Berechnung der Lebenszykluskosten

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Taschenrechner
Quelle: Benjamin LEFEBVRE / Fotolia.com

Mit Hilfe der Lebenszykluskostenrechnung (englisch: „Life Cycle Costing“, LCC) lassen sich Produkte unter Berücksichtigung aller relevanten Kosten auf ihre Wirtschaftlichkeit hin vergleichen. Umweltfreundliche Produkte erweisen sich dabei in vielen Fällen – selbst bei höheren Anschaffungskosten – als die wirtschaftlichste Variante.

Häufig ist beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen das preisgünstigste Angebot nicht auch das wirtschaftlichste. So können preiswerte Produkte im Vergleich zu teureren Alternativen höhere Folgekosten verursachen. Diese ergeben sich beispielsweise aus dem Verbrauch an Hilfsstoffen oder Energie während der Nutzungsphase, den Installations- und Wartungskosten sowie den Kosten am Ende der Nutzungsdauer (insbesondere Abholungs-, Entsorgungs- und Recyclingkosten). Auch die Kosten, die durch externe Effekte der Umweltbelastung entstehen und mit der ausgeschriebenen Leistung während des Lebenszyklus in Verbindung stehen, gehören dazu. Die Lebenszykluskostenrechnung bezieht diese Faktoren bei der Berechnung der tatsächlichen Kosten für ein Produkt mit ein. Vor diesem Hintergrund kann diese Methode auch zur Förderung umweltfreundlicher Produkte genutzt werden und damit zu einer Entlastung der Umwelt beitragen.

Die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten im Rahmen der Angebotswertung ist vergaberechtlich zulässig (§ 59 VgV 2016, § 16 Abs. 8 VOL/A). Zum Teil wird sie bereits verbindlich vorgegeben. So müssen alle Bundesdienststellen bei der Beschaffung energieverbrauchsrelevanter Produkte und Dienstleistungen bei der Angebotswertung auch die Lebenszykluskosten berücksichtigen (Artikel 2 Abs. 3 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung energieeffizienter Produkte und Dienstleistungen (AVV-EnEff) vom 18. Januar 2017).

Sind energieverbrauchsrelevante Produkte Gegenstand einer Ausschreibung oberhalb der EU-Schwellenwerte, ist die Energieeffizienz als Zuschlagskriterium angemessen zu berücksichtigen (§ 67 Abs. 5 VgV 2016). Dies kann insbesondere über die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten erfolgen. In geeigneten Fällen sind von den Bietern ohnehin eine Analyse minimierter Lebenszykluskosten oder die Ergebnisse einer vergleichbaren Methode zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit einzufordern (§ 67 Abs. 3 Ziff. 2 VgV 2016).

Auch bei der Beschaffung von Straßenfahrzeugen sind bei der Festlegung der Zuschlagskriterien Lebenszykluskosten in Form von Energieverbrauch sowie anderen Umweltauswirkungen zu erfassen (§ 68 Abs. 2, Ziff. 2 VgV 2016) und mit der dafür vorgesehenen Methode finanziell zu bewerten und zu berechnen (Anlage 3 zu § 68 Abs. 3 VgV 2016 „Methode zur Berechnung der über die Lebensdauer von Straßenfahrzeugen anfallenden Betriebskosten“).

Tools und weitere Arbeitshilfen

Für die Berechnung von Lebenszykluskosten existieren inzwischen verschiedene Werkzeuge (Tools):

  • Mit dem allgemeinen Excel-Tool des Umweltbundesamtes können bis zu fünf verschiedene Beschaffungsvarianten bewertet werden. Es berücksichtigt alle wesentlichen Kostenkategorien, wie Anschaffungs-, Betriebs- und Entsorgungskosten. Das Tool wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes durch das Öko-Institut e.V. im Rahmen des Projektes „Nationale Umsetzung der neuen EU-Beschaffungs-Richtlinien“ entwickelt.
  • Ein produktgruppenspezifisches Excel-Tool des Umweltbundesamtes unterstützt bei der Berechnung der Lebenszykluskosten von Computern, Multifunktionsgeräten, Monitoren, Rechenzentren, Bodenbelägen, Kühlschränken und Geschirrspülmaschinen. Das Tool wurde ebenfalls im Auftrag des Umweltbundesamtes vom Öko-Institut e.V. erstellt (Forschungsvorhaben „Wissenschaftliche Begleitung der Prozesse zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung“). 
  • Die Berechnungshilfen der Berliner Energieagentur für die Produktgruppen Beleuchtung, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, IT und Ökostrom sind ohne umfassende Vorkenntnisse nutzbar. Dies ermöglicht einen schnellen Einstieg in die Berechnung der Lebenszykluskosten.
  • Mit dem LCC-Tool von ICLEI / Öko-Institut lassen sich neben den Lebenszykluskosten für eine Vielzahl von Produktgruppen gleichzeitig die entstehenden CO2-Emissionen darstellen. Dabei können neben Emissionen aus der Nutzungsphase auch solche berücksichtigt werden, die bei der Herstellung, dem Transport oder der Entsorgung entstehen (so genannte „graue Emissionen“).
  • Eine Berechnungshilfe der über die Lebensdauer von Straßenverkehrsfahrzeugen anfallenden externen Kosten gemäß der in der Richtlinie über die Förderung sauberer und energieeffizienter Straßenfahrzeuge (RL 2009/33/EG) vorgegebenen Methode wurde im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten Projektes Clean Fleets erarbeitet.

Der seit September 2016 auf der Internetseite des Kompetenzzentrums innovative Beschaffung zur Verfügung stehende Lebenszykluskosten-Tool-Picker unterstützt bei der bedarfsgerechten Auswahl eines Lebenszykluskostenberechnungs-Tools.

Eine praxisnahe Einführung in die Berechnung der Lebenszykluskosten und deren Nutzung im Beschaffungsprozess enthält das Schulungsskript Umweltfreundliche Beschaffung, Teil 5.

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