GE-I-3: Belastung mit Ambrosiapollen

Das Bild zeigt die Großaufnahme einer blühenden Ambrosiapflanze.zum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel begünstigt Ausbreitung und Etablierung hoch allergener Arten wir der Beifuß-Ambrosie
Quelle: Elenathewise / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

GE-I-3: Belastung mit Ambrosiapollen

Die Ausbreitung und Etablierung der Beifuß-Ambrosie wird vermutlich durch den Klimawandel begünstigt. Noch zeigen die Ergebnisse der Pollenmessungen aber keine signifikanten Trends.

Die Linien-Grafik zeigt seit 2006 die mittlere Ambrosia-Pollensumme differenziert nach den Regionen Mitte, West, Süd und Nord und für Deutschland gesamt. Die Kurven verlaufen nahezu parallel. Besonders hoch waren die Werte in 2014. Signifikante Trends konnten nicht ermittelt werden.
GE-I-3: Belastung mit Ambrosiapollen

Die Linien-Grafik zeigt seit 2006 die mittlere Ambrosia-Pollensumme differenziert nach den Regionen Mitte, West, Süd und Nord und für Deutschland gesamt. Die Kurven verlaufen nahezu parallel. Besonders hoch waren die Werte in 2014. Signifikante Trends konnten nicht ermittelt werden.

Quelle: Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (Pollenfallen)
 

Allergene Pflanzen gewinnen an Boden

In Deutschland leiden rund 15 % der Erwachsenen mindestens einmal in ihrem Leben (Lebenszeitprävalenz) an Heuschnupfen und 9 % an Asthma bronchiale. Allergene Pollen sind Hauptauslöser von Heuschnupfen, und mehrere klinische Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten luftgetragener Pollen und dem Vorkommen von Heuschnupfen. Das Pollenauftreten wiederum ist stark von der Witterung bzw. dem Klima beeinflusst. Ein insgesamt milderes Klima mit einer längeren Vegetationsperiode begünstigt längere Pollenflugzeiten und höhere Pollenkonzentrationen. Möglicherweise nimmt auch die Allergenität von Pollenallergenen mit höheren Temperaturen zu. Wird es wärmer, können außerdem wärmeliebende Pflanzenarten, die bisher in Deutschland nicht heimisch waren, einwandern, darunter auch Pflanzen mit hohem allergenen Potenzial.

Das aus Nordamerika stammende Beifußblättrige Traubenkraut, kurz Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), war in Deutschland lange ein relativ seltenes und unbeständiges Unkraut. Erst seit Anfang der 1990er Jahre nehmen die Bestände zu. Heute kommt die Beifuß-Ambrosie in allen Bundesländern vor und bildet vor allem in Süd- und Ostdeutschland örtlich auch schon größere, etablierte Bestände mit vielen tausend Pflanzen. Die Pflanze wächst in Gärten, auf nicht genutzten oder brach gefallenen Flächen, Äckern und Schnittblumenfeldern, landwirtschaftlichen Stilllegungsflächen, Baustellen sowie an Straßen- und Wegrändern. Ursache der Ausbreitung der Art sind unter anderem die Einfuhr von Vogelfutter oder von Wildacker- oder Blumensaaten, die mit Ambrosiasamen verunreinigt sind, sowie der Transport von Erde aus befallenen Gebieten im Zuge von Baumaßnahmen oder das Anhaften an landwirtschaftlichen Maschinen oder an Mähgeräten, die an Straßenrändern eingesetzt werden. Zur Begrenzung der Verunreinigung von Futtermitteln mit Ambrosiasamen ist im Jahr 2011 eine EU-Verordnung in Kraft getreten.

Dass sich die Ambrosie in Deutschland ausbreiten und etablieren kann, wird aber in erheblichem Maße auch mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht, denn die einjährige Pflanze erreicht die zur Verbreitung erforderliche Samenreife nur in warmen oder gemäßigten Klimaten mit milden Herbstmonaten. Ein systematischer wissenschaftlicher Nachweis für diesen Zusammenhang konnte allerdings noch nicht geführt werden. Ähnliche Befürchtungen zur Ausbreitung und Etablierung gibt es für weitere hoch allergene wärmeliebende Pflanzen wie das Glaskraut (Parietaria officinalis, P. judaica) oder den Olivenbaum (Olea europaea).

Die Pollen der Beifuß-Ambrosie gelten als hoch allergen. Bei sensibilisierten Personen können bereits geringe Pollenkonzentrationen, d. h. rund zehn Pollen pro Kubikmeter Luft, einen Heuschnupfen und bei bis zu einem Viertel der betroffenen Allergikerinnen und Allergiker auch Asthma auslösen. Ferner wird von Hautreaktionen nach Hautkontakten mit dem Blütenstand oder anderen Pflanzenbestandteilen berichtet. Hinzu kommt, dass sich mit der Verbreitung der Beifuß-Ambrosie die Flugzeit allergener Pollen im Jahr bis Ende Oktober verlängert, da die Pflanze zu den Spätblühern zählt. Das bedeutet eine zusätzliche Belastung für entsprechend sensibilisierte Allergikerinnen und Allergiker durch die Verlängerung bzw. Spreizung der Pollenflugzeiten und damit der Beschwerdezeit.

Die derzeitigen Pollenkonzentrationen der Beifuß-Ambrosie in Deutschland sind im Mittel zwar noch gering, allerdings regional sehr unterschiedlich. Zudem können Ferntransporte aus stärker belasteten Nachbarländern in einigen Gebieten zu besonders starkem Pollenauftreten führen. Trendaussagen zur Entwicklung der in Deutschland gemessenen Pollensummen sind auf Grundlage der noch relativ kurzen Zeitreihe mit Unsicherheiten behaftet. Auch bezüglich der Belastungssituation in den vier Hauptregionen Nord, West, Mitte und Süd zeichnet sich noch kein klares Muster ab. Die deutschlandweit hohe Belastung mit Ambrosia-Pollen im Jahr 2014 wurde verursacht durch einen langanhaltenden Fernflug von Pollen aus der ungarischen Tiefebene während der Blütezeit der Beifuß-Ambrosie. Besonders stark verbreitet ist die Beifuß-Ambrosie in Ungarn und umgebenden Ländern, insbesondere Slowakei, Rumänien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien; von diesen Ländern können die sogenannten „Fernflüge“ der Pollen ausgehen.

Die gemessene Pollensumme erlaubt keine gesicherten Rückschlüsse auf das Risiko der Bevölkerung, tatsächlich mit den Pollen in Kontakt zu kommen oder eine Sensibilisierung oder allergische Reaktionen zu entwickeln. Dennoch sollte aus Gründen der Vorsorge unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit alles getan werden, um die weitere Ausbreitung der Pflanze in Deutschland zu unterbinden.

 

Schnittstellen

GE-R-3: Informationen zu Pollen

 

Ziele

Prüfung von Maßnahmen zur Eindämmung der Aus¬breitung der Beifuß-Ambrosie durch Bund und Länder (DAS, Kap. 3.2.1)

Deutschland so weit wie möglich von Vorkommen der Art freihalten (Aktionsprogramm Ambrosia des Julius Kühn-Instituts – durchgeführt seit 2007)