Trends der Lufttemperatur

Das Jahr 2015 war global das wärmste Jahr seit 1881, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen. Mit einer Mitteltemperatur von 9,9 °C war es auch das bisher zweitwärmste in Deutschland beobachtete Jahr. Weltweit gehörten die ersten fünfzehn Jahre des 21. Jahrhunderts durchweg zu den sechzehn wärmsten Jahren seit 1881.

Inhaltsverzeichnis

 

Steigende Durchschnittstemperaturen

Obwohl es prinzipiell nicht möglich ist, anhand weniger Jahre Aussagen über den durch den Menschen verursachten Klimawandel abzuleiten, passt die Entwicklung der letzten Jahre sehr gut in das Bild eines langfristigen globalen Temperaturanstiegs.

Nach dem Rekordjahr 2014 erreichte die globale Temperatur im Jahr 2015 einen neuen Rekordwert. Damit ist das Jahr 2015 das bisher wärmste Jahr seit 1881, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen. Dies ergaben Analysen mehrerer unabhängiger Datensätze.

Mit dem im Frühjahr 2015 im Südpazifik einsetzenden El-Niño-Ereignis war es schon sehr früh absehbar, dass dieses Jahr global ein sehr warmes Jahr werden würde. Das britische Hadley Centre berechnet international anerkannte globale Temperatur-Daten. Die ersten globalen Temperatur-Mittel hat das Hadley Centre ab 1850 berechnet (siehe Abb. „Abweichung vom Durchschnitt der globalen Lufttemperatur 1961 bis 1990“).

2015 lag die globale Durchschnittstemperatur ungefähr 0,75 Grad Celsius (°C) über dem langjährigen Mittelwert von 1961 bis 1990. 2015 war damit weltweit das wärmste jemals gemessene Jahr. Die 20 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen liegen alle in der Periode seit 1990.

Bemerkenswert ist die Differenz zu dem bisherigen Jahresrekord. Um etwa 0,15°C überstieg das im Jahr 2015 gemessene Jahrestemperaturmittel den bisherigen Rekordwert aus dem Vorjahr.

Zusammen mit dem Jahr 2015 fallen somit fünfzehn der insgesamt sechzehn wärmsten Jahre seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen in das 21. Jahrhundert.

Auch in Deutschland ergab sich 2015 gegenüber der international gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 eine Abweichung von +1,7°C (siehe Abb. „Jährliche mittlere Tagesmitteltemperatur in Deutschland“.

Die ersten vierzehn Jahre des 21. Jahrhunderts waren in Deutschland im Mittel wärmer als jedes Jahrzehnt seit dem Beginn flächendeckender Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Dieser Trend lässt sich auch für die einzelnen Jahreszeiten nachweisen, für Frühling und Sommer stärker, für den Winter schwächer und nicht statistisch signifikant (siehe Tab. „Lineare Trends der Lufttemperatur“). Das hat Auswirkungen auf die Natur. Die Klimaveränderung ist in Deutschland inzwischen so deutlich, dass erste Auswirkungen auf die Pflanzenwelt zu erkennen sind.

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2015 - das bisher wärmste in Deutschland beobachtete Jahr

Mit einer Mitteltemperatur von 9,9 °C war das Jahr 2015 mit den Jahren 2000 und 2007 das bisher zweitwärmste in Deutschland beobachtete Jahr.

Das Jahr 2015 begann in Deutschland recht mild. Der Januar war +2,7 °C zu warm. Die folgenden Monate waren wärmer als normal, aber noch unter +2 °C Abweichung. Erst die Sommermonate Juli und August erreichten wieder Anomalien über +2 °C. Ende Oktober lag die Mitteltemperatur für den Zeitraum Januar - Oktober 2015 auf dem 16. Platz der wärmsten Mittelwerte für diese 10-Monatsperiode. Der sehr milde November brachte den Zeitraum Januar – November auf Platz 6 und der extrem milde Dezember mit einer Anomalie von +5,7 °C katapultierte das Gesamtjahr sogar noch auf Platz 2. Eine so große Abweichung von den bisherigen Monatsrekorden gab es in den letzten 75 Jahren nicht.

Im Sommer 2015 erlebten Deutschland wie auch weite Teile Europas mehrere extreme Hitzewellen. Insgesamt wurde in Deutschland mit einer Temperatur von 18,4 °C der drittwärmste Sommer seit 1881 beobachtet. Nur die Sommer 2003 mit 19,7 °C und 1947 mit 18,5 °C waren wärmer. Am 5. Juli wurde in Kitzingen (Unterfranken) mit 40,3 °C ein neuer Temperaturrekord für Deutschland aufgestellt. Dieser Wert wurde an der gleichen Station am 7. August während einer weiteren Hitzewelle erneut erreicht. In den letzten 20 Jahren waren die Sommer mit einer Ausnahme (1996) immer wärmer als während des internationalen klimatologischen Referenzzeitraums 1961-1990.

Nach dem bisher wärmsten in Deutschland beobachteten Jahr 2014 mit einer Durchschnittstemperatur von 10,3 °C und einer Anomalie von +2,1 K, folgte wieder ein sehr warmes Jahr. Damit wurden nun zehn der sechzehn wärmsten Jahre in Deutschland im 21. Jahrhundert beobachtet.

 

Heiße Tage in Deutschland

Steigende Temperaturen können sich nachteilig auf die Gesundheit des Menschen auswirken. Der Deutsche Wetterdienst hat als Kenngröße den „heißen Tag“ definiert: Jeder Tag, dessen höchste Temperatur oberhalb von 30 Grad Celsius (°C) liegt, zählt danach als heißer Tag.

Hohe Lufttemperaturen belasten den menschlichen Körper durch die Hitze einerseits direkt, Kreislaufprobleme können die Folge sein. Andererseits kann eine heiße Witterung Verunreinigungen der Atemluft auslösen, die wiederum Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstärken. So begünstigt eine hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Bildung von Ozon in Bodennähe. Ozon reizt die Augen und die Atemwege, die Belastung kann bestehende Krankheiten der Atemwege verschlimmern (siehe „Heiße Tage - gesundheitliche Belastung durch Klimaänderungen“). Auch können allergische Reaktionen ausgelöst werden.

Im Jahr 2015 gab es, gemittelt für ganz Deutschland, knapp 18 „heiße Tage“ (siehe Abb. „Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius (Gebietsmittel)“). An diesen Tagen wurden Temperaturen über 30 °C gemessen. Dies ist der zweithöchste jemals ermittelte Wert. Der höchste Wert wurde für das Jahr 2003 mit 19 heißen Tagen festgestellt. Zwar schwanken die Jahreswerte dieses Indikators deutlich. Insgesamt ist der Trend seit Beginn der Aufzeichnungen aber deutlich steigend. Klimamodellierungen zeigen, dass zukünftig in Deutschland mit einer steigenden Anzahl heißer Tage im Sommer und länger anhaltenden Hitzeperioden zu rechnen ist.

Das Liniendiagramm zeigt die Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius im Gebietsmittel.
Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius (Gebietsmittel)
Quelle: Deutscher Wetterdienst Diagramm als PDF
 

Frühling und Sommer signifikant wärmer

Der langfristige Temperaturanstieg im Frühling und im Sommer unterscheidet sich mit 1,4 °C bzw. 1,2 °C seit 1881 kaum vom Trend der Jahresmitteltemperaturen. Speziell die Jahre seit Ende der 1980er Jahre waren besonders warm. Die vier bisher wärmsten Frühjahre finden sich mit den Jahren 2014, 2011, 2007 und 2000 im 21. Jahrhundert, der Sommer 2015 stach mit einer Abweichung um 2,1 °C gegenüber dem vieljährigen Mittel 1961-1990 als drittwärmster Sommer seit 1881 heraus (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Frühling in Deutschland“ und Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Sommer in Deutschland“).

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Mildere Herbste und Winter

Der Herbst zeigt ebenfalls einen markanten, statistisch signifikanten Temperaturanstieg von 1,2 °C seit 1881. Allerdings beruht die Erwärmung zu großen Teilen auf einem raschen Sprung in den 1920er Jahren. Seither sind die Herbsttemperaturen weitestgehend konstant geblieben. Nur der Herbst 2006 sticht als bei weitem wärmster Herbst seit Ende des 19. Jahrhunderts hervor.

Während der September und Oktober 2015 etwas kühler als die vieljährigen Mittelwerte waren, hat der November dieses Jahr einen neuen Temperaturrekord aufgestellt. Das Gebietsmittel der Temperatur betrug 9,6 °C. Damit wurde der vieljährige Mittelwert 1961-1990 um +0,8°C übertroffen wurde. Somit war der Herbst 2015 der 18.-wärmste seit 1881 (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Herbst in Deutschland“).

Der extrem milde Dezember und der sehr milde Februar führten insgesamt zu einem sehr milden Winter 2015/16. Das Gebietsmittel der Temperatur betrug 3,6°C. Damit wurde der vieljährige Mittelwert 1961-1990 um +3,3°C übertroffen. Somit war der Winter 2015/16 der zweitwärmste Winter seit 1881.

Im Winter findet sich mit 1,0 °C ein etwas geringerer und statistisch derzeit auch nicht signifikanter Trend. Die Zeitreihe ist durch eine Häufung besonders kalter Winter und das Fehlen sehr milder Winter in der Mitte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet. Die Jahre seit dem Ende der 1980er Jahre waren allerdings auch zu dieser Jahreszeit zumeist sehr mild. Sieben davon (in absteigender Reihenfolge 2006/2007, 2015/2016, 1989/1990, 1988/1989, 2007/2008, 1997/1998, 1994/1995, 1987/1988) gehören zu den zehn wärmsten Wintern der letzten 132 Jahre (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Winter in Deutschland“).

Wir danken dem Deutschen Wetterdienst für die Bereitstellung der Temperaturdaten.

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Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt

Die Jahre werden nicht nur wärmer, in der Folge verschiebt sich der jahreszeitliche Entwicklungsgang von Pflanzen und Tieren (Phänologie). So blühen beispielsweise Schneeglöckchen, die den Eintritt des Vorfrühlings anzeigen, und Apfelbäume, die den Vollfrühling anzeigen, früher (fast 5 Tage/Jahrzehnt). Waldbäume treiben in vielen Ländern Europas eher aus (ca. 5 Tage/Jahrzehnt). Dies belegt, dass sich durch ein verändertes Temperaturniveau die Eintrittszeit und die Dauer der einzelnen Jahreszeiten verändert hat.