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Luft und Luftreinhaltung

Wirkungen von Luftverunreinigungen

Letzte Änderung: 14.05.2012

Wirkungen von Luftschadstoffen in Landökosystemen und ihre Bewertung

Einträge von Schwefel- und Stickstoffverbindungen führen zur Versauerung des Bodens. Damit einhergehend ändern sich Menge und Zusammensetzung des Nährstoffangebotes. Pflanzen und Pflanzen­gesell­schaften, die auf neutrale Bodenverhältnisse angewiesen sind, haben bei den derzeitigen Schadstoffeinträgen vielerorts langfristig keine Überlebenschance.

Stickstoffverbindungen führen darüber hinaus zu einer Überdüngung (Eutrophierung) naturnaher terrestrischer Ökosysteme. Langanhaltende, erhöhte Stickstoffeinträge über die Luft verändern die Gleichgewichte zwischen Stickstoff und anderen Nährstoffen (wie Magnesium, Phosphor und Kalium) im Boden und beeinträchtigen damit die ausgewogene Ernährung der Pflanzen. Der unausgewogene Ernährungsstatus führt zu geringerer Toleranz des gesamten Ökosystems gegenüber kurzzeitigen Störungen oder Stress (Frost, Trockenheit, Schädlinge). Stickstoffeinträge sind eine Hauptursache für den Verlust an biologischer Vielfalt in Europa.

Neben den negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, führen die hohen Einträge reaktiven Stickstoffs in Ökosysteme auch zu einer Beeinträchtigung der Grundwasserqualität durch erhöhte Nitratauswaschungen sowie zu gesteigerten Treibhausgasemissionen (insbesondere von Lachgas).

Schwermetalle wirken bei Überschreitung bestimmter Konzentrationen toxisch auf Lebewesen und können dann Ökosystemfunktionen stören.

Die Bewertung der Eutrophierungs-, Versauerungs- und Schwermetallwirkungen erfolgt mit Hilfe ökosystemspezifischer kritischer Belastungsraten für luftgetragene Schadstoffeinträge (Critical Loads). Die Höhe des jeweils tolerierbaren Schadstoff­eintrags richtet sich nach den Eigenschaften des betrachteten Ökosystems. Die Einhaltung oder Unterschreitung des Critical Loads stellt sicher, dass es weder akut noch langfristig zu schädigenden Wirkungen auf empfindliche  terrestrische Ökosysteme kommt.

Auch bodennahes Ozon hat eine schädigende Wirkung auf die Vegetation. Die Schadwirkung von Ozon kann zu Ertrags- bzw. Qualitätsverlusten (zum Beispiel Verfärbungen und Absterben von Blattteilen) führen oder im Falle von Bäumen auch langfristige Effekte haben (etwa die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schädlingen). Man bewertet Ozonwirkungen mit Hilfe von kritischen Konzentrationen (Critical Levels), die als kumulierte Expositionsdosis über einen 1-Jahres-Zeitraum definiert sind. Eine neue Methodik berücksichtigt bei der Bewertung explizit die Aufnahme von Ozon durch die Pflanze (Ozonfluss).

Alle genannten anthropogenen  Einflüsse wirken zusammen und gemeinsam mit natürlichen Standortfaktoren sehr unterschiedlich: Die Wirkungen können sich gegenseitig verstärken oder auch abschwächen.

Die durch die Luftschadstoffe verursachten Veränderungen der Ökosysteme können dazu führen, dass diese ihre Funktionen nur noch eingeschränkt erfüllen, was auch Dienstleistungen für den Menschen einschränkt, so z. B. die Bereitstellung von sauberem Grundwasser und anderen Ressourcen, Hochwasserschutz, die Eignung für Erholungszwecke u. v. m. (siehe auch: Ökosystemintegrität).

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