Agrarpolitik am Scheideweg

Landwirtschaft mit Zukunft

Die Landwirtschaft in Deutschland ernährt uns alle. Doch die heutige Art, die Äcker zu bestellen und Tiere zu halten, hat schwerwiegende Folgen für die Umwelt. Wie kann es anders gehen?

Auf dem Agrarkongress "Landwirtschaft mit Zukunft – ökologisch und gerecht" lautete das Fazit der Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Umwelt und Landwirtschaft: Ein "weiter so" in der Landwirtschaftspolitik kann es nicht geben. "Es ist höchste Zeit zu handeln", findet Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes und Mitorganisatorin.

"Wir möchten der Landwirtschaft in Deutschland eine Perspektive aufzeigen, die für alle Seiten tragbar ist: für die Landwirtschaft, für Bürgerinnen und Bürger  und für die Umwelt. Dafür den Rahmen zu schaffen ist Aufgabe der zukünftigen Agrarpolitik", hob Maria Krautzberger hervor. Umweltministerin Barbara Hendricks forderte einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung, um sich den ökologischen und sozialen Problemen zu stellen.

Die Probleme der deutschen Landwirtschaft sind vielfältig. Durch Überdüngung ist ein Viertel der deutschen Grundwasserkörper ist mit Nitrat belastet. Die biologische Vielfalt nimmt ab und die Landwirtschaft ist inzwischen die zweitstärkste Verursacherin von Treibhausgasen. Auch die Zustände in der Tierhaltung entsprechen vielfach nicht unseren ethischen Maßstäben und werden von der Gesellschaft immer weniger akzeptiert. Doch auch für Landwirtinnen und Landwirte selbst ist die Situation dramatisch. Die wirtschaftliche Lage der Milchviehhalter macht dies exemplarisch deutlich. Deshalb stimmte die Mehrheit Referentinnen und Referenten überein, dass die gegenwärtige Agrarpolitik nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten nicht nachhaltig ist. "Viele Fehlentwicklungen gerade im Umweltbereich wurden – das muss man sehr klar sagen – von der Politik viel zu lange ignoriert", konstatierte Krautzberger.

Die Teilnehmenden des Kongress identifizierten drei wesentliche Handlungsfelder für die zukünftige Agrarpolitik. Landwirtschaftssubventionen sind neu auszurichten, damit der Anspruch "Öffentliches Geld nur für öffentliche Güter" erfüllt ist. Das Ordnungsrecht ist fortlaufend anzupassen und nachzujustieren, um gesellschaftliche Mindeststandards in Hinblick auf Umwelt, Natur und Tierwohl verankern zu können. Als drittes Element ist eine ausreichende Transparenz erforderlich, die den Konsumenten ermöglicht, bereits an der Ladentheke einzuschätzen, welche Produkte mit welchen Kosten und Wirkungen auf Umwelt, Natur sowie Tierwohl entstanden sind.

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