Trends der Lufttemperatur

Das Jahr 2016 war global das wärmste Jahr seit 1850, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen. Mit einer Mitteltemperatur von 9,5 °C war das Jahr in Deutschland das achtwärmste beobachtete Jahr. Weltweit gehörten die ersten sechzehn Jahre des 21. Jahrhunderts durchweg zu den siebzehn wärmsten Jahren seit 1881.

Inhaltsverzeichnis

 

Steigende Durchschnittstemperaturen

Obwohl es prinzipiell nicht möglich ist, anhand weniger Jahre Aussagen über den durch den Menschen verursachten Klimawandel abzuleiten, passt die Entwicklung der letzten Jahre sehr gut in das Bild eines langfristigen globalen Temperaturanstiegs.

Nach den Rekordjahren 2014 und 2015 erreichte die globale Temperatur im Jahr 2016 das dritte Mal in Folge einen neuen Rekordwert. Damit ist das Jahr 2016 das bisher wärmste Jahr seit 1850, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen. Dies ergaben Analysen mehrerer unabhängiger Datensätze.

Mit dem im Frühjahr 2015 im Südpazifik einsetzenden El-Niño-Ereignis war es schon sehr früh absehbar, dass dieses Jahr global ein sehr warmes Jahr werden würde. Das britische Hadley Centre berechnet international anerkannte globale Temperatur-Daten. Die ersten globalen Temperatur-Mittel hat das Hadley Centre ab 1850 berechnet (siehe Abb. „Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990 (Referenzperiode)“).

2016 lag die globale Durchschnittstemperatur ungefähr 0,77 Grad Celsius (°C) über dem langjährigen Mittelwert von 1961 bis 1990. 2016 war damit weltweit das wärmste jemals gemessene Jahr. Die 20 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen liegen alle in der Periode seit 1990.

Bemerkenswert ist die Folge von drei globalen Rekordjahren in Folge. Insbesondere 2015 und 2016 lagen die Abweichungen zu den Durchschnittswerten 1961-1990 über 0,7 °C. Zusammen mit dem Jahr 2016 fallen somit sechzehn der insgesamt siebzehn wärmsten Jahre seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen in das 21. Jahrhundert.

Mit einer Mitteltemperatur von 9,5 °C war in Deutschland das Jahr 2016 das achtwärmste Jahr seit 1881. Zum aktuellen Vergleichszeitraum 1981-2010 ergibt sich eine Abweichung von +0,6 Grad und gegenüber der international gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 eine Abweichung von +1,3 Grad (siehe Abb. „Jährliche mittlere Tagesmitteltemperatur in Deutschland“).

Dieser Trend lässt sich auch für die einzelnen Jahreszeiten nachweisen, für Frühling und Sommer stärker, für den Winter schwächer und nicht statistisch signifikant (siehe Tab. „Lineare Trends der Lufttemperatur“). Das hat Auswirkungen auf die Natur. Die Klimaveränderung ist in Deutschland inzwischen so deutlich, dass erste Auswirkungen auf die Pflanzenwelt zu erkennen sind.

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2016 - wieder ein sehr warmes Jahr in Deutschland

Mit einer Mitteltemperatur von 9,5 °C war das Jahr 2016 wieder ein sehr warmes Jahr. Die Jahre 1934, 1989, 1990, 1999, 2006 und 2008 erreichten die gleiche Mitteltemperatur und belegen somit die Plätze 8 bis 14. Gegenüber der international gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 ergibt sich eine Abweichung von +1,3 °C.

Das Jahr begann recht mild. Der Januar war +1,5 °C zu warm, der Februar sogar +2 °C (Bezugszeitraum Klimareferenzperiode 1961-1990). Die folgenden Monate waren wärmer als normal, blieben aber unter +2 °C Abweichung. Der Monat September erreichte eine Anomalie von +3,6 °C. Der Oktober und der November waren etwas kühler als normal, der Dezember wieder etwas wärmer. Zusammen mit dem Dezember 2015 war der Winter 2015/2016 extrem mild. Richtiger Hochsommer stellte sich erst im letzten Augustdrittel ein und reichte bis Mitte September. Die erste Novemberhälfte war recht frostig. Winterliche Witterung konnte sich aber auch im Dezember nicht durchsetzen.

Im Vergleich zu 1961-1990 waren insgesamt 10 Monate des Jahres zu warm und nur zwei zu kalt (Oktober und November). Gegenüber dem Vergleichszeitraum 1981-2010 waren dagegen vier Monate zu kalt (März, April, Oktober und November) und acht zu warm.

Nach dem bisher wärmsten in Deutschland beobachteten Jahr 2014 mit einer Durchschnittstemperatur von 10,3 °C und einer Anomalie von +2,1 °C, folgten zwei sehr warme Jahre. Damit wurden nun zehn der sechzehn wärmsten Jahre in Deutschland im 21. Jahrhundert beobachtet.

 

Heiße Tage in Deutschland

Steigende Temperaturen können sich nachteilig auf die Gesundheit des Menschen auswirken. Der Deutsche Wetterdienst hat als Kenngröße den „heißen Tag“ definiert: Jeder Tag, dessen höchste Temperatur oberhalb von 30 Grad Celsius (°C) liegt, zählt danach als heißer Tag.

Hohe Lufttemperaturen belasten den menschlichen Körper durch die Hitze einerseits direkt, Kreislaufprobleme können die Folge sein. Andererseits kann eine heiße Witterung Verunreinigungen der Atemluft auslösen, die wiederum Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstärken. So begünstigt eine hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Bildung von Ozon in Bodennähe. Ozon reizt die Augen und die Atemwege, die Belastung kann bestehende Krankheiten der Atemwege verschlimmern (siehe „Gesundheitliche Risiken durch Heiße Tage und Ozon“). Auch können allergische Reaktionen ausgelöst werden.

Im Jahr 2015 gab es, gemittelt für ganz Deutschland, knapp 9 „heiße Tage“ (siehe Abb. „Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius (Gebietsmittel)“). An diesen Tagen wurden Temperaturen über 30 °C gemessen. Der höchste Wert wurde für das Jahr 2003 mit 19 heißen Tagen festgestellt. Zwar schwanken die Jahreswerte dieses Indikators deutlich. Insgesamt ist der Trend seit Beginn der Aufzeichnungen aber deutlich steigend. Klimamodellierungen zeigen, dass zukünftig in Deutschland mit einer steigenden Anzahl heißer Tage im Sommer und länger anhaltenden Hitzeperioden zu rechnen ist.

Ein Diagramm zeigt die Anzahl der Heißen Tage im Gebietsmittel für die Jahre 1951 bis 2016. Die Entwicklung schwankt stark, aber der Anstieg ist deutlich zu erkennen. Ergänzend ist eine Trendgerade in die Kurve gelegt, die deutlich ansteigt.
Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius (Gebietsmittel)
Quelle: Deutscher Wetterdienst Diagramm als PDF
 

Frühling und Sommer signifikant wärmer

Der langfristige Temperaturanstieg im Frühling und im Sommer unterscheidet sich mit 1,4 °C bzw. 1,2 °C seit 1881 kaum vom Trend der Jahresmitteltemperaturen. Speziell die Jahre seit Ende der 1980er Jahre waren besonders warm. Die vier bisher wärmsten Frühjahre finden sich mit den Jahren 2014, 2011, 2007 und 2000 im 21. Jahrhundert, der Sommer 2016 war mit einer Abweichung um +1,5 °C gegenüber dem vieljährigen Mittel 1961-1990 der elftwärmster Sommer seit 1881 (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Frühling in Deutschland“ und Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Sommer in Deutschland“).

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Mildere Herbste und Winter

Der Herbst lag mit 9,7 °C etwas (+0,8 °C) über dem vieljährigen Mittel der Herbsttemperaturen. Allerdings beruht die Erwärmung zu großen Teilen auf einem raschen Sprung in den 1920er Jahren. Seither sind die Herbsttemperaturen weitestgehend konstant geblieben. Nur der Herbst 2006 sticht als bei weitem wärmster Herbst seit Ende des 19. Jahrhunderts hervor (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Herbst in Deutschland“).

Der extrem milde Dezember und der sehr milde Februar führten insgesamt zu einem sehr milden Winter 2015/16. Das Gebietsmittel der Temperatur betrug 3,6°C. Damit wurde der vieljährige Mittelwert 1961-1990 um +3,3°C übertroffen. Somit war der Winter 2015/16 der zweitwärmste Winter seit 1881.

Im Winter findet sich mit 1,0 °C ein etwas geringerer und statistisch derzeit auch nicht signifikanter Trend. Die Zeitreihe ist durch eine Häufung besonders kalter Winter und das Fehlen sehr milder Winter in der Mitte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet. Die Jahre seit dem Ende der 1980er Jahre waren allerdings auch zu dieser Jahreszeit zumeist sehr mild. Sieben davon (in absteigender Reihenfolge 2006/2007, 2015/2016, 1989/1990, 1988/1989, 2007/2008, 1997/1998, 1994/1995, 1987/1988) gehören zu den zehn wärmsten Wintern der letzten 132 Jahre (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Winter in Deutschland“).


Wir danken dem Deutschen Wetterdienst für die Bereitstellung der Temperaturdaten.

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Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt

Die Jahre werden nicht nur wärmer, in der Folge verschiebt sich der jahreszeitliche Entwicklungsgang von Pflanzen und Tieren (Phänologie). So blühen beispielsweise Schneeglöckchen, die den Eintritt des Vorfrühlings anzeigen, und Apfelbäume, die den Vollfrühling anzeigen, früher (fast 5 Tage/Jahrzehnt). Waldbäume treiben in vielen Ländern Europas eher aus (ca. 5 Tage/Jahrzehnt). Dies belegt, dass sich durch ein verändertes Temperaturniveau die Eintrittszeit und die Dauer der einzelnen Jahreszeiten verändert hat.

Die Auswirkungen der Verschiebungen phänologischer Phasen auf die Bestände von Tieren und Pflanzen sind komplex und bisher erst in Ansätzen geklärt. So reagieren etwa bestimmte Vogelarten mit erhöhtem Bruterfolg infolge kürzerer Winter. Bei Pflanzenarten und ihren Bestäubern oder Fraßfeinden und in Räuber-Beute-Systemen kann sich die Veränderung in der zeitlichen Abstimmung hingegen negativ auf die Bestandsentwicklung von Arten auswirken.