FW-R-2: Förderung des Waldumbaus

Mann bei der Baumpflanzung auf Lichtung vor Nadelwald.zum Vergrößern anklicken
In nicht standortgerechten Wäldern erhöhen bestimmte Baumarten die Anpassungsfähigkeit der Bestände
Quelle: Roland Günter / BayStMELF

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-R-2: Förderung des Waldumbaus

Der Waldumbau im Staats-, Körperschafts- und Privatwald wird über Förderungen mit EU-, Bundes- und Landesmittel sowie aus Haushaltsmitteln finanziert vorangetrieben. In den zurückliegenden Jahren bis 2017 sind im Schnitt jährlich rund 22.000 Hektar Wald umgebaut worden. In diesen Umbau sind Finanzmittel in Höhe von durchschnittlich rund 82 Millionen Euro pro Jahr geflossen.

Die Stapelsäulengrafik stellt die Investitionen in den Waldumbau in Millionen Euro von 2000 bis 2017 dar. Es wird differenziert in Investitionen des Bundesforstes im Bundeswald, Aufwendungen der Länder für Maßnahmen  im Landeswald sowie in den EU-Mittel-Anteil, den Anteil der Bundesmittel und den Anteil der Landesmittel und zusätzlicher öffentlicher Mittel an der GAK/EU-Förderung. Die reine Landesförderung ist ebenfalls der zuletzt genannten Kategorie zugeordnet.
FW-R-2: Förderung des Waldumbaus

Die Stapelsäulengrafik stellt die Investitionen in den Waldumbau in Millionen Euro von 2000 bis 2017 dar. Es wird differenziert in Investitionen des Bundesforstes im Bundeswald, Aufwendungen der Länder für Maßnahmen im Landeswald sowie in den EU-Mittel-Anteil, den Anteil der Bundesmittel und den Anteil der Landesmittel und zusätzlicher öffentlicher Mittel an der GAK/EU-Förderung. Die reine Landesförderung ist ebenfalls der zuletzt genannten Kategorie zugeordnet. Die Aufwendungen der Länder für Maßnahmen im Landeswald bilden die mit Abstand stärkste Kategorie. Hier gibt es keinen Trend. Einen signifikant fallenden Trend gibt es bei den Investitionen des Bundesforstes und bei den Bundesmitteln in der GAK. Die EU-Mittel in der GAK zeigen einen quadratisch abnehmenden Trend. Keinen Trend zeigen die Landesmittel in der GAK.
Mit einer Linie ist außerdem die umgebaute beziehungsweise in Umbau befindliche Waldfläche in Hektar abgebildet. Diese Zeitreihe zeigt einen signifikant abnehmenden Trend. Im Jahr 2017 wurden knapp 20.000 Hektar umgebaut.

Quelle: BMEL (GAK-Berichterstattung des Bundes); Mitteilungen der für Forstwirtschaft zuständigen Ministerien der Länder; BImA (Kosten- und Leistungsrechnung Bundesforst)
 

Aktiver Waldumbau – der Natur auf die Sprünge helfen

Naturverjüngung gilt i. d. R. als eine günstige und die natürlichste Form der Walderneuerung. Die forstlichen Eingriffe konzentrieren sich dabei auf die Entfernung hiebsreifer Einzelbäume aus dem Bestand. Dadurch entstehen Lücken, die ausreichen, um den Keimlingen aus Samen der umstehenden Bäume ausreichend Licht zum Aufwachsen zur Verfügung zu stellen. Im traditionellen naturnahen Waldumbau wird zumeist ausschließlich mit dem Verfahren der Naturverjüngung gearbeitet.

Die Anpassung der Wälder an die veränderten Klimabedingungen erfordert allerdings in vielen Fällen einen zielgerichteten Umbau des existierenden Bestands. Naturverjüngung führt nicht immer zu einem Baumartenwechsel, vor allem wenn keine Samenbäume von geeigneten Baumarten in der Umgebung zu finden sind. Ausnahmen bilden höchstens Aufwüchse aus natürlichem Samenanflug mit sehr leichten Samen von beispielsweise Kiefern, Birke oder Pappeln, die auch aus größerer Entfernung in einen Bestand eingeweht werden können und durch Hähersaat oder Eichhörnchen verbreitete Eichen und Buchen.

Um nicht standortgerechte Nadelholzbestände in Mischwälder umzubauen oder auch gezielt wärmetolerante Arten oder Herkünfte in Bestände einzubringen, sind Verfahren der künstlichen Verjüngung zwingend erforderlich. Dabei werden die gewünschten Baumarten durch Saat oder Pflanzung in die Bestände eingebracht und – wenn es aufgrund eines zu hohen Wildeinflusses notwendig ist – durch Schutzmaßnahmen in ihrem Aufwuchs gesichert. Auf diesem Wege können auch gezielte Ergänzungen der spontanen Naturverjüngung vorgenommen werden.

Der Waldumbau ist als Ziel und zu fördernde Maßnahme inzwischen in zahlreichen forstlichen Strategien und Programmen auf Bundes- und Landesebene verankert. Sowohl von der EU als auch von Bund und Ländern werden diesen Zielen entsprechend finanzielle Mittel für den Waldumbau im Privat- und Körperschaftswald sowie im Staatswald bereitgestellt. Die Finanzierungsmechanismen sind in den einzelnen Bundesländern sehr verschieden.

Für den Privat- und Körperschaftswald bilden die aus der GAK und aus ELER bereitgestellten Fördermittel den deutlich überwiegenden Teil der Förderaktivitäten ab. Dabei werden die EU-, Bundes- und Landesmittel von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich kombiniert. Zusätzlich unterstützen wenige Länder im Rahmen von Forst- oder Waldförderrichtlinien oder spezifischen Programmen Waldumbaumaßnahmen mit alleinigen Landesmitteln. Zwischen den Jahren 2000 und 2017 sind auf diese Weise jährlich zwischen 25 und 41 Millionen Euro in den Umbau des Privat und Körperschaftswalds geflossen.

Im Landeswald wird der Waldumbau nahezu ausschließlich im Rahmen der „normalen“ forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung, die aus Haushaltsmitteln finanziert ist, vorangetrieben. Aktive Umbaumaßnahmen, die bei der Berechnung des Indikators berücksichtigt werden, dienen i. d. R. dem Ziel, standortgerechte Baumarten zu etablieren und eine größere Baumartenmischung herbeizuführen. Hierzu zählen neben Maßnahmen der Wiederaufforstung auch Maßnahmen der Ergänzung der Naturverjüngung in jungen Beständen sowie des Vor- und Unterbaus. Mit dem Voranbau verschafft man den gewünschten Zielbaumarten einen Wuchsvorsprung im jungen Bestand. Dabei werden unter einem noch stockenden, in der Regel einschichtigen Hauptbestand neue Zielbaumarten gepflanzt oder eingesät. Ziel ist es, diese neuen Zielbaumarten nach Ernte des bestehenden Bestands in den neuen Hauptbestand zu übernehmen. Die Länder haben in den Jahren 2000 bis 2017 zwischen 38 und 61 Millionen Euro jährlich in den Waldumbau investiert.

Der bundeseigene Wald umfasst in Deutschland nur 4 % der Waldfläche. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Wald auf (ehemaligen) Truppenübungsplätzen sowie entlang von Bundeswasserstraßen und Autobahnen, die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit ihrer Sparte Bundesforst betreut werden. Auch für den Bundeswald ist es ausdrückliches Ziel, nicht standortgerechte Bestände in stabile und naturnähere Mischbestände umzubauen. Im Mittel hat der Bundesforst im betrachteten Zeitraum rund 3,2 Millionen Euro pro Jahr für Maßnahmen des Waldumbaus aufgebracht.

Gemessen am bundesweiten Anteil des Landeswalds von 29 % an der gesamten Waldfläche ist der Anteil der in den Umbau des Landeswalds fließenden Mittel am bundesweiten Mitteleinsatz überproportional hoch. Im Schnitt der letzten Jahre betrug er fast 56 %. Der Anteil der Mittel zum Umbau der Privat- und Körperschaftswälder, die rund 67 % der Gesamtwaldfläche ausmachen, ist demgegenüber mit durchschnittlich 39 % geringer31. Dies hat seinen Grund auch darin, dass gerade im Privatwald viele Waldbesitzer Waldumbaumaßnahmen durchführen, für die sie keine Förderung beantragen und zu deren Umfang daher auch keine Informationen verfügbar sind.

31 - BMEL (Hrsg.) 2014: Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur. Berlin, 56 S.

 

Schnittstellen

FW-R-1: Mischbestände

FW-R-3: Umbau gefährdeter Fichtenbestände

 

Ziele

Die Waldeigentümer sollten den Waldumbau von Reinbeständen in standortgerechte, risikoarme Mischbestände voranbringen. (DAS, Kap. 3.2.7)

Anbau standortgerechter und überwiegend heimischer Baumarten mit hoher Widerstandfähigkeit und Wuchsleistung (Waldstrategie 2020, S. 23)

Anpassung der Wälder an die Herausforderungen des Klimawandels z. B. durch Anbau möglichst vielfältiger Mischbestände (NBS, Kap. B 1.2.1)

Kontinuierliche Reduktion des Anteils nicht standortheimischer Baumarten (NBS, Kap. B 1.2.1)

Erhaltung und Entwicklung der natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften (NBS, Kap. B 1.2.1)