Wie sieht ein treibhausgasneutrales Europa aus?

Das Bild zeigt im Vordergrund eine Solaranlage und im Hintergrund Windräder im Sonnenuntergang.zum Vergrößern anklicken
Eine nachhaltige Energieversorgung basiert zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energieträgern.
Quelle: Kalafoto / Fotolia.com

Mit dem Übereinkommen von Paris ist die EU gehalten, ihr langfristiges Klimaschutzziel zu überdenken. Im Auftrag des UBA ist das Szenario „treibhausgasneutrales Europa 2050“ entstanden, das zeigt, wie Europa mit einer vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung – unterstützt durch Energieeffizienz, Elektrifizierung und weitere Maßnahmen – treibhausgasneutral werden kann.

Mit dem Übereinkommen von Paris hat die Weltgemeinschaft das globale, langfristige Temperaturziel verschärft. Alle Staaten streben damit gemeinsam ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgasemissionen und -senken innerhalb des 21. Jahrhunderts an. Somit ist es auch für die EU dringend erforderlich, ihre langfristigen Ziele neu zu bewerten und aufzuzeigen, ob und wie Treibhausgasneutralität (THG-Neutralität) in der EU erreicht werden kann. Ziel dieser Studie war es daher, ein Szenario „thg-neutrale EU2050“ zu entwickeln, welches auch Nachhaltigkeitsfragen berücksichtigt. 

Das entworfene Szenario zeigt, dass eine THG-neutrale EU auch ohne den Einsatz der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid und mit begrenzten Mengen an Bioenergie machbar ist. Wesentliche Bestandteile des Szenarios in allen energieverbrauchenden Sektoren (Industrie, Gebäude und Verkehr) sind eine starke Steigerung der Energieeffizienz sowie eine weitreichende Elektrifizierung. Durch diese Maßnahmen kann der Endenergiebedarf (einschließlich des internationalen Verkehrs) um etwa 37 Prozent gesenkt und der Anteil des Stroms auf fast 50 Prozent erhöht werden. Zudem muss ein breites Portfolio anderer Optionen für erneuerbare Energien genutzt werden. 

Auch erneuerbare Brennstoffe, die aus erneuerbarer Elektrizität durch Elektrolyse oder auf Biomassebasis hergestellt werden, werden in erheblichem Umfang benötigt. Unvermeidbare THG-Emissionen aus Landwirtschaft, Industrieprozessen und Abfallbehandlung machen es außerdem erforderlich, die CO2-Vermeidung bzw. Bindung, z. B. durch eine geringere Aktivität des Landwirtschaftssektors und die verstärkte Nutzung der CO2-Bindung in der Forstwirtschaft, zu verstärken. 

Neben einer quantitativen Beschreibung der Ausgestaltung aller treibhausgasemittierenden Sektoren enthält die Studie eine qualitative Diskussion von sektoralen Spielräumen zur Erreichung von Treibhausneutralität, von sektorübergreifenden Interaktionen sowie von Herausforderungen bei der Realisierung eines solchen Szenarios.