Schienenverkehrslärm

Güterzüge auf einem Rangierbahnhofzum Vergrößern anklicken
Schienenverkehr hat ökologische Vorteile – laut ist er trotzdem.
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Bei der ansonsten umweltschonender Bahn ist der Lärm das gravierendste Umweltproblem. Er wird zunehmend zum Hemmschuh für den Ausbau des Schienennetzes und gefährdet das politische Ziel, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Inhaltsverzeichnis

 

Was ist Schienenverkehrslärm?

Schienenverkehrslärm ist der Lärm der durch den Betrieb von Fahrzeugen auf Schienenwegen (Schienenwege der Eisenbahnen und Straßenbahnen, auch Rangier- und Umschlagbahnhöfe), entsteht. Lärm von abgestellten Schienenfahrzeugen oder Geräusche von Betriebs- oder Werksgeländen zählen nicht zum Schienenverkehr. Dieser Lärm ist Gewerbelärm. Eine Unterscheidung der Lärmquellen findet sich im Umweltleitfaden VI des Eisenbahn-Bundesamtes.

 

Geräuschbelastung durch Schienenverkehr

Der Schienenverkehr ist eine bedeutende Lärmquelle in Deutschland. Etwa ein Fünftel der deutschen Bevölkerung fühlt sich durch Schienenverkehrslärm gestört oder belästigt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage mit etwa 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum „Umweltbewusstsein in Deutschland 2014“ hervor. Problematisch sind vor allem „Hotspots“ entlang der europäischen Güterverkehrskorridore, mit räumlich konzentrierten, extrem hohen Belastungen - z.B. im Mittelrhein- oder im Elbtal.

Mit der EU-Umgebungslärmrichtlinie wurde 2012 die Geräuschbelastung der Bevölkerung auf Haupteisenbahnstrecken in Ballungsräumen mit mindestens 100.000 Einwohnern und an Bahnlinien mit einem Verkehrsaufkommen von mindestens 30.000 Zügen pro Jahr erfasst. Demnach sind rund 950.000 Menschen in Deutschland ganztags Pegeln von mehr als 65 dB(A) ausgesetzt. Nachts sind 1,9 Millionen Menschen mit Pegeln von mehr als 55 dB(A) belastet (siehe Tabelle).

Die Kartierung der EU-Umgebungslärmrichtlinie erfasst jedoch bei nicht alle Belastungen durch den Schienenverkehrslärm. Das Eisenbahn-Bundesamt kartiert Lärm, der von Schienenwegen von Eisenbahnen des Bundes ausgeht und es werden nur die Verkehrszahlen, nicht jedoch die Verkehrsarten (Güter- beziehungsweise Personenverkehr) betrachtet. Dies kann beispielsweise an reinen Güterverkehrsstrecken dazu führen, dass diese trotz hoher Geräuschbelastung nicht kartiert werden.

 

Lärmschutz beim Neubau oder der wesentlichen Änderung eines Schienenweges

Eine generelle Regelung zum Schutz vor Schienenverkehrslärm gibt es in Deutschland nicht. Lediglich beim Neubau oder einer wesentlichen Änderung eines Schienenweges, wenn zum Beispiel der Schienenweg um ein durchgehendes Gleis baulich erweitert wird, sind die in der Verkehrslärmschutzverordnung festgelegten Immissionsgrenzwerte einzuhalten (Lärmvorsorge). Die Verordnung enthält auch die Vorschrift, nach der die Geräuschbelastung vor den Gebäuden der Betroffenen berechnet wird (Beurteilungsverfahren). Die Berechnung nach der Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von Schienenwegen (Schall 03) ist zwingend vorgeschrieben, Messungen sind nicht vorgesehen.

Einfluss auf den Lärm haben unter anderem die Anzahl und Art der Schienenfahrzeuge, deren Geschwindigkeit, die Fahrbahnart (z.B. Schwellengleis, Feste Fahrbahn) und der Abstand von Gebäuden zum Schienenweg. Geräuschbelastungen, die von Rangier- und Umschlagbahnhöfen stammen, werden seit dem 1. Januar 2015 ebenfalls nach der Schall 03 berechnet.

Überschreitet die errechnete Belastung (Beurteilungspegel) die festgelegten Grenzwerte, sind Schallschutzmaßnahmen erforderlich, z.B. Schallschutzwände, Schallschutzwälle oder Schallschutzfenster. Bauliche Schallschutzmaßnahmen am Schienenweg haben Vorrang. Wenn allerdings die Kosten für diese Schutzmaßnahmen unverhältnismäßig hoch sind, sind Schallschutzmaßnahmen an den betroffenen Gebäuden als letzte Möglichkeit vorzusehen. Die abschirmende Wirkung von Schallschutzwänden oder -wällen wird auch nach der Schall 03 berechnet. Die Berechnung der erforderlichen Schalldämmung der Außenwände und Fenster erfolgt nach der Verkehrswege-Schallschutzmaßnahmenverordnung.

Neubau und oft auch erhebliche bauliche Eingriffe erfordern ein Planfeststellungsverfahren. In diesem Verfahren können die von der Planfeststellung betroffenen Personen ihre Rechte und Interessen geltend machen. Dabei sind Fristen zu beachten.

 

Lärmsanierung

Auch wenn für den Lärmschutz an bestehenden Schienenwegen explizit keine verbindlichen Regelungen vorhanden sind, bestehen gegebenenfalls Möglichkeiten, Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen. Lärmschutz an bestehenden Schienenwegen wird als Lärmsanierung bezeichnet. Sie wird als freiwillige Leistung des Bundes nach Haushaltsrecht gewährt.

Im Gegensatz zur Vorsorge beim Neubau oder der wesentlichen Änderung von Schienenwegen sind die Immissionswerte bei der Lärmsanierung nicht so anspruchsvoll. Die Immissionsgrenzwerte der Richtlinien für den Verkehrslärmschutz an Bundesfernstraßen in der Baulast des Bundes (siehe Dokumente rechte Spalte) werden auch für die Lärmsanierung beim Schienenverkehr herangezogen. Die Art der Lärmschutzmaßnahmen entspricht denen der Lärmvorsorge.

 

Geräuschgrenzwerte für Schienenfahrzeuge

Europaweit einheitliche Geräuschgrenzwerte für neue Schienenfahrzeuge sind in der „Technischen Spezifikation für die Interoperabilität zum Teilsystem „Fahrzeuge – Lärm“ (TSI Noise 2015) festgelegt. Für Schienenfahrzeuge, die vor dem Inkrafttreten der ersten TSI Noise 2006 in Betrieb genommen wurden, existieren keine Geräuschgrenzwerte. Auf Basis der Interoperabilitäts-Richtlinie behalten die Inbetriebnahme-Genehmigungen für diese Fahrzeuge bis auf Weiteres ihre Gültigkeit. Für Bestandsfahrzeuge gilt die aktuelle TSI Noise bisher nicht, jedoch gibt es zur Zeit seitens der EU Bestrebungen, die TSI Noise auch auf Bestandsfahrzeuge auszuweiten.

Der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien aus dem Jahre 2013 befasst sich zudem mit dem Thema der lärmmindernden Bremsen. Bis zum Jahre 2020 sollen keine Grauguß-gebremsten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz verkehren. Dazu plant die Bundesregierung ein Gesetz, welches ab dem Fahrplanwechsel 2020/2021 die lauten Wagen verbietet. Diese Bremssohlen sollen durch neue Verbundstoffsohlen (K- oder LL-Sohlen) ersetzt werden. Dies kann bei entsprechender Gleispflege (z.B. Besonders überwachtes Gleis – BüG) zu einer Lärmverringerung bis zu 10 dB(A) führen. Weitere Anreize für lärmärmere Schienenfahrzeuge könnte eine stärkere Spreizung der lärmabhängigen Trassenpreise bieten, die finanzielle Vorteile für leisere Fahrzeuge gewährt.

 

Lärmminderung im Schienenverkehr

Für eine effektive Lärmminderung müssen verschiedene Maßnahmen kombiniert werden. Die Rollgeräusche sind bei den üblichen Geschwindigkeiten die dominierende Lärmquelle. Um diese zu mindern – nach der Philosophie „glattes Rad auf glatter Schiene“ – müssen verschiedene Aspekte beachtet werden:

Die Schiene ...

  • muss glatt sein (dies wird z.B. durch akustisches Schienenschleifen wie beim „besonders überwachten Gleis“ (BüG) oder dem Hochgeschwindigkeitsschleifen erreicht, siehe auch in der rechten Spalte unter Publikationen: "Weiterentwicklung der Prognoseverfahren der Verkehrslärmschutz-Verordnung (16. BImSchV)"),
  • darf nur wenig Schall abstrahlen (Schienenstegdämpfer, Schienenstegabschirmungen, niedrige Schallschutzwände etc.).

Die beste Schiene kann ihr Potenzial aber nur voll entfalten, wenn auch die Fahrzeuge eine hohe akustische Qualität aufweisen – und umgekehrt genauso. Deshalb gilt:

Die Räder ...

  • müssen glatt sein (Scheibenbremsen, K- oder LL-Sohlen statt Grauguss-Sohlen, Radpflege)
  • sollen wenig Schall abstrahlen (günstige Radformen, Radabsorber, Radabschirmungen) – ebenso wie der Rest des Fahrzeugaufbaus.

Lärmminderungsmaßnahmen am Ausbreitungsweg sollten erst nach den Maßnahmen am Fahrzeug und Gleis genutzt werden, um die Lärmimmissionen weiter zu verringern. Dazu zählen Schallschutzwände, -wälle und -fenster. Die gezielte Verkehrslenkung zur Entlastung von Hot-Spots kann ebenfalls dazu beitragen, den Lärm durch den Schienenverkehr zu mindern.

 

Ansprechpartner bei Lärmproblemen

Ansprechpartner ist der jeweilige Eisenbahnverkehrsbetreiber (z. B. Deutsche Bahn),  der jeweilige Infrastrukturbetreiber (z. B. DB-Netz) und das jeweilige Landesumweltamt der einzelnen Bundesländer. Bei Straßenbahnen können Sie sich an die zuständige Verkehrsgesellschaft wenden. Bei öffentlichen Schienenwegen der Eisenbahn ist der Ansprechpartner auch noch die jeweilige Außenstelle des Eisenbahn-Bundesamtes.