Deutsche Transformationsbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Konsequenterweise muss sich eine nachhaltige Ausrichtung in allen Handlungsfeldern eines Finanzinstitutes wiederfinden. Ein mögliches Beispiel findet sich in der KfW, der designierten „Transformationsbank“ der Bundesrepublik Deutschland.

Die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist die Förderbank des Bundes und der Länder und eine der führenden Förderbanken der Welt. Hatte sie bereits seit 1948 das Mandat, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lebensbedingungen weltweit zu verbessern, bekam sie im Rahmen der deutschen Sustainable-Finance-Strategie das explizite Mandat einer „Transformationsbank“, was bereits im Klimaschutzprogramm 2030 angelegt war.

Die Weiterentwicklung der KfW zu einer Transformationsbank ist Gegenstand der Maßnahme 14 der Sustainable-Finance-Strategie. Dort verweist die Bundesregierung auf die bereits existierende Sustainable-Finance-Strategie der KfW als zentrale Charakteristika einer Transformationsbank.

Danach soll sich das Kerngeschäft der KfW vor allem daran ausrichten, „systematisch in die strukturellen Chancen der Transformation zu investieren“, indem sie insbesondere transformative Technologien fördert.

Die Bundesregierung spricht in ihrer Strategie schon einige zentrale Handlungsfelder an:

In der Banksteuerung werden bei der KfW zwei neue Ziele im strategischen Zielsystem der KfW verankert: der „SDG-Beitrag der KfW-Finanzierungen“ und die „Paris-Kompatibilität der KfW-Finanzierungen“.

Die KfW etabliert zur Überprüfung ihrer Zielerreichung ein „Impactmanagement“ , um die Wirkungen der (mit)finanzierten Vorhaben messen und steuern zu können. Die einzelnen Geschäftsbereiche der Bank bauen im Rahmen des Umsetzungsprojektes „tranSForm“ eigene Strukturen auf, um Wirkungen besser nachzuverfolgen. Dabei sollen das konzernweite Wirkungsverständnis und die Wirkungsbereiche der einzelnen Geschäftsbereiche ineinandergreifen. Für diese Umsetzung werden insgesamt etwa 20 Wirkungskategorien identifiziert und entsprechende Indikatoren, entwickelt, die sich an den SDGs und am Pariser Klimaschutzabkommen orientieren. Die Indikatoren sind eindeutig messbare und einheitliche Kennzahlen, die öffentlich zugänglich sind. Als Indikatoren dienen Messungen, wie die Fläche in Hektar der geschützten Ökosysteme oder die Anzahl energieeffizient sanierter oder erstellter Wohneinheiten. Die tatsächlichen Wirkungen ihrer Finanzierungen hält die KfW jedoch im Vorhinein der Finanzierung für schwer abschätzbar und veröffentlicht sie daher nicht. Gegenwärtig werden die Indikatoren daher nur für die interne Steuerung benutzt.

Im Handlungsfeld Risikomanagement ist die systematische Integration von ESG-Risikofaktoren prioritär. Dies beinhaltet ein systematisches Screening der Risikoarten und des -steuerungskreislaufs, den Aufbau einer ESG-Risikoprofil-Datenbank, ⁠Klimarisiko⁠-Stresstests und das Screening regulatorischer Anforderungen. Zudem sollen ESG-Daten stärker integriert und Kapazitäten zur Bewertung physischer Klimarisiken aufgebaut werden.

Diese und andere Punkte hat die Förderbank in ihrer „KfW Roadmap Sustainable Finance“ festgehalten, die seit Dezember 2020 gültig ist.

Darüber hinaus sollen die Sektorleitlinien derart überarbeitet werden, dass die Paris-Kompatibilität besonders relevanter Sektoren sichergestellt wird. Entsprechend sind diese Leitlinien auf treibhausgasintensive Wirtschaftssektoren ausgerichtet und definieren sektorspezifische Mindestanforderungen an die Klimaverträglichkeit finanzierter Technologien, die aus Paris-kompatiblen Klimaszenarien der Internationalen Energieagentur (IEA) abgeleitet sind. Diese zeigen konkret auf, welche Technologien für eine Transformation in Richtung Klimaneutralität notwendig sind. Die Förderbank kündigt außerdem eine schrittweise Steigerung des „Ambitionsniveaus“ mit Blick auf die Leitlinien an. Die Sektorleitlinien gelten zunächst für die Sektoren Schifffahrt und Automobil, die Eisen- und Stahlerzeugung, für Gebäude, Stromerzeugung und Luftfahrt.

Das gesamte KfW-Portfolio soll bis spätestens 2050 klimaneutral gestaltet werden. Die KfW soll hierfür die „Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der deutschen Finanzbranche intensivieren, um Innovation im Bereich nachhaltiger Finanzprodukte am Finanzplatz Deutschland zu stärken“. Dazu entwickelt die KfW eine Methodik zur Erfassung der ⁠Treibhausgas⁠-Bilanz (THG) des Gesamtportfolios. So sollen künftig die THG-Fußabdrücke auf Einzelfinanzierungsebene mit einer einheitlichen Berechnungsmethodik erhoben werden. Bereits heute wird dies für die von der KfW emittierten Green Bonds praktiziert. Über eine Ausweitung der Systematik auf sämtliche Geschäftsaktivitäten würde sie sowohl die Transparenz erhöhen, als auch die Stellung der KfW als nachhaltiger Finanzakteur festigen.

Bereits 2021 flossen 33 Prozent des Fördervolumens in Umwelt- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Zudem ist die KfW eine der größten Emittentinnen von Green Bonds weltweit.

Die Praxis der KfW im Nachhaltigkeitsbereich kann also als Vorbild dienen für Banken aus dem privaten, genossenschaftlichen oder Sparkassen-Bereich. Diese befinden sich häufig bereits auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ausrichtung der Geschäftsaktivitäten. Allerdings setzen die meisten Institute Schwerpunkte in einzelnen Handlungsfeldern beziehungsweise befinden sich noch am Anfang einer umfassenderen Ausrichtung hin zu Sustainable Finance. Dies ist auch erklärlich durch das andere Geschäftsumfeld und die Anreize für diese Akteure, da nachhaltiges Agieren bei den meisten Stakeholdern (noch) nicht die oberste Priorität innehat. Dennoch geht die Tendenz auch bei diesen Akteuren klar Richtung Sustainable Finance und der Aufbau eines Wirkungsmanagements, samt Wirkungstransparenz der Aktivitäten, kann bei vielen Handlungsfeldern eine wichtige Säule darstellen, etwa bei der Herstellung und Sicherung von Glaubwürdigkeit gegenüber der Gefahr, des Greenwashings bezichtigt zu werden.

Doch auch die KfW stand in der Vergangenheit für manche Finanzierung in der Kritik, etwa für die Finanzierung von Kreuzfahrtschiffen. Die KfW selbst rechtfertigt diese Geschäftstätigkeiten vor allem mit Argumenten der Arbeitsplatzsicherung sowie einem guten Umweltstandard für die jeweilige Branche (siehe Best in Class bei Investment-Strategien).

In Bereichen wie diesen sind Institute wie die GLS Bank oder die Triodos Bank, die sich explizit als Nachhaltigkeitsbanken verstehen und die Finanzierung zukunftsfähiger Aktivitäten und Unternehmen als ihr Kerngeschäft ansehen, noch konsequenter umweltfreundlich. Ähnlich agieren Kirchenbanken, wie die Bank für Kirche und Caritas eG (BKC). Auch die GLS Bank hat bereits ein Wirkungsmanagement und eine Wirkungsmessung seiner Aktivitäten aufgebaut und berichtet danach. Die Finanzierung solcher umweltökologisch kritisch zu bewertenden Projekte findet hier nicht statt.