Plastiktüten

Ein Strand, an dem Unmengen Plastikmüll angespühlt wurde.zum Vergrößern anklicken
Der Müll im Meer hat sich zu einer globalen Herausforderung entwickelt.
Quelle: Petra Hutner

Inhaltsverzeichnis

 

Unsere Tipps

  • Achten Sie darauf, dass Plastiktüten nicht in die Landschaft oder in Gewässer gelangen.
  • Nutzen Sie mehrfach verwendbare Taschen, Körbe oder Rucksäcke.
  • Stecken Sie einen Reservebeutel in Ihre Einkaufs- oder Arbeitstasche und in den Kofferraum Ihres Autos.
  • Verwenden Sie alle Tüten – ob(Baumwoll-)Beutel, Plastik- und Papiertüten - so oft wie möglich.
 

Gewusst wie

Plastiktüten sind nicht per se schlimm. Allerdings sind 76 Plastiktüten und 39 „Hemdchenbeutel“ (das sind die dünnen Plastikbeutel für Gemüse und Obst) pro Jahr und Person in Deutschland unnötig viel. Sie belasten vor allem dann die Umwelt, wenn sie in die freie Natur gelangen. Viele Kunststoffe zersetzen sich erst nach Jahrhunderten. Der Plastikabfall verschmutzt unter anderem die Meere und gefährdet die dort lebenden Tiere.

Plastiktüten nicht in die Natur: Ausgediente Plastiktüten haben in der freien Natur nichts verloren. Da der Wind die leichten Tüten schnell verteilt, ist es eine gute Tat, wenn Sie „herrenlose“ Plastiktüten aufheben und entsorgen, auch wenn sie nicht von Ihnen stammen. Über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne können ausgediente Plastiktüten dem Recycling zugeführt werden. Tüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen gehören ebenfalls nicht in die Natur, sondern in den Abfall. Ihr Zersetzungsprozess in der freien Natur dauert viel zu lange. Sie werden auch nicht recycelt und können sogar das Recycling der herkömmlichen Kunststoffe stören.

Taschen statt Tüten: Einkaufskörbe aus Weidengeflecht sieht man nur noch selten. Dafür gibt es neben klassischen Einkaufstaschen moderne Rucksäcke, Satteltaschen und Fahrradanhänger, Einkaufstaschen auf Rädern oder Einkaufskisten für das Auto. Gewöhnen Sie sich deshalb an, nicht nur den Einkaufszettel, sondern auch eine Einkaufstasche oder ähnliches mitzunehmen.

Reservebeutel griffbereit: Achten Sie darauf, immer eine kleine zusammenfaltbare Tasche dabei zu haben. So können Sie auch spontane Einkäufe ohne Einwegtüte bequem mit nach Hause nehmen. Der Reservebeutel lässt sich in der Arbeitstasche, im Handschuhfach oder auch in der Einkaufstasche gut verstauen. Das kann ein Stoffbeutel oder aber auch ein stabile Plastiktüte sein.

Mehrmals nutzen: Wenn Stoffbeutel oder Papiertüten nur einmal benutzt werden, sind sie nicht besser für die Umwelt als Plastiktüten. Deshalb gilt unabhängig von der Art der Tüte oder des Beutels: Mehrmals nutzen! Jede nochmalige Verwendung erspart der Umwelt die Herstellung einer neuen Tüte.

Was Sie noch tun können:

  • Nehmen Sie kleinere Einkäufe, zum Beispiel aus der Apotheke, in der Jackentasche mit.
  • Fragen Sie Ihren Händler nach Plastiktüten mit dem Blauen Engel. Diese bestehen aus mindestens 80 Prozent Recyclingkunststoff.
  • Ungefragt erhaltene Plastiktüten dürfen Sie ruhig den Verkäuferinnen und Verkäufern zurückgeben. Das ist nicht unhöflich und ein einfacher Schritt zur Bewusstseinsbildung.
Eine grafische Übersicht die Jahreszahlen zeigt. Daran kann abgelesen werden, wie lange verschiedene Müllsorten im Meer verbleiben.
So lange bleibt der Müll im Meer
Quelle: Studio Good / Umweltbundesamt
 

Hintergrund

Umweltsituation: Die Verbraucher in Deutschland verwenden jedes Jahr 6,1 Milliarden Plastiktüten und 3,1 Milliarden Hemdchenbeutel zum Einpacken von Obst und Gemüse. Das entspricht 95.000 Tonnen Kunststoff. Dazu kommen 900 Millionen Papiertragetaschen pro Jahr. Landen Plastiktüten in der Umwelt, verfangen sie sich in Bäumen und Sträuchern oder gelangen in die Gewässer. Die Abbauzeit von Plastik ist sehr lang (Siehe Abbildung „Müll im Meer“). Plastiktüten zersetzen sich häufig in immer kleinere Teile, sogenanntes Mikroplastik.
Tiere verwechseln Plastiktüten und Mikroplastik häufig mit Nahrung. Die Plastikfragmente können Tieren schaden oder sie sogar töten. Da Mikroplastik Schadstoffe in hoher Konzentration adsorbiert, kommen Schadstoffe dadurch in die Nahrungskette.

Biologisch abbaubare Kunststoffe bieten bisher keine ökologischen Vorteile gegenüber konventionellen Kunststoffen. Zudem können sie deren Recycling stören. In Kompostierungsanlagen werden Kunststoffe meist generell als Störstoff aussortiert. Denn - entgegen ihrer Bezeichnung – reicht die Rottezeit in vielen industriellen Kompostierungsanlagen oftmals nicht für eine Zersetzung aus. Eine Zersetzung im Heimkomposter oder gar in der Umwelt z.B. im Wald oder im Meer ist ebenfalls nicht nachgewiesen.

Gesetzeslage: Plastiktüten unterliegen der Verpackungsverordnung (VerpackV). Die Hersteller und Vertreiber müssen Lizenzgebühren zahlen. So finanzieren sie das Duale System der Sammlung, Sortierung und Verwertung der Tüten. Noch gehen im Schnitt in der EU etwa 200 Plastiktüten pro Person jährlich über die Ladentheke. Das EU-Parlament will den Verbrauch der Tüten aber verringern. Es hat die Europäische Verpackungsrichtlinie (94/62/EG) ergänzt. Die Mitgliedsstaaten müssen den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten bis Ende 2019 auf höchstens 90 Stück und bis Ende 2025 auf höchstens 40 Stück pro Einwohner und Jahr begrenzen. Gemeint sind Tüten aus Kunststoff mit einer geringeren Wandstärke als 0,05 Millimeter. In Deutschland soll eine Vereinbarung zwischen Bundesumweltministerium und dem Handel das Erreichen dieser Ziele sicherstellen. Die Vereinbarung sieht vor, dass bis 2018 mindestens 80 Prozent der in Verkehr gebrachten Kunststofftüten nur noch gegen ein angemessenes Entgelt abgegeben werden.

Marktbeobachtung: Immer weniger Kunden setzen auf Tragetaschen aus Kunststoff. Der Verbrauch hat vom Jahr 2000 bis 2012 um elf Prozent abgenommen. Er liegt in Deutschland mit 76 Plastiktüten (ohne Hemdchenbeutel) pro Jahr weit unter dem EU-Durchschnitt von 198 Stück. Die 9,2 Milliarden Plastiktüten pro Jahr in Deutschland teilen sich auf in:

  • 2,9 Milliarden Plastiktüten, die für den Wiedergebrauch geeignet wären.
  • 3,2 Milliarden kleine Tragetaschen für den einmaligen Gebrauch, zum Beispiel aus der Apotheke.
  • 3,1 Milliarden Hemdchenbeutel, die es etwa an Obst- und Gemüseständen gibt.

Weitere Informationen finden Sie unter:

 

Quellen:

Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (2014): Verbrauch und Verwertung von Tragetaschen und Hemdchenbeutel für Bedienungsware in Deutschland.

Detzel, Andreas (IFEU Heidelberg) (2014): Überlegungen zur Ökobilanzierung von Tragetaschen (UBA-Bericht).

UBA (2012): Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen.

Deutsche Umwelthilfe (2015): Hintergrundpapier zu Plastiktüten.