Indikatoren

Sekundärrohstoffwirtschaft
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Mithilfe der Indikatoren DERec (Direct Effects of Recovery) und DIERec (Direct and Indirect Effects of Recovery) kann die Schonung von Primärrohstoffen durch Kreislaufführung beschrieben und erfasst werden. Die Indikatoren berücksichtigen die tatsächlichen Verwertungs- und Rückführungsqualitäten von Sekundärrohstoffen sowie die dadurch eingesparten Rohstoffe in der Primärproduktion. Analog dazu werden Primärenergieeinsparungen mithilfe des Kumulierten Energieaufwands (KEA-Saldo) ausgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

 

Definition der Indikatoren

 DERec ist ein Sekundärrohstoffindikator. Er bildet ab, in welchem Umfang Primärrohstoffe, Halb- und Fertigwaren, unter Annahme gleicher Produktionsmuster und Technologien importiert bzw. inländisch gewonnen werden müssten, wenn keine Verwertung von Sekundärrohstoffen erfolgen würde.
DIERec ist ebenfalls ein Sekundärrohstoffindikator. Er bildet ab, in welchem Umfang Primärrohstoffe unter Annahme gleicher Produktionsmuster und Technologien global gewonnen werden müssten, wenn keine Verwertung von Sekundärrohstoffen erfolgen würde.
KEA-Saldo ist ein Energieindikator. Er bildet ab, in welchem Umfang sich der direkte Primärenergieeinsatz verändern würde, wenn keine Verwertung von Sekundärrohstoffen erfolgen würde. Hierbei werden (analog zu DIERec und DERec) zwei unterschiedliche Systemgrenzen angelegt. Der KEA-Saldo weist sowohl die direkten (inländischen) als auch die indirekten (globalen) Effekte auf den Primärenergieaufwand aus, wenn keine Verwertung von Sekundärrohstoffen erfolgen würde. Der KEA-Saldo Inland ohne Vorketten berücksichtigt hingegen nur die direkten inländischen Energieaufwendungen.

 

Erklärung der Indikatoren

Mithilfe von DERec und DIERec lassen sich die Schonungseffekte von Primärrohstoffen durch Kreislaufführung und Verwertung von Materialien abbilden. Beide Indikatoren stellen Salden dar, welche die realen Verwertungs- und Rückführungsqualitäten von Sekundärrohstoffen und die damit verbundenen Substitutionseffekte zu Grunde legen. Es werden die materiellen Aufwendungen von Sekundärprozessrouten für das Sammeln, Transportieren, Aufbereiten und Verwerten der Sekundärmaterialien erfasst und von den äquivalenten Aufwendungen der Primärprozesse subtrahiert. Berücksichtigt werden sowohl inländische Rohstoffentnahmen als auch importierte Güter. Die Inventardaten hierfür stammen aus Sachbilanzen ökobilanzieller Datensätze. Bei DIERec und DERec handelt es sich um Bottom-up-Indikatoren. Ihre Höhe und Ausprägung hängt demzufolge auch davon ab, wie hoch der Abdeckungsgrad der Materialien und die berücksichtigten Verwertungswege und -qualitäten sind.

 

Systemgrenze des DIERec

Die Bilanzierung des DIERec wird einer globalen Rohstoffperspektive gerecht, indem auf Prozessebene der KRA (Kumulierter Rohstoffaufwand) zu Grunde gelegt wird. Es werden alle Rohstoffflüsse außer Wasser und Luft bis zur Entnahme aus den natürlichen Quellen berücksichtigt. Bei letzteren kommen in großem Umfang die Vorketten von höher verarbeiteten Gütern, beispielsweise in Form von aufzubereitenden Erzen im Ausland, zum Tragen. Diese Materialflüsse außerhalb der eigenen Volkswirtschaft werden als indirekte Stoffströme bezeichnet. Die indirekten Stoffströme, welche für die Bundesrepublik die reinen Importgewichte um ein Drei- bis Vierfaches übersteigen, sind im Sinne der Verursachergerechtigkeit unverzichtbare Informationsgrößen zur Ressourcenschonung. Die Systemgrenzen des DIERec sind kongruent zu denen des RMI (Raw Material Input) bzw. der Berechnung von Rohstoffäquivalenten von Importwaren (Vgl. DzU Gesamtrohstoffproduktivität sowie DzU Inl. Entnahme und Importe #Link#). Vor diesem Hintergrund zeigt der DIERec an, um welchen Betrag sich der RMI verändern würde, wenn es keine werkstoffliche, rohstoffliche oder energetische Verwertung von Abfallstoffen und die Nutzung von industriellen Nebenprodukten gäbe.

 

Systemgrenze des DERec

Die Berechnung des DERec schränkt die globale Ausrichtung des DIERec gezielt ein, um die direkten Effekte innerhalb der Volkswirtschaft abzubilden. Auf diese Weise wird eine Anschlussfähigkeit an den ursprünglichen Rohstoffproduktivitätsindikator der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sowie des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms gewährleistet. Im dort verwendeten DMI (Direct Material Input) werden Importgüter nur mit ihrem tatsächlichen Gewicht bei der Einfuhr erfasst. Exterritoriale Stoffströme, die nicht unmittelbar Bestandteil der Importe sind, werden demnach im DERec nicht berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund zeigt der DERec an, um welchen Beitrag sich der DMI verändern würde, wenn es keine werkstoffliche, rohstoffliche oder energetische Verwertung von Abfallstoffen und die Nutzung von industriellen Nebenprodukten gäbe.

Abbildung 1: Systemgrenze des DIERec
Abbildung 1: Systemgrenze des DIERec
Quelle: Umweltbundesamt
 

Anwendungsbereich der Indikatoren

DIERec- und DERec-Indikatoren lassen sich für Rohmaterialien, Werkstoffe und Verwertungsverfahren ermitteln. Eine gemeinsame Ausweisung der Indikatoren ist aufschlussreich und lässt eine Zusammenschau der im In-und Ausland hervorgerufenen materiellen Effekte der Sekundärrohstoffwirtschaft zu. Die Indikatoren stellen materielle Informationsgrößen, nicht jedoch ökologische Steuerungsgrößen dar, da allein die Betrachtung der Primärrohstoffeinsparungen nicht richtungssicher auf die nachhaltigsten Verwertungswege schließen lässt.
Analog zur Systematik des DERec und DIERec kann mithilfe der Indikatoren KEA-Saldo und KEA-Saldo Inland ohne Vorketten ausgewiesen werden, um welchen Betrag sich der globale Primärenergieverbrauch, beziehungsweise der inländische Primärenergieverbrauch erhöhen würde, wenn es keine werkstoffliche, rohstoffliche oder energetische Verwertung von Abfallstoffen oder die Nutzung von industriellen Nebenprodukten gäbe.

Zu Grunde liegt der Indikator Kumulierter Energieaufwand (KEA), welcher die Gesamtheit des primärenergetisch bewerteten Aufwands bemisst, der im Zusammenhang mit der Herstellung, Nutzung und Beseitigung eines ökonomischen Gutes (Produkt oder Dienstleistung) entsteht.

Abbildung: Systemgrenze des DERec
Abbildung: Systemgrenze des DERec
Quelle: Umweltbundesamt

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