FW-R-6: Forstliche Information zum Thema Anpassung

Das Bild zeigt einen Mann in einem Mischwald stehen, der auf einem Papier Aufzeichnungen macht. zum Vergrößern anklicken
Für ihren Beitrag zum klimagerechten Waldumbau benötigen Privatwaldbesitzende fachliche Beratung.
Quelle: Robert Crum / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-R-6: Forstliche Information zum Thema Anpassung

Über Form, Umfang und Intensität der forstlichen Beratung lassen sich bundesweit keine gebündelten Informationen abrufen. In einer groben Annäherung bildet die zunehmende Anzahl von Artikeln, die in der viel gelesenen praxisnahen Forstzeitschrift „AFZ DerWald“ zum Thema Klimawandel veröffentlich werden, die Intensität der diesbezüglichen Fachdiskussion ab.

Die Säulengrafik zeigt die Anzahl der Artikel zum Thema Klimawandel in der Forstzeitschrift "AFZ - DerWald" von 2002 bis 2017. Die Zeitreihe zeigt einen quadratisch abnehmenden Trend. Bis 2011 ist die Anzahl mit einem kleineren Einbruch 2009 und 2010 angestiegen, bis 2015 wieder zurückgegangen, danach wieder angestiegen. Am meisten Artikel gab es in 2017.
FW-R-6: Forstliche Information zum Thema Anpassung
Quelle: Thünen-Institut für Waldökosysteme (Auswertungen der Zeitschrift AFZ - DerWald)
 

Forstliche Information zum Thema Anpassung

Die Waldwirtschaft steht in Anbetracht des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten vor immensen Herausforderungen. Im Zusammenhang mit der Anpassung der Wälder stellen sich viele praxisnahe Entwicklungs- und Managementfragen, die u. a. die Baumartenwahl, die Technik des Waldumbaus und geeignete Maßnahmen der zielgerichteten Waldpflege betreffen. Handlungsbedarf besteht dabei nicht nur im Staats- und Körperschaftswald, sondern ebenso auch im Privatwald, denn dieser bedeckt in Deutschland immerhin rund 48 % der gesamten Waldfläche33.

Privatwaldbesitzer sind häufig Kleinwaldbesitzerinnen und -besitzer, die im Durchschnitt über eine Waldfläche von weniger als 10 Hektar verfügen. Sie haben ihren beruflichen Schwerpunkt überwiegend außerhalb der Forstwirtschaft und bewirtschaften ihre Wälder nach sehr individuellen und unterschiedlichen Zielvorstellungen. Der wirtschaftliche Anreiz, sich forstwirtschaftlich zu engagieren und entsprechendes Wissen anzueignen, ist in vielen Fällen eher gering. Für die Pflege und Entwicklung der Wälder sind das ungünstige Bedingungen, die sich mit dem demographischen Wandel und dem Strukturwandel in ländlichen Räumen künftig aller Voraussicht nach eher noch verschärfen werden34.

Der forstlichen Beratung der Privatwaldbesitzenden kommt vor diesem Hintergrund eine bedeutende Rolle zu. Sie muss die Voraussetzungen schaffen, dass auch die Bewirtschaftung des Privatwalds einen Beitrag zur Anpassung der Wälder leistet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die für große, geschlossene und intensiv bewirtschaftete Staatswaldkomplexe entwickelten und dort angewendeten Waldbauverfahren nicht ohne Weiteres auf den Privatwald übertragen lassen, denn die Ausgangsbedingungen sind dort häufig andere. So sind fichtendominierte Bestände oftmals aufgrund einer zu geringen Durchforstung besonders instabil. Aufgrund der kleinen Flächen und der ungünstigen Ausformung der Bestände sind Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss wie eine Zäunung zu aufwändig und zu teuer. Außerdem fällt es vielen Waldbesitzenden schwer, sich von der traditionellen Fichtenkultur zu verabschieden, oder es fehlt ihnen schlichtweg das Wissen und die Zeit, sich mit standortangepassten Waldbaukonzepten auseinanderzusetzen.

Forstliche Beratungen werden von zahlreichen unterschiedlichen Einrichtungen durchgeführt. In den Ländern widmen sich u. a. die Landesforstverwaltungen, Landeswaldbetriebe sowie die Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzerverbände dieser Aufgabe. Insgesamt ist das gesamte Feld der forstlichen Beratung vielfältig und zugleich unübersichtlich. Über Form, Umfang und Intensität der Privatwaldberatung lassen sich daher bundesweit keine gebündelten Informationen abrufen.

Ein wichtiges Mittel, forstlich relevante Informationen zu verbreiten, sind Zeitschriften, die insbesondere von Praktikerinnen und Praktikern in der Forstwirtschaft gelesen werden. Zu diesen Zeitschriften gehört unter anderem die „AFZ Der-Wald“, die unter den forstlichen Zeitschriften aufgrund ihrer kurzgefassten Artikel in deutscher Sprache derzeit die öffentlichkeitswirksamste ist. Artikel, die in dieser Zeitschrift zum Thema Klimawandel und Anpassung veröffentlicht werden, erreichen eine sehr breite Leserschaft, die sich mit forstlichen Bewirtschaftungsfragen auseinandersetzt.

In den Jahren zwischen 2000 und 2011 hat sich die Anzahl von Artikeln, die sich dem Thema Klimawandel widmen, deutlich erhöht. Nach einer zwischenzeitlichen Abnahme bis 2015 hat sich deren Anzahl in den Jahren bis 2017 wieder deutlich gesteigert. In der Regel lassen sich dabei Themen des Klimaschutzes und der Anpassung nicht strikt voneinander trennen. Die Daten erlauben die Schlussfolgerung, dass den Klimawandel betreffende Fragestellungen zunehmend Eingang in die praxisorientierte Fachdiskussion gefunden haben. Nicht erlaubt sind allerdings Rückschlüsse, inwieweit dann – auf diesen Diskussionen und Empfehlungen aufbauend – auch tatsächlich konkrete Umsetzungen in der Praxis erfolgen.

33 - s. Endnote Nr. 31

34 - BMELV – Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.) 2011: Waldstrategie 2020 – Nachhaltige Waldbewirtschaftung – eine gesellschaftliche Chance und Herausforderung. Bonn: 13.

 

Ziele

Bund und Länder sollten Informationsdefizite abbauen, um die mehr als 1,8 Millionen Waldbesitzenden von der Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen zu überzeugen. (DAS, Kap. 3.2.7)

In Anbetracht der steigenden gesellschaftlichen, klimapolitischen, ökologischen und wirtschaftlichen Ansprüche an Wald und Forstwirtschaft sollen entsprechende Beratungsleistungen für den Kleinprivatwald als öffentliche Aufgabe im Sinne der Daseinsvorsorge und des Gemeinwohls weiter ausgebaut werden. (Waldstrategie 2020, S. 14)