Kommunale Verkehrsplanung

Verkehrsstau in der Großstadt. Ampeln auf grün, aber nichts geht mehr.zum Vergrößern anklicken
Die Verkehrsplanung kann dem Verkehrslärm entgegenwirken.
Quelle: photoinsel / Fotolia.com

Die Aufgaben kommunaler Verkehrsplanung sind vielfältig: von der Verbesserung der Verkehrswege und des ÖPNV, der Erhöhung der Verkehrssicherheit, der Steigerung des Fuß- und Radverkehrsanteils über die Realisierung der „Stadt und Region der kurzen Wege“ bis hin zur Reduzierung von Lärm und Luftschadstoffen. Sie bergen ein großes Potenzial für eine umweltverträgliche und nachhaltige Mobilität.

Inhaltsverzeichnis

 

Integrierte Verkehrsentwicklungsplanung – Kommunen stellen Weichen

Bei der kommunalen Verkehrsentwicklungsplanung werden Entscheidungen getroffen, die das Verkehrsgeschehen einer Gemeinde maßgeblich beeinflussen. Sie bestimmt, wie viel Gemeindefläche für den Pkw- und Lkw-Verkehr sowie für Parkplätze zur Verfügung steht. Sie legt fest, wie viel Raum Rad- und Fußverkehr haben. Der Verkehrsentwicklungsplan kann auch festlegen, wie viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur für die einzelnen Verkehrsarten investiert wird oder welche Form des öffentlichen Nahverkehrs angeboten wird. Oberstes Ziel ist, dass die Stadt und ihre Quartiere problemlos erreicht werden können.

Handel und Gewerbe sind auf gute Verkehrsanbindungen angewiesen. Gleichzeitig darf die Gemeinde nicht im Verkehr ersticken, sondern soll attraktiv für ihre Bewohnerinnen und Bewohner sein. Die Wege müssen sicher sein, Schadstoffgrenzwerte müssen eingehalten werden, der Verkehrslärm darf die Gesundheit nicht beeinträchtigen und soll möglichst nicht stören. Bei der integrierten Verkehrsentwicklungsplanung ist die Verkehrsplanung eng mit der Siedlungsplanung sowie der Luftreinhalte- und Lärmaktionsplanung verknüpft. Eine Rechtsvorschrift für die kommunale Verkehrsentwicklungsplanung existiert bisher nicht. Die Notwendigkeit einer gesetzlichen Grundlage ist umstritten. Viele Kommunen sehen jedoch die enormen Vorteile einer integrierten Verkehrsplanung und orientieren sich dabei an den Leitlinien für eine nachhaltige urbane Mobilitätsplanung der Europäischen Kommission (SUMP - Sustainable Urban Mobility Plan).

 

Effiziente Maßnahmen integriert planen

Knappe finanzielle Mittel zwingen die Kommunen nach Lösungen zu suchen, die kostengünstig und dennoch wirksam sind. Wenn eine Gemeinde in dieser Situation stärker auf den Fahrrad- und Fußverkehr als auf den Autoverkehr setzt, kann sie sowohl die Mobilität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Attraktivität der Gemeinde steigern. Die moderne Verkehrsplanung ist eng verzahnt mit der Stadtentwicklungsplanung. Beim Bau neuer Siedlungsflächen entsteht weniger Verkehr, wenn auf eine vielfältige Nutzungsmischung sowie kompakte fuß- und radverkehrsfreundliche Strukturen mit einer ausreichenden Bevölkerungsdichte geachtet wird, die eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel erlauben.

 

Verkehrsarme Siedlungsstrukturen

Viele Rahmenbedingungen der Charta von Athen über die Eigenheimförderung bis zur Kilometerpauschale haben dazu geführt, dass die Orte, an denen die Menschen wohnen, arbeiten und sich versorgen immer weiter auseinanderliegen, die Wege immer länger werden und die Landschaftszersiedlung voranschreitet. Das Leitbild der autogerechten Stadt führte und führt zu wachsenden Verkehrsmengen, die mit zunehmenden Luftschadstoff- und Lärmbelastungen sowie Flächenbeanspruchungen durch Autos in den Städten verbunden sind. Die Verschlechterungen des Wohnumfelds infolge des Autoverkehrs lösen Stadtflucht und Zersiedlungstendenzen im ländlichen Raum aus, die ihrerseits den Verkehrsaufwand weiter erhöhen.

Neue Leitbilder für eine nachhaltige Stadtentwicklung wie sie z. B. in der Charta von Aalborg im Jahr 1994 formuliert wurden, müssen verstärkt in die Stadtentwicklungskonzepte Einzug halten. Die "Stadt der kurzen Wege" ist die Zielrichtung für eine verkehrsarme und flächensparende Siedlungsentwicklung. Ein Bündel aus planerischen und fiskalisch-ökonomischen Maßnahmen kann hier zum Ziel führen. Mit der Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, das Leitkonzept Stadt und Region der kurzen Wege bis zum Jahr 2020 umzusetzen.

 

Kurze Wege

Die zurückgelegten Distanzen sind umso geringer – und können zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden – je besser ein Gebiet mit Versorgungs-, Kultur- und Freizeitangeboten ausgestattet ist. Regionen und Städte sollten sich bei der Siedlungs- und Verkehrsplanung auf das Leitbild "Kurze Wege" stützen. Wie der Bund sie dabei unterstützen kann, zeigt das vom UBA finanzierte Sachverständigengutachten "Leitkonzept Stadt und Region der kurzen Wege".
Kurze Wege eignen sich auch für eine nachhaltige Mobilität in der Schule. Der Laufbus und Elternhaltestellen sind kostenlose Maßnahmen mit Spaßfaktor, von denen Kinder, Eltern und Umwelt gleichermaßen profitieren.

 

Verkehrsberuhigung

Die Verkehrsberuhigung kann wesentlich dazu beitragen, verträgliche Verkehrsarten wie den Fußgänger- und Fahrradverkehr und den ÖPNV zu fördern. Sie verringert die Lärm- und Schadstoffbelastungen und verbessert die Verkehrssicherheit der Straßen. Dies gilt insbesondere, wenn sie flächendeckend ganze Stadtteile oder ganze Kommunen umfasst. Flächenhafte Verkehrsberuhigung verbessert die ...

... Stadtqualität:

  • Förderung der Wohnfunktion und der Mischung von Wohnen und verträglichem Gewerbe
  • Verbesserung des Umfeldes für Wohnungen und Betriebe
  • Verbesserung der Straßen- und Stadtgestaltung

... Umweltbedingungen:

  • Ruhigere Staßen und Plätze
  • Gesündere Luft zum Atmen
  • Energieeinsparungen und Minderung der CO2-Emissionen
  • Mehr Grün, weniger versiegelte Böden, besseres Kleinklima

... Verkehrsvehältnisse:

  • Höhere Verkehrssicherheit, weniger - vor allem weniger schwere - Unfälle
  • Förderung des Fußgänger-, Fahrrad- und des öffentlichen Nahverkehrs
  • Stadtverträgliche Abwicklung des Kfz-Verkehrs
  • Verbesserung der Parkmöglichkeiten für Anwohner und Lieferverkehr
 

Kreisverkehre

Kreisverkehre können zur Verringerung der gefahrenen Geschwindigkeit und zu einem gleichmäßigeren Verkehrsfluss im Stadtverkehr führen. Dies gilt besonders in verkehrsschwachen Zeiten, z.B. nachts. Der gleichmäßigere Verkehrsfluss trägt zur Lärmminderung und Minderung des Kraftstoffverbrauches bei. Ein Kreisverkehr benötigt nicht so viel versiegelte Fläche wie eine Kreuzung und kann das Stadtbild bereichern. Kreisverkehre sind durch die geringeren Fahrgeschwindigkeiten und die wenigen Konfliktpunkte eine sehr sichere Knotenpunktform. Bei einspurigen Kreisverkehren ist die Verkehrsführung entsprechend der Straßenverkehrsordnung leicht begreifbar.

Beim Kreisverkehr müssen Fußgänger zwar mitunter einen Umweg zurücklegen, jedoch ist der damit einhergehende Zeitverlust in der Regel geringer als bei einer signalgeregelten Kreuzung. Die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist im Kreisverkehr im Allgemeinen vergleichbar mit der an gewöhnlichen Straßenkreuzungen, sofern die sicherheitsrelevanten Entwurfsgrundsätze umgesetzt werden. Wichtige Elemente sind hierfür die Anlage von Fahrbahnteilern und Zebrastreifen in den Zufahrten und der Verzicht auf die tangentiale Anbindung der Knotenpunktarme. Der Radverkehr kann entweder separat parallel zu den Fußgängern um den Kreisverkehr geführt werden oder er benutzt die Kreisfahrbahn mit. Bei Führung auf der Fahrbahn ist darauf zu achten, dass keine Überholungen durch Kraftfahrzeuge in der Kreisfahrbahn stattfinden. Aus diesem Grund sind auch Radfahrstreifen in der Kreisfahrbahn unzulässig.

Mehrspurige Kreisverkehrszufahrten sollten in bebauten Gebieten nur dann eingesetzt werden, wenn kein Fuß- und Radverkehr zu berücksichtigen ist. Mehrspurige Ausfahrten sollen aus Sicherheitsgründen vermieden werden.