Freiwillige CO2-Kompensation: Noch viele offene Fragen

Windkraftanlagen in einer hügeligen Landschaftzum Vergrößern anklicken
Freiwillige Kompensationszahlungen fördern Windkraftprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Quelle: giorgenko / Fotolia.com

Bei der freiwilligen Kompensation gibt es noch viele offene Fragen: Wie sinnvoll sind Kompensationszahlungen? Wer kompensiert bisher? Was wird kompensiert? Was sind die Motive hierzu? Und wie ist das Wissen in der Bevölkerung? Der jetzt erschienene Tagungsband dokumentiert die Beiträge und liefert spannende Antworten.

Das Umweltbundesamt hatte am 10. November 2014 zur Tagung „Freiwillige Kompensationszahlungen und Nachhaltige Lebensstile: Passt das zusammen?“ nach Berlin eingeladen. Hintergrund für diese Tagung war der insbesondere unter Umweltbewegten häufig spannungsgeladene Diskurs: Sind freiwillige Kompensationszahlungen eine Chance für mehr Klimaschutz oder stehen sie wirksameren Maßnahmen im Weg? Auf der Tagung wurden Studien zu aktuellen Marktzahlen, Kompensationsmotiven und zum Wissen über Kompensation präsentiert.

Wichtige Ergebnisse hierbei waren: Nach einer Studie von adelphi werden rund 80 % des Marktvolumens durch Unternehmen und nur 20 % durch private Haushalte nachgefragt. Dabei stehen die Kompensationen von Flugreisen und von einzelnen Produkten in Deutschland an erster Stelle. Probleme bereiten den Nachfragern vor allem die hohen Preisunterschiede. Die Spanne reichte 2013 von 0,4 bis zu 50 Euro pro Tonne CO2. Außerdem haben nicht nur Privathaushalte, sondern auch Unternehmen Probleme, die Vielzahl an unterschiedlichen Zertifikaten und Qualitätsstandards zu überblicken.

Bisher kompensieren weniger als 10% der Verbraucher, wie eine repräsentative Studie der Universität Kassel aufzeigt. Das Thema ist auch mehr als 40% der Bevölkerung noch unbekannt. Die Studie zeigte, dass CO2-Kompensation andere direkte Klimaschutzaktivitäten nicht verdrängt.

Zum gleichen Ergebnis kam auch eine Studie unter Umweltschützern, durchgeführt von der Universität Kiel und dem Umweltbundesamt. Wer im Alltag ein klima- und umweltfreundlicheres Verhalten zeigt, kompensiert auch eher. Bei den Umweltbewegten gibt es ebenfalls noch große Wissenslücken zum Thema freiwillige Kompensation. Die Studie zeigte aber auch, dass das Thema weniger strittig ist als vermutet: Für 87% der befragten Umweltschützer ist freiwillige Kompensation eine vorstellbare Handlungsoption. Nur für 13% der Befragten kommt die Kompensation grundsätzlich nicht in Frage.

Der vorliegende Tagungsband dokumentiert diese und weitere Ergebnisse und Thesenpapiere. Er steht als Download zur Verfügung.

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 Freiwillige Kompensation von Treibhausgasen