Maßnahmen im Wegebau und in der Wegeerhaltung
Das sehr gut ausgebaute Fahrrad- und Wanderwegenetz stellt eine tragende Säule des deutschen Tourismus dar. Dabei beeinflussen die (Oberflächen)Qualität der Wege, die Absicherung von gefährlichen Stellen und die konstante Nutzbarkeit die Zufriedenheit des Gastes und stellen somit eine Grundvoraussetzung für den Erfolg einer wander- oder fahrradtouristisch geprägten Region dar. Zudem stellen gut erhaltene und markierte Wege eine möglichst gefahrlose Benutzung sicher, können so die Zahl von Such- und Bergungseinsätzen reduzieren und dienen darüber hinaus als wichtiges Instrument einer effektiven Besucherlenkung.
Der Klimawandel bewirkt eine Zunahme von Extremereignissen (Starkniederschlag, Hochwasser, Sturm, ...) sowie eine Zunahme von morphodynamischen Prozessen. Dabei sind Gebirgsregionen durch häufige Frost-Tau-Wechsel und deren Wirkung besonders stark betroffen. Hier können Muren, Erdrutsche, Solifluktion und Steinschläge häufiger auftreten. Dadurch wird zum einen die Weginfrastruktur stärker beansprucht, zum anderen kann dies auch eine erhöhte Gefahr für die Benutzerinnen und Benutzer des Weges darstellen. Es kann notwendig werden, Wege aus Sicherheitsgründen zeitweilig zu sperren.
Um sich auf diese Entwicklungen einzustellen und eine möglichst sichere Infrastruktur für Nutzerinnen und Nutzer bereitzustellen, können verschiedene Maßnahmen getroffen werden. Dabei kommt den vorsorgenden Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu.
- Beseitigung von Lockergestein auf und oberhalb der betroffenen Wegstellen (nur bei kurzen Hanglängen möglich und sinnvoll).
- Laufende Beseitigung von beschädigten Stellen.
- Grundhafte Sanierung.
- Anbringung von permanenten Sicherungsmaßnahmen (z. B. Steinschlagnetze oder Auffangmauern, was jedoch für Bergwege unrealistisch ist).
- Neutrassierung von kürzeren Wegstrecken.
- Neutrassierung von Wegen (aufwendig, Probleme sind zu befürchten, z. B. in Bezug auf Grundbesitz oder Schutzstatus).
- Anpassung von Wegeoberflächen (z. B. Asphaltdecken, die Hochwasser besser standhalten als wassergebundene Decken).
- (Vorübergehende) Sperrung von Wegen.
- Ausweisen von Ausweichrouten, Alternativstrecken.
- Aufgabe von Wegen (sinnvoll, wenn eine weitere sichere Benutzung des Weges nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich ist).
- Organisatorische Maßnahmen (Informationstafeln, Schulung der regionalen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Führerinnen und Führer sowie der Wandernden zur Stärkung der Eigenverantwortung).
- Zertifizierung der Fahrrad- oder Wanderwege (Beispiele sind die „ADFC-Qualitätsradrouten“ für Fahrradwege oder das Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“. Dies bietet eine Möglichkeit, die erfolgreiche Maßnahmenumsetzung an Gäste zu kommunizieren).
- Überwachen von „kritischen Stellen“ und etablieren von Frühwarnsystemen.
- Regelmäßige Kontrolle (Begehungen) und Instandsetzung von Wegen (besonders im Frühjahr und nach bestimmten Extremereignissen).