Carbon Leakage: Klimapolitik und Investitionsverhalten

Industrieanlage mit mehreren Rauchtürmen und zwei Baukränen auf dem Gebiet; im Vordergrund steigt Nebel aus dem Kühlwasserflussaufzum Vergrößern anklicken
Industrieunternehmen betrachteten bei Investitionsentscheidungen bisher eher nicht den CO2-Preis.
Quelle: deyangeorgiev / photocase.com

Die Verlagerung von Emissionen ins Ausland aufgrund unterschiedlich ambitionierter Klimapolitiken, kurz Carbon Leakage, hat verschiedene Facetten. Ein Forschungsvorhaben im Auftrag des UBA hat einige davon untersucht, unter anderem den Einfluss von CO2-Bepreisung auf das Investitionsverhalten von Industrieunternehmen und die Klimapolitiken der EU-Haupthandelspartnerländern im Vergleich.

Im Forschungsvorhaben „Analysen zum direkten und indirekten Carbon- Leakage-Risiko europäischer Industrieunternehmen“ wurden in einzelnen Arbeitspakten verschiedene Aspekte von Carbon Leakage untersucht, unter anderem:

Investitionsverhalten in relevanten Industrien
Die Analyse von Investitionsaktivitäten einzelner Industriezweige ergab keine Anhaltspunkte dafür, dass der CO2-Preis bisher eine herausragende Rolle für Auslandsinvestitionen gespielt hätte. Dazu wurden im Teilprojekt „Investitionsverhalten in ausgewählten Industriebranchen des EU-ETS – Empirische Analysen und Fallstudien“ verschiedene Befragungen über das Investitionsverhalten emissionshandelspflichtiger Unternehmen ausgewertet, empirische Studien gesichtet und eine eigene Fallstudie zu den Beweggründen für fünf Investitionsprojekte der Eisen- und Stahlindustrie innerhalb und außerhalb Europas durchgeführt.

Klimapolitiken in Handelspartnerländern der EU
Der Teilbericht „Carbon Leakage Risks in a World of Converging Carbon Prices“ stellt Klimaschutzmaßnahmen verschiedener Länder dar und leitet daraus deutliche Unterschiede in den klimapolitische Ambitionsniveaus ab. Modellbasiert ergibt sich ein deutlicher Einfluss von Klimaschutzmaßnahmen auf das Carbon-Leakage-Risiko.

Im Projekt wurde bereits das klimapolitische Ambitionsniveau der EU und ihrer größten industriellen Handelspartnerländer analysiert. Es liefert ein umfassendes Bild über die klimabezogenen regulatorischen Rahmenbedingungen für energieintensive Industrien in den wichtigsten Handelspartnerländern der EU. Betrachtet wurden neben Maßnahmen zur CO2-Bepreisung der verschiedenen Länder zum Beispiel auch Energieeffizienzmaßnahmen, das Preisniveau von Erdgas und Elektrizität sowie Aktivitäten zur Verbesserung der Luftqualität. Im Ergebnis werden lediglich die Klimapolitiken in Südkorea und der Schweiz als vergleichbar sowie die von Norwegen als etwas ambitionierter als in der EU bewertet. Die Klimapolitiken in China, den USA, der Türkei und Russland werden als deutlich weniger ambitioniert bewertet und für Algerien (als Haupthandelspartner im Jahr 2016 im Bereich „Zement“) wird keine klimapolitische Ambition festgestellt.

In dem derzeit laufenden Nachfolgeprojekt „Analyse der Wettbewerbssituation und des Carbon Leakage-Risikos der europäischen Industrien“ wird diese Analyse mit einer verfeinerten Methodik weitergeführt.