Technische und gestalterische Umsetzung des Onlineshops

Das Bild zeigt ein aufgeklapptes Laptop, auf dessen Bildschirm die Webseite eines Online-Shops angezeigt wird zum Vergrößern anklicken
Schon der Aufbau und die Gestaltung des Webshops kann umweltfreundlich angegangen werden
Quelle: Rawf8 / Adobe Stock

Eine Besonderheit des Onlinehandels gegenüber dem stationären Handel ist die technische Umsetzung sowie die Gestaltung des Webshops. Dabei gibt es sowohl grundlegende Prinzipien, die bei der ökologischen Gestaltung eines Onlineshops berücksichtigt werden sollten, als auch konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für Webseitenbetrieb und -gestaltung.

Inhaltsverzeichnis

 

Allgemeine Prinzipien zur Gestaltung eines ökologischen Onlineshops

Der ökologische Onlineshop sollte es den Kundinnen*Kunden einfach machen, gut informierte Kaufentscheidungen im Internet zu treffen. Auch sollte die Gestaltung energie- und ressourcenschonend umgesetzt werden. Hierfür sollten folgende Prinzipien beachtet werden:

Informativ. Kundinnen und Kunden haben an jedem Punkt des Online-Einkaufs die Möglichkeit, sich über das Produkt und die Kaufoptionen detailliert zu informieren.

Transparent. Werden Bewertungen, Label, Skalen o.ä. eingeführt, wird deutlich gemacht, auf welcher Grundlage diese basieren. Alle den Shop-Betreibenden zugänglichen Informationen über Produkt, Lieferketten und Versand werden an die Kundinnen*Kunden weitergegeben.

Übersichtlich. Um die Kundinnen*Kunden nicht mit zu vielen Informationen zu überfordern, werden diese aufbereitet und übersichtlich dargestellt. Es wird auf eine Priorisierung der Informationen geachtet und je nach Kontext eine Fokussierung vorgenommen. Außerdem wird es Kundinnen*Kunden ermöglicht, einfach und unkompliziert gezielt nach Produkt- oder Umweltinformationen zu suchen.

Ansprechend. Damit es für Kundinnen* Kunden attraktiv wird, sich über ökologische Kaufentscheidungen zu informieren, sollte dies als Erlebnis wahrgenommen werden. Die Seiten sind ansprechend gestaltet und durch Storytelling, Icons, Bilder o.ä. aufgelockert. Werden Icons o.ä. genutzt, sollte auf eine konsistente Nutzung über alle Seiten der Webseite geachtet werden. Auf schmückende Video-Beiträge sollte verzichtet werden.

Minimalistisch. Visuelle Elemente sollten nur da eingesetzt werden, wo sie sinnvoll sind. Gleiches gilt für Informationen und Texte.

Authentisch. Die Produkte und Dienstleistungen werden so realistisch wie möglich dargestellt. Durch eine realistische Einschätzung der Produkte auf Seiten der Kundinnen*Kunden werden Retouren vermieden.

Praxisnah. Der Onlineshop richtet sich in allen Funktionen an den Bedürfnissen der Kundinnen* Kunden aus. Suchmasken, Beschreibungen, Pflegehinweise o.ä. orientieren sich an einer nutzer*innenfreundlichen Anwendung. Die Sprache ist an die Kundinnen- und Kundengruppe angepasst.

Multimedial. Um Informationen wie Nachhaltigkeitsstandards, Produktansichten oder Reparaturanleitungen zu kommunizieren, können verschiedene Formate, wie Infografiken, Videos, Podcast o.ä. genutzt werden. Die Erfahrungen des Sprint-Workshops im ⁠UBA⁠-Vorhaben „Die Ökologisierung des Onlinehandels“ zeigen bspw., dass eine Webseite, die Videos zu Pflege- und Reparaturanweisungen zur Verfügung gestellt hat, sehr gut von den Teilnehmenden aufgenommen wurde. Natürlich muss der Einsatz von medialen Formaten immer angemessen sein und sollte nicht zur bloßen Dekoration oder als Platzhalter dienen. Bei Video-Beiträgen soll Autoplay immer ausgeschaltet sein.

Zugänglich. Die Website muss für alle Personengruppen problemlos zugänglich sein. Deshalb ist auf eine barrierefreie Gestaltung der Seite zu achten. Hier finden Sie Inforamtionen über die Gestaltung barrierefreier Websites.

Datensparsam. Es werden nur die Kundinnen*Kunden Daten gesammelt, gespeichert und verarbeitet, die unbedingt notwendig sind. Dies wird dem Kunden transparent gemacht. Auch die Datenübertragung wird minimiert. Kundendaten werden auch zum Beispiel nach 12 Monaten gelöscht oder gar nicht erst gespeichert. Auf Werbung wir verzichtet. Daten werden nicht an dritte verkauft. Auf Marketingmethoden auf Basis von künstlicher Intelligenz oder andere datenintensive Anwendungen wie zum Beispiel „Kunden kauften auch“-Empfehlungen wird verzichtet, um Energie- und Rohstoffverbrauch zu minimieren.

Sowohl der Webseitenbetrieb als auch die Webseitengestaltung sind elementare Bestandteile eines Onlineshops. Die negativen Umweltwirkungen des Webseitenbetriebs werden oftmals weniger beachtet als andere Bereiche des Onlinehandels. Um diese Bereiche ökologischer zu gestalten, gibt es verschiedene Schritte, die die Betreibenden ergreifen können. Die Umweltwirkungen im Betrieb fallen vorwiegend bei der Herstellung der eingesetzten der Informations-, und Kommunikationstechnologie [IKT-Geräte] (wie Material- & Energieverbrauch und Emissionen), bei der eigentlichen Nutzung (bei Host, Onlineshop-Betreibenden, Kundinnen*Kunden), bei der Datenübertragung sowie bei der Verwertung am Lebensende der Geräte an. Im Falle der Webseitengestaltung ist zu beachten, dass sich Onlineshops auf der kommunikativen Ebene stark vom stationären Handel unterscheiden, da sie viel Raum bieten für eine fokussierte Nachhaltigkeitskommunikation zu den eigenen Aktivitäten, den angebotenen Produkten, aber auch zum Kundinnen- und Kundenverhalten. Zugleich gibt es gegenüber dem stationären Handel einen erhöhten Bedarf, Informationen gezielt bereitzustellen, da man die Produkte und Verpackung nicht in die Hand nehmen und genau betrachten kann.

Neben einem ökologischen Hosting, können ökologische Aspekte auch bei der Gestaltung des Onlineshops berücksichtigt werden. Dies kann zum einen durch eine möglichst schlichte und damit datensparsame Gestaltung geschehen und zum anderen durch einen kommunikativen Fokus auf ⁠Nachhaltigkeit⁠.

 

Vorschläge für die Umsetzung

In der Praxis findet man einige nachhaltige Onlineshops, die klimaneutral oder „grün“ gehostet bzw. betrieben werden, es gibt auch einen Blauen Engel für Rechenzentren. Shops die in einem zertifizierten Rechenzentrum gehostet sind, werden mit Ökostrom versorgt und betrieben das Rechenzentrum sehr energieeffizient. Ein klimaneutraler Shop wird meist durch ⁠CO2⁠-Kompensation erreicht, bei der die entstandenen CO2-Emissionen durch Spenden an klimafreundliche Projekte „ausgeglichen“ werden. Hierbei sollten vertrauenswürdige Anbieter ausgewählt werden, um Greenwashing zu vermeiden, weitere Informationen dazu finden  Sie im Ratgeber des UBA zur CO2-Kompensation .

Die Grafik zeigt in einem Flow-Chart Nachhaltigkeitskriterien für Online-Shops auf
Aspekte und Wirkung bei der technischen und gestalterischen Umsetzung des Onlineshops
Quelle: Ökopol
 

Beispiele für die Ausgestaltung der Webseite

Startseite: Auf der Startseite liegt der Fokus auf den Produkten, die der Onlineshop anbietet. An späterer Stelle bzw. am Ende der Seite werden die verschiedenen Arbeiten des Onlineshops in Bezug auf ⁠Nachhaltigkeit⁠ kurz erläutert. Wird auf diese geklickt, werden die Kundinnen*Kunden auf eine Seite weitergeleitet, die die Nachhaltigkeitskriterien erläutert.

Das Bild zeigt, wie eine nachhaltig gestaltete Startseite eines Onlineshops aussehen könnte
Mögliche Gestaltung einer Startseite mit Nachhaltigkeitskommunikation
Quelle: ISIconsult

Informationsseiten zum Thema ⁠Nachhaltigkeit⁠: Die Informationsseiten geben eine übersichtliche und umfassende Erläuterung über die Nachhaltigkeitsziele. Übersichten, Zeichnungen oder Fotos gestalten die Seite ansprechend und leicht für die Kundinnen*Kunden zu verarbeiten. Durch Storytelling werden die Texte lebendiger und so von den Kundinnen*Kunden aufmerksamer und aktiver gelesen. Auf den Informationsseiten können auch andere multimediale Kanäle, wie beispielsweise Videos, genutzt werden. Um Kundinnen*Kunden eine bessere Orientierung zu geben, kann bei längeren Texten die ungefähre Zeit der Lesedauer angegeben werden.

Weitere Marketingoptionen: Bei der Erstellung des ökologischen Onlineshops können an verschiedenen Stellen Nudges eingebaut werden. Nudges bezeichnen kleine Anstöße, die auf subtile Art ein bestimmtes Verhalten fördern sollen. Beispiele sind das Setzen von Default-Einstellungen oder die Betonung eines Verhaltens als soziale Norm.

zum nächsten Kapitel des Leitfadens: Produktkriterien im Sortiment des Onlineshops