Handlungsfeld Wald- und Forstwirtschaft

Holzstämme liegen aufgereiht auf einem Stapel.zum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel gefährdet die forstwirtschaftlichen Erträge.
Quelle: nena2112/photocase.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf die Wald- und Forstwirtschaft und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Niederschlag

Als Folge des Klimawandels werden sich in Deutschland die Niederschläge vom Sommer in die Wintermonate verschieben: Bis 2050 ist in den Sommermonaten mit einer Reduzierung der Niederschlagsmenge um bis zu 25 Prozent zu rechnen, für  Herbst und Winter wird eine Zunahme von circa 25 Prozent prognostiziert.

Die veränderten Niederschlagsmengen und die zunehmend ungleiche Verteilung des Niederschlags über die Jahreszeiten hinweg stellen ein Risiko für Waldökosysteme dar, da sie den Wasserhaushalt der Waldböden  aus dem Gleichgewicht bringen. Niederschlagsüberschüsse in feuchten Wintermonaten führen zu lang anhaltenden Nassphasen. Der hohe Bodenwassergehalt in dieser Zeit hat eine Durchweichung der Waldböden zur Folge. Dies  wirkt sich nachteilig auf die wesentlichen Bodenfunktionen aus, beispielsweise die Filter- und Speicherfunktion von Nähr- und Schadstoffen. Die wirtschaftliche Nutzbarkeit der Waldflächen kann langfristig eingeschränkt werden.

Der hohe Feuchtigkeitsgehalt begünstigt zudem die Entstehung und Verbreitung von Schädlingen wie Pilzen. So führt ein Pilz mit dem Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ zu vermehrtem Sterben von Eschentrieben in feuchten Waldgebieten. Der Schädling vermehrt sich schneller und verbreitet sich stark, während viele heimische Baumarten langsam wachsen und sich durch ihre langen Lebenszyklen nur über längere Zeiträume hinweg an Klimaänderungen anpassen können. Langfristig könnten diese Faktoren die biologische Vielfalt der Waldökosysteme gefährden und zu einer veränderten Zusammensetzung der Baumarten in deutschen Waldgebieten führen.

 

Temperatur

Neben steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen ist in Deutschland künftig auch mit häufigeren Dürre- und Hitzeperioden, kalten Wintern oder Temperaturstürzen zu rechnen. Zwar führt die allmähliche Erwärmung zu längeren Vegetationsperioden. Aber Temperaturänderung und -variabilität können sich auch negativ auf die regionalen Wachstumsbedingungen für Baumarten auswirken – insbesondere in Verbindung mit einer veränderten Wasserversorgung der Waldböden.

Die verschiedenen Baumarten reagieren je nach Temperaturtoleranz und Wasserverfügbarkeit unterschiedlich. Fichte, Lärche und Weißtanne bevorzugen beispielsweise kühle, feuchte Standorte und sind somit wenig trockenheits- und hitzetolerant. Zunehmende sommerliche Temperaturen und Trockenheit schränken diese Arten in ihrem Wachstum stark ein, sogar ein Absterben ist möglich. Schon heute belasten zunehmende Temperaturen in Südwestdeutschland die Wälder, während Forstgebiete in Teilen Ostdeutschlands mit geringer Wasserverfügbarkeit zu kämpfen haben.

Die Fichte ist sehr anfällig gegenüber Hitze- und Trockenstress, da sie in der Vergangenheit wegen ihrer guten Wuchsleistung häufig außerhalb ihres natürlichen Lebensraums angebaut wurde. Den steigenden Belastungen durch den Klimawandel kann sie unter diesen Ausgangsbedingungen vielfach nicht Stand halten. Folglich hatte die Forstwirtschaft in den letzten Jahren besonders hohe Ertragseinbußen in Fichtenhainen. Betroffen sind vor allem Süd- und Westdeutschland. Hier wurde die Fichte vielerorts an nicht-natürlichen Standorten angebaut. Eiche, Kiefer und die nicht-einheimische Douglasie, auch Douglastanne genannt, zeigen sich im Vergleich mit der Fichte wesentlich resistenter gegenüber Temperaturveränderungen.

Ein weiteres Risiko bei Temperaturänderungen ist die massenhafte Verbreitung bestimmter Schädlingsinsekten wie dem Borkenkäfer, der Nonne oder dem Maikäfer. Aufgrund der höheren Temperaturen, insbesondere der milderen Winter, können sie sich schneller vermehren. Zudem verlängert sich ihre Lebensdauer und ihre Lebensräume breiten sich weiter in den Norden Deutschlands aus. Der Massenbefall von Waldbeständen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und zu hohen wirtschaftlichen Verlusten geführt.

Bei langen Trockenperioden und Wasserknappheit erhöht sich auch die Gefahr durch Waldbrände, vor allem in reinen Kieferbeständen. Besonders gefährdet sind hier die wärmeren Regionen Ost- und Südwestdeutschlands sowie generell wasserarme Bestände.

 

Extreme Wetterereignisse

Der Klimawandel macht das Auftreten von Witterungsextremen wie Dürren, Starkregen oder Stürmen wahrscheinlicher. Bereits seit den 1990er-Jahren verzeichnet die Forstwirtschaft zunehmende wirtschaftliche Schäden durch Windwürfe. Sie sind auf häufigere Stürme mit hohen Windgeschwindigkeiten zurückzuführen. Im Vergleich zu den schleichenden Klimaveränderungen verursachen Extremwettereignisse häufig große Schäden innerhalb kurzer Zeit, die gravierende Folgen für Mensch und Umwelt haben können. In den Bergwäldern der Alpen ist beispielsweise von einem deutlich erhöhten Risiko durch Starkniederschläge, Steinschlag oder Hochwasser auszugehen. Die Bedeutung des Waldes als Schutz für Infrastrukturen und Siedlungen könnte dadurch künftig weiter zunehmen.

 

CO2-Düngung

Kohlendioxid (CO2) in der Luft und längere Vegetationsperioden können sich positiv auf die Holzproduktion auswirken. Eine höhere CO2-Konzentration in der Luft beschleunigt das Pflanzenwachstum durch eine Steigerung der Photosyntheserate. Es handelt sich hierbei um den sogenannten CO2-Düngeeffekt. Jedoch wird dieses das Wachstum der Bäume begünstigende Phänomen häufig durch begrenzende Faktoren wie Wasserknappheit aufgehoben.

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Quellen

Anpassung

Technische Maßnahmen

Vor allem in besonders trockenen Regionen, in denen Wasser während der Sommermonate nur eingeschränkt zur Verfügung steht, können Waldökosysteme durch technische Maßnahmen unterstützt werden, die dem zunehmenden Wassermangel sowie einem Absinken des Grundwasserspiegels entgegenwirken. So kann der Wasserhaushalt von Böden in Auenwäldern beispielsweise durch Wiedervernässung stabilisiert werden.

Auch gegen Waldbrände können technische Maßnahmen helfen. Die Waldbrandüberwachung kann zum Beispiel durch zusätzliche Videomaßnahmen oder satellitengestützte Systeme unterstützt werden.

Ökosystemare Maßnahmen

Besonders wichtig sind in der Forstwirtschaft jedoch ökosystemare Anpassungsmaßnahmen. Für Maßnahmen, die direkt auf der Ebene der Ökosysteme ansetzen, ist eine strategische Planung seitens der Politik und der zuständigen Forstbetriebe wichtig. Denn Waldökosysteme haben sich in der Vergangenheit zwar stetig an veränderte Umweltbedingungen angepasst, doch das Ausmaß und das schnelle Fortschreiten des anthropogenen Klimawandels kann die Anpassungsfähigkeit langlebiger Baumarten überfordern. Zudem ist die Anpassungsfähigkeit bei den verschiedenen Baumarten unterschiedlich stark ausgeprägt. Als Beispiel kann hier die in Deutschland weit verbreitete Fichte genannt werden, die kühle und feuchte Standorte bevorzugt und daher wenig trockenheits- und hitzetolerant ist. Da sie aufgrund ihrer schnellen Wuchsleistung bereits häufig außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angebaut wird, sinkt ihre Anpassungsfähigkeit künftig weiter.

Der Umbau von forstlichen Reinbeständen – wie den in Deutschland stark verbreiteten Fichten- oder Kiefernmonokulturen – zu struktur- und artenreichen, mehrschichtigen und damit naturnahen Mischwäldern ist eine notwendige Maßnahme, um die Nutzungs-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes langfristig zu sichern sowie den Erhalt der biologischen Vielfalt zu fördern. Eine breitere strukturelle und genetische Vielfalt erhöht die Resilienz forstwirtschaftlich genutzter Wälder und damit deren Anpassungsfähigkeit. Resilienz bedeutet, dass ein Ökosystem in der Lage ist, ökologischen Schocks und Störungen wie Insektenbefall oder Sturm standzuhalten und seine grundlegende Organisation und Funktionalität zu erhalten.

Waldumbaumaßnahmen tragen außerdem zum Schutz vor Bränden bei. Die Waldbrandgefahr kann sich aufgrund längerer und häufigerer Trocken- und Hitzeperioden in naher Zukunft erhöhen. Mischwälder sind weniger waldbrandgefährdet, da sie ein feuchteres Waldinnenklima aufweisen. Artenreiche Mischwälder sind auch resistenter gegenüber Schadinsekten und Pilzbefall. In Bayern wurde mit dem Waldumbau bereits begonnen. Im Rahmen des „Waldumbauprogramms Klimawandel“ werden derzeit im bayerischen Staatswald 10.000 Hektar Nadelwald in Mischwald umgewandelt.

Eine weitere mögliche Maßnahme in der Forstwirtschaft ist die Einbringung nicht heimischer Baumarten wie der aus Nordamerika stammenden Douglasie. Sie ist im Vergleich zu vielen heimischen Baumarten wesentlich resistenter gegenüber Temperaturveränderungen. Bei solchen Maßnahmen sind jedoch auch die Aspekte des Naturschutzes zu berücksichtigen.

Der Waldumbau ermöglicht eine Diversifizierung des Holzangebots, was auch ökonomische Vorteile mit sich bringt. Zudem haben insbesondere Bergwälder die wichtige Funktion, Infrastrukturen und Siedlungen vor Steinschlag und Hochwasser zu schützen – auch diese Funktion kann der Waldumbau stärken.

Darüber hinaus ist ein höherer Holzverbrauch notwendig, um zur Verjüngung der Waldbestände beizutragen. Denn die deutschen Waldbestände überaltern zunehmend, was zu einem Rückgang des Biomassezuwachses und der Kohlenstoffaufnahme führt. Eine Verjüngung hingegen erhöht die Anpassungsfähigkeit und fördert die natürliche Selektion von klimaangepassten Populationen.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Für die Anpassung der Forstwirtschaft an den Klimawandel ist – wie oben beschrieben – ein konsistentes Risikomanagement zum Umgang mit Schadensereignissen wie Waldbränden, Sturmschäden oder Schädlingsbefall notwendig. Nur so können Risiken rechtzeitig erkannt, abgewehrt und erfolgreich bewältigt werden. Neben kurzfristigem Krisenmanagement sind vor allem vorbeugende Maßnahmen wie abgestimmte Wasserbewirtschaftungskonzepte zur Reduktion der Brandgefahr wichtig. Sie sollten auf allen Planungsebenen zwischen Waldbesitzern, Kommunen, Landschaftsverbänden, Forstverwaltung, Feuerwehr und Straßenbau abgestimmt werden, um die Interessen aller Beteiligten einzubinden und Nutzungskonflikte zu vermeiden. Projekte, die derartige Präventions- und Bewältigungsmaßnahmen entwickeln und testen, sind zum Beispiel ENFORCHANGE, ForEVAS und RESTER.

Als Grundlage für die beschriebenen Risikomanagementpläne und den Waldumbau ist umfassendes Wissen wichtig. Vor diesem Hintergrund werden genaue Informationen darüber benötigt, welche Baumarten unter Berücksichtigung zukünftiger Auswirkungen des Klimawandels für den jeweiligen Standort geeignet sind. Zusätzlich sind Planungskarten oder Standortkartierungen erforderlich, die Auskunft über das Gedeihen der Baumarten unter den relevanten Umwelt- und Klimafaktoren geben. Der Betrieb von Versuchsflächen, regionale Anbauempfehlungen von Bund und Ländern, regelmäßiges Monitoring sowie die Erforschung von Holzverwendungsmöglichkeiten können darüber hinaus die Informationsgrundlagen verbessern.

Forst- und Bodenüberwachungsprogramme auf europäischer, nationaler oder Länderebene liefern gegenwärtig bereits wichtige Informationen, jedoch besteht hier noch Potenzial, die Wissensgrundlage zu erweitern und Akteure besser zu vernetzen.

Mit dem Waldklimafonds hat die Bundesregierung zudem ein Instrument geschaffen, das im Jahr 2013 sieben Millionen Euro auch für Anpassungsmaßnahmen bereitstellt.

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