Neuer Erweiterungsbau am Hauptsitz Dessau-Roßlau

von Architekten gebautes, ganz in weiß gehaltenes Modell eines modernen vierstöckigen, polygonalen Flachbaus und seiner Umgebungzum Vergrößern anklicken
Modell des geplanten UBA-Erweiterungsbaus in Dessau-Roßlau
Quelle: Marc Rathmann / UBA

Am Hauptsitz des UBA in Dessau-Roßlau entsteht zurzeit ein Erweiterungsbau mit 111 Büroarbeitsplätzen, der mindestens Null-Energie-Standard haben wird.

Warum ein Neubau?

Das ⁠UBA⁠-Dienstgebäude in Dessau-Roßlau platzt aus allen Nähten. Seit 2005 ist die Zahl der Stellen insbesondere für den Vollzug des Arzneimittel- und des Biozidgesetzes gestiegen. Außerdem gibt es mehr Auszubildende, Rechtsreferendare, Doktoranden, Diplomanden und Praktikanten. Seit 2008 müssen deshalb Flächen für 45 zusätzliche Büroarbeitsplätze angemietet werden. 2011 kamen weitere 25 Arbeitsplätze hinzu.

Die Planung:

Um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Dessau-Roßlau wieder in eigenen Räumlichkeiten unterzubringen, soll östlich, direkt neben dem Hauptgebäude, ein viergeschossiger Neubau mit 111 Büroarbeitsplätzen und zwei mittelgroßen Konferenzräumen für 50 bis 70 Personen (eine Größe, die im Hauptgebäude immer wieder vermisst wird) entstehen.

Der Erweiterungsbau wird mindestens Null-Energie-Standard haben. Das heißt, dass das Gebäude übers Jahr gerechnet nicht mehr Energie verbraucht, als es selbst erzeugt. Außerdem soll das Haus den Gold-Standard nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude erreichen und ein Niedrigstenergiegebäude (nearly zero energy building) gemäß der Europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD 2010) sein. Die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) sollen um 56 Prozent unterschritten werden.

Die benötigte Energie wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Fotovoltaikelemente, auf dem Dach und in die Süd-, West- und Ostfassade integriert, werden den notwendigen Strom bereitstellen. Über etwa 30 Sonden, die bis 25 Meter tief in den Boden eingebracht werden, wird Erdwärme zum Heizen und Kühlen genutzt. Im Sommer wird den Büros nachts durch zentral gesteuertes Öffnen der Fenster kühle Luft zugeführt. Die Außenfassade wird durch eine gute Dämmung und eine Dreischeibenverglasung der Fenster Passivhausstandard haben. Außerdem ist eine Lüftungsanlage mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung vorgesehen. So sollen die Vorgaben der derzeit geltenden Energieeinsparverordnung 2009 um 56 Prozent unterschritten werden. Energie soll auch bei der Beleuchtung gespart werden: durch LED- und Energiesparbeleuchtung.

In den Innenwänden wird Hanf als Dämmstoff verwendet werden. Als weiterer nachwachsender Rohstoff wird Holz in Form von Stäbchenparket zum Einsatz kommen. Ein Gründach fungiert als kleines ⁠Biotop⁠.

Auch bei der Förderung nachhaltiger Mobilität will das UBA mit seinem neuen Dienstgebäude Maßstäbe setzen. In einem Fahrradpavillon werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Drahtesel diebstahlsicher abstellen können. Knapp 70 Fahrräder, davon drei mit Anhänger, finden hier unter einem begrünten Dach Platz. Außerdem ist ein kleiner Raum für eine Fahrradwerkstatt reserviert.

Die angrenzende Grünanlage wird allen Erholungssuchenden offenstehen. Interessante Wegeführungen und Kunstobjekte werden zum Verweilen einladen.

Die Beteiligten:

Bauherr

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
vertreten durch
Ministerium der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt
Landesbetrieb Bau– und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt

Oberste Technische Instanz

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Nutzer

Umweltbundesamt im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums

Architekten

Anderhalten Architekten, Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Technische Gebäudeausrüstung

WINTER Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik GmbH, Berlin

Was bisher geschah:

  • 2009 wurde der Stellen- und Raumbedarfsplans mit dem Bundesumwelt-, dem Bundesbau- und dem Bundesfinanzministerium vorabgestimmt
  • Zum 1.1.2010 wurde das Baugrundstück gekauft.
  • Im März 2011 haben UBA, Landesbetrieb Bau Sachsen-Anhalt (heute Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt) und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Entscheidungsunterlage Bau vorgelegt.
  • Am 10.6.2011 hat das Bundesbauministerium seine baufachliche Stellungnahme abgegeben.
  • Am 15.08.2011 hat das Bundesfinanzministerium das Bauprojekt haushaltsrechtlich anerkannt.
  • 2012 wurde ein interdisziplinärer Architekten- und Ingenieur-Wettbewerb durchgeführt. Am 7.8.2012 gab die Jury die Entscheidung für den Entwurf der Bewerbergemeinschaft um das Architektenbüro „Anderhalten Architekten“ aus Berlin bekannt (siehe Presse-Information).
  • Im Herbst 2012 wurde das Baufeld frei gemacht.
  • Im März 2014 wurde die Entwurfsunterlage Bau nach den Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes erstellt und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit  und dem Bundesfinanzministerium zur Genehmigung übergeben.
  • Anfang 2015 wurde die Entwurfsunterlage Bau vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit  und dem Bundesfinanzministerium genehmigt.
  • Anfang 2015 hat das Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA) mit den Planern die Verträge über die Ausführungsphase des Bauvorhabens geschlossen. Die Ausführungsplanung wird erstellt und die Bauleistungen werden ausgeschrieben.
  • Im November 2015 wurde der letzte Teil der Bodensanierung abgeschlossen. Etwa 1.200 Tonnen Erde wurden ausgetauscht, da sie aus schwermetallhaltigen Auffüllungen bestanden.
  • Im Februar 2016 sind die "pinken Rohre" aufgebaut, die ab März das Grundwasser von der Baustelle pumpen.
  • Am 8. April 2016 fand die Grundsteinlegung statt. Er ist der Startschuss für die Rohbauarbeiten.
  • Am 7. November 2016 war Richtfest.
  • Ende 2017 wurde eine mangelhafte Leistung bei den Dämmarbeiten, besonders im Bereich der Fenster, festgestellt. Zur Klärung der Fragen, wer die Mängel zu verantworten und die Kosten für deren Beseitigung zu tragen hat und wie die Mängel genau zu beseitigen sind, hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – vertreten durch das Ministerium der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt – vor dem zuständigen Landgericht Magdeburg die Durchführung eines selbständigen Beweisverfahrens beantragt. Die Bauarbeiten an der Fassade wurden gestoppt, um die Mängel nicht zu überbauen. Im Gebäudeinneren und an den Außenanlagen gingen die Bauarbeiten weiter.
  • Im Oktober 2018 wurde die "Kunst am Bau" im Inneren des Gebäudes installiert.
  • Im Dezember 2018 wurden die Arbeiten im Inneren des Gebäudes weitgehend abgeschlossen, auch die haustechnischen Anlagen wurden zu großen Teilen fertiggestellt.
  • Im Juli 2019 wurden der Fahrradpavillon und die neuen, überdachten Behindertenparkplätze fertiggestellt.
  • Im Mai 2022 wurden die Bautätigkeiten an der Fassade wieder aufgenommen. Alle Verfahrensbeteiligten haben nach mehr als vier Jahren Baustillstand ein großes Interesse an dem Fortgang der Arbeiten und der Fertigstellung der Baumaßnahme signalisiert und sich auf eine kooperative Zusammenarbeit verständigen können.

Wie es weitergeht:

  • Seit Anfang Mai 2022 wird die fehlerhaft ausgeführte Fassadendämmung demontiert. Im Anschluss erfolgen etagenweise von unten nach oben Arbeiten an den Fensterzargen und der fachgerechte Einbau einer neuen Fassadendämmung.
  • Ist dies abgeschlossen, wird als Instrument der Qualitätssicherung voraussichtlich im September 2022 ein Blower-Door-Test durchgeführt.
  • Als letzter Schritt erfolgen der Einbau der Photovoltaik-Elemente und der dazugehörenden Bauteile. Ist bis dahin alles positiv verlaufen, kann die Inbetriebnahme der Gesamthaustechnik stattfinden und die Nutzungsaufnahme vorbereitet werden.
  • Nach aktuellem Planungsstand ist eine Fertigstellung der Fassade bis Ende 2022 realistisch. Unter Berücksichtigung noch offener, anderer Leistungen wäre demnach eine Nutzung des Erweiterungsbaus im ersten Quartal 2023 denkbar.
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