Indikator: Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft

Ein Diagramm zeigt den zeitlichen Verlauf des Stickstoffüberschusses zwischen 1990 und 2015 für Einzeljahre und im gleitenden 5-Jahresmittel. Erkennbar ist eine Abnahme im 5-jährigen Mittel von 118 auf 97 Kilogramm pro Hektar und Jahr.zum Vergrößern anklicken
Saldo der landwirtschaftlichen Stickstoff-Gesamtbilanz ...
Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Der Stickstoffüberschuss pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Flächen ist seit 1993 im 5-Jahres-Mittel um 18 % zurückgegangen.
  • Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Stickstoffüberschuss im Mittel der Jahre 2028 bis 2032 auf 70 Kilogramm pro Jahr zu senken.
  • Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Anstrengungen deutlich erhöht werden.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Stickstoff ist ein unentbehrlicher Nährstoff für alle Lebewesen. Jedoch haben im Übermaß in die Umwelt eingetragene reaktive Stickstoffverbindungen gravierende Auswirkungen auf Klima, Artenvielfalt und Landschaftsqualität: Stickstoff, der nicht durch Pflanzen aufgenommen wird, führt zum Beispiel zur Verunreinigung des Grundwassers, Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) von Gewässern, Versauerung von Landökosystemen sowie zur Entstehung von Treibhausgasen. Eine Einführung in die Stickstoff-Problematik findet sich in der Publikation „Reaktiver Stickstoff in Deutschland“ des Umweltbundesamtes (UBA 2015).

In Deutschland sind vor allem Regionen mit starker Viehwirtschaft problematisch: Durch den hohen Anfall an Wirtschaftsdünger in Form von tierischen Exkrementen wird dort oft mehr Stickstoff auf die Flächen ausgebracht, als die Kulturpflanzen in Biomasse umsetzen. Eine Maßzahl für die potenziellen Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft in die Umwelt ist der Stickstoffüberschuss.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Von 1993 bis 2013 ist der Stickstoffüberschuss im 5-Jahres-Durchschnitt um 18 % gesunken. Landwirte setzen den Stickstoff also etwas effizienter ein, ertragsstarke Kulturen sind im Anbauumfang gestiegen und auch die Futterverwertung bei den Nutztieren hat sich verbessert. Aber die Stickstoffbilanz zeigt: Immer noch gelangt nur gut die Hälfte des eingesetzten Stickstoffes in die Produkte (siehe BMEL 2016).

Die Bundesregierung setzte sich 2002 in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel, den Stickstoffüberschuss im 3-Jahres-Mittel bis 2010 auf 80 Kilogramm (kg) pro Hektar und Jahr zu senken (Bundesregierung 2002). Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt. In der Fortschreibung der Strategie 2016 wurde ein neues Ziel festgelegt: Im Mittel der Jahre 2028 bis 2032 soll der Überschuss maximal 70 kg pro Hektar betragen (Bundesregierung 2016). Die im Frühjahr 2017 verabschiedete, umfangreich überarbeitete Düngeverordnung soll helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Nach jetzigem Kenntnisstand geht das Umweltbundesamt jedoch davon aus, dass weder die novellierte Düngegesetzgebung noch das neue Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie ausreichen werden, um Boden, Wasser, Luft, Klima und Artenvielfalt umfassend zu schützen (siehe Indikator „Eutrophierung von Nord- und Ostsee durch Stickstoff“). Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat in seinem Sondergutachten zahlreiche Möglichkeiten aufgezeigt, um den Überschuss stärker zu senken (SRU 2015).

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Der Stickstoffüberschuss ist die Differenz zwischen landwirtschaftlicher Stickstoffzufuhr (zum Beispiel Düngemittel, Futtermittel, Saat- und Pflanzgut, Einträge aus der Atmosphäre) und -abfuhr (tierische und pflanzliche Produkte). Eine detaillierte Beschreibung findet sich in Bach et al. (2011). Die Daten werden jährlich vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht. Um Schwankungen zwischen den Jahren zu bereinigen, wird aus den Werten der Einzeljahre sowie der beiden Vor- und Folgejahre das gleitende 5-Jahres-Mittel errechnet.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und Stickstoffüberschuss".