Nur Dreck unter unseren Füßen?

Steine liegen auf hellem Sand.zum Vergrößern anklicken
Bis aus Gestein ein Boden wird, auf dem Weizen und Gemüse wachsen, vergehen Jahrhunderte.
Quelle: Stephan Marahrens / Umweltbundesamt

Er ist immer unter uns, wir treten ihn mit Füßen, wir verschmutzen ihn, wir „verbrauchen ihn“. Dabei ist er so wichtig – unser Boden! Er erzeugt 80 Prozent der Nahrungsmittel, hält Schadstoffe zurück, Moore speichern Kohlendioxid, in ihm leben mehr Organismen als oben auf der Erde.

Boden trägt unsere Infrastruktur, ist Schatzkammer für Rohstoffe und durch archäologische Funde sogar Geschichtsbuch. Aber der Boden ist unter Druck. Weltweit gehen jährlich 24 Milliarden Tonnen furchtbaren Bodens durch ⁠Erosion⁠ verloren. Dadurch ist gerade in Entwicklungsländern die Nahrungsmittelsicherheit gefährdet. Besonders in Industrieländern sind in den vergangenen Jahrzehnten große Mengen von Schadstoffen in die Böden gelangt. Etliche Stoffe sind persistent, werden also nicht abgebaut. Zudem haben Böden ein langes Gedächtnis.

In Deutschland werden nach neuesten Zahlen bezogen auf den Vierjahreszeitraum 2009-2012 täglich 74 Hektar Boden pro Tag in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Wenn wir nicht konsquent Fläche sparen, wird Deutschland das Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung von 30 Hektar Flächenverbrauch pro Tag im Jahr 2020 nicht erreichen.

Wie Böden international gepflegt werden können, wird derzeit auf der 2. Global Soil Week vom 27.- 31. Oktober in Berlin überlegt.  Dort sollen auch Empfehlungen an Politik und andere Entscheider erarbeitet werden, wie das Ziel der Rio+20-Konferenz einer „Welt ohne Bodenverlust" erreicht werden kann.

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo internationale Aktivitäten zum Bodenschutz zunehmen, wie z.B. die Global Soil Partnership der FAO, Diskussionen über die weltweiten Nachhaltigkeitsziele nach der Rio+20-Konferenz 2012, Meldungen über „land grabbing“ (Agrar-Investitionen von Staaten und Firmen in anderen Staaten) stellt die EU-Kommission den Entwurf der Boden-Rahmenrichtlinie auf den Prüfstand. Angesichts der Herausforderungen zum Schutz unserer Böden wäre jedoch ein Verzicht auf die Rahmenrichtlinie ohne eine wirksame Alternative fatal.

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 Ackerboden  Bodenschutzkonzeption