Nr.: 48Newsletter Klimafolgen und Anpassung

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, entwickeln immer mehr Städte und Regionen Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel. Wie unterschiedlich dabei die Herangehensweise, das Verfahren und die politische Verankerung sein kann, zeigt unser aktueller Schwerpunktartikel anhand der Beispiele Berlin und München auf.

Bitte merken Sie sich den 27. und 28. Juni 2017 vor: auf dem Nationalen Dialog Gemeinsam sind wir klimaresilient möchten wir mit Ihnen darüber diskutieren, wie Beteiligung zu Klimaanpassung in Städten und Regionen gelingt.

Eine interessante Lektüre wünscht das KomPass-Team im Umweltbundesamt

Schwerpunktartikel

Kommunale Konzepte zur Klimaanpassung: Was Städte und Regionen von Berlin und München lernen können

Das Bild zeigt das Stadtpanorama von Berlin

Kommunale Konzepte zur Klimaanpassung
Quelle: melancholiaphotography

Mit Berlin und München haben im vergangenen Jahr die größte und die drittgrößte Stadt Deutschlands Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel veröffentlicht. Beide Städte rechnen in Zukunft mit ähnlichen Trends: einer steigenden Durchschnittstemperatur, mehr Hitzetagen, einer Veränderung von Niederschlagsmustern sowie einer Zunahme von lokalen Starkregenereignissen. Doch wie die Städte mit diesen Herausforderungen umzugehen planen, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Auch zeigt sich, dass sie in unterschiedlichem Maße Akteure aus den Städten bei der Erstellung der Konzepte beteiligt haben. Diese Unterschiede betrachtet der Artikel und zeigt darüber hinaus, wie die Städte ihre Aktivitäten auf der politischen Agenda verankert haben und welche Mittel für die Umsetzung der Anpassungsmaßnahmen bereitgestellt werden. Aus dem Vergleich beider Ansätze lassen sich Empfehlungen für zukünftiges Anpassungshandeln in weiteren Städten und Regionen ableiten. Weiterlesen

KomPass – In eigener Sache

Leitfaden für Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalysen

Wie verletzlich sind wir gegenüber den Folgen des Klimawandels? Um hierauf systematisch Antworten zu finden, etablieren sich neue Methoden: Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalysen. Ein Leitfaden gibt nun Empfehlungen für die Durchführung und stellt die einzelnen Arbeitsschritte übersichtlich dar. Er beruht auf dem Ansatz der ersten gesamtdeutschen Studie „Vulnerabilität Deutschlands gegenüber dem Klimawandel“. Kernzielgruppen des Leitfadens sind Bundes- und Landesbehörden.

UBA-Bericht: Anpassung an den Klimawandel erfolgreich fördern

Ein Forschungsvorhaben des UBA hat Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel untersucht, die durch mehrere Finanzierungsprogramme gefördert wurden. Sechs Erfolgsfaktoren wurden so identifiziert: Kontinuität, Praxisbezug, Anschlussfähigkeit, Mainstreaming, Förderkonditionen und Unterstützung. Die recherchierten Maßnahmen sind alle in der Tatenbank des Umweltbundesamtes einsehbar. Weiterhin gibt der Bericht einen Einblick in die Konzeption und Umsetzung des Wettbewerbs Blauer Kompass.

UBA-Bericht: Mit Satellitendaten Indikatoren für Klimaanpassung weiterentwickeln

Das Umweltbundesamt hat getestet, inwieweit sich das Indikatorensystem zur Deutschen Anpassungsstrategie mit Satellitendaten weiterentwickeln lässt. Diese können vor allem zur differenzierten Landnutzungserfassung operationalisierbare Ansätze liefern, so die Ergebnisse. Zudem wurden Empfehlungen erarbeitet, wie das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus hinsichtlich eines nationalen Umweltmonitorings weiterentwickelt werden kann.

Save the Date: Nationaler Dialog „Gemeinsam sind wir klimaresilient“, 27.-28. Juni 2017, Dessau

Wie gelingen Beteiligungsprozesse, in denen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Wirtschaftsakteuren kommunale oder regionale Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt werden? KomPass lädt zur Diskussion dieser Frage insbesondere Vertreterinnen und Vertreter aus der Verwaltung und Planung sowie der organisierten Zivilgesellschaft ein, gute Beispiele von Beteiligung kennenzulernen, Erfahrungen einzubringen und gemeinsam Faktoren für erfolgreiche Beteiligung zu diskutieren.

Anpassungspolitik – Neues aus Bund, Ländern und Kommunen

Bundeskonzept Grüne Infrastruktur in Deutschland

Der Erhalt und die Verbesserung von Ökosystemen und ihren Leistungen sind für die Gesellschaft unverzichtbar. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nennt natürliche Flächen, die etwa für Wasserrückhalt, Hochwasserschutz, Luftreinhaltung oder Klimaausgleich sorgen, „grüne Infrastruktur“. Mit einem neuen Konzept verfolgt das BfN das Ziel, mehr Bewusstsein für die Leistungen der Natur zu schaffen und eine Grundlage bereitzustellen, um diese Leistungen bei Planungen des Bundes besser zu berücksichtigen.

Bayerische Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht

In seiner aktualisierten Strategie zeigt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz anhand aktueller Klimaprojektionen die beobachteten und zukünftig erwarteten Klimaänderungen für Bayern und stellt regionale Folgen sowie Anpassungsmaßnahmen für 15 klimaempfindliche Handlungsfelder vor. Bereits im Jahr 2009 hatte Bayern eine der ersten Klimaanpassungsstrategien auf Länderebene entwickelt.

Hessen: Landesregierung beschließt integrierten Klimaschutzplan

Als erstes Bundesland hat Hessen einen Klimaschutzplan beschlossen, der Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gemeinsam betrachtet. Unter den 140 Maßnahmen des integrierten Plans befinden sich eine Reihe prioritärer Maßnahmen, die bis zum Jahr 2019 angestoßen werden. Die fachliche Erarbeitung wurde durch ein Beteiligungsverfahren ergänzt und inhaltlich angereichert.

Hochwasserschutz am Niederrhein: Überflutungsfläche für Region Duisburg

Das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund bauen den Hochwasserschutz am Niederrhein aus. In der Verbundmaßnahme Monheim-Mündelheim-Orsoy werden durch Deichrückverlegungen insgesamt 480 Hektar an zusätzlicher Überflutungsfläche für den Fall eines Rhein-Hochwassers geschaffen. Stromabwärts profitieren davon mehr als 600.000 Menschen in der Niederrhein-Region. Die Hauptbauarbeiten sollen bis 2021 abgeschlossen sein.

Aus Forschung und Praxis

Regional

Klimareport: Schleswig-Holstein wird wärmer und nasser

Der Klimawandel ist in Schleswig-Holstein festzustellen und wird sich künftig weiter auf das Land auswirken, so der Klimareport Schleswig-Holstein des Deutschen Wetterdienstes und des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, der die Entwicklung des Klimas und seine Extreme über lange Zeiträume beschreibt. Demnach ist es in Deutschlands nördlichstem Bundesland seit 1881 um 1,3 Celsius wärmer geworden und die Niederschlagsmenge hat zugenommen. Der Meeresspiegel stieg in den vergangenen 100 Jahren um etwa 20 Zentimeter in der Deutschen Bucht und um etwa 14 Zentimeter an der deutschen Ostseeküste.

National

DWD: Hitzewarnsystem jetzt speziell für Städter, ältere und erkrankte Menschen

Hitzetage werden mit dem Klimawandel häufiger. Das kann zu gesundheitlichen Problemen wie Hitzschlag, Sonnenstich oder Kollaps führen, besonders bei älteren Menschen. Der Deutsche Wetterdienst hat sein Hitzewarnsystem verändert und setzt nun auf mehrgleisige Kommunikation. Tausende von Pflegeheimen, Altenheimen und Krankenhäusern werden direkt informiert. Über Warnnewsletter und Apps kann sich die Bevölkerung informieren. Auch sollen Ärzte und Apotheker stärker eingebunden werden, um Patienten und Kunden zu beraten.

Praxisratgeber Klimagerechtes Bauen: Schutz gegen Extremwetterereignisse

Der Praxisratgeber „Klimagerechtes Bauen“ des Deutschen Instituts für Urbanistik zeigt, wie sich Hausbesitzer gegen extreme Wetterphänomene wappnen können. Er beschreibt Präventionsmaßnahmen und zeigt anhand von Fotos, Grafiken und Karten, wie Schäden möglichst geringgehalten werden können. Der Ratgeber richtet sich sowohl an jede Privateigentümerin und jeden Mieter als auch an Kommunen, die ihre Bürgerinnen und Bürger über mögliche Gefahren und Lösungen informieren wollen.

Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel

In Deutschland hat seit 1980 der Bestand wärmeliebender Arten zugenommen. Dies zeigt die bisher umfassendste Studie zu diesem Thema quer durch alle Ökosysteme unter Leitung des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums. Am stärksten haben sich wärmeliebende Vögel, Schmetterlinge, Bodenorganismen und Flechten ausgebreitet. Die Studie belegt, dass die Temperaturveränderung direkt das Wohl von Arten beeinflusst. Im Gegensatz dazu sieht die Studie den Landnutzungswandel seit 1980 als weniger ausschlaggebenden Grund für die Bestandsentwicklung.

Online-Tool zu experimentellen dekadischen Klimavorhersagen

Eine neue Webseite stellt die aktuelle dekadische Vorhersage der bodennahen Temperatur für 2017-2026 für die gesamte Erde sowie detaillierter für einen Ausschnitt des Nordatlantiks dar. Interessierte haben die Möglichkeit, die Daten interaktiv zu erkunden. Dekadische Klimavorhersagen decken die Zeitskala der nächsten ein bis zehn Jahre ab. Sie schließen die Lücke zwischen kurzfristigen Wettervorhersagen, saisonalen Klimavorhersagen und langfristigen Klimaprojektionen. Die Plattform wurde vom MiKlip-Projekt mit Förderung des Bundesforschungsministeriums erstellt.

Neue Plattform für Erdbeobachtungsdaten des Copernicus-Programms

Das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union „Copernicus“ dient dem dauerhaften Monitoring der Erde mit ihren zahlreichen Ökosystemen. Es soll dazu beitragen, sich besser auf natürliche oder anthropogene Katastrophen vorbereiten zu können. Mit der Copernicus Data and Exploitation Platform Deutschland (CODE-DE) gibt es nun einen nationalen Zugang zu den Satellitendaten und Informationsprodukten der Copernicus-Dienste. Interessenten können sich kostenfrei für die Nutzung registrieren.

Global

Befragung zeigt breite Unterstützung für Klimaschutz und erneuerbare Energien in Europa

Eine ländervergleichende Studie zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen mit großer Mehrheit von der Existenz des Klimawandels überzeugt sind und erneuerbare Energien unterstützen. In einer repräsentativen Befragung hatten sich im vergangenen Jahr jeweils rund 1000 Personen in den vier europäischen Ländern zu den Themen Klimawandel und Energiepolitik geäußert. In jedem der Länder gaben rund 60 Prozent der Befragten an, dass die Folgen des Klimawandels bereits spürbar seien.

Studie: Weniger Schnee in den Alpen

Auf den Schnee mussten die Alpen im letzten Winter lange warten. Nackte Pisten könnte es in der Zukunft häufiger geben, zeigt nun eine Studie der European Geosciences Union im Journal „The Cryosphere“. Der Schneefall in den Alpen könnte der Untersuchung zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 70 Prozent abnehmen. Die Skisaison beginnt zukünftig möglicherweise einen halben bis einen Monat später und Schneegarantie könnte es nur noch über 2500 Meter geben.

Österreich unterstützt Gemeinden bei Klimawandelanpassung

Die Webseite „Ihre Gemeinde im Klimawandel“ sowie das Handbuch „Klimawandelanpassung umsetzen – Lebensqualität erhöhen“ unterstützen Gemeinden in Österreich dabei, die Folgen des Klimawandels einzuschätzen und passende lokale Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren. Sie sind die Kernergebnisse des Projekts CC-ACT. Zu den Zielgruppen gehören neben Gemeinden auch Multiplikatoren, die bereits langjährige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Gemeinden haben, wie etwa Leader, LA 21, Klima- und Energiemodellregionen, Klimabündnis, Regionalmanagerinnen und Regionalmanager.

Veröffentlichungen

Deutschsprachig

Ambrosia und Co.: UBA-Forschungsvorhaben zu Allergien und Klimawandel

Ein UBA-Forschungsvorhaben hat untersucht, welche gesundheitliche Bedeutung allergene Pflanzen wie z.B. Ambrosia oder Olive haben, die sich durch den Klimawandel in Deutschland verstärkt ausbreiten könnten. Dazu wurden allergische Patienten aus zwei Bundesländern mit unterschiedlichem Regionalklima auf Sensibilisierungen gegen Ambrosia, Olive, Birke, Beifuß und Esche untersucht. Die Ergebnisse tragen zum Aufbau eines Monitoringsystems bei, das klimawandelbedingte Veränderungen von Pollen-Allergien frühzeitig erfassen soll.

Literaturstudie: Wie der Klimawandel terrestrische Wassersysteme in Deutschland beeinflusst

Das Climate Service Center hat 29 Studien aus der Berichtsperiode zum Fünften IPCC-Sachstandsbericht hinsichtlich der Folgen des Klimawandels für die terrestrischen Wassersysteme in Deutschland ausgewertet. Der Bericht betrachtet historische Aufzeichnungen und Beobachtungen, präsentiert projizierte Trends bezogen auf Wasserverfügbarkeit und Wasserqualität und diskutiert deren Aussagegrenzen sowie Folgen für ausgewählte Akteure.

Buch: Unsicherheit und Komplexität in Planungsprozessen

Was bedeutet der Klimawandel für die Rolle von Planern? Christian Wilhelm Lamker von der TU Dortmund präsentiert in seinem Buch planungstheoretische Perspektiven auf Regionalplanung und Klimaanpassung. Er zeichnet Rollenverständnisse nach und fügt sie in einem Prozessmodell zusammen. Dieses wird zur empirischen Überprüfung auf die Aufstellung des neuen Regionalplans Ruhr durch den Regionalverband Ruhr angewendet. Der Band bietet eine Grundlage zur Reflexion, Selbstreflexion und Verbesserung eigenen planerischen Handelns.

Bericht: Brennpunkt Klima Schweiz

Was sind die relevanten Ergebnisse des Fünften IPCC-Sachstandsberichtes für die Schweiz? Mehr als 70 Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beantworten dies im Bericht „Brennpunkt Klima Schweiz“. Sie zeigen darin, welche Handlungsfelder sich aus den Folgen des Klimawandels für Infrastrukturen, Städte und Siedlungen, Wälder und Felder sowie Wasserressourcen ergeben.

Englischsprachig

EEA-Report: Finanzierung urbaner Klimaanpassung

Die Europäische Umweltagentur präsentiert in ihrem Bericht „Financing urban adaptation to climate change” wie innovative Ansätze wie Green Bonds oder Crowdfunding die herkömmliche Finanzierung von Maßnahmen zur Klimaanpassung ergänzen. Der Bericht präsentiert Fallstudien aus elf europäischen Städten, etwa zu den Themen Hochwasserschutz, Stadtgrün oder Gründächer. Der Report soll Projektentwicklern als Handreichung zur Finanzierungsplanung dienen.

Fachartikel: Klimawandel und Resilienz im globalen Süden

Wissenschaftlerinnen der kanadischen University of Waterloo haben untersucht, wie im globalen Süden Klimaanpassung und Resilienz behandelt werden. Hierfür haben sie 224 Klimaanpassungsstrategien aus Afrika, Asien und Lateinamerika auf Basis von neun Prinzipien analysiert, die sie aus der Literatur über Resilienz entwickelt haben. Ihr Artikel „Understanding climate change and resilience: assessing strengths and opportunities for adaptation in the Global South” ist im Journal „Climatic Change” erschienen.

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Der Newsletter Klimafolgen und Anpassung ist ein Informationsdienst des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt. Vervielfältigung mit Angabe der Quelle ist erwünscht. Bitte leiten Sie diesen Newsletter an interessierte Personen weiter.

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REDAKTION
Kirsten Sander und Petra Mahrenholz

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