gut schwimmen können, jederzeit im Auge behalten.
  • Das Seepferdchen-Abzeichen ist nicht ausreichend für eigenständige Wasseraktivitäten. Erst ab dem Jugendschwimmabzeichen Bronze (früher Freischwimmer genannt) sind Kinder einigermaßen geübte Schwimmer.
  • Ältere Personen sollten sich nicht überanstrengen
  • Viele ältere Personen sind keine geübten Schwimmer und können an unerkannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Die Anzahl der Todesfälle bei Älteren nimmt seit einigen Jahren zu, vermutlich häufig in Folge von Selbstüberschätzung.
  • Niemals in unbekannte Gewässer springen
  • Untiefen können beim Sprung ins unbekannte Gewässer zu schweren Verletzungen (Knochenbrüchen, Querschnittslähmung) oder Tod führen.
  • Strömungen beachten
  • Auch geübte Schwimmer können durch starke Strömungen abgetrieben werden. Warnungen vor starken Strömungen oder Sturm unbedingt ernst nehmen.
  • Nicht durch Unterwasserpflanzen erschrecken lassen
  • Unterwasserpflanzen können sich beim Schwimmen in den Beinen verfangen. Dann gilt es Ruhe zu bewahren und sich einfach wieder davon zu befreien. Es gibt keine Unterwasserschlingpflanzen, die den Schwimmer aktiv einwickeln und ins Wasser ziehen.
  • Niemals nach Alkoholkonsum an Wasseraktivitäten teilnehmen
  • Hoher Alkoholkonsum ist oft die Ursache für tödliche Badeunfälle, da es hierdurch zu einer Überschätzung der Kräfte und zu einer schnelleren Auskühlung kommt.
  • Nicht bei Gewitter baden
  • Im Wasser besteht die Gefahr, durch Blitzschlag zu sterben.

 

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