Stadt- und Straßenbäume im Klimawandel

Der Wert unserer Stadt- und Straßenbäume ist unschätzbar. Neben zahlreichen wichtigen Faktoren regulieren sie z. B. das Mikroklima, spenden Schatten, filtern Emissionen aus Luft und Boden, werten das Stadtbild auf und sind Lebensraum stadttypischer Vogel- und Insektenarten. Gleichwohl sind Stadt- und insbesondere Straßenbäume z.T. extremen Bedingungen, wie Bodenverdichtung & -versiegelung, Stadtklima (Überwärmung, Trockenheit), Luft- und Bodenschadstoffen, Streusalz, Kunstlicht u.v.m. ausgesetzt, weshalb sie kaum die Hälfte ihres potenziellen Lebensalters erreichen.

Durch die Auswirkungen des Klimawandels verschlechtern sich die Standortbedingungen unseres Stadtgrüns zusätzlich. Einige bewährte Arten zeigen heute bereits deutliche Probleme aufgrund der veränderten Verhältnisse. Ebenfalls problematisch ist die zu erwartende zunehmende Einwanderung neuer Schadorganismen, die sich aus der Verschiebung der Klimazonen ergibt.

Damit Stadtbäume auch künftig ihre zahlreichen Funktionen uneingeschränkt erfüllen können, sollte sich Arten- und Standortwahl an den kommenden stadtklimatischen Verhältnissen orientieren. Eine qualifizierte Standortfaktorenanalyse und gezielte Baumartenwahl ermöglicht es den Pflanzen, ein höheres Alter zu erreichen und ihre Wohlfahrtsfunktionen (Klimakomfort, Lufthygiene, Ästhetik) mit hoher Wirkung zu entfalten. Nicht zuletzt reduziert dies den Aufwand der Kommune für Pflege und Ersatzpflanzungen.

Das Stadtbaumkonzept berücksichtigt die Auswirkungen des Klimawandels als einen zentralen Faktor. Dabei werden Standortbedingungen für die Klimanormalperiode 2071-2100 analysiert und unter Berücksichtigung gestalterischer und planerischer Aspekte räumlich konkrete Baumartenempfehlungen abgeleitet.

Das Ergebnis sind verschiedene konkret anwendbare Produkte, die eine Entscheidungshilfe zur Auswahl bei Neupflanzungen von Stadt- und Straßenbäumen geben:
- In der Baumartenempfehlungsliste werden ca. 160 empfohlene, für Jena geeignete Baumarten in kompakt-informativer Form aufgeführt.
- In 35 Modellstraßen-Steckbriefen für ausgewählte Straßenräume in Jena werden konkrete Baumarten vorgeschlagen, die den künftigen klimatischen, standörtlichen sowie gestalterischen Kriterien und Ansprüchen im jeweils konkreten Straßenraum Rechnung tragen.
- In den Baumartenportraits werden 30 der 160 Baumartenempfehlungen genauer betrachtet, um beispielhaft die Vielfältigkeit und Vielgestaltigkeit an zukunftstauglichen Baumarten vorzustellen.
- Abgerundet wird das Ergebnis durch den zusammenfassenden Projektbericht „Stadt- und Straßenbäume im Klimawandel – Stadtbaumkonzept zur nachhaltigen Sicherung und Entwicklung des Baumbestandes in Jena“. Dieser wird in Form einer Broschüre als Druckexemplar und im Internet verfügbar sein.

Das Konzept "Stadt- und Straßenbäume im Klimawandel" wurde am 27.04.2016 durch den Jenaer Stadtrat als kommunale Leitlinie und Handlungsgrundlage für Fachplanungen bestätigt.

Bisherige Erfolge der Maßnahme

Die Konzeption „Stadt- und Straßenbäume im Klimawandel“ wurde am 27.04.2016 vom Jenaer Stadtrat als kommunale Leitlinie und Handlungsgrundlage für Fachplanungen bestätigt. Die im Konzept enthaltenen Aspekte sollen bei zukünftigen Planungen und Realisierungen der verschiedenen Fachressorts berücksichtigt werden. Es ist schließlich anzunehmen, dass der praktische Einsatz des Konzeptes zu einer weiteren Optimierung führen wird und dass auch Verantwortliche in Institutionen, der Wirtschaft und im Privatsektor bei der Planung und Erneuerung ihrer Grünbestände das Jenaer Stadt- und Straßenbaumkonzept nutzen werden.

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme? Nein

Zusätzliche Nutzen über die Anpassung an den Klimawandel hinaus

andere Umweltziele: z.B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung

Wer war beteiligt?

Breite Öffentlichkeit, Presse, Stadtwerke

Kooperationspartner

- Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK) - Prof. Dr. Andreas Roloff, Leiter der Professur für Forstbotanik an der TU Dresden - Landschaftsarchitekten (Garten- und Landschaftsarchitekturbüro Boock aus Jena) - Verteter aller relevanten Bereiche der Stadtverwaltung (Fachdienst Stadtentwicklung und Stadtplanung, Untere Denkmalschutzbehörde, Fachdienst Umweltschutz) - Kommunalservice Jena (Bereich Grünanlagenpflege/Baumpflege) - Umweltforschungszentrum Leipzig

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)Fachdienst Stadtentwicklung und Stadtplanung
http://www.jena.de/de/stadt_verwaltung/stadtverwaltung/dezernat3/fd_stadtentwick...
Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Freiwillige Vereinbarung, Kooperation, Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Planungsinstrument (z.B. Planfeststellungsverfahren), Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels

Eine mögliche Evaluation ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angedacht.

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