Mehltaupilze im Garten: Häufig anzutreffen und häufig vermeidbar

Zucchiniblatt mit Echtem Mehltauzum Vergrößern anklicken
Echter Mehltau, Sorte: Podosphaera fusca

Echter Mehltau wie an diesem Zucchiniblatt ist auch für Laien gut zu erkennen.

Quelle: Pollinator | www.wikimedia.org | Powdery mildew species Podosphaera fusca | http://commons.wikimedia.org/wiki/GNU_Free_Documentation_License | http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0

FAQ

< >

Inhaltsverzeichnis

 

Mehltaupilze erkennen und abwehren

 

Gewusst wie

Ein weißer bis grauer Pilzrasen, der die befallenen Pflanzenteile wie mit Mehl bestäubt erscheinen lässt: Mehltau ist so leicht zu erkennen, dass selbst Gartenlaien mit dem Begriff oft schon etwas anfangen können. Allerdings wäre es falsch von "dem" Mehltau zu sprechen. Mehltau ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Pilzarten, die sich zwar in ihrer Lebensweise sehr ähneln, sich aber jeweils auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert haben. Ein Mehltaupilz, der Zucchini befällt, kann also nicht den benachbarten Salat anstecken und umgekehrt. Praktischerweise muss man nicht jede einzelne Mehltauart kennen, da sowohl die Bedingungen, unter denen sich die Pilze wohlfühlen als auch die Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung gleich sind.

Abhängig von Lebensweise und Verbreitungsweg werden die zahlreichen Mehltaupilze grob in zwei Gruppen gegliedert: Echter Mehltau und Falscher Mehltau. Beide Gruppen entziehen den Pflanzen Nährstoffe. In der Folge des Mehltaubefalls können die Blätter teilweise oder komplett absterben, bei sehr starkem Befall auch die ganze Pflanze. Die Früchte von befallenen Pflanzen können verzehrt werden, sollten jedoch vorher gründlich abgewaschen werden.

 

Echter Mehltau zeigt sich auf den Blattoberseiten

Charakteristisch für den Echten Mehltau ist ein mehlig-weißlicher, leicht abwischbarer Belag auf den Blattoberseiten sowie bei starkem Befall an Knospen, Blüten und Triebspitzen. Die Blattunterseiten werden wenn überhaupt meist nur schwach besiedelt. Bei starkem Befall mit Echtem Mehltau verbräunen und vertrocknen die Blätter, Blütenknospen treiben nicht aus und befallene Pflanzenteile zeigen Deformationen und können absterben.

Eine Besonderheit des Echten Mehltaus: Im Gegensatz zum Falschen Mehltau sowie den meisten anderen pilzlichen Schaderregern ist er nicht auf Feuchtigkeit angewiesen, um sich auszubreiten. Seine Sporen werden mit dem Wind verbreitet und keimen dann auf den Blättern, auf denen sie haftengeblieben sind. Regen mag der Pilz daher nicht, da dann die Sporen abgewaschen würden. Optimale Bedingungen findet er vor, wenn es tagsüber heiß ist und nachts deutlich abkühlt: Durch die großen Temperaturunterschiede bildet sich auf den Blättern Tau, der die Sporenbildung begünstigt. Echter Mehltau wird daher auch als "Schönwetterpilz" bezeichnet.

Besonders häufig von Echtem Mehltau betroffen sind Rosen, Phlox und andere Zierpflanzen. Beim Gemüse werden Gurken, Kürbisse, Zucchini, Erbsen und Schwarzwurzeln besonders oft befallen, zunehmend auch Tomaten. Gehölze verkraften einen Befall mit Echten Mehltaupilzen in der Regel sehr gut, eine Ausnahme stellen der Apfelmehltau und der Amerikanische Stachelbeermehltau dar. Die beiden Erreger können einen massiven Blattfall verursachen und die betroffenen Gehölze dadurch deutlich im Wachstum sowie im Fruchtansatz beeinträchtigen.

Echter Mehltau an Rosenblättern
Echter Mehltau an Rosa (Podosphaera pannosa, zuvor Sphaerotheca pannosa)
Quelle: Frank Korting | www.greencommons.de | Echter Mehltau an Rosa Podosphaera pannosa zuvor Sphaerotheca pannosa | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/
 

Falscher Mehltau zeigt sich auf den Blattunterseiten

Im Gegensatz zu Echtem Mehltau überzieht der Falsche Mehltau vor allem die Blattunterseiten mit einem weißen bis grauen Pilzrasen, der sich kaum abwischen lässt. Auf den Blattoberseiten sind gelbe bis braune oft vergilbte Flecken erkennbar. Anders als Echter Mehltau benötigt Falscher Mehltau Feuchtigkeit, um sich auszubreiten, deshalb tritt er vor allem in feuchten Sommern auf. Neben Salaten sind auch Gewächshauskulturen häufiger betroffen, da dort oftmals eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.

<>
 

Vorbeugende Maßnahmen und resistente Sorten helfen gegen Echten und Falschen Mehltau

Wie bei allen Pilzkrankheiten gilt: vorbeugen ist besser als bekämpfen. Am einfachsten geht das mit resistenten Pflanzensorten, die vom Echten oder Falschen Mehltau erst gar nicht oder nur selten befallen werden. Bei den Rosen sind diesbezüglich sogenannte ADR-Rosen empfehlenswert, beim Kauf von Gemüse- oder Zierpflanzensaatgut lohnt sich ein Vergleich der Saatgutpackungen, auf denen Resistenzen meist ausdrücklich erwähnt sind. Hier  finden Sie zudem einige Beispiele für widerstandsfähige Sorten. Hinweis: Wie so viele pilzliche Erreger sind auch Mehltaupilze recht anpassungsfähig. Beim Falschen Mehltau haben sich daher inzwischen zahlreiche unterschiedliche Rassen herausgebildet, die zum Teil auch resistente Sorten befallen können. Gegen welche Rassen die Resistenzen gelten, ist nicht immer auf der Saatgutpackung vermerkt – zumal verschiedene Rassen meist auch in unterschiedlichen Regionen Deutschlands auftreten. Beim Falschen Mehltau lohnt es sich daher im Zweifelsfall, mehrere resistente Sorten zu testen.

Neben der Sortenwahl sollten Sie darauf achten, Ihre Pflanzen nicht zu überdüngen, da dann das Gewebe weich und anfällig wird, und Krankheitserreger leichtes Spiel haben. Insbesondere im Hinblick auf den Falschen Mehltau und viele andere Pilzerkrankungen ist es zudem ratsam, die oberirdischen Pflanzenteile möglichst trocken zu halten. Planen Sie daher einen ausreichend großen Abstand zwischen den Pflanzen ein, damit der Wind hindurchstreichen kann und Feuchtigkeit rasch verdunstet. Gießen Sie immer direkt an den Pflanzenfuß , ohne die Blätter zu benetzen, und möglichst morgens, damit etwaiges Spritzwasser im Laufe des Tages verdunsten kann. Im Gewächshaus sollte generell regelmäßig gelüftet werden, damit die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark ansteigt.

Wo erfahrungsgemäß ein starker Befall mit Echtem Mehltau oder Falschem Mehltau zu erwarten ist, kann es sinnvoll sein, vorbeugend Pflanzenstärkungsmittel einzusetzen. Regelmäßig gespritzt regen sie die Pflanzen dazu an, eine besonders feste Außenhaut zu bilden und/oder Abwehrstoffe zu bilden, dank der sich die Pilzsporen nur schwer ansiedeln können. Empfehlenswert sind vor allem gekaufte oder selbst angesetzte Präparate mit Schachtelhalm.

 

Obst- und Gemüsesorten mit Resistenzen gegen Echte und/oder Falsche Mehltaupilze

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für Obst- und Gemüsesorten mit Resistenzen gegen Echte und/oder Falsche Mehltaupilze (Stand Sommer 2015).

Gegen Echten Mehltau resistente beziehungsweise widerstandsfähige Sorten:

  • Erbse: 'Ambassador', 'Profita', 'Vitara', 'Zuccola'
  • Feldsalat: 'Dominik', 'Favor', 'Gala', 'Juwabel', 'Juwahit', 'Vit'
  • Gurken: 'Adrian', 'Cordoba', 'Corentine', 'Cum Laude', 'Delta Star', 'Diamant', 'Dominica', 'Euphya', 'Excelsior', 'Marketmore 76', 'Melody', 'Midios' 'Printo', 'Passandra', 'Styx', ' Sudica'
  • Tomate: 'Maranello', 'Phantasia'
  • Zucchini: 'Diamant', 'Dunja', 'Mastil', 'Soleil'

Gegen Falschen Mehltau resistente beziehungsweise widerstandsfähige Sorten:

  • Brokkoli: 'Emperor', 'Fiesta', 'Green Valiant', 'Marathon'
  • Gurken: 'Akito', 'Diamant', 'Excelsior', 'Jazzer', 'Marketmore 76'
  • Kürbis: 'Merlin', 'Neon'
  • Salate:
    •    Feldsalat: 'Dominik', 'Favor', 'Gala', 'Juwabel', 'Juwahit', 'Vit'
    •    Bataviasalat: ’Leny’, 'Sparta'
    •    Kopfsalat: 'Caddo', 'Casanova', 'Chagal', 'Einstein', 'Estelle', 'Fiorella', 'Irina', 'Jiska', 'John', 'Osaka', 'Vicky'
    •    Eissalat: 'Barcelona', 'Bennie'
    •    Lollo Bionda:  'Barman', 'Lorenzo'
    •    Lollo Rossa: 'Concorde', 'Solsun'
    •    Kraussalat: 'Bentley', 'Sirmai', 'Smile'
    •    Endivie, Zuckerhut und Chicorée werden generell kaum befallen.
  • Spinat: 'Dolphin', 'Emilia', 'Merlin', 'Lazio', 'Rico'
  • Brombeere: 'Navaho'
 

Ein Befall mit Echtem Mehltau kann meist toleriert werden

Echter Mehltau breitet sich in der Regel erst im Hochsommer aus, wenn die Pflanzen bereits gut entwickelt sind. Daher hält sich der angerichtete Schaden in Form einer reduzierten Photosyntheseleistung meist in Grenzen. Entfernen Sie befallene Pflanzenteile und entsorgen Sie sie über den Kompost oder über den Haus- oder Biomüll. Beim Kompostieren sollten Sie jedoch gleich anderes Pflanzenmaterial oder Erde über die befallenen Pflanzenteile geben, damit die Sporen nicht vom Wind weitergetragen werden können. Auch mit Pflanzenstärkungsmitteln zu spritzen, kann sich noch lohnen, wenngleich die Wirkung bei vorbeugenden Behandlungen besser ausfällt.

Bei sehr starkem Befall können Sie – bei entsprechender Zulassung – notfalls Fungizide auf Basis von Schwefel einsetzen. Schwefel ist ein Pflanzennährstoff. Auch der in Fungiziden enthaltene Anteil wird im Boden in pflanzenverfügbare Formen umgebaut. Auf der Blattoberfläche entsteht allerdings zunächst Schwefeldioxid, das für einige Gliederfüßer giftig ist, insbesondere für die nützlichen Schlupfwespen und Raubmilben. Bei jährlicher Anwendung sollte man zudem den Boden-pH-Wert kontrollieren. Durch den Schwefel kann er sich in den sauren Bereich verschieben, in dem sich zwar Rhododendren wohlfühlen, Buchs, Rosen und viele andere Zierpflanzen- und Beerenobstarten sowie die meisten Gemüsearten jedoch nicht. In diesem Fall kann durch Kalkgaben gegengesteuert werden. Insbesondere bei hohen Temperaturen und bei empfindlichen Sorten können Schwefelanwendungen zu Verbrennungen und bei Obst zu einem rostähnlichen, aber gesundheitlich unbedenklichen Belag auf den Früchten führen. Insgesamt betrachtet kann Schwefel als effektives aber relativ umweltverträgliches Fungizid empfohlen werden. Die meisten anderen Wirkstoffe sind wesentlich kritischer zu betrachten, da es zum Teil sehr lange dauert, bis sie sich abbauen. Einige Wirkstoffe sind giftig bis hochgiftig für Fische und andere Wasserorganismen, bei Fehlanwendungen können selbst Risiken für Säugetiere oder Einträge ins Grundwasser nicht ausgeschlossen werden.

<>
 

Falscher Mehltau ist schwerer zu behandeln als Echter Mehltau

Wie beim Echten Mehltau sollten Sie befallene Pflanzenteile entfernen und über den Kompost oder über den Haus- oder Biomüll entsorgen. Auch mit Pflanzenstärkungsmitteln zu spritzen, kann sich noch lohnen, wenngleich die Wirkung bei vorbeugenden Behandlungen besser ausfällt. Vorbeugenden Maßnahmen kommt beim Falschen Mehltau ohnehin ein noch höherer Stellenwert zu als dies bei Pilzkrankheiten ohnehin schon der Fall ist. Denn im Gegensatz zum Echten Mehltau kann beim Falschen Mehltau aus Umweltsicht kein zugelassener Wirkstoff empfohlen werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Beispielsweise schonen selbst plakativ als "nützlingsfreundlich" gekennzeichnete Präparate oft nur wenige Sympathieträger wie die Biene. Andere Nützlinge können durchaus geschädigt werden, zum Beispiel die als Blattlausvertilger geschätzte Schwebfliege. Dies verrät aber erst ein Blick ins Kleingedruckte. Ein Risiko besteht zudem für zahlreiche Arten, die erst gar nicht geprüft wurden, da sich die Standardtests nur auf eine Reihe ausgewählter Organismen beschränken. Besondere Gefahren für Umwelt und Tierwelt drohen, wenn zugelassene Pflanzenschutzmittel falsch angewendet werden.

 

Fehlanwendungen von Fungiziden bergen erhebliche Risiken

Viele  Fungizide bauen sich nur sehr langsam ab, sodass nachfolgend angebaute Pflanzen sie aufnehmen können. Nicht nur wer einen Gartenteich besitzt, muss sich außerdem darüber im Klaren sein, dass viele Produkte bei unsachgemäßer Ausbringung Wasserpflanzen, Fische oder andere Gewässerorganismen schädigen oder töten können. Durch plötzlich aufkommenden Wind, der den Sprühnebel verweht, Verdunstung , Abschwemmungen in Hanglagen oder schlicht durch Versickern können Fungizide selbst bei sachgemäßer Anwendung einen deutlich größeren Wirkungskreis erlangen als beabsichtigt. Besonders brisant sind die genannten Punkte, da in der Natur nie nur einzelne Pflanzen- oder Tierarten von einer Pflanzenschutzmaßnahme betroffen sind, sondern sich alles in Kreisläufen vollzieht. Direkten Kontakt mit der Spritzbrühe – und damit je nach Mittel mit sogenannten persistenten, also schwer abbaubaren Wirkstoffen – haben in erster Linie Pflanzen und Insekten. Diese jedoch stehen erst am Anfang unterschiedlichster Nahrungsketten. Behandelte Pflanzen können, im Ganzen oder in Teilen, zum Beispiel von Mäusen oder Schnecken gefressen werden – und in deren Gewebe können sich einige – sogenannte bioakkumulierende – Wirkstoffe anreichern. Die Mäuse wiederum werden möglicherweise von Katzen erbeutet, die Schnecken von Igeln, Singvögeln oder im Freiland gehaltenen Hühnern. Auch Insekten, die überall im Garten präsent sind, bekommen beim Besprühen von Pflanzen zwangsläufig eine Portion ab – und damit auch alle Tiere, die sich von diesen Insekten ernähren, und wiederum anderen Tierarten als Beute dienen. Je weiter oben ein Tier in der Nahrungskette steht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit der Zeit größere Mengen verschiedener Wirkstoffe aufnimmt.

Die Bewertung zugelassener Fungizide bezieht sich zudem auf die sachgemäße Anwendung. Das bedeutet unter anderem, dass eine festgelegte, vom Hersteller angegebene Konzentration eingehalten werden muss, und das Mittel nur in bestimmten zeitlichen Abständen ausgebracht werden darf. Deshalb darf auch niemals nach dem Motto "Viel hilft viel" einfach munter drauflosgespritzt werden. In der Praxis sind allerdings immer wieder Fehlanwendungen festzustellen. Hinzu kommt: Die Wirkstoffmengen, die in einem einzigen Garten freigesetzt werden, mögen auf den ersten Blick gering scheinen. Doch da ein Garten ein offenes System ist, summieren sich die Einträge aus einer Million Kleingärten und rund 20 Millionen Hausgärten. Ob und ab welcher Konzentration sich verschiedene Wirkstoffe dann möglicherweise gegenseitig in ihrer Giftigkeit verstärken, das lässt sich aufgrund der Vielzahl möglicher Kombinationen auch im Rahmen der streng geregelten rechtlichen Zulassungsverfahren nur sehr begrenzt vorhersagen und abwägen. Prinzipiell werden Zulassungen für Fungizide nur nach eingehender Prüfung und Abwägen der Risiken erteilt. Danach sind sie in der Regel zehn Jahre lang gültig, ohne erneut überprüft zu werden. Die Bewertungskonzepte werden hingegen ständig weiterentwickelt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die eine oder andere Zulassung nach dem künftigen Stand von Wissenschaft und Technik nicht mehr erteilt würde.

<>