Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten

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Trockenheit vermindert das Pflanzenwachstum und Erträge
Quelle: Bernd Brueggemann / Fotolia

Nachdem es schon 2018 und 2019 in Deutschland viel zu wenig geregnet hat und dies in den Wintermonaten nur zum Teil ausgeglichen wurde, herrscht vielerorts bis in die tieferen Bodenschichten eine außergewöhnliche Dürre. Was bedeutet das für Vegetation, Grundwasser und Landwirtschaft? Ist das bereits der Klimawandel? Und wie können wir uns anpassen?

Trockengelegt – Droht Deutschland nach dem Hitzesommer eine Wasserknappheit?

Interview mit der UBA-Wasserexpertin als O-Töne für das Radio. mehr

Trockene Monate im Jahr 2020

In den vergangenen Monaten hat es in Deutschland viel zu wenig geregnet. Vor allem der April war sehr trocken: Nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war er der sonnigste sowie der dritttrockenste April seit Messbeginn in Deutschland im Jahr 1881. Mit knapp 17 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erreichte er kaum ein Drittel seines Solls von 58 Liter pro Quadratmeter. An zahlreichen Messstationen des DWD, vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands, fiel vom 1. bis zum 27. April 2020 gar kein messbarer Niederschlag. Die Böden, die sich im nassen Februar meist gut mit Feuchtigkeit gefüllt hatten, trockneten in den oberen Bodenschichten wieder aus, wodurch die Waldbrandgefahr gebietsweise auf die höchste Stufe stieg. Der „Dürremonitor Deutschland“ des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zeigt aktuell (Stand 09. August 2020) für den Gesamtboden (bis ca. 1,8 Meter Tiefe) für weite Teile Ost- und Mitteldeutschlands sowie in einigen Bereichen im Süden und Westen Deutschlands eine extreme bis außergewöhnliche Dürre. Aktuell nehmen auch die Anzeichen für Trockenheit in den oberen Bodenschichten wieder zu, denn auch in den Monaten Mai und Juli gab es zu wenig Regen: Laut DWD verfehlte der Mai 2020 mit rund 40 Litern pro Quadratmetern (l/m²) seinen Klimawert von 71 l/m² deutlich. Auch der Juli erreichte mit rund 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) nur 65 Prozent seines Solls von 78 l/m². Allein der Juni erreichte mit 90 l/m² den üblichen Wert von 85 l/m².

Gibt es in Deutschland ein Problem mit Wasserknappheit? 

Wir haben in Deutschland ein potenzielles Wasserdargebot  gemittelt über viele Jahre von 188 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das Wasserdargebot ist eine Größe des regionalen Wasserkreislaufs und umfasst die Menge an Grund- und Oberflächenwasser, die wir theoretisch nutzen können. Im langjährigen Mittel fließen in die jährlich ermittelten erneuerbaren Wasserressourcen der Niederschlag, die Verdunstung sowie die Zuflüsse nach und die Abflüsse aus Deutschland in die Berechnung ein. Neben dem über viele Jahre gemittelten Wasserdargebot zeigt das jährliche Wasserdargebot starke witterungsbedingte Schwankungen. So lagen die erneuerbaren Wasserressourcen im Jahr 2018 bei 119 Milliarden Kubikmeter. 

Allerdings sind die Wasserentnahmen über die letzten Jahrzehnte deutlich zurückgegangen. Das liegt an Wasserkreislaufführung in der Industrie, an der Reduzierung von Kühlwasser für Kraftwerke und Einsparungen bei der öffentlichen Wasserversorgung. 

Die öffentliche Wasserversorgung entnimmt mit 2,8 Prozent aber nur einen Bruchteil der erneuerbaren Wasserressourcen. In privaten Haushalten ist der Verbrauch von 1990 bis heute erheblich zurückgegangen (von 144 Litern/Person/Tag 1991 auf 123 Liter heute). Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern (s. S. 56 und 57 der Broschüre „Wasserwirtschaft in Deutschland“).

Bisher gibt es in Deutschland flächendeckend keinen Wasserstress. Man spricht von Wasserstress, wenn die gesamte Wasserentnahme eines betrachteten Jahres mehr als 20 Prozent des langjährigen mittleren Wasserdargebots beträgt. Das ist in Deutschland nicht der Fall, es sind 12,8 Prozent (2016).

Trotz des insgesamt ausreichenden Wasserdargebots gibt es regionale Unterschiede in der Wasserverfügbarkeit. Dies hat sich auch in den Jahren 2018 und 2019 gezeigt. An der einen oder anderen Stelle hat es lokale oder regionale Engpässe gegeben. Dies liegt zum einen an unterschiedlichen klimatischen Randbedingungen. Zum anderen konnte zum Teil nicht auf zusätzliche örtliche Ressourcen zugegriffen werden, da bei diesen die Nitratwerte zu hoch waren. Dies ist in der Regel ein Ergebnis zu hoher landwirtschaftlicher Düngung. 

Weitere aufeinander folgende trockene Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit. Die Landwirtschaft, die Wasserversorgung, die Wasserführung in Gewässern, Ökosysteme wie Feuchtgebiete und Wälder und weitere wasserbezogene Nutzungen wie die Schifffahrt können betroffen sein. Darauf müssen sich alle Wassernutzer, auch die Wasserversorger, einstellen.

Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass der Bedarf zur Bewässerung in der Landwirtschaft steigen wird. Derzeit hat die Bewässerungslandwirtschaft in Deutschland mit einer Wasserentnahme von ca. 1,3 Prozent  der gesamten Entnahmemenge nur eine geringe Bedeutung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 451.800 Hektar landwirtschaftliche Fläche in Deutschland bewässert (2015). Die Beregnungsbedürftigkeit wird deutschlandweit tendenziell zunehmen, allerdings ist dies regional sehr unterschiedlich. Die Bewässerungsmenge ist stark abhängig von der landwirtschaftlichen Produktion. So wird der Obst- und Gemüsebau bisher stärker bewässert, als dies für viele Ackerkulturen der Fall ist. Hingegen ist Bewässerung für die Wälder, die ebenfalls stark unter der anhaltenden Trockenheit leiden, keine Option. 

Zukünftig werden also mehr Nutzer als heute um eine knapper werdende Ressource konkurrieren. Deshalb müssen wir zum einen über eine gerechte Verteilung, also eine Priorisierung nachdenken, die auch die Bedürfnisse der (Gewässer-)Ökosysteme berücksichtigt. Zum anderen sind alle Gewässernutzer aufgefordert, die Wasserressourcen zu schonen, d.h. das entnommene Wasser so effizient wie möglich zu verwenden und die Gewässer und das Grundwasser nicht zu verschmutzen.

Um nicht nur auf Oberflächengewässer und Grundwasser zurückzugreifen, wird derzeit die Wasserwiederverwendung für die Landwirtschaft diskutiert. Dies ist in vielen südeuropäischen Ländern bereits gängige Praxis. Allerdings sind an die Wasserwiederverwendung strenge hygienische und Umweltanforderungen zu stellen.

Was bedeutet „Bodenfeuchte“, und welche Rolle spielt sie für die Trockenheit?

Die Bodenfeuchte wird über den Wassergehalt und die vom Porenraum des Bodens ausgehende Bodenwasserspannung beschrieben. Je nach Porenraum und Bodenfeuchte haben die Böden eine unterschiedliche Fähigkeit, Wasser zu speichern. Wasser ist mit der Bodensubstanz und der Bodenluft eines der drei Bestandteile des Bodens. Ohne Bodenwasser und Bodenluft ist es kein Boden, wie wir ihn als Produktionsgrundlage unserer Nahrungsmittel kennen. Stellen Sie sich den Boden als „ein träges System“ vor: Viele Böden sind infolge der letzten trockenen Jahre 2018 und 2019 immer noch sehr trocken, vor allem unterhalb von einer Profiltiefe von 60 cm.  

Welche Folgen kann das für die Ernteerträge bzw. die Pflanzen im Allgemeinen haben? 

Landwirtschaft: Trockenheit vermindert das Pflanzenwachstum und die Erträge. 2018 führten in Deutschland die hohen Temperaturen und geringen Niederschläge zu Ertragsausfällen, von denen insbesondere Norddeutschland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Teile von Bayern stark betroffen waren. Diese Ausfälle betrafen nicht nur das Ackerland, sondern auch das Grünland, was bei vielen rinderhaltenden Betrieben zu einem Futtermittelmangel führte. 2019 fiel im Vergleich zum Vorjahr mehr Niederschlag, welcher auch über das Jahr besser verteilt war. Dennoch blieb die Niederschlagsmenge unter dem vieljährigen Mittel (im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990). Hinzu kamen Rekordtemperaturen im Juni und Juli, was zu einem Anstieg der potenziellen Verdunstung führte. Somit konnte auch 2019 der Bodenwasserspeicher nicht ausreichend aufgefüllt werden, sodass einige landwirtschaftliche Kulturen auch 2019 unter mangelnder Wasserversorgung litten.

Noch ist unklar, wie sich die Situation 2020 in Bezug auf die landwirtschaftlichen Erträge entwickeln wird. Wenn nun im dritten Jahr in Folge die klimatische Wasserbilanz im Jahresdurchschnitt negativ ausfällt, wird dies voraussichtlich abermals Ertragseinbußen bedeuten. Der Februar 2020 war sehr feucht. Dadurch waren die Böden zu Beginn der diesjährigen Vegetationsperiode in den meisten Regionen gut mit Wasser versorgt, und das Pflanzenwachstum wurde durch das Niederschlagsdefizit bislang nur wenig beeinträchtigt. Es bleibt jedoch festzustellen, dass der feuchte Februar 2020 die seit Frühjahr 2018 aufgelaufenen Niederschlagsdefizite bei weitem nicht ausgeglichen hat. Auch das diesjährige Frühjahr war bereits wieder zu trocken. Normalerweise können Pflanzen während einer Trockenperiode, in der der Wasserbedarf die Niederschlagsmenge übersteigt, auf den Wasserspeicher im Boden zurückgreifen und diese Phase somit überstehen. Aufgrund der vergangenen zwei Jahre ist in der durchwurzelbaren Zone vielerorts zu wenig Wasser vorhanden, um den Wasserbedarf der Pflanze aus dem Bodenspeicher zu decken. Somit kann es bereits bei weniger intensiver Trockenheit zu Ertragsverlusten kommen. 

Ein aus Umweltsicht problematischer Nebeneffekt von Trockenheit und Ernteausfällen ist, dass diese in aller Regel zu hohen Nährstoffüberschüssen von Stickstoff und Phosphor führen. Die Kulturpflanzen sind nicht in der Lage, die Düngemengen vollständig aufzunehmen. Die so entstehenden Nährstoffüberschüsse haben vielfältige negative Umweltwirkungen, etwa durch die Beeinträchtigung der Wasserqualität, negative Wirkungen auf die Artenvielfalt und erhöhte Treibhausgasemissionen (z.B. in Form von Lachgas).     

Winderosion: Winderosion bewirkt einen Verlust humusreichen Feinmaterials aus den Ackerflächen. An diesen Stellen sind dann geringeres Pflanzenwachstum und in der Erntezeit geringere Erträge festzustellen – noch bis in die folgenden Jahre und Jahrzehnte. Auch an Stellen, in die das Feinmaterial eingeweht wird, kommt es zunächst zu Ertragseinbußen, wenn sich das Material dort auf Keimlingen und Pflanzen abgelagert hat. Besonders groß ist die Gefahr der Winderosion auf Ackerflächen ohne geschlossene Bodenbedeckung. Kommen dann noch im Frühjahr starke Winde hinzu, kann humusreiches Feinmaterial durch Winderosion verdriftet, d.h. ausgeweht werden. Die Bodenfruchtbarkeit und das Pflanzenwachstum leiden darunter. 

Straßenbäume: Straßenbäume wachsen häufig unter schlechteren Standortbedingungen als Bäume in der freien Natur – neben dem begrenzten Raum für Wurzelwachstum können die Verdichtung des Bodens, Schadstoffe oder Streusalz die Bäume schädigen. Trockenheit verschlechtert diese Standortbedingungen noch zusätzlich: Sie verschärft das durch Versiegelung und Verdichtung ohnehin schon bestehende Problem der unzureichenden Wasserversorgung der Wurzeln und mindert das Baumwachstum, so dass junge Bäume absterben, bevor sie richtig groß geworden sind.

Welche Regionen in Deutschland könnten besonders von Trockenheit betroffen sein? 

Der Wasserspeicher Boden wurde im Winter 2019/2020 durch ausreichende Niederschläge vor allem im Februar gut gefüllt. Lediglich in Thüringen, im südlichen Sachsen-Anhalt und in Teilen von Sachsen und Brandenburg blieb die Auffüllung unvollständig. Meist kommt es mit der einsetzenden Vegetationszeit zu einem allmählichen Austrocknen des Bodens. In diesem Jahr trafen aber ein sehr frühes Einsetzen der Vegetationsperiode (bereits Mitte März) mit einer niederschlagsarmen und sonnigen Phase im März/April zusammen. Diese Kombination führte dazu, dass die oberen Bodenschichten bereits im April 2020 auffällig trocken waren.

Besonders von Winderosion gefährdet sind die eiszeitlich geprägten Gebiete im Nordwesten, Nordosten und Osten von Deutschland (Schleswig-Holstein, weite Teile von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, das Münsterland und Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Ost-Sachsen). Fehlt auf feinsandreichen und lehmig-sandigen Böden dann noch eine geschlossene Bodenbedeckung, kann bei Trockenheit die Winderosion angreifen. Prognosen zeigen, dass bis in das Jahr 2040 in allen Landschaftsräumen mit einem Anstieg der natürlichen Erosionsgefährdung durch Wind gerechnet werden muss, vor allem in den küstennahen Gebieten.

Hat eine anhaltende Trockenheit Auswirkungen auf das Grundwasser – und damit auch auf das Trinkwasser? 

Etwa 70 Prozent des deutschen Trinkwassers stammt aus Grund- und Quellwasser. Langanhaltende Trockenheit kann nachteilige Auswirkungen auf die Grundwasserstände haben. So sind zum Beispiel 2018 und 2019 aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in einigen Regionen die Grundwasserstände deutlich zurückgegangen. Trotzdem gab es bisher keine flächendeckenden negativen Auswirkungen auf Trinkwasser aus Grundwasserressourcen. Es herrscht in Deutschland noch kein Mangel an Trinkwasser. Allerdings kamen im Sommer 2018 in den besonders betroffenen Regionen die Eigenversorgung mit Trinkwasser teilweise zum Erliegen, weil Hausbrunnen trockenfielen. Aussagen zur zukünftigen Entwicklung der jährlichen Grundwasserneubildung sind aufgrund der unsicheren Informationslage zur Niederschlagsentwicklung sowie angesichts der komplexen Wechselwirkungen mit anderen Wirkfaktoren wie Bodenart, Vegetation, Landnutzung und Flächenversiegelung noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat unter „klimafolgenonline“ (http://www.klimafolgenonline.com/) Karten zur simulierten Grundwasserneubildung in Deutschland veröffentlicht.

Ist das nur Wetter oder schon Klimawandel

Die Abnahme der Bodenfeuchte ist ein langfristiger Prozess, der vom Klimawandel beeinflusst wird (siehe Monitoringbericht 2019). In Deutschland sind dabei vor allem Regionen mit leichtem, sandigem Boden, das heißt Teile Ostdeutschlands und das Rhein-Main-Gebiet, betroffen.

Bei Extremereignissen wie Starkregen ist es schwieriger, einen Zusammenhang zum Klimawandel herzustellen: Die Zuordnung, eines Einzelereignisses zu einem Trend ist beim Klimawandel wissenschaftlich schwierig, da die „normale“ Variabilität des Wetters sehr hoch ist. Doch die gestiegene Summe an Extremereignissen, die wir in den letzten Jahren beobachten, weist deutlich auf Effekte des Klimawandels hin. 

Beim Hitzesommer 2018 besteht ein Zusammenhang zum Klimawandel: Der Hitzesommer, wie auch andere Hitzewellen in den vergangenen Jahrzehnten z.B. 2003, wurde von einem schwachen Jetstream mit stagnierenden Wellenmustern beeinflusst. Ein solcher Jetstream wiederum ist eine Folge des Erwärmens des Nordpols durch den globalen Temperaturanstieg. Eine 2019 veröffentlichte Untersuchung zeigt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Rekordtemperaturen – demnach sind Hitzewellen inzwischen mindestens fünfmal wahrscheinlicher als im Jahr 1900.

Wichtig ist, die vergangenen bzw. künftigen Schäden und Umweltwirkungen durch Extremereignisse systematisch zu erfassen, um Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel passgenau zu gestalten. 

Stichwort Anpassung: Was können wir tun, um uns besser auf solche Dürreperioden vorzubereiten? 

In der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft existieren vielfältige Anpassungsmöglichkeiten an Trockenheit und Dürre . Wichtig ist dabei, zwischen langfristigen Maßnahmen mit vorsorgendem Charakter und kurzfristigen Maßnahmen zu unterscheiden. So bietet eine an den Klimawandel angepasste Landbewirtschaftung langfristig besseren Schutz gegenüber Extremereignissen wie Hitzewellen und Trockenheit. 

Maßnahmen in der Landwirtschaft

Das UBA empfiehlt landwirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen, die die Resilienz (Robustheit) der Landwirtschaft gegen extreme Wetterbedingungen steigern. Kritisch sind aus Sicht des UBA langfristige und pauschale Subventionierungen der Landwirtschaft bei trockenheitsbedingten Ernteausfällen, da diese durchaus das Klimarisiko der Landwirtschaft von der Betriebsebene auf die Gesamtgesellschaft verlagern und zur Folge haben können, dass sinnvolle Anpassungsmaßnahmen auf Betriebsebene weniger engagiert in Angriff genommen werden.    

Ist die Trockenheit erst einmal da, ist es in der Regel bereits zu spät. Doch im Vorfeld sind viele Maßnahmen sinnvoll, die häufig auch positive Effekte in Hinblick auf andere Umweltgüter haben. Mulchsaat, und Pflugverzicht bzw. konservierende Bodenbearbeitung können beispielsweise die Verdunstung reduzieren und haben weitere positive Wirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit. Auch durch Sorten und Kulturarten, die besser mit Trockenstress zurechtkommen, können Ertragsausfälle reduziert werden. Überhaupt kann durch eine größere Diversifizierung an angebauten Sorten und Kulturarten das Risiko starker Ernteeinbußen oder gar eines Totalausfalls deutlich reduziert werden, denn jede Kulturart hat eigene Ansprüche an die Menge und den Zeitpunkt der Wasserversorgung.  

Winderosion ist eine Herausforderung für den Bodenschutz. Gegen Winderosion bei trockener Witterung helfen neben der Wahl geeigneter Fruchtfolgen die Mulchsaat, vor allem bei Kulturen mit späten Aussaatterminen wie Sommergetreide, Mais und Zuckerrübe. Bei der Bodenbearbeitung kann viel durch die Erhöhung der Oberflächenrauigkeit und eine intensive Humuswirtschaft gewonnen werden, die die Bodenfeuchte im Oberboden erhält (Stichwort: Water farming).

Agroforst (d.h. Mischung landwirtschaftlicher Kulturen und Baumreihen im Wechsel) wirken ebenfalls als Schutz vor Winderosion, verbessert durch höhere Gehalte von Bodenkohlenstoff die Wasserhaltefähigkeit und das Kleinklima vor Ort.

Maßnahmen in der Forstwirtschaft

In der Forstwirtschaft haben die zuständigen Stellen bereits seit einigen Jahren den Waldumbau begonnen, um mit angepassten Arten und der Gestaltung von Mischwäldern die Monokulturen zu reduzieren und die Resilienz (Fähigkeit des Ökosystems, auf Störungen zu reagieren) zu verbessern. So sieht die Schaffung klimarobuster Wälder im Bundesforst die stabile, strukturreiche und standortgerechte Entwicklung von Mischwäldern vor. Dies muss konsequent fortgesetzt werden.

Maßnahmen der Kommunen

Auch die Kommunen müssen sich an Hitze und Trockenheit anpassen. Das setzt ein neues Denken und einen Paradigmenwechsel voraus. Ein Ziel in der Stadtentwicklung und in der Wasserwirtschaft muss daher die Annäherung an die natürliche Wasserbilanz sein. Mit Hilfe naturnaher Maßnahmen wird Wasser nicht mehr abgeführt, sondern verbleibt im Einzugsgebiet . Mögliche Maßnahmen sind die Kühlung und Verschattung von Gebäuden und öffentlichen Räumen durch Frischluftschneisen, Flächenentsiegelung und lokale grüne Infrastrukturen, wie Straßenbäume, Fassadenbegrünungen und Dachbegrünungen. Solche naturnahen Elemente stärken die dezentrale Regenwasserversickerung und helfen somit Bodenfeuchte und Grundwasserneubildung in urbanen Räumen zu erhöhen. Dies verbessert die Pflanzenversorgung in Trockenphasen. Für Dürreperioden können darüber hinaus Bewässerungsmöglichkeiten etabliert werden. Diese müssen jedoch effizient und wassersparend gestaltet sein. Bei der Verwendung von Brauchwasser (z.B. Regenwasser, aufbereitetes Grauwasser (gering verschmutztes Abwasser)) zur Bewässerung von urbanen Grünflächen sind qualitative und hygienische Fragen zu berücksichtigen.

Darüber hinaus wird Anpassung an den Klimawandel in der Städtebauförderung gestärkt, indem beispielsweise grüne Infrastrukturen wie Stadtgrün gefördert werden.

Was können Bürgerinnen und Bürger bei Trockenheit tun?  

Sorgsam mit Trinkwasser umgehen

Die Trinkwassernutzung ist in den letzten Jahrzehnten durch ein hohes Bewusstsein bei den Bürgerinnen und Bürgern und zum Beispiel den Einsatz von wassersparenden Armaturen und Geräten kontinuierlich zurückgegangen. Sie hat sich bei etwa 123 Litern pro Person und Tag eingependelt. Doch auch weiterhin sollte mit Wasser – insbesondere mit Warmwasser – sorgsam umgegangen werden. Dazu gehört, Waschmaschine und Geschirrspüler nur anzuschalten, wenn sie voll beladen sind oder das Vollbad durch eine Dusche zu ersetzen. Außerdem gilt: Alle Maßnahmen, die zu einer geringeren Verschmutzung der Gewässer beitragen, erhöhen die Wasserverfügbarkeit. Dazu tragen zum Beispiel der Kauf von Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Bioziden in Garten und Haushalt und die ordnungsgemäße Entsorgung von Arzneimitteln bei. Weitere Tipps auf S. 216 ff der Broschüre „Wasserwirtschaft in Deutschland“.

An Hitzetagen ist ein angepasstes Verhalten mit entsprechender Kleidung, Aufenthalt im Schatten und ausreichendem Trinken wichtig.

Was ist beim Pflanzengießen im Garten zu beachten?

Gießen Sie bei Hitze nicht in der Mittagszeit, sondern am frühen Morgen oder am späten Abend – dann verdunstet das Wasser nicht so schnell. Am frühen Morgen ist es sogar besser als am späten Abend, da dann die Bodentemperaturen und folglich auch die Verluste durch Bodenevaporation niedriger sind. Ansonsten gilt: Lieber seltener gießen und gut durchfeuchten, als häufig und wenig (im ersten Fall bilden sich die Wurzelsysteme dann auch in die Tiefe aus).

Versuchen Sie, nicht die Blätter, sondern direkt den Erdboden zu gießen – dann bilden sich weniger Pilze und die Blätter riskieren nicht, durch den Lupen-Effekt zu verbrennen. Nutzen Sie möglichst Regenwasser zur Bewässerung von Garten und Balkonpflanzen. Das Gießen von Pflanzen, Bäumen, Obst und Gemüse in Haus und Garten ist die einfachste und sinnvollste Nutzung von Regenwasser. Bei anhaltender Trockenheit können Kommunen und Wasserversorger weitergehende Hinweise zur Gartenbewässerung und dem Befüllen von Pools geben.  

Weitere Praxistipps gibt es in den UBA-Umwelttipps für den Garten

Ist es sinnvoll, Stadt- und Straßenbäume zu wässern?

Der Wert unserer Stadt- und Straßenbäume ist unschätzbar. Sie regulieren zum Beispiel das Mikroklima, spenden Schatten, filtern Emissionen aus Luft und Boden, werten das Stadtbild auf und sind Lebensraum stadttypischer Vogel- und Insektenarten. Stadtbäume wachsen meist unter schlechteren Standortbedingungen als Bäume in der Natur und leiden unter Verdichtung, Schadstoffen oder Streusalz, so dass die Folgen des Klimawandels – wie Trockenheit – sie zusätzlich belasten. Gesunde Straßenbäume sind jedoch für die Kühlung der Städte durch deren kombinierte Wirkung aus Verdunstungsleistung und Schattenwurf von besonderer Bedeutung, da sie der Aufheizung entgegenwirken. 

Wie bei jungen Stauden und Gemüse auch, brauchen gerade junge Straßenbäume besonders viel Wasser. Ihre Wurzeln reichen meist noch nicht bis zum Grundwasserspiegel. „Pi mal Daumen“ braucht ein Baum mindestens zehn Liter Wasser pro Tag (d.h. einen Wassereimer), deshalb hat beispielsweise der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Ende April 2019 eine Nachbarschafts-Aktion angestoßen, die Bürgerinnen und Bürger aufruft, beim Gießen zu helfen. Ein weiteres Beispiel ist das Straßenbaumkataster in Hamburg, das übrigens über seine interaktive Karte das Spenden für einen Baum ermöglicht (Spenden-Aktion Mein Baum – Meine Stadt). Wie Sie den Bäumen in Ihrer Umgebung richtig helfen können, erfahren Sie mit einem Klick in den Tipps der Stadt Hamburg. Bei länger anhaltender Trockenheit sind die Informationen von Kommunen und Wasserversorgern zu beachten, ob eine Bewässerung in Gärten und auf kommunalen Flächen mit Trinkwasser ggf. eingeschränkt ist.