Ballastwasserbehandlung

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Durch Ballastwasser werden Arten und Krankheitserreger weltweit verbreitet.

Tankerschiff im Ozean

Quelle: Lidian Neelemann / Fotolia.com

Schiffe nehmen Ballastwasser auf, um Ladung auszugleichen und ihre Fahrt zu stabilisieren. Zusammen mit dem Wasser transportieren sie Organismen um die ganze Welt. In neuen Lebensräumen können diese sich negativ auf Umwelt und menschliche Gesundheit auswirken. Damit diese Schäden so gering wie möglich bleiben, sollen alle Organismen im Ballastwasser abgetötet werden, bevor dieses abgelassen wird.

Warum muss Ballastwasser behandelt werden?

Mit dem Ballastwasser, das zur Stabilisierung von Seeschiffen in dafür vorgesehene Tanks aufgenommen wird, um ihre Seetauglichkeit zu erhalten, wird eine Vielzahl von Organismen weltweit verbreitet. Darunter befinden sich auch Krankheitserreger. Diese sogenannten invasiven, also nicht heimische Arten, stellen eine große Belastung der Meeres-, Ästuar- und Binnengewässer dar. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Einschleppung der ursprünglich in China vorkommenden Wollhandkrabbe, welche mittlerweile in ganz Europa vorkommt. Da sie hier kaum natürliche Feinde hat, verdrängt sie andere Bewohner der Gewässer aus deren natürlichem Lebensraum. Um diesem Problem zu begegnen, wurde im Februar 2004 die Ballastwasserkonvention von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organisation, IMO) verabschiedet. Dieses Übereinkommen regelt den Austausch und die Behandlung von Ballastwasser. Unter anderem wurden Kriterien festgelegt, denen das Ballastwasser von Schiffen entsprechen muss, bevor es wieder in die Meeresumwelt abgegeben werden darf (der sogenannte D2-Standard). Beispielweise darf ein Kubikmeter Ballastwasser nur weniger als zehn lebende Organismen enthalten, die größer als 50 Mikrometer sind. Durch eine gezielte Behandlung des Ballastwassers soll dieser Standard in Zukunft erreicht werden. Dafür werden Managementsysteme (BWMS) eingesetzt, die das Ballastwasser beispielsweise mittels Chemikalien (also Bioziden) oder mit UV-Licht behandeln. Zusätzlich wird häufig eine mechanische Reinigung, zum Beispiel mit Filtern, vorgeschaltet. Ergänzend zur Ballastwasserkonvention wurde inzwischen eine Reihe von Richtlinien verabschiedet, die Tests und Zulassung von BWMS konkretisieren. Die Ballastwasserkonvention tritt jedoch erst endgültig in Kraft, wenn mindestens 30 Staaten mit mindestens 35 Prozent des weltweiten Seetransports (Welttonnage-Anteil) die Konvention ratifiziert haben. Derzeit (Stand September 2015) haben 44 Staaten, darunter auch Deutschland, mit 32,86 Prozent der Weltbruttotonnage die Konvention ratifiziert. Obwohl das Ballastwasser-Übereinkommen noch nicht in Kraft ist, werden bereits heute Schiffsneubauten mit entsprechenden Anlagen ausgerüstet. 

Umweltrisikoprüfung von Ballastwasser

Die Zulassung von BWMS und die dazugehörige Umweltrisikoprüfung von Chemikalien, die zur Desinfektion des Ballastwassers eingesetzt werden, unterliegen einem mehrstufigen Genehmigungsverfahren auf nationaler und internationaler Ebene. Dabei werden sowohl die eingesetzten Biozide als auch die konkreten BWMS genehmigt. Hersteller reichen ihre Anträge auf Zulassung der BWMS über einen Mitgliedstaat wie zum Beispiel Deutschland bei der IMO ein. Deutschland leitet diesen Antrag nur an die IMO weiter, wenn er befürwortet wird. Unterstützt Deutschland den Antrag aus bestimmten Gründen nicht -, wenn beispielweise die eingesetzten Chemikalien zu hohe Risiken bergen - hat der Hersteller dennoch die Möglichkeit, den Antrag über ein anderes Land bei der IMO einzureichen. Die Entscheidung über die Zulassung wird im Umweltausschuss der IMO, dem „Marine Environment Protection Committee“ (MEPC), getroffen. Sie wird fachlich von einem internationalen Expertengremium, der GESAMP (Joint Group of Experts of the Scientific Aspects of Marine Environmental Protection), vorbereitet. Andere Mitgliedstaaten können den Zulassungsantrag kommentieren und so ihren Standpunkt in die MEPC-Diskussion einbringen.

Die Rolle des UBA

Die Zuständigkeiten für das Zulassungsverfahren in Deutschland sind seit April 2008 durch das novellierte Seeaufgabengesetz geregelt. Danach ist die Bundesanstalt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Sitz in Hamburg die Zulassungsbehörde. Das UBA ist im Rahmen des Zulassungsverfahrens für die Umweltrisikobewertung zuständig. Mit diesen Vollzugsaufgaben sind neben Gremienarbeit auch konzeptionelle Arbeiten zur Weiterentwicklung von Bewertungskonzepten und Prüfrichtlinien verknüpft. Darüber hinaus bringt sich das UBA bei der Umsetzung der Ballastwasserkonvention in den Nordsee-Anrainerstaaten (North Sea Ballast Water Opportunity-Projekt) ein.

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