„Geheilte Wunden“ – Wasserqualität von Tagebauseen in gutem Zustand

Braunkohle bei Umweltbilanz aber auf letztem Platz

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Die Wasserqualität von Tagebauseen ist in gutem Zustand
Quelle: H&C / Fotolia.de

In vielen Regionen Deutschlands wird seit Jahrhunderten Braunkohle in Tagebauen gefördert. Wo die Förderung beendet ist, bleiben riesige Krater zurück. Diese werden meist mit Wasser gefüllt oder entwickeln sich durch Grundwasseranstieg und Niederschlag selbständig zu Seen. Viele dieser Tagebauseen haben das Potenzial eine sehr gute Wasserqualität zu entwickeln. Das zeigt eine Untersuchung für das Umweltbundesamt (UBA). Die neuen, künstlichen Seen bieten Chancen für Freizeit, Erholung und Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Insgesamt bleibt die Braunkohle aber der schmutzigste Energieträger: Allein im Jahr 2014 verursachte die Braunkohle Umweltschäden in Höhe von 16,8 Milliarden Euro. Ein Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ist daher dringend nötig.

Untersucht wurden in der Studie insgesamt 36 Seen in der Lausitz, in Mitteldeutschland, im Rheinland, in Hessen und Bayern. In die Bewertung des ökologischen Potenzials gehen neben biologischen Komponenten wie Plankton und Wasserpflanzen auch Chemikalien im Gewässer mit ein. 19 der Seen haben ein „gutes“ oder „sehr gutes“ ökologisches Potential. 12 Seen konnten nur als „mäßig“ eingestuft werden, obwohl die sie eine intakte Biologie aufweisen. Sie sind jedoch oft mit zu viel Quecksilber oder hormonell wirksamen Tributylzinnverbindungen belastet. Ein See wurde wegen zu hoher Nährstoffgehalte als „unbefriedigend“ eingestuft. Fünf Seen konnten noch nicht abschließend bewertet werden.

Bedingt durch die Abbautechnologien ergeben sich vielfältige Formen der Seen, die nicht auf natürliche Weise in den Regionen vorkommen. Alte Tagebauseen sind meist klein, neue sehr groß, wie der Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt, der Senftenberger See in Brandenburg oder der Partwitzer See in Sachsen mit künftig über 1.000 Hektar Wasserfläche. In Deutschland existieren mehr als 500 Tagebauseen. Bis 2018 wird in Brandenburg und Sachsen das größte künstliche Seengebiet Europas entstehen.

In der Gesamtumweltbilanz schneidet die Braunkohle weiter äußerst schlecht ab. Den wesentlichen Teil der Umweltschäden machen nämlich die Emissionen von Feinstaub, Stickstoffdioxid und Kohlendoxid aus. Sie entstehen, wenn Braunkohle zur Stromerzeugung verbrannt wird. Eine Kilowattstunde Strom aus Braunkohle verursacht Umweltschäden von fast 11 Cent/kWh. Bei Erdgas sind es nur 5 Cent/kWh. Solarstrom kommt auf lediglich 1 Cent/kWh und die Windkraft verursacht im Schnitt nur 0,25 Cent/kWh. Das spricht – trotz aller Erfolge bei der Renaturierung – eindeutig für einen schnellen und geordneten Ausstieg aus der Braunkohle.

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