Pflanzenschutzmittel in der Umwelt

In unserer Umwelt sind wir mit einer Vielzahl von Chemikalien konfrontiert. Eine Sonderrolle nehmen dabei die Pflanzenschutzmittel ein, denn keine andere Stoffgruppe wird so gezielt und in ähnlich großem Umfang offen in die Umwelt ausgebracht.

Pflanzenschutzwirkstoffe in der Umwelt

Pflanzenschutzmittel werden mit Hilfe von Feldspritzen auf Feldern offen und teilweise großflächig ausgebracht. Bei dieser Aufbringtechnik kann es zum Abdriften einer Pflanzenschutzmittelmenge kommen, die somit nicht das gewünschte Areal, die Pflanze, erreicht. Sie gelangt vielmehr in die Umgebung, zum Beispiel in Böden und in Gewässer. Ebenso können bei der Aussaat von Kulturpflanzen aus gebeiztem Saatgut wirkstoffhaltige Beizstäube frei werden. Und nach starken Regenfällen können Pflanzenschutzmittelwirkstoffe zusätzlich von Ackerflächen in benachbarte Biotope oder Gewässer eingetragen werden.

Pflanzenschutzwirkstoffe sind bestimmungsgemäß giftig für Organismen: Ihr Zweck ist, gezielt sogenannte Schadorganismen zu töten oder zu vertreiben. Da die meisten Wirkstoffe über ein relativ breites Wirkungsspektrum verfügen, lassen sich schädliche Wirkungen auf sogenannte Nicht-Zielarten nicht ausschließen. Kaum ein Pflanzenschutzmittel wird sofort in der Umwelt abgebaut. Rückstände verbleiben zum Teil längerfristig im Boden, in Gewässern und im Grundwasser (siehe Abb. „Häufigkeitsverteilung der Pflanzenschutzmittelfunde in oberflächennahen Grundwassermessstellen“).

Der rückläufige Trend der Grundwasserbelastung mit Pflanzenschutzwirkstoffen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Altlasten langsam abgebaut werden. So sinken die Fundzahlen der Unkrautbekämpfungsmittel Atrazin und Desethylatrazin sowie von einigen anderen Wirkstoffen und ihren Abbauprodukten, deren Anwendung bereits seit Jahren oder sogar Jahrzehnten verboten ist. Funde von Wirkstoffen und Abbauprodukten aktuell zugelassener Pflanzenschutzmittel treten hingegen seit Jahren in vergleichbarer Häufigkeit auf. Auch hinsichtlich des Eintrags in Oberflächengewässer weisen Untersuchungen immer wieder auf Belastungen hin, die in der Vorhersage von Umweltbelastungen in den Zulassungsverfahren so nicht erwartet wurden.

Das Diagramm zeigt, dass die Belastung des oberflächennahen Grundwassers mit Pestiziden sank: In den sechs Jahren 1990 bis 1995 wurden Pestizide in 28,3 Prozent der Proben nachgewiesen, in den Jahren 2009 bis 2012 nur noch in 19,1 Prozent.
Häufigkeitsverteilung der Pflanzenschutzmittelfunde in oberflächennahen Grundwassermessstellen
Quelle: Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) 2015 Diagramm als PDF