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Letzte Änderung: 14.05.2012
Bis 2020 sollen die Emissionen von Schwefeldioxid, Stickstoffoxiden, Ammoniak und flüchtigen organischen Verbindungen sowie Feinstaub weiter gesenkt werden. Darauf haben sich die Vertragsstaaten des Genfer Luftreinhalteabkommens am 4. Mai 2012 verständigt. Um die menschliche Gesundheit, Ökosysteme und Materialien umfassend zu schützen, sind jedoch Emissionsminderungen deutlich über das vereinbarte Maß hinaus nötig.
Die bisher ergriffenen Maßnahmen zur Emissionsminderung reichen nicht aus, um die Luftqualitätsgrenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in allen deutschen Städten einzuhalten. Das Projekt PAREST hat nun untersucht, welche weiteren Maßnahmenbündel die Luftbelastung wirksam mindern können: schärfere Emissionsgrenzwerte für Feuerungen in Haushalten und große Feuerungsanlagen sowie Maßnahmenpakete in der Landwirtschaft und im Verkehr.
…sagt Jochen Flasbarth, Präsident des UBA. 2011 hat Deutschland mit etwa 917 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase freigesetzt als im Jahr zuvor. Die aktuellen Berechnungen des UBA zeigen auch, dass sich der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien positiv auswirkte, insbesondere auf die CO2- und Methanemissionen. Der Anteil fluorierter Gase blieb weitgehend konstant, der von Lachgas nahm zu, unter anderem durch einen stärkeren Düngemittelabsatz.
Dem deutschen Wald geht es nicht gut – im Jahr 2011 stand es um ihn sogar schlechter als im Vorjahr. 28 Prozent der untersuchten Bäume waren deutlich angegriffen, weitere 35 Prozent gelten als gefährdet. Hierfür gibt es sowohl natürliche als auch vom Menschen gemachte Ursachen. So belasten Stickstoffverbindungen und Ozon die Wälder. Aber erste Schritte zur Anpassung an den Klimawandel und ein Verringern des Schadstoffausstoßes helfen, den Waldzustand zu stabilisieren.
Auch im vergangenen Jahr war die Luft in Deutschland zu stark mit Feinstaub und Stickstoffdioxid belastet. Das ergeben vorläufige Messdaten der Länder und des Umweltbundesamtes. Zwar wirken die Umweltzonen, doch in vielen Städten werden die Grenzwerte noch zu selten eingehalten. Autos und Co. verursachen übrigens nur rund 40 Prozent der Feinstaubbelastung in den Städten – der Rest stammt aus Kraftwerken oder Heizungen.
„Deutschland zeigt, dass die Kyoto-Verpflichtungen umsetzbar sind. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Weg der Treibhausgasminderung erfolgreich weiter gehen können, wenn wir Energieeffizienz und Erneuerbare Energien beherzt voranbringen“, sagt Jochen Flasbarth, Präsident des UBA. Aus dem neuen Nationalen Inventarbericht geht hervor, dass seit 1990 pro Jahr durchschnittlich 295 Millionen Tonnen Kohlendioxid nicht in die Atmosphäre gelangt sind. Das entspricht einem Rückgang um fast 25 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990.
Der Luftschadstoff Ammoniak stammt hauptsächlich aus der Landwirtschaft. Eine Studie des KTBL e.V. im Auftrag des UBA zeigt, dass sich der Ausstoß verringern lässt und dies auch für die Landwirte wirtschaftlich sein kann. Beispielsweise senkt bei Mastschweinen eine proteinangepasste Fütterung sowohl die Stickstoffausscheidung als auch die Futterkosten. Die Studie stellte relevante Maßnahmen zusammen, ermittelte Kosten und Nutzen und liefert damit wichtige Erkenntnisse für Politik und Praxis.
Eine internationale Expertengruppe hat erstmals die durch reaktiven Stickstoff verursachten Schäden grob abgeschätzt; sie belaufen sich demnach in Europa auf zwischen 70 und 320 Milliarden Euro pro Jahr. Diesen und weitere Aspekte der Stickstoffproblematik auf europäischer Ebene beleuchtet das Mitte April 2011 in Edinburgh vorgestellte „European Nitrogen Assessment“ (ENA).
Reaktiver Stickstoff ist einerseits ein lebensnotwendiger Nährstoff, andererseits ein Schadstoff für Mensch und Umwelt. Erwünscht auf dem Acker als Dünger, wird er z.B. als Stickstoffdioxid in der Luft zu einer Gefahr für die Gesundheit. Diese unterschiedlichen Wirkungen, die wichtigsten Quellen und die Möglichkeiten zur Reduzierung der Einträge reaktiver Stickstoffverbindungen in die Umwelt werden in der neuen Broschüre des UBA vorgestellt.
Die UMID Ausgabe 04/2011 befasst sich u.a. mit der rechtlichen Grundlage von Umweltzonen, der 35. BImSchV , und deren Wirksamkeit. Obwohl flächendeckend noch lange nicht die „grüne“ Stufe erreicht ist, zeigt sich doch, dass die Feinstaub- und Stickstoffbelastung reduziert werden kann. Die konsequente Realisierung der Umweltzonen in Berlin führte zur Nachrüstung mit Partikelfiltern. Modellrechnungen schätzen ab, dass in Großstädten die Konzentration von PM10 um 4 bis 7 Prozent sank. Die NO2-Abnahme betrug 5 Prozent.
Seit 1. Januar 2012 dürfen in Heidenheim und Urbach nur noch Fahrzeuge mit gelber und grüner Plakette einfahren (neue Umweltzonen). Die Umweltzone Pleidelsheim ging in Pleidelsheim-Ingersheim-Freiberg auf. Viele Städte in Baden-Württemberg und Bayern lassen die rote Plakette nicht mehr zu. In Frankfurt a.M., Osnabrück und Stuttgart ist nur noch die grüne zulässig, in München ist das ab 1. Oktober 2012 der Fall. Die neue Umweltzone Ruhrgebiet vereint neue mit bestehenden Umweltzonen (Bochum, Bottrop, Castrop-Rauxel, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herne, Herten, Mülheim, Oberhausen und Recklinghausen). Auch in Hagen wurde zu Jahresbeginn eine Umweltzone errichtet.
Für die Aufstellung von Luftreinhalteplänen ist es notwendig, Immissionsprognosen zur Verursacheranalyse sowie zur Beurteilung der Wirksamkeit von Maßnahmen durchzuführen. Um die Anwendbarkeit verschiedener Prognoseansätze zu prüfen, hat das UBA die Eignung solcher Modellketten zur Berechnung der NO2-Konzentrationen untersuchen lassen.
Stickstoffverbindungen aus Landwirtschaft, Industrie, Haushalt und Verkehr werden über die Luft transportiert und schädigen Land- und Wasserökosysteme. Im nun abgeschlossenen MAPESI-Vorhaben wurden die atmosphärischen Einträge von Stickstoff und Schwefel für die Jahre 2005 bis 2007 ermittelt. Auf 75 Prozent der Fläche liegen die Einträge noch immer über den Werten, die langfristig verträglich sind (Critical Loads). Prognosen zeigen, dass ohne zusätzliche Maßnahmen zur Emissionsminderung kritische Werte auch 2020 noch deutlich überschritten werden.
Menschliche Aktivitäten erhöhen in der Atmosphäre nicht nur den Gehalt der gut bekannten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O) sondern führen auch zur Freisetzung weiterer klimawirksamer Gase. Die an den Luftmessstationen des Umweltbundesamtes erfassten Daten zeigen seit einigen Jahren einen beschleunigten Anstieg von Schwefelhexafluorid (SF6) in der Atmosphäre, eine aktuelle Veröffentlichung belegt dies auch für Stickstofftrifluorid (NF3). Eine Tonne dieser Gase hat ein um mehr als das 10.000fache höheres Treibhauspotential als eine Tonne CO2.
Die Feinstaubbelastung in deutschen Innenstädten ist weiterhin zu hoch. Der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wird Jahr für Jahr an etlichen Messstationen an mehr als den zulässigen 35 Tagen pro Jahr überschritten. Um die Feinstaubbelastung wirksam zu senken, empfiehlt das UBA konkrete Maßnahmen – basierend auf umfassenden Erkenntnissen über Entstehung und Entwicklung.
Stickstoffemissionen aus Landwirtschaft, Verkehr, Energiesektor und Industrie gefährden die Biodiversität, belasten Gewässer und erhöhen Treibhausgas- und Feinstaubkonzentrationen. Die Strategie zur Minderung von Stickstoffemissionen nutzt zahlreichen Umweltzielen. Die Landwirtschaft hat ein großes Emissionsminderungspotenzial bei gleichzeitiger Kosteneffizienz .
Inwieweit schädigen Stickstoffeinträge im Zusammenspiel mit dem Klimawandel die Wälder? Eine neue Modellkombination, dargestellt in vier Teilberichten eines Forschungsprojektes im Auftrag des UBA, ermöglicht die Prognose der Veränderung von Bodeneigenschaften, Stoffflüssen und der Biodiversität bis 2050. Zwischenergebnisse des Projektes wurden 2009 auf einem Experten-Workshop im UBA diskutiert.