EW-I-1 + 2 Wetterbedingte Unterbrechungen der Stromversorgung

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

EW-I-1: Wetterbedingte Unterbrechungen der Stromversorgung

Extremwetterereignisse wie die Orkane Kyrill (2007), Xynthia (2010) und zuletzt Herwart und Xavier (2017) schlugen sich in der Unterbrechungsstatistik der Stromversorgung nieder. Der Anteil von atmosphärischen Einwirkungen und höherer Gewalt an allen Unterbrechungen war in diesen Jahren deutlich erhöht. Über die gesamte Zeitreihe betrachtet weisen wetterbedingte Unterbrechungen fallende Trends aus.

Zwei Linien zeigen den prozentualen Anteil der wetterbedingten ungeplanten Unterbrechungen für die Niederspannung und Mittelspannung von 2006 bis 2012. Für die Niederspannung schwanken die Werte zwischen 5 und 25 Prozent, für die Mittelspannung zwischen 44 Prozent und 6 Prozent. 2007 waren die Werte am höchsten. In beiden Fällen ergibt sich ein signifikant fallender Trend.
EW-I-1: Wetterbedingte Unterbrechungen der Stromversorgung

Zwei Linien zeigen den prozentualen Anteil der wetterbedingten ungeplanten Unterbrechungen für die Niederspannung und Mittelspannung von 2006 bis 2012. Für die Niederspannung schwanken die Werte zwischen 5 und 25 Prozent, für die Mittelspannung zwischen 44 Prozent und 6 Prozent. 2007 waren die Werte am höchsten. In beiden Fällen ergibt sich ein signifikant fallender Trend.

Quelle: Bundesnetzagentur (Störungsstatistik)
 

EW-I-2: Wetterbedingte Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung

Der Orkan Kyrill im Jahr 2007 führte im Vergleich zu anderen Jahren zu schwereren und umfangreicheren Schäden an den Stromnetzen. In 2007 hatte dies eine durchschnittliche kumulierte Unterbrechungsdauer der Stromversorgung von knapp 22 Minuten je angeschlossenem Kunden durch wetterbedingte Ereignisse zur Folge.

Die Stapelsäulen zeigen die wetterbedingte Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung in Minuten für den Letztverbraucher von 2006 bis 2017. Die Werte sind differenziert für die atmosphärischen Einwirkungen und höhere Gewalt sowie für sonstige ungeplante Unterbrechungen. In beiden Fällen gibt es keinen Trend. Die Werte schwanken zwischen den Jahren.
EW-I-2: Wetterbedingte Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung

Die Stapelsäulen zeigen die wetterbedingte Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung in Minuten für den Letztverbraucher von 2006 bis 2017. Die Werte sind differenziert für die atmosphärischen Einwirkungen und höhere Gewalt sowie für sonstige ungeplante Unterbrechungen. In beiden Fällen gibt es keinen Trend. Die Werte schwanken zwischen den Jahren. Die summarischen Werte bewegen sich zwischen 36 Minuten im Jahr 2007 und etwas mehr als 13 Minuten in 2016. In den Jahren 2007 und 2013, in denen die Werte am höchsten sind, überwiegen die atmosphärischen Einwirkungen und höhere Gewalt, in den anderen Jahren die sonstigen ungeplanten Unterbrechungen.

Quelle: Bundesnetzagentur (Störungsstatistik)
 

Die deutsche Stromversorgung, trotz Klimawandel eine der sichersten weltweit

Die sehr zuverlässige Stromversorgung in Deutschland zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass Unterbrechungen nur selten und mit kurzer Dauer auftreten. In Deutschland erfasst die Bundesnetzagentur (BNetzA) das Unterbrechungsgeschehen. Im Rahmen ihrer Zuständigkeit wertet sie die Meldungen der Netzbetreiber zu Unterbrechungen mit einer Dauer von mehr als drei Minuten der Mittel- und Niederspannungsebene aus, die das verbrauchernahe Verteilnetz bilden. Die BNetzA unterscheidet verschiedene Ursachen von Netzunterbrechungen. Unter dem Begriff „Atmosphärische Einwirkungen“ fasst sie beispielsweise Wind- und Temperatureinwirkungen oder Überspannungen durch Blitze zusammen. Als „Höhere Gewalt“ werden Ereignisse besonderer Schwere klassifiziert, z. B. außergewöhnliche Hochwasser oder Orkane. Vor allem diese Ereignisse können längere Beeinträchtigungen nach sich ziehen, denn wenn Leitungsnetze z. B. auf größerer Strecke unterbrochen sind, können die notwendigen Reparaturen mitunter viel Zeit in Anspruch nehmen.

Deutschland verfügt über eines der stabilsten Stromnetze weltweit. Doch auch hier können extreme Wetter- und Witterungsereignisse die Elektrizitätsübertragung und -verteilung beeinflussen. Besonders markant waren die Auswirkungen des Orkans Kyrill im Jahr 2007. Die Zahl der Unterbrechungen lag in diesem Jahr etwa doppelt so hoch wie in den meisten anderen bislang erfassten Jahren. Dabei waren Letztverbraucher in diesem Jahr durchschnittlich knapp 22 Minuten aufgrund von Wetter und Witterung ohne Strom. Zum Vergleich: In den weiteren Jahren liegt dieser Wert zwischen 3 und 7,5 Minuten. Im Jahr 2010 sind höhere Werte auf den Orkan Xynthia zurück zu führen und im Jahr 2017 waren es die Stürme Herwart und Xavier, die für Versorgungsunterbrechungen sorgten.

Nehmen extreme Wettersituationen, vor allem schwere Stürme und Orkane, infolge des Klimawandels zu, können sich dadurch verursachte Unterbrechungen der Stromversorgung künftig möglicherweise mehren und länger an dauern, wenn die Netze nicht entsprechend ausgerüstet und gewartet sind. Die Betroffenheit der Elektrizitätsnetze hängt neben den atmosphärischen Einwirkungen unter anderem auch von Qualität, Wartungszustand und Alter der im Netz verwendeten technischen Komponenten ab. Seit 2010 sind Investitionen und Aufwendungen für Neuinstallationen, Ausbau, Erweiterungen, Erhaltung und Erneuerungen kontinuierlich angestiegen. Daher werden die Leitungen, Transformatoren und Leistungsschalter des deutschen Übertragungsnetzes als funktionsgerecht eingeschätzt.52

Auch die Netzstruktur ist eine wichtige Einflussgröße. Bisher verlaufen Höchst und Hochspannungsnetz zu etwa 95 % oberirdisch und sind Wind und Wetter direkt ausgesetzt. Die Knotenpunkte des Netzes sind aber miteinander verknüpft (Vermaschung). Ein hoher Vermaschungsgrad trägt zu hoher Versorgungszuverlässigkeit bei. Fallen einzelne Leitungen aus, kann die Versorgung i. d. R. über redundante andere Leitungen erfolgen (n-1-Sicherheit). Für den Letztverbraucher bedeuten Unterbrechungen im Übertragungsnetz daher i. d. R. keinen Stromausfall. Einen wirksamen Schutz vor Stürmen, Schnee- oder Eislasten kann die unterirdische Verlegung von Stromleitungen (Verkabelung) bieten. Das Gesetz zur Änderung von Bestimmungen des Rechts des Energieleitungsbaus verankert seit 2015 für neue Leitungen im Höchst und Hochspannungsnetz den Vorrang der Erdverkabelung als Planungsgrundsatz in der Bundesfachplanung. Es kann somit neben der Steigerung der Akzeptanz des Netzausbaus53 auch zu einer besseren Resilienz des Netzes gegenüber klimawandelbedingten Einflüssen beitragen. Daneben wird auf ausgewählten Pilotstrecken die Möglichkeit zur Erdverkabelung im Drehstrombereich untersucht.

52 - BMWi – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2017: Zweiter Fortschrittsbericht zur Energiewende – Die Energie der Zukunft – Berichtsjahr 2017: 197, 280. www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/fortschrittsbericht-monitoring-energiewende.html

53 - BMWi 2018: Sechster Monitoring-Bericht zur Energiewende – Die Energie der Zukunft – Berichtsjahr 2016: 134. www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/sechster-monitoring-bericht-zur-energiewende.html

 

Ziele

Verpflichtung der Betreiber zum Betrieb eines sicheren, zuverlässigen und leistungsfähigen Energieversorgungsnetzes (EnWG, § 11 (1))