Preisträger

Fahrradfahren in Kassel
© Theresa Maiwald; Jennifer Bartnick

Inhaltsverzeichnis

 

Gewinner des ersten bundesweiten EMW-Wettbewerbs gekürt

Höhepunkt und offizieller Abschluss des ersten bundesweiten Wettbewerbs der EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE (EMW) 2021 war die öffentliche Preisverleihung am 25. April 2022. Im Rahmen der virtuellen Zeremonie zeichneten das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium (BMUV) die Gewinner in vier Kategorien aus: Die jeweils ersten Plätze gingen nach KasselFürstenfeldbruckKarlsruhe und Leipzig.

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Stadt Kassel

1. Platz in der Kategorie „Bestes EMW-Programm großer Kommunen“

Mobilitätswandel gemeinsam gestalten  

Erstmals schlossen sich die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) zu einer gemeinsam durchgeführten EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE zusammen. Das breit angelegte Programm regte über 90.000 Teilnehmer*innen dazu an, den Nahverkehr zu nutzen und neue Mobilitätsoptionen auszuprobieren. Aktionen wie temporäre Spielstraßen, ein autofreier Schultag und mehrtägige Straßensperrungen, die neue Perspektiven für Raumnutzung eröffneten, halfen, die Akzeptanz dauerhafter Maßnahmen zu erhöhen.

Ausgangslage und Ziele

Mobilitätswandel in größeren Städten kann nur gelingen, wenn das Umland mit einbezogen wird. Daher stellten die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel und der NVV ein gemeinsames Programm für die EMW zusammen. Mit Aktionen in der Stadt und der ganzen Region sollten die Bürger*innen dazu angeregt werden, ihre tägliche Mobilität zu überdenken und den Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und Nahverkehr sowie Sharing-Angebote auszuprobieren.

Ausgewählte Aktivitäten

Mit einem sehr umfangreichen Programm schafften es die drei Veranstalter, zahlreiche Teilnehmer*innen für Themen der Mobilitätswende zu gewinnen. Das große Publikumsinteresse erreichten sie etwa durch Freifahrten mit dem ÖPNV, aber auch durch die Verknüpfung der Mobilitätswoche mit dem Weltkindertag und dem Einsatz von Edgar- und Edda-Motiven für Suchspiele und andere Aktionen. Ein Schwerpunkt des Programms galt Kindern und Jugendlichen und der Frage, wie Schul- und Kita-Wege sicherer gemacht werden können. Für Aktionen und Events, die ein Forum für diese und weitere Aspekte der Mobilitätswende bildeten, engagierte sich ein breites Bündnis an Partnern aus Vereinen, Verbänden, Verwaltung, Schulen, Kitas sowie öffentlichen und privaten Institutionen und Organisationen.

Die Jury hebt zudem hervor, dass viele Aktionen darauf ausgerichtet waren, verkehrsplanerische Ambitionen erlebbar und nachvollziehbar zu machen. So wurden in Freiluftexperimenten Straßen nicht nur für einen autofreien Tag, sondern gleich für mehrere Tage gesperrt, so dass sich alle Bürger*innen ein klareres Bild von den Maßnahmen verschaffen konnten. Mit der Umgestaltung zur Fußgängerzone war die Untere Königstraße einen Monat lang ein Ort für Livemusik, Straßenfußball sowie für Workshops und Fachvorträge zur Mobilitätswende. Besondere Erwähnung verdient auch die Erprobung einer innovativen Citylogistiksoftware, die Lieferungen auf der letzten Meile per Lastenrad besser planen und ausführen lässt.

Infos zum Preisträger

Kommune: Stadt Kassel / Einwohnerzahl: 205.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Straßenverkehrs- und Tiefbauamt

Ansprechpersonen: Theresa Maiwald (theresa [dot] maiwald [at] kassel [dot] de), Jennifer Bartnick (jennifer [dot] bartnick [at] kassel [dot] de), allgemeine E-Mail-Adresse mobilitaetswoche [at] kassel [dot] de  

Informationen und Tipps zum Nachahmen

Beispielaktion: Mitmachaktionen, die Bürger*innen auf dem Weg zu mehr Rücksicht und ⁠Nachhaltigkeit⁠ mitnehmen – und vor allem Spaß machen

    • Kosten: Gering bis hoch
    • Organisationsaufwand: Mittel
    • Planungsbeginn: Drei bis sechs Monate vorher
    • To-do-Liste:
      • Kooperationspartner finden
      • Lokalität, Datum und Zeitfenster festlegen
      • Anordnung schreiben (beantragen), falls erforderlich
      • Programm planen
      • Anwohnende informieren, Öffentlichkeitsarbeit
      • Spaß haben
    • Goldener Tipp für andere Kommunen: Vielfältige Kooperationen für buntes Programm, Kommunikation ist das A und O.
     

    Stadt Bremen

    2. Platz in der Kategorie „Bestes EMW-Programm großer Kommunen“

    Impulse für eine menschengerechte Stadtentwicklung

    Mit ihrem Programm setzte die Stadt Bremen wichtige Impulse für eine menschengerechte Stadtentwicklung. Unter anderem wurde in einem Reallabor eine vierspurige Straße rückgebaut. Durch diese und viele weitere Aktionen konnten die Teilnehmer*innen an konkreten Beispielen erleben, wie sich Änderungen an der Verkehrssituation für sie positiv auswirken. Außergewöhnliche Veranstaltungen und die Kooperation mit diversen Initiativen ermöglichten es zudem, neue Zielgruppen zu erreichen und für die Mobilitätswende zu sensibilisieren.

    Ausgangslage und Ziele

    Die Stadt nutzte die EMW als Anlass, um den Bremern*Bremerinnen wichtige Ziele des städtischen Verkehrsentwicklungsplans 2025 zu vermitteln − wie etwa die Förderung des Fahrradverkehrs, Barrierefreiheit im ÖPNV oder das Wiedergewinnen von öffentlichem Raum auf Straßen und Plätzen zugunsten der Aufenthaltsqualität. Niedrigschwellige Formate, die die Stadt gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und einem breiten Netzwerk an Initiativen entwickelte, machen Mut, sich auf die Mobilitätswende einzulassen.

    Ausgewählte Aktivitäten

    Zahlreiche Gesprächs- und Informationsrunden an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet sowie ein Open Space auf dem zentral gelegenen Domshof luden zum Austausch über Verkehrskonzepte auf dem Wasser, in der Stadt und in der Luft ein. Dabei ging es um die Frage, wie die Mobilität der Zukunft in Bremen gestaltet werden kann und soll. Das Programm verknüpfte dabei die Ziele des Verkehrsentwicklungsplans 2025 wie etwa die Flächenumverteilung mit positiven Erlebnissen für die Teilnehmer*innen. So wurden beispielsweise viele Straßen, Plätze und Parkräume im Rahmen der 24. Bremer StraßenSpielAktion „Aus grauen Straßen bunte Spielflächen zaubern“ fürs Spielen und Zusammenkommen freigegeben.

    Zur Mobilitätswoche gehörte auch der Rückbau einer vierspurigen Durchgangsstraße (Martinistraße) auf zwei Spuren. In einem neunmonatigen Erlebnisraum testete die Stadt verschiedene Optionen, beispielsweise eine Protected Bike Lane, permanente Geschwindigkeitsreduzierung, den Rückbau von Parkflächen für Pkw und die Schaffung von weiteren Fahrradstellplätzen. Die Maßnahmen trugen zu einer Reduzierung des täglichen Durchgangsverkehrs, einer höheren Aufenthaltsqualität sowie zur Belebung der Innenstadt bei. Als besonders aufmerksamkeitsstarke Innovation überzeugte die Jury zudem ein Popkonzert auf einem Parkhausdach, das die Zuschauer*innen auf dem entsprechend gesperrten umgebenden Straßenraum genießen konnten.

    Infos zum Preisträger

    Kommune: Stadt Bremen / Einwohnerzahl: 580.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: autofreier StadTraum Bremen e. V.

    Ansprechpersonen: Susanne von Essen, Filip Wätjen (kontakt [at] autofreierstadtraum [dot] de)

    Informationen und Tipps zum Nachahmen

    Beispielaktion: Storytelling über die Mobilität (der Zukunft)

      • Kosten: Ca. 2.000 Euro
      • Organisationsaufwand: Mittel bis hoch
      • Planungsbeginn: Drei Monate vorher
      • To-do-Liste:
        • Verantwortliche der Plattform Storyfeld kennenlernen und Ideen austauschen
        • Potenzielle Storyteller*innen ansprechen (Diversität)
        • Veranstaltungsraum und Technik organisieren
        • Bewerbung in den sozialen Medien mit dem gesamten EMW-Programm
        • Generalprobe
      • Goldener Tipp für andere Kommunen: Ein geschützter Raum zum Erzählen entsteht auch dadurch, dass aufseiten der Veranstalter die „menschliche Fehlbarkeit“ an der einen oder anderen Stelle zum Vorschein kommt.
           

          Stadt Chemnitz

          3. Platz in der Kategorie „Bestes EMW-Programm großer Kommunen“ 

          Von der auto- zur fahrradfreundlichen Stadt

          Die Stadt Chemnitz – vor allem durch das Autofahren geprägt – steht vor der Herausforderung, bei ÖPNV und Radverkehr deutliche Lücken in der Infrastruktur zu schließen und das Bewusstsein der Chemnitzer*innen für umweltfreundliche Mobilität zu fördern. Das Programm der EMW fokussierte sich daher auf dauerhafte Maßnahmen für mehr per Rad und ÖPNV zurückgelegte Wege sowie die Förderung eines umweltbewussten Mobilitätsverhaltens. Chemnitz beteiligt sich seit 2003 regelmäßig an der EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE. 

          Ausgangslage und Ziele

          In Chemnitz sind der öffentliche und der Radverkehr stark ausbaufähig. 50 Prozent aller Wege und rund 80 Prozent der zurückgelegten Kilometer werden mit dem Auto bewältigt. Um die ⁠CO2⁠-Emissionen zu reduzieren, setzt Chemnitz auf die Förderung des ÖPNV sowie die Stärkung des Radverkehrs, zum Beispiel durch die Schaffung von Fahrradstraßen. Die Stadt nutzte die EMW, um die Themen „Mobilitätswende“ und „Umweltschutz“ mit Aktionen im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.

          Ausgewählte Aktivitäten

          Als besondere Stärke des EMW-Programms in Chemnitz würdigt die Jury die umfangreichen dauerhaften Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs und der Aufenthaltsqualität. So entstanden beispielsweise erste Fahrradstraßen und eine Fahrradservice-Station, über deren Standort die Bürger*innen zuvor online abstimmen konnten. Für die schulische Radverkehrsausbildung kamen Wissens- und Bildungsmaterialien mit praktischen Tipps zum Einsatz. Um Schulwege sicherer zu machen, wurden unnötige Verkehrsschilder entfernt und Tempobeschränkungen auf 30 km/h angeordnet. Das kontaktfreie Bezahlen von Tickets per Smartphone im Nahverkehr sollte den Bürgern*Bürgerinnen den Umstieg auf den ÖPNV erleichtern.

          An der EMW beteiligten sich zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure der Stadt, um mit Mitmach-, Kunst- und Wissensaktionen die Themen der Mobilitätswende ins Bewusstsein der Bürger*innen zu bringen. So waren über 1.500 Menschen in der Stadtradeln-Kampagne aktiv und erstrampelten trotz erstmaliger Teilnahme bundesweit einen soliden Platz im Mittelfeld. Am Aktionstag „Bewegte Meile“ konnten Kinder und Jugendliche unter anderem E-Fahrzeuge und Lastenräder kostenfrei ausprobieren, sich über sichere Schulwege informieren und darüber diskutieren.

          Infos zum Preisträger

          Kommune: Stadt Chemnitz / Einwohnerzahl: 246.893 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Stadt Chemnitz

          Ansprechperson: Katja Kluge (katja [dot] kluge [at] stadt-chemnitz [dot] de)

          Informationen und Tipps zum Nachahmen

          Beispielaktion: Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen und Museumspädagogik

            • Kosten: Ca. 1.800 Euro, damit Kita- und Schulgruppen alle Angebote kostenfrei nutzen konnten 
            • Organisationsaufwand: Mittel
            • Planungsbeginn: Drei Monate vorher/ Erste Anfragen zehn bis acht Monate vorher
            • To-do-Liste:
              • Einrichtungen ansprechen und informieren
              • Aktionen abstimmen und zusammentragen
              • Kurzbeschreibungen und Eckdaten der Aktionen anfordern
              • Kooperationsvereinbarungen schließen bzw. Angebote einholen
              • Text für Abdruck im Programmheft bestätigen lassen
            • Goldener Tipp für andere Kommunen/Organisationen: Bestehende Angebote der Einrichtungen können mit aufgenommen werden.
               

              Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck

              1. Platz in der Kategorie „Bestes EMW-Programm kleiner Kommunen“ 

              Impulsgeber für die Verkehrswende  

              Fürstenfeldbruck setzt bei der Verkehrswende auf die Förderung des ÖPNV, des Fuß- und Radverkehrs sowie der Elektromobilität. Die Stadt nutzte die EMW, um bereits initiierte Maßnahmen bekannt(er) zu machen und weitere Maßnahmen zu testen. Zahlreiche Akteure und Partner brachten den Bürgern*Bürgerinnen dafür umweltschonende Mobilitätsformen näher. Das schloss den ÖPNV ebenso ein wie Aktivitäten, mit denen das kommunale Förderprogramm für Fahrrad- und E-Mobilität beworben wurde. 

              Ausgangslage und Ziele

              Die EMW bietet für die Stadt Fürstenfeldbruck eine gute Gelegenheit, um auf das Angebot an nachhaltiger Mobilität in der Stadt und der Region aufmerksam zu machen. Die bereits dritte EMW-Teilnahme sollte die Bürger*innen motivieren, öfter mit dem Umweltverbund unterwegs zu sein und deren Aufmerksamkeit auch auf neue Fortbewegungsmöglichkeiten wie E-Leihroller oder Lastenfahrräder zu lenken.  Nicht zuletzt dient die EMW der Vernetzung aller an nachhaltiger Mobilität Interessierten in der Stadt.

              Ausgewählte Aktivitäten

              Zu den besonderen Stärken des äußerst vielseitigen Programms der EMW in Fürstenfeldbruck zählt die Einbindung dauerhafter Maßnahmen. Auf diese Weise machte die Stadt auf das entstehende Mobilitätskonzept aufmerksam und testete einzelne Maßnahmen. So entstand beispielsweise vor der Stadtbibliothek ein verkehrsberuhigter Bereich, dem weitere Umbaumaßnahmen für mehr nachhaltigen Stadtraum folgen sollen. Während des Parking Days wurden dafür Gestaltungsvorschläge eingesammelt, die auch online eingereicht werden konnten.

              Ein Fokus der Aktivitäten zur EMW 2021 lag auf der Förderung des Radverkehrs. Neben dem Pedelec-Sicherheitstraining für Senioren*Seniorinnen zählte auch ein Lastenradfestival zu den Angeboten. Lastenbikes standen für Probefahrten bereit und ein Lastenradrennen sorgte für viel Aufmerksamkeit beim Publikum. Ein weiterer Schwerpunkt der EMW war die Energiewende Hier gab es beispielsweise umfangreiche Info- und Beratungsangebote zum Carsharing von E-Autos, zu den Lademöglichkeiten von E-Fahrzeugen vor Ort sowie zu den Unterstützungsleistungen der Stadt für alle, die sich Lastenräder, E-Bikes oder Elektro-Kleinkrafträder anschaffen (wollen). Nicht zuletzt rief die Stadt im Rahmen des weltweiten „Autofreien Tages“ zum ersten Mal zu einem autofreien Schultag auf.

              An der EMW beteiligten sich neben vielen Vereinen, Verbänden und Geschäften auch unterschiedliche Partner aus öffentlichen Organisationen und der Zivilgesellschaft und stärkten so das Bündnis der Stadt für eine nachhaltige Verkehrswende.

              Infos zum Preisträger

              Kommune: Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck / Einwohnerzahl: 39.828 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Stadt Fürstenfeldbruck

              Ansprechperson: Dr. Montserrat Miramontes (montserrat [dot] miramontes [at] fuerstenfeldbruck [dot] de (montserrat [dot] miramontes [at] fuerstenfeldbruck [dot] de))

              Informationen und Tipps zum Nachahmen

              EMW-Programm

                • Kosten: ca. 5.000 Euro
                • Organisationsaufwand: Mittel
                • Planungsbeginn: sechs Monate vorher
                • To-do-Liste:
                  • Mit Aktionsideen Organisationen und Akteure zum Mitmachen einladen
                  • Gemeinsam Ort und Datum für die Aktion festlegen
                  • Programm erstellen
                  • Werbung über verschiedene Kanäle
                  • Während der Aktion: Spaß haben! Nicht vergessen: Fotos und Videos machen!
                  • Nachbereiten: Dokumentieren, Berichten, Nachtreffen und Feiern.
                • Goldener Tipp für andere Kommunen: Offen für neue Ideen sein. Einfach probieren und daraus lernen: Was funktioniert, was funktioniert nicht und warum? Aktionen anpassen, nochmal probieren und dabei immer Spaß haben!
                       

                      Stadt Lindau

                      2. Platz in der Kategorie „Bestes EMW-Programm kleiner Kommunen“ 

                      Mehr Lebensqualität durch autofreie Räume

                      Mit der EMW intensiviert die Stadt Lindau die Kommunikation rund um bereits erreichte und künftige Infrastrukturmaßnahmen zur Förderung nachhaltiger Mobilität. Die EMW-Aktivitäten 2021 richteten ihren Fokus auf die alternativen Mobilitätsformen. Insbesondere galt es, auf das bereits vorhandene gute Angebot an Sharing-Lastenrädern und Car-Sharing stärker aufmerksam zu machen und so Lindau weiter auf dem Weg zur Fahrradstadt voranzubringen.

                      Ausgangslage und Ziele

                      Als kompakte Stadt bietet Lindau beste Voraussetzungen, um sich zu einer Fahrradstadt zu entwickeln. Neben der Verbesserung der Infrastruktur für den Fahrradverkehr, etwa durch Aufwertung eines innerstädtischen Teils des Bodenseeradweges, setzt die Stadt auf Services für Radfahrende, Leihangebote für Lastenbikes sowie auf Informationen über die Vorteile des Radfahrens in Lindau. Die Stadt nutzte die EMW zur Kommunikation dieser Angebote und verdeutlichte, wie gut die Alternativen zum Auto in Lindau sind. 

                      Ausgewählte Aktivitäten

                      Die Aktivitäten der EMW in Lindau waren eingebunden in Kommunikationskampagnen wie etwa „Gemeinsam mit Rücksicht“, die für ein besseres Miteinander der Verkehrsteilnehmer*innen wirbt. Als eine besondere Stärke der EMW in Lindau nennt die Jury den Einsatz beweglicher Radabstellflächen. Dabei handelt es sich um Seecontainer, die überdachte, sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder bieten. Das Besondere: Die Mobility Hubs lassen sich flexibel je nach Bedarf an Veranstaltungsorten und öffentlichen Plätzen aufbauen. Als dauerhafte Maßnahme rund um das Kampagnen-Jahr wurden mehrere dieser Abstellanlagen zusätzlich auf der Insel aufgestellt, um so Menschen dazu anzuregen, statt des Autos den Mix aus ÖPNV und Fahrrad zu nutzen.

                      Als besondere Innovation hebt die Jury hervor, dass die Lastenräder künftig auch per App an unterschiedlichen Stationen ausgeliehen werden können. Zudem stach Lindau mit dem Angebot „DB Rad+ App“ hervor, mit dem Bürger*innen angesammelte Radkilometer gegen vergünstigte Waren bei regionalen Händlern eintauschen können. Zu den Kernaktivitäten der EMW in Lindau zählte der Aktionstag Parking Day unter dem Motto „Lebensqualität statt Parkplätze“ am Reichsplatz. Eine große Rasenfläche und die Umgestaltung des Reichsplatzes verdeutlichten, wie Plätze in Lindau ohne Autos aussehen und wie sie sich für gemeinschaftliche Aktivitäten nutzen lassen. Es gab Essens- und Getränkestände sowie zahlreiche Informationsangebote zu nachhaltiger Mobilität.

                      Infos zum Preisträger

                      Kommune: Stadt Lindau / Einwohnerzahl: 25.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Stadt Lindau und die Initiative Lokale Agenda 21

                      Ansprechpersonen: Jaime Valdés mobilitaet [at] lindau [dot] de">(mobilitaet [at] lindau [dot] de), Claudia Mahmoud (clou-dtp [at] t-online [dot] de)

                      Informationen und Tipps zum Nachahmen

                      Beispielaktion: Pendlerfrühstück für Menschen, die umweltfreundlich mit dem Rad, zu Fuß oder dem ÖPNV unterwegs sind

                        • Kosten: niedrig, ca. 100 Euro
                        • Organisationsaufwand: Niedrig
                        • Planungsbeginn: ein Arbeitstreffen zu Beginn des Jahres
                        • To-do-Liste:
                          • Arbeitstreffen
                          • Standorte auswählen
                          • Zeitplan erstellen
                          • Aktion in den sozialen Medien bewerben
                        • Goldener Tipp für andere Kommunen/Organisationen: Engagierte Personen für die Durchführung gewinnen
                       

                      Gemeinde Eitdorf

                      3. Platz in der Kategorie „Bestes EMW-Programm kleiner Kommunen“ 

                      Fürs Radfahren in kleinen, aber großflächigen Gemeinden begeistern

                      Das klimafreundliche Radfahren steht in Eitorf bislang nicht sonderlich hoch im Kurs. Die meisten Wege werden in der großflächigen Gemeinde mit dem Auto zurückgelegt. Erst mit großem Abstand folgt der ÖPNV, das Fahrrad liegt abgeschlagen auf dem letzten Platz. Daher konzentrierten sich die Maßnahmen zur EMW in Eitorf darauf, für das Radfahren zu werben. Trotz Haushaltssperre gelang es der Gemeinde dank des bemerkenswerten Engagements verschiedener ehrenamtlicher Akteure, ein vielfältiges Programm zu realisieren − mit Leuchtturmwirkung auch für andere kleine Gemeinden.

                      Ausgangslage und Ziele

                      Der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr soll in den nächsten Jahren in Eitorf erhöht werden. Ansätze, wie das umzusetzen ist, bot ein 2020 durchgeführter Fahrradklimatest. Demnach fehlt nicht nur ein öffentliches Fahrradverleihsystem, sondern vor allem auch eine Förderung des Fahrradverkehrs. Neben der Aufstellung eines kommunalen Radverkehrskonzeptes zur Verbesserung der Infrastruktur wurde daher auch die erstmalige Teilnahme an der EMW beschlossen, um mehr Menschen für das Radfahren zu begeistern.

                      Ausgewählte Aktivitäten

                      Die Organisatoren*Organisatorinnen entwickelten ein abwechslungsreiches Programm mit starkem Fokus auf Fahrradmobilität und die Zielgruppe Kinder und Jugendliche. Schüler*innen gestalteten Plakate zur EMW, die in öffentlichen Schaukästen präsentiert wurden, nahmen eine Podcastfolge mit einer der Organisatorinnen der Eitorfer EMW auf, kreierten Kunst an zwei Bushaltestellen im Ort und trafen sich zu einem Konzert der lokalen Band Doc Vintage mit Beamerpräsentation der EMW-Aktionen als Abschluss der Woche.

                      Auch die Aktionen „Autofrei zur Schule“ und der Streetschooling-Tag, an dem das Lehrpersonal dazu aufgerufen wurde, den Unterricht draußen durchzuführen, waren zugeschnitten auf die Kinder und Jugendlichen vor Ort. Eine Grundschule initiierte zum Beispiel Laufbusse, wofür die Kinder mit dem Sammeln Grüner Meilen zusätzliche Motivation erhielten. Ergänzt wurden diese Aktionen durch „Clever Mobil“-Vorträge und Diskussionen zum Thema nachhaltige Mobilität, einen „Familien-Mobilitätstag“ mit Fahrradparcours, Fahrradflohmarkt und einem speziell für Senioren*Seniorinnen entwickelten Mobilitätstraining für Busfahrten mit Rollator. Als permanente neue Mobilitätslösung installierte die Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft in Eitorf ein Bike-Leihradsystem mit vier Stationen. Die Jury lobt die vielfältigen Aktionen mit Fokus auf Fahrradmobilität und die Zielgruppe Kinder und Jugendliche, vor allem auch das Einbinden künstlerischer Elemente. Zudem stuft sie den Streetschooling-Tag als interessanten Ansatz zur Akzeptanzsteigerung von Umverteilung öffentlichen Raums ein.

                      Infos zum Preisträger

                      Kommune: Gemeinde Eitorf / Einwohnerzahl: 19.500 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Gemeindeverwaltung Eitorf

                      Ansprechpersonen: Sina Pfister (Sina [dot] Pfister [at] eitorf [dot] de), Marius Röhnisch (marius [dot] roehnisch [at] eitorf [dot] de)

                      Informationen und Tipps zum Nachahmen

                      Beispielaktion: Aktivitäten mit den Schulen während der EMW

                        • Kosten: Dank Ehrenamt und Sachspenden (Farben für Kunstaktion) konnten die Aktionen ohne finanziellen Aufwand durchgeführt werden.
                        • Organisationsaufwand: Sehr hoch. Vor allem die effiziente Kommunikation stellte eine große Herausforderung dar. Man benötigt Rückendeckung der Schulleitung und einzelne engagierte Lehrkräfte.
                        • Planungsbeginn: fünf Monate vorher. Bei Arbeit mit den Schulen müssen die Planungen deutlich vor den Sommerferien beginnen
                        • Goldener Tipp für andere Kommunen: Schulen sollten die Aktionen durchführen, die gewollt sind und zu ihnen passen.
                       

                      Stadt Karlsruhe

                      1. Platz in der Kategorie „Innovativste Aktion in der EMW“ 

                      Kinder und Familien an der Verkehrswende in ihren Stadtteilen beteiligen

                      Für die Aktion „Karlsruhe spielt!“ sperrte die Stadt 35 Straßen und Plätze im gesamten Stadtgebiet und wandelte sie in temporäre Spiel- und Aufenthaltsflächen für Kinder, Jugendliche und Familien um. Das Besondere: Die Orte schlugen die Bürger*innen selbst vor und übernahmen zugleich eine Patenschaft für die jeweilige Spielstraße. Das bürgerschaftliche Engagement ermöglichte die hohe Zahl an Spielstraßen, so dass die Mobilitätsbedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien in den Mittelpunkt rücken konnten.

                      Ausgangslage und Ziele

                      Um die Mobilitätswende nachhaltig zu gestalten, können Straßen und Plätze nicht nur der Effizienz von Verkehrsströmen dienen. Gerade für Kinder und Familien sind sie auch Orte der Begegnung und des Spiels, über deren Nutzung sie mitbestimmen sollten. Mit einer Online-Befragung zur Auswahl und der Übernahme von Patenschaften für Spielstraßen bot die Aktion die Chance, eine Bürgerbeteiligung an der Verkehrswende auf den Weg zu bringen und Anforderungen an einen kinder- und familiengerechten Verkehr konkret aufzuzeigen.

                      Ausgewählte Aktivitäten

                      Die Aktion wurde vollständig beteiligungsorientiert umgesetzt. Ob Einzelperson, Verein, Kita, Initiative oder Schule – jede und jeder, der wollte, konnte über eine Webseite Straßen und Plätze vorschlagen, die im Aktionszeitraum für den Verkehr gesperrt wurden. Die vorschlagenden Personen erklärten sich auf dem dafür entwickelten Online-Formular zugleich bereit, eine Patenschaft für die temporäre Spielstraße zu übernehmen. Im Aktionszeitraum betreuten die Paten*Patinnen den gesperrten Bereich, stellten ein Spielangebot für mindestens drei Stunden bereit und sicherten ein pandemiegerechtes Hygienekonzept. Die in Karlsruhe ansässige Monsignore Friedrich-Olhäuser-Stiftung stiftete zudem Spielmaterial, das nach der Aktion an ressourcenarme Familien übergeben wurde.

                      Dank der zahlreichen Vorschläge und Patenschaften konnten in der Aktionswoche verteilt über die Stadt insgesamt 35 temporäre Spielstraßen und -plätze eingerichtet werden. Das hohe bürgerschaftliche Engagement ermöglichte die Durchführung mit geringen Mitteln. Plakate, Postkarten und Infomaterial bewarben die Aktion, lokale Medien berichteten. Zu Einzelevents gab es täglich Posts und Bilder in den sozialen Medien. Das Feedback der Paten*Patinnen, Beteiligten und Bürger*innen auf „Karlsruhe spielt!“ war durchweg positiv. Der Karlsruher Gemeinderat hat sich daher für eine Verstetigung der Aktion ausgesprochen, die nun einmal jährlich stattfinden wird. Besonders nachhaltig: Zehn Prozent der temporären Spielflächen aus dem Jahr 2021 wurden dauerhaft verkehrsberuhigt. Auch in den Folgejahren werden die temporären Spielstraßen auf eine solche permanente Verkehrsberuhigung hin geprüft.

                      Infos zum Preisträger

                      Kommune: Stadt Karlsruhe / Einwohnerzahl: 313.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Stadtplanungsamt

                      Ansprechperson: Katrin Herold (Bereich [dot] V [at] stpla [dot] karlsruhe [dot] de

                      Informationen und Tipps zum Nachahmen

                      Beispielaktion: Temporäre Spielstraßen

                        • Kosten: Dank des hohen Engagements aller Beteiligten auf ein Minimum reduziert
                        • Organisationsaufwand: Mittel
                        • Planungsbeginn: fünf Monate vorher (bei erster Durchführung, weniger in Folgejahren)
                        • To-do-Liste:
                          • Verwaltungsinterne Abstimmung
                          • Material für die Öffentlichkeitsarbeit gestalten und herstellen
                          • Digitales Beteiligungsformat einrichten und pflegen
                          • Austausch mit den Paten*Patinnen
                          • Ablaufplan mit Kartenmaterial erstellen
                          • Ansprechbarkeit und Erreichbarkeit während des Aktionszeitraumes sicherstellen
                        • Goldener Tipp für andere Kommunen: Alle beteiligten Akteure frühestmöglich einbinden und immer wieder den Austausch suchen.
                       

                      Stadt Dortmund

                      2. Platz in der Kategorie „Innovativste Aktion in der EMW“ 

                      Parkraum als Stadtterrassen nutzen

                      Unter dem Titel „Parkraum – mein Raum“ wandelte die Stadt Dortmund Parkplätze in sogenannte Stadtterrassen um und gab diese in der EMW frei. Die Stadtterrassen, bereitgestellt vom Zukunftsnetz Mobilität NRW, bieten zahlreiche Möglichkeiten, die Straße als Lebensraum zu bespielen. Die Aktion wurde eingebunden in das längerfristige kommunale Projekt der „Emissionsfreien Innenstadt“ und durch die „UmsteiGERN-Kampagne“ kommunikativ begleitet. Dadurch erhöhte sich die Aufmerksamkeit sowohl für die Aktion als auch die Kampagne.

                      Ausgangslage und Ziele

                      Mit dem Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“ will die Stadt Dortmund erreichen, dass mehr Wege in der City umweltfreundlich mit Bus und Bahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, um so die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die „UmsteiGERN-Kampagne“ bildet dafür die kommunikative Klammer aller Maßnahmen des Projektes. Die Anbindung der Aktion „Parkraum – mein Raum“ an die Kampagne und an das Projekt sollte auch den Bekanntheitsgrad der EMW erhöhen und das gemeinsame Ziel klimafreundlicher Mobilität voranbringen. 

                      Ausgewählte Aktivitäten

                      Mit Beginn der EMW startete die auf fünf Wochen angesetzte und als Reallabor konzipierte Aktion „Parkraum – mein Raum“. Dafür wurden auf sechs Parkplätzen in der Humboldtstraße im Klinikviertel Stadtmöbel aufgestellt, die Möglichkeiten zum Verweilen, aber auch für Fahrradreparaturen, zum Picknicken oder zum Spielen bieten. Hintergrund der Aktion sind Konzepte zum Parken und zur Nahmobilität, die im Rahmen der „Emissionsfreien Innenstadt“ für das Klinikviertel erarbeitet werden. Kinder der FABIDO Kita Humboldtstraße bepflanzten die Stadtterrassen und pflegten die Begrünung. Der Oberbürgermeister eröffnete die Stadtterrassen und damit die EMW-Aktivitäten mit einem Pressetermin vor Ort.

                      Eine Dialogveranstaltung zum Thema Parken und Nahmobilität im Klinikviertel, die coronabedingt auf nur 80 Besucher*innen beschränkt werden musste, begleitete die Aktion. Über eine Online-Plattform konnten die Bürger*innen allerdings auch Vorschläge und Anregungen zu Parkflächen und der Nahmobilität im Viertel einreichen und diese auf einer digitalen Karte punktgenau verorten. Im Aktionszeitraum kamen rund 350 Vorschläge für die Gestaltung der Nahmobilität und der Parkraumsituation im Klinikviertel zusammen. Alle Anmerkungen und Vorschläge werden ausgewertet, dokumentiert, online veröffentlicht und fließen in die Konzeptentwicklung ein. Dank der Einbindung des Reallabors in die Konzeptentwicklung erreichte die Aktion eine hohe Aufmerksamkeit und starke Beteiligung der Bevölkerung vor Ort sowie online.

                      Infos zum Preisträger

                      Kommune: Stadt Dortmund / Einwohnerzahl: 588.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Stadtplanungs- und Bauordnungsamt

                      Ansprechperson: Heike Thelen (hthelen [at] stadtdo [dot] de)

                      Informationen und Tipps zum Nachahmen

                      Beispielaktion: Parkplätze in temporäre Stadtterrassen umwandeln

                        • Kosten: Die modularen Möbel zur Einrichtung von Stadtterrassen sind für Mitgliedskommunen des Zukunftsnetz Mobilität NRW kostenlos
                        • Organisationsaufwand: Mittlerer Aufwand, aufgrund umfangreicher Kommunikationsmaßnahmen
                        • Planungsbeginn: sechs Monate vorher
                        • To-do-Liste:
                          • Bewerbung für die Stadtterrassen beim Zukunftsnetz Mobilität NRW einreichen
                          • Einbinden lokaler Akteure, z. B. Tiefbauamt sowie Cafés, Kitas und Vereine wie ADFC oder VCD in der Umgebung des angedachten Standorts
                          • Information der Anwohner*innen
                          • Sondernutzungsgenehmigung beim Ordnungsamt einholen
                        • Goldener Tipp für andere Kommunen: Frühzeitig mit den Planungen anfangen und Anwohner*innen sowie lokale Akteure frühzeitig informieren und einbinden.
                       

                      Stadt Fürth

                      3. Platz in der Kategorie „Innovativste Aktion in der EMW“ 

                      Mit mehrsprachigen, interreligiösen Angeboten für die Verkehrswende begeistern

                      Eingewanderte und ihre Nachkommen werden bislang nur selten adressiert, wenn für einen Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf umweltfreundliche Alternativen wie Rad und ÖPNV geworben wird. Mit einer interreligiösen Radtour sowie mehrsprachigen Erklärfilmen mit Informationen über ÖPNV-Angebote und Tarife bezog die Stadt Fürth diese Gruppen aktiv in ihr EMW-Programm mit ein. Die Informationen wurden auch für Menschen mit Leseschwäche und Analphabeten zielgruppengerecht aufbereitet.

                      Ausgangslage und Ziele

                      50 Prozent der innerstädtischen Wege werden, unter anderem aufgrund der vielen dörflich geprägten Stadtteile, in der Einkaufsstadt Fürth mit dem Auto zurückgelegt. Künftig sollen jedoch nur noch maximal 30 Prozent der Fahrten auf den motorisierten Individualverkehr entfallen. Da der Anteil an Eingewanderten und ihren Nachkommen in Fürth bei über 40 Prozent liegt, sollten diese Bevölkerungsgruppen gezielt angesprochen und motiviert werden, das Auto zugunsten von Fahrrad und ÖPNV öfter stehenzulassen.

                      Ausgewählte Aktivitäten

                      Religion und Verkehrswende scheinen auf den ersten Blick nur wenig gemeinsam zu haben. Mit einer interreligiösen Radtour brachten die Organisatoren der EMW in Fürth die beiden Themen zusammen. Acht christliche, islamische und buddhistische Glaubenshäuser präsentierten sich auf der Radtour mit jeweils eigenen Stationen, an denen die Glaubensgemeinschaften aufzeigten, mit welchen Angeboten, Einsichten und Projekten sie zur Schöpfungsbewahrung beitragen. Die Tour konnte sowohl in der Gruppe als auch selbstständig gefahren werden. An den Stopps führten Vertreter*innen der Glaubensgemeinschaften durch vorbereitete Inhalte.

                      Angesichts der demografischen Diversität von Fürth lobt die Jury den modelhaften Charakter der Aktion und hebt als nennenswerte Innovation den Einsatz von QR-Codes hervor, die an den Radtour-Stationen das Ansehen von Videos ermöglichten. Anlässlich der EMW wurde zudem der Film „ÖPNV für alle“ veröffentlicht, der auf Deutsch, Arabisch, Bulgarisch, Französisch, Griechisch und Türkisch über das Angebot und die Tarife des ÖPNV in Fürth informiert. Mit diversen weiteren Aktionen wie einem Lastenradrennen, einer Kidical Mass Fahrraddemo oder "Wanderbäumen", die am Parking Day auf Parkplätzen neue Räume für Begegnungen schafften, erreichte die EMW weitere Zielgruppen wie Kinder, Familien oder Einkaufende.

                      Infos zum Preisträger

                      Kommune: Stadt Fürth / Einwohnerzahl: 131.104 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Nachhaltigkeitsbüro im Bürgermeister- und Presseamt sowie die Bereiche Bildung für nachhaltige Entwicklung und ⁠Klima⁠ im Amt für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz

                      Ansprechpersonen: Melanie Diller, Nachhaltigkeitsbüro (melanie [dot] diller [at] fuerth [dot] de); Regina Lauffer (regina [dot] lauffer [at] fuerth [dot] de), Diana Perkins (diana [dot] perkins [at] fuerth [dot] de), Amt für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz

                      Informationen und Tipps zum Nachahmen

                      Interreligiöse Radtour

                        • Kosten: ca. 2000 Euro, für alle Aktionen dank Eigen- und ehrenamtlicher Leistungen der Kooperationspartner, Preise wurden gesponsert. 
                        • Organisationsaufwand: 2 Mitarbeiterinnen mit 5−15 Wochenstunden über ein halbes Jahr. 
                        • Planungsbeginn: März 2021, erste Konzepte und Absprachen im Jahr davor
                        • To-do-Liste:
                          • Grundkonzept „Interreligiöse Radtour“ erstellen
                          • Religiöse Gemeinschaften ansprechen
                          • Treffen zur Abstimmung mit Beteiligten
                          • Route festlegen und abfahren
                          • Flyer mit Karte und Online-Infos erstellen
                          • Partner für Absicherung der gemeinsamen Tour einbeziehen (BRK, Polizei, ADFC, VCD)
                        • Goldener Tipp für andere Kommunen: Je klarer umrissen die Aufgaben für die Religionsgemeinschaften, desto leichter können diese einsteigen.
                       

                      Verkehrswende Leipzig

                      1. Platz in der Kategorie „Beste MOBILITYACTION“ 

                      Die größte Gehzeug-Parade der Welt

                      Der autofreie Tag am 22. September ist fester Programmpunkt jeder EMW. Wie aber lässt er sich mit Leben füllen? Verkehrswende Leipzig beantwortete diese Frage mit einer Gehzeug-Parade über den gesperrten Innenstadtring. Wer sich beteiligen wollte, konnte sich vor der Parade sein eigenes Gehzeug bauen. Das Ergebnis: 105 Gehzeuge nahmen an der Parade teil – ein (inoffizieller) Weltrekord, der am autofreien Tag zum Publikumsmagnet wurde und zugleich ein deutliches Zeichen für eine autofreie Stadt setzte.

                      Ausgangslage und Ziele

                      Gehzeuge sind Pkw-große Konstruktionen aus Holz, Pappe oder anderen Materialien. Fußgänger*innen tragen diese Gestelle, so dass sichtbar wird, wie viel Platz sie benötigen würden, wenn sie statt zu Fuß mit dem Auto unterwegs wären. Da der vier- bis achtspurige Innenstadtring täglich von unzähligen Autos befahren wird, sollte dort am autofreien Tag eine große Gehzeug-Parade zeigen, wie viel öffentlichen Raum der Autoverkehr einnimmt und damit zugleich einen Weltrekord erzielen.

                      Ausgewählte Aktivitäten

                      Um möglichst viele Gehzeuge auf die Parade zu bringen, veranstaltete Verkehrswende Leipzig auf dem am Ring gelegenen Augustusplatz einen Bauworkshop, inklusive eines attraktiven Begleitprogramms. Bau- und Dekomaterial, Werkzeuge sowie Hilfen standen kostenfrei zur Verfügung, so dass alle, die wollten, sich ihr eigenes Gehzeug bauen konnten. Der Workshop auf dem Platz wurde begleitet von einem Musikprogramm sowie einer Rede des Verkehrsexperten Prof. Dr. Heiner Monheim. Parallel fand ein unterhaltsam moderiertes Lastenradrennen statt.

                      Über 100 Teilnehmende stellten aus Wasserrohren, Poolnudeln, Bambus und Holzlatten innerhalb von drei Stunden 106 Gehzeuge her und zogen mit ihren phantasievoll bemalten, betexteten und dekorierten Eigenkreationen am Nachmittag über den gesperrten Ring. Der Lohn: Die Gehzeug-Parade wurde zum Hingucker. Auf der Paradestrecke gab es viele Zuschauer. Akteure und Stadtverwaltung bezeichneten in einer Auswertungsrunde im Nachgang zur EMW die Gehzeug-Parade  als Hauptaktivität des autofreien Tages. Lokalpresse, regionale Radiosender und der Mitteldeutsche Rundfunk berichteten. Die Teilnehmenden konnten so zeigen (und selbst erleben), wie der autodominierte Ring wieder zu dem Promenadenring werden könnte, der er früher einmal war.

                      Infos zum Preisträger

                      Kommune: Stadt Leipzig / Einwohnerzahl: 600.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Verkehrs- und Tiefbauamt

                      Ansprechpersonen: Thomas Gentsch, Anne Kunkel, Volker Holzendorf (team [at] verkehrswende-le [dot] de

                      Informationen und Tipps zum Nachahmen

                      Beispielaktion: Gehzeug-Parade

                        • Kosten: cCa. 10.000 Euro, finanziert aus EMW-Budget der Stadt Leipzig, zusätzlich viel ehrenamtliche Zeit
                        • Organisationsaufwand: hoch, insbesondere bei ehrenamtlicher Umsetzung
                        • Planungsbeginn: fünf Monate vorher
                        • To-do-Liste:
                          • Planung
                          • Finanzierung (Förderantrag)
                          • Werbung und Mobilisierung
                          • Rahmenprogramm (Moderation, Musik, Infostände etc.)
                          • Baumaterial beschaffen und Helfer*innen organisieren
                        • Goldener Tipp für andere Organisationen: Lokale Event-Veranstalter für ein buntes Rahmenprogramm einbeziehen. Material sollte bereitliegen, um die Teilnahme an der Parade auch spontan zu ermöglichen und vor Ort Gehzeuge bauen zu können.
                         

                        VCD Minden-Lübbecke Herford e. V.

                        2. Platz in der Kategorie „Beste MOBILITYACTION“ 

                        Lastenrad-Modell für den ländlichen Raum

                        Der VCD Minden-Lübbecke Herford e. V. stellt Lastenräder im ländlichen Raum in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford zur Verfügung. Unter der gemeinsamen Dachmarke „milla.bike“ wurden dafür Standorte in Ortskernen eingerichtet. Damit möglichst viele Menschen aufs Rad umsteigen, können die Lastenräder kostenfrei ausgeliehen werden. Eine Reservierung online oder per App ist möglich. Die EMW bot eine gute Gelegenheit, um das seit März 2021 zur Verfügung stehende Angebot mit Informationen, Testfahrten und Welcome-Touren zu bewerben. 

                        Ausgangslage und Ziele

                        Lastenräder sind teuer. Vor der Anschaffung möchten viele Menschen die Räder daher erst ausprobieren. Vielen genügt auch eine nur gelegentliche Nutzung. Während es in Städten bereits zahlreiche Verleihe gibt, sind derartige Angebote im ländlichen Raum noch selten. milla.bike bietet Bewohnern*Bewohnerinnen in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford die Möglichkeit, Lastenräder kostenfrei auszuleihen und auszuprobieren und so selbst etwas für eine klimafreundliche Verkehrswende zu tun. Der VCD nutzte die EMW, um das Angebot bekannt zu machen. 

                        Ausgewählte Aktivitäten

                        Mit dem kostenlosen Lastenradverleih milla.bike hat der VCD Minden-Lübbecke Herford e.V. eine Lastenrad-Nutzung im ländlichen Raum mit Modellcharakter geschaffen. Die Lastenräder werden an 12 verschiedenen Standorten sowohl in Kleinstädten als auch in Dörfern angeboten. Die Auswahl für die Verleihstandorte fiel auf solche Lagen, an denen der Publikumsverkehr ohnehin hoch ist, wie zum Beispiel Supermärkte, Gastronomie oder Veranstaltungszentren. Über eine Web-App, die sowohl auf dem Handy als auch auf dem PC nutzbar ist, lassen sich die E-Lastenbikes vorab buchen und auch die Rückgabe online abwickeln. An einigen Standorten besteht die Möglichkeit, ein Lastenfahrrad auch ohne Internetzugang zu buchen.

                        Nach der Eröffnung der Standorte im März 2021 bzw. August 2021 bot die EUROPÄISCHE MOBILITÄTSWOCHE im Frühherbst eine gute Chance, den kostenlosen Lastenradverleih milla.bike im Kreis bekannt zu machen. Dafür gab es neben den acht Infoständen mit der Möglichkeit zu Testfahrten auch milla.bike-Welcome-Touren zu Exkursionszielen. Nutzer*innen des Angebots stellten zudem in Eigeninitiative ein Video auf YouTube ein, um für milla.bike zu werben. An Haushalte mit vor allem jungen Familien wurden Flyer verteilt. Der Erfolg: Die Lokalpresse berichtete, das regionale Radio übertrug ein Interview und auf den Social-Media-Plattformen wurde milla.bike zu einem für die Region interessanten Thema.

                        Infos zum Preisträger

                        Kommune: Landkreise Minden-Lübbecke und Herford / Einwohnerzahl: 310.00 und 250.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: VCD Minden-Lübbecke Herford e. V.

                        Ansprechperson: Thomas Dippert (minden-herford [at] vcd [dot] org)  

                        Informationen und Tipps zum Nachahmen

                        Beispielaktion: Lastenrad-Welcome-Tour

                          • Kosten: eher gering (Leihgebühr für die Räder)
                          • Organisationsaufwand: Mittel
                          • Planungsbeginn: drei Monate vorher
                          • To-do-Liste: 
                            • Lastenrad oder -räder besorgen, Termin festlegen
                            • Eine attraktive Strecke zu einem familienfreundlichen Ziel festlegen (z. B. Bauernhof oder Kindermuseum)
                            • Sponsor für Getränke und Material finden
                            • Öffentlichkeitsarbeit planen
                          • Goldener Tipp für andere Organisationen: Junge Familien sind dafür besonders affin. Es bietet sich die Kooperation mit einem Jugendzentrum an.
                         

                        Buchholz fährt Rad e. V.

                        3. Platz in der Kategorie „Beste MOBILITY ACTION“ 

                        Förderung des Radverkehrs durch Stärkung der Radkultur

                        Die Mobilitätswende erfordert neben Veränderungen der Verkehrsstrukturen und -angebote auch ein kulturelles Umdenken. Der Verein Buchholz fährt Rad hat daher in Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen ehrenamtlichen Institutionen in der EMW ein umfangreiches Programm angeboten, das Radfahren als gemeinschaftliches kulturelles Erlebnis buchstäblich „erfahrbar“ macht. Die Stärkung der Kultur rund ums Radfahren soll so auch Einfluss auf die Lokalpolitik und den Stadtverkehr hinsichtlich der Förderung des Radverkehrs nehmen. 

                        Ausgangslage und Ziele

                        Buchholz fährt Rad e.V. engagiert sich seit 2018 für eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Mobilitätsentwicklung in Buchholz. Um die Lokalpolitik und Stadtverwaltung zur Reduzierung des motorisierten Verkehrs zu ermutigen, setzte sich der Verein in der EMW mit zahlreichen Events für eine positive Radkultur ein. Zahlreiche Institutionen der Zivilgesellschaften beteiligten sich mit Aktionen und zeigten auf, wie Radverkehr die Menschen zusammenbringen und der Gemeinschaft dienen kann. 

                        Ausgewählte Aktivitäten

                        Alle Aktivitäten der EMW in Buchholz verfolgten das Ziel, das (Lasten-)Rad als Alternative zum motorisierten Verkehr zu promoten. Eine besonders aufmerksamkeitsstarke Aktion ist die „Schokofahrt“. Sie verdeutlicht, welche Wege eine Tafel Schokolade von der Bohne bis zum Handel erzeugt und wie sich diese Wege auch emissionsfrei bewältigen lassen. Die zu fairen Preisen in der Dominikanischen Republik eingekauften Kakaobohnen werden per umweltfreundlichem Frachtensegler nach Amsterdam verschifft und dort in einer Manufaktur verarbeitet. Deren Maschinen arbeiten ausschließlich mit Solarenergie. Der Einsatz von Lastenrädern sichert schließlich den emissionsfreien Transport der Schokolade vom Hersteller bis zum Einzelhandel in Buchholz.

                        Aktionstage wie der Weltkindertag oder der World Cleanup Day fanden ebenfalls Eingang in das Veranstaltungsprogramm. Aktionen wie „Tempo 30 vor Schulen“ oder das Müll-Einsammeln mit Lastenrädern machten auf diese Weise gemeinnützige Aspekte des Radverkehrs erlebbar. Als besondere Innovation lobt die Jury die Entwicklung eines mobilen Kinos, das die Filmvorführtechnik auf dem Lastenrad transportiert und so den Einsatz an unterschiedlichen Standorten ermöglicht. Werbepostkarten, Plakate im Stadtgebiet, E-Mail-Newsletter, Berichte in lokalen Zeitungen, unter anderem dem Hamburger Abendblatt, sowie zahlreiche Posts in den sozialen Medien sorgten für eine öffentlichkeitswirksame Begleitung der EMW-Aktionen in Buchholz.

                        Infos zum Preisträger

                        Kommune: Buchholz in der Nordheide / Einwohnerzahl: 42.000 / Hauptorganisation der EMW vor Ort: Buchholz fährt Rad e. V.

                        Ansprechperson: Peter Eckhoff (peter [at] buchholz-faehrt-rad [dot] de)

                        Informationen und Tipps zum Nachahmen

                        Beispielaktion: Schokofahrt

                          • Kosten: 50 bis 60 EUR pro Tag und Person für Verpflegung und Unterkunft
                          • Organisationsaufwand: ca. 25 Stunden, auf mehrere Personen verteilt
                          • Planungsbeginn: drei Monate vorher
                          •  To-do-Liste:
                            • Bestellmengen und Transportkapazitäten klären
                            • Mitfahrende suchen
                            • Abstimmung mit den Mitfahrenden (Ausrüstung, Route, Übernachtung etc.)
                            • Fahrtroute ausarbeiten
                            • Übernachtungen buchen
                            • Warentransport klären (Abholung und Auslieferung)
                          • Goldener Tipp für andere Organisationen: Zum emissionsfreien Transport per Lastenrad eignet sich nicht nur Bio-Schokolade, sondern z. B. auch Kaffee etc.
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