Verpackungsabfälle

In Deutschland fielen im Jahr 2014 17,8 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen an. Der Anstieg auf diesen bisher höchsten Wert ist vor allem auf veränderte Lebensbedingungen und die damit verbundenen Verzehr- und Konsumgewohnheiten zurückzuführen. 71,4 Prozent (%) der Verpackungsabfälle gingen in das Recycling. Insgesamt wurden 97,6 % der Verpackungsabfälle verwertet.

Verpackungen überall

Verpackungen gehören unvermeidlich zum Alltag. Ware wird mit Transportverpackungen geliefert und mit Verkaufsverpackungen angeboten. Auf Um- und Verkaufsverpackungen werden Informationen über die Ware gegeben. Unternehmen nutzten im Jahr 2014 am häufigsten Verpackungen aus Papier, Pappe oder Karton. Danach folgten Verpackungen aus Holz, Kunststoff und Glas (siehe Tab. „Entwicklung des Verpackungsaufkommens in Tausend Tonnen“).

Die Menge an Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton stieg vom Jahr 1991 zum Jahr 2014 von 5,395 auf 8,149 Millionen Tonnen (Mio. t), die Kunststoffverpackungen von 1,628 auf 2,946 Mio. t. Die Menge an Glasverpackungen sank von 4,637 auf 2,748 Mio. t.
Tab: Entwicklung des Verpackungsaufkommens in Tausend Tonnen
Quelle: Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH Tabelle zur vergrößerten Darstellung als pdf

Steigender Anfall an Verpackungsabfällen

Die Entwicklung seit dem Jahr 1991 zeigt einen leicht schwankenden Verlauf des Verpackungsverbrauchs (siehe Abb. „Entwicklung des Verpackungsverbrauchs zur Entsorgung“). Die Menge des Verpackungsabfalls, die jährlich anfiel, bewegte sich zwischen 13,6 und 17,8 Millionen Tonnen (Mio. t) im Jahr. Im Jahr 1991 waren es 15,6 Mio. t, 1996 nur noch 13,6 Mio. t. Seitdem gibt es eine steigende Tendenz mit einem Einbruch im Rezessionsjahr 2009 auf 15,1 Mio. t. Im Jahr 2014 stieg die Verpackungsabfallmenge auf den bislang höchsten Stand von 17,8 Mio. t.

Das Verpackungsaufkommen sank von 15,6 Millionen Tonnen im Jahr 1991 bis 1996 auf 13,6 Millionen Tonnen. Seitdem mit Ausnahme eines Einbruchs in 2009 steigende Tendenz auf 17,8 Millionen Tonnen in 2014.
Entwicklung des Verpackungsverbrauchs zur Entsorgung
Quelle: Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH Diagramm als PDF

Gründe für den Anstieg der Verpackungsabfälle

Die Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und somit die Bedürfnisse als Konsumenten und Konsumentinnen verändern sich. Der Anteil der Ein- und Zweipersonenhaushalte sowie von Senioren nimmt zu. Beides hat zur Folge, dass kleinere Füllgrößen und/oder vorportionierte Einheiten gekauft werden, was sich wiederum erhöhend auf den Verpackungsverbrauch auswirkt. Verpackungen übernehmen heute neben dem Schutz des Inhalts auch zunehmend Funktionen wie:

  • Dosierfunktion,
  • Portionierungsfunktion,
  • Aufbewahrungsfunktion und
  • Handhabungsfunktion.

Neben der Füllgröße wirkt sich auch dies steigernd auf den Verpackungsverbrauch aus (siehe Tab. „Einfluss von Füllgröße und Struktur auf den Verpackungsverbrauch“).

Daneben haben sich die Verzehr- und Konsumgewohnheiten verändert. Nahrungsmittel, Getränke und Heimtierfutter führen zusammen zu etwa 67,5 Prozent (%) des Verpackungsverbrauchs privater Endverbraucher. Die Anstiege im Verbrauch von Nahrungsmitteln (siehe Abb. „Verbrauch von Nahrungsmitteln“) und Getränken (siehe Abb. „Verbrauch von Getränken, Milch und Milchgetränken“) haben damit großen Einfluss auf die Verpackungsmenge. Auch die Zunahme von Vertriebswegen des Außer-Haus-Verbrauchs von Lebensmitteln (Beispielsweise Fast Food und To-Go-Verzehr) sowie der steigende Zubereitungsgrad gekaufter Lebensmittel und Fertiggerichte erhöhen den Verpackungseinsatz.

Der Versandhandel hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies wirkt sich erhöhend auf den Verpackungsverbrauch aus, wenn

  1. zusätzlich zur Primärverpackung weitere Versandverpackungen eingesetzt werden,
  2. deren Gewicht höher ist als die Versandverpackungen im Einzelhandel (pro Verkaufseinheit)
  3. und dies nicht durch den Wegfall von Tragetaschen kompensiert wird.

Der Verbrauch von Papierverpackungen im Versandhandel hat von 2000 bis 2012 um 75 % zugenommen (siehe Abb. „Verbrauch von Papier/Pappe/Kartonagen-Verpackungen im Versandhandel“).

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Einweg und Mehrweg

Obwohl in Deutschland Leitungswasser in der Regel in sehr guter Qualität zur Verfügung steht, nimmt der Verbrauch von verpackten Getränken zu. Aus Abfallvermeidungs- und Umweltgesichtspunkten ist dabei das Leitungswasser einem abgefüllten stillen Wasser vorzuziehen. Dort wo dennoch Getränke gekauft werden, können Mehrwegverpackungen den Anfall von Abfällen stark reduzieren. Bei Getränken schneiden Mehrwegflaschen in regionalen Kreisläufen besonders gut ab, da auch die transportbedingten Umweltbelastungen verringert werden. Ökologisch vorteilhafte Einweggetränkeverpackungen (Getränkekartons, Getränke-Polyethylen-Schlauchbeutel und Folien-Standbodenbeutel) schneiden in Ökobilanzen unter durchschnittlichen Rahmenbedingungen vergleichbar gut ab wie Mehrweggetränkeverpackungen. Deshalb will der Verordnungsgeber mit der Verpackungsverordnung auch den Einsatz von Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einweggetränkeverpackungen (MövE) fördern. Seit dem Jahr 2005 gibt es daher für Deutschland das Ziel, dass im Bereich der pfandpflichtigen Getränkesegmente (Bier, Wässer, Erfrischungsgetränke sowie alkoholhaltige Mischgetränke) mindestens 80 Prozent (%) der Abfüllung in Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einweggetränkeverpackungen erfolgt. Während das Pfand im Segment Bier den Mehrweganteil auf hohem Niveau stabilisiert hat, ist der Mehrweganteil in den anderen Getränkesegmenten wesentlich niedriger. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 46,1 % der pfandpflichtigen Getränke in Mehrweg- und ökologisch vorteilhafte Einweggetränkeverpackungen abgefüllt (siehe Abb. „Vergleich der Packmittelgruppen Getränke“). Die Anteile der unterschiedlichen Getränkeverpackungen am Verbrauch sind in einer Abbildung für das Jahr 2014 dargestellt (siehe Abb. „Packmittelstruktur des Getränkeverbrauchs“).

Plastiktüten werden häufig nur einmalig verwendet. Danach werden sie zu Abfall. Dabei lassen sich viele Plastiktüten vermeiden, wenn schon vor dem Einkauf an die Mitnahme von Tüten, Taschen oder Körben gedacht wird. Am Ende der Lebensdauer von Plastiktüten können diese häufig noch als Müllbeutel verwendet werden. Keinesfalls sollten Plastiktüten oder andere Abfälle in der Umwelt entsorgt werden. Durch eine Änderung der Verpackungsrichtlinie sind die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, den Verbrauch von Kunststofftragetaschen bis Ende 2019 auf maximal 90 Stück pro Einwohner und Jahr und bis Ende 2025 auf 40 Stück pro Einwohner und Jahr zu reduzieren. In Deutschland sind es gegenwärtig etwa 76 Stück und zusätzlich 39 Hemdchenbeutel pro Einwohner und Jahr.

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EU-Vorgaben zur Verwertung werden eingehalten

Im Jahr 1994 hat die Europäische Union (EU) die Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Verpackungsrichtlinie) erlassen. Die EU orientierte sich hierbei an der deutschen Verpackungsverordnung und gab Verwertungsquoten für Verpackungen in allen Mitgliedstaaten vor. Die Anforderungen wurden mit der Zeit erhöht. Sie lauten aktuell:

  • Von allen in einem EU-Mitgliedstaat in Verkehr gebrachten Verpackungen müssen mindestens 55 Prozent (%) stofflich und mindestens 65 % stofflich und energetisch verwertet werden.
  • Die stofflichen Verwertungsquoten für einzelne Materialien unterscheiden sich: Von Holz müssen 15 %, von Kunststoff 22,5 %, von Metall 50 %, von Glas wie auch von Papier, Pappe und Karton müssen jeweils 60% recycelt werden.

Deutschland konnte die Anforderungen der Verpackungsrichtlinie immer leicht erfüllen. Die Daten zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland werden im Auftrag des Umweltbundesamtes erhoben und veröffentlicht.

Von den im Jahr 2014 in Deutschland angefallenen Verpackungsabfällen sind 97,6 % stofflich oder energetisch verwertet worden. Die Verwertungsquote aller Verpackungsabfälle ist damit auf dem gleichen Wert wie im Vorjahr geblieben (siehe Tab. „Verwertung von Verpackungen (stofflich und energetisch)“). Mengen, die in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden, welche das Energieeffizienzkriterium nach Kreislaufwirtschaftsgesetz einhalten, werden seit dem Jahr 2011 der energetischen Verwertung zugerechnet. Die stoffliche Verwertungsquote der Verpackungsabfälle hat in 2014 um 0,4 Prozentpunkte auf 71,4 % abgenommen (siehe Tab. „Stoffliche Verwertung von Verpackungen“). Das ist im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten weiterhin eine sehr gute Quote. Aufgrund der technischen Entwicklung und der fortschrittlichen Abfallwirtschaft in Deutschland sind die Möglichkeiten allerdings noch nicht ausgeschöpft.

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Deutsche Verwertungsvorgaben werden eingehalten

Knapp die Hälfte aller Verpackungsabfälle fiel bei privaten Endverbrauchern an. Für diese Abfälle gelten die Quoten der deutschen Verpackungsverordnung. Der Verordnungsgeber hat hiermit Vorgaben für die stoffliche Verwertung dieser Verpackungen aus Papier, Glas, Weißblech, Aluminium, Kunststoff und Verbundstoffen vorgegeben:

  • Verpackungen aus Glas müssen zu 75 Prozent (%) stofflich verwertet werden. Bei Verpackungen aus Weißblech, Papier, Pappe oder Karton liegt der Prozentsatz bei 70 %, aus Aluminium oder aus Verbundwerkstoffen bei 60 %.
  • Kunststoffverpackungen müssen zu mindestens 60 % stofflich und energetisch verwertet werden. Dabei ist eine werkstoffliche Verwertung von mindestens 36 % zu erreichen.
  • Zudem müssen die so genannten „Erstinverkehrbringer“ Vollständigkeitserklärungen über alle von ihnen im vorangegangenen Kalenderjahr eingesetzten Verpackungen ab einer Mengenschwelle jeweils zum 1. Mai eines Kalenderjahres bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer abgeben. Die Mengenschwellen betragen für Glas 80 t, für Papier, Pappe, Karton insgesamt 50 t sowie für Metalle, Kunststoffe und Verbunde jeweils 30 t. In Fällen, in denen ein Erstinverkehrbringer die jeweiligen oben genannten Mengenschwellen nicht erreicht, muss er eine Vollständigkeitserklärung nur auf Verlangen der zuständigen Vollzugsbehörden abgeben. Weitere Informationen zur Vollständigkeitserklärung und eine Liste aller endverbrauchernahen Haushaltssammelsysteme für private Verkaufsverpackungen (so genannte Dualen Systeme) finden Sie auf den Internetseiten der Industrie- und Handelskammern.

Die Verwertungsvorgaben werden klar eingehalten. Insgesamt wurden im Jahr 2014 die bei privaten Endverbrauchern angefallenen Verpackungen zu 96,1 % stofflich oder energetisch verwertet (siehe Tab. „Verwertung von Verkaufsverpackungen – Private Endverbraucher“). Für einen Großteil der Verpackungen die bei privaten Endverbrauchern anfallen sind in Deutschland die Dualen Systeme zuständig. Sie müssen die Quoten der deutschen Verpackungsverordnung bezogen auf die bei ihnen unter Vertrag stehenden Verpackungsmengen nachweisen. Die Verwertungsquoten der Dualen Systeme liegen deutlich über den rechtlichen Vorgaben (siehe Tab. „Verwertungsquoten der Dualen Systeme 2014“). Die erreichten Verwertungsquoten liegen teilweise über 100 %. Dies ist auf mehrere Gründe zurückzuführen.

  • In die Berechnung der Quoten gehen die Mengen ein, die aus einer Sortieranlage in die Verwertung gehen. Die Massen sind an dieser Stelle durch Restinhalte, Produktanhaftungen, Wasser und teilweise stoffgruppenfremde Materialien wie Etiketten, Klammern, Kleber, Farben sowie Verbunde und Fehlsortierungen verzerrt. Hinsichtlich Überlegungen zur Verschiebung der Schnittstelle für die Quotenberechnung auf einen späteren Punkt der Prozesskette gilt es aber zu bedenken, dass dies einen wesentlich höheren Bestimmungsaufwand bedeutet und teilweise negative Lenkungseffekte nach sich ziehen kann.
  • Es sind nicht alle Verkaufsverpackungen bei Dualen Systemen lizenziert (Trittbrettfahrer)
  • In die Sammelgefäße der Dualen Systeme landen teilweise auch stoffgleiche Produkte, sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen die gemeinsam mit den Verpackungen verwertet werden.
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Neue Regeln seit Oktober 2014

Der Wettbewerb zwischen den Dualen Systemen war in der jüngsten Vergangenheit teilweise durch Missbrauch und das zunehmende Nutzen von Schlupflöchern der rechtlichen Regelungen verzerrt. Der Verordnungsgeber hat daher die Verpackungsverordnung im Jahr 2014 novelliert und diese Schlupflöcher geschlossen. Seit Oktober 2014 ist es nicht mehr möglich, für die so genannte Eigenrücknahme (Rücknahme der Verkaufsverpackungen am Ort der Abgabe und Zuführung zur Verwertung auf eigene Kosten) Entgelte von den Dualen Systemen zurückzuverlangen.

Seit dem 1. Januar 2015 gelten zudem deutlich höhere Anforderungen an Branchenlösungen. Diese Entsorgungslösungen müssen zukünftig unter anderem eine schriftliche Bestätigung der eingebundenen Anfallstellen und eine genaue Dokumentation über die angelieferten und wieder zurückgenommenen Verpackungsmengen vornehmen.

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