Pyrolyseöfen: Von privater Pflanzenkohle-Herstellung wird abgeraten

Ein Haufen an Pflanzenkohle.zum Vergrößern anklicken
Pflanzenkohle selbst herstellen ist gesundheitsschädlich, da sich giftige Gase bilden können.
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Inhaltsverzeichnis

 

Warum Sie Biokohle nicht selbst herstellen sollten

  • Lassen Sie bei der Herstellung von Pflanzenkohle die Profis ran: Finger weg von Schadstoffen anreichernden Kon-Tikis und privaten Pyrolyseöfen!
  • Kaufen Sie nur zertifizierte Pflanzenkohle (EBC-Siegel).
  • Geben Sie Gehölzschnitt in die öffentliche Grünschnittabfuhr und legen Sie nach Möglichkeit Totholzhecken in ihrem Garten an.
 

Gewusst wie

Der Einsatz von Pflanzenkohle kann zur Bodenverbesserung, Wasserspeicherung und CO2-Bindung beitragen. Bei unsachgemäßer Herstellung entstehen aber viele Schadstoffe, die in den Boden, das Wasser und in die Luft gelangen können.

Schadstoffarme Pflanzenkohle erhalten Sie nur aus modernen Pyrolyseanlagen: Pflanzenkohle entsteht durch die unvollständige Verbrennung („Verkohlung“) von Pflanzenmaterial wie z.B. Grünschnitt oder Holz. Qualität und Schadstoffgehalt der hergestellten Pflanzenkohle hängen maßgeblich davon ab, wie gut der Pyrolyseprozess, d.h. die Erhitzung unter weitestgehendem Ausschluss von Sauerstoff, kontrolliert und gesteuert werden kann. Dies ist in größeren modernen Pyrolyseanlagen der Fall. So lassen sich die Schadstoffgehalte der Kohle minimieren und unnötige Belastungen der Umwelt ausschließen.

Bei kleinen, im Handel erhältlichen Pyrolyseöfen für den Hausgebrauch oder sogenannten Kon-Tikis (trichterförmigen Brennschalen) gibt es hingegen – vergleichbar mit einem Lagerfeuer – viele unterschiedliche Temperaturzonen mit Verwirbelungen. Das fördert die Schadstoffentstehung bei der Herstellung und die Schadstoffanreicherung in der Pflanzenkohle. Durch die Ausbringung im Garten können sich die Schadstoffe dann in Pflanzen und Früchten anreichern. Widerstehen Sie deshalb bei Pflanzenkohle dem Drang zum Selbermachen und überlassen Sie die Herstellung dafür ausgelegten modernen Anlagen.

Siegel beachten: Kaufen Sie für die Anwendung im Garten nur Pflanzenkohle, die mit dem EBC-Siegel zertifiziert ist. Dieser Standard garantiert, dass die Pflanzenkohle in Herstellung und bezüglich Schadstoffgehalt allgemeinen Umweltanforderungen entspricht. Pflanzenkohle kann zudem – z.B. kleinteilig in den Boden ausgebracht – dauerhaft CO2 speichern und dementsprechend auch zur CO2-Kompensation genutzt werden. Hierfür gibt es inzwischen ebenfalls Plattformen wie Carbonfuture, die nicht nur die Qualität der Pflanzenkohle (EBC-Siegel), sondern auch die nicht-rückholbare Ausbringung zertifizieren. Das ist wichtig, da Pflanzenkohle prinzipiell auch verbrannt werden kann, so dass das CO2 vollständig entweichen würde.

Entsorgen Sie Grünschnitt fachgerecht: Kleinere Mengen an Grünschnitt können Sie fachgerecht z.B. über die Biotonne entsorgen oder selber kompostieren. Durch die Untermischung von holzigem Material wird die Durchlüftung und damit der Rotteprozess des Komposts verbessert. Für größere Mengen Grünschnitt bieten Kommunen gesonderte Entsorgungsmöglichkeiten an. Wenn Sie genügend Platz in Ihrem Garten haben, können Sie eine ⁠Totholz⁠(h)ecke anlegen. Sie schaffen damit einen wichtigen Lebens- und Rückzugsraum u.a. für Kleingetier wie Kröten und Eidechsen sowie für viele Insekten.

Was Sie noch tun können: Beachten Sie unsere Tipps zu Feuerschalen, Kaminöfen, Gartenhäcksler und Kompost

 

Hintergrund

Umweltsituation: Pflanzenkohle, gewonnen aus der Pyrolyse von ⁠Biomasse⁠, stellt eine Option zur langfristigen Speicherung von biogenem Kohlenstoff dar. In der wissenschaftlichen und klimapolitischen Debatte wird die Option aber kontrovers diskutiert. Dem Nutzen für das ⁠Klima⁠ stehen Risiken wie die Belastung der Böden, der Luft und des Grundwassers mit Schadstoffen gegenüber. Denn bei der Pyrolyse wird Biomasse (z.B. Holz oder Pflanzenmaterial) durch Erhitzen unter Sauerstoffabschluss pyrolysiert bzw. verschwelt. Dabei entstehen – neben dem eigentlichen kohlenstoffhaltigen Produkt, der getrockneten und verkohlten Biomasse (sogenannte Biokohle oder Pflanzenkohle) – Abgase mit einem sehr hohen Anteil an Kohlenmonoxid (giftig!), Feinstaub und unverbrannten Kohlenwasserstoffen (u.a. Krebs erzeugende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe – ⁠PAK⁠). In einer industriellen Pyrolyseanlage kann das Abgas gereinigt werden, was bei privater Anwendung nicht möglich ist. Durch einen unprofessionellen Pyrolyseprozess kommt es so zur Anreicherung von Schwermetallen und ⁠PAK⁠ in der hergestellten Pflanzenkohle. Daher ist eine Pyrolyse/Verschwelung außerhalb von professionell betriebenen Anlagen aus boden-, wasser- und lufthygienischen Gründen nicht zu empfehlen. Aus Sicht des Gewässerschutzes besteht zudem die Gefahr, dass beim „Löschen“ der Kohle Schadstoffe gelöst und entweder in ein nahe gelegenes Oberflächengewässer abgeschwemmt werden oder in das Grundwasser einsickern.

Gesetzeslage: Pflanzenkohle aus unbehandelten Pflanzenmaterialien ist in der EU als Bodenhilfsstoff zugelassen (DF-EU-Öko-Verordnung). In Deutschland ist gegenwärtig jedoch nur unbehandeltes Holz als Ausgangsstoff genehmigt. Das Pyrolyseprodukt muss hierfür einen Kohlenstoff (C)-Gehalt von mindestens 80 % aufweisen.

Für die Einleitung des Löschwassers der Pyrolyse in die Kanalisation ebenso wie für die Versickerung im Boden wäre aufgrund der Gefahr der Einbringung von Schadstoffen in Grundwasser und Gewässer mit der zuständigen Wasserbehörde vorab zu klären, ob dafür eine Indirekteinleiter-Genehmigung erforderlich ist.

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