Ökolandbau

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Ein Bio-Apfel

Großaufnahme eines Bio-Apfels

Quelle: Mikel Wohlschlegel / Fotolia

Bioprodukte sind nicht nur schmackhaft und gesund, ihr Anbau hilft auch der Umwelt. Der Ökologische Landbau ist besonders ressourcenschonend und am Leitbild der Nachhaltigkeit orientiert. Er ist umwelt- und tiergerecht.

Umweltleistungen des Ökolandbaus

In den Betrieben, die nach den Grundsätzen des Ökologischen Landbaus wirtschaften, werden eine ganze Reihe positiver Umweltleistungen erbracht. Der Verzicht auf mineralische Stickstoffdüngemittel und die Flächenbindung der Tierhaltung - d.h. dass nur so viele Tiere pro Hektar gehalten und der Wirtschaftsdünger ausgebracht werden, wie für die Versorgung der Pflanzen mit Stickstoff notwendig ist, ermöglichen nahezu geschlossene Nährstoffkreisläufe: Im Betrieb anfallende Nährstoffe in Mist und Gülle werden auf die hofeigenen Flächen ausgebracht und können von den Pflanzen problemlos aufgenommen werden. Nährstoffüberschüsse durch Futtermittelzukauf und Mineraldüngereinsatz werden vermieden. Das schont vor allem die Oberflächengewässer und das Grundwasser, die bei ökologischer Bewirtschaftung weniger stark durch ausgetragene Nährstoffe (insbesondere Nitrat) gefährdet sind als im konventionellen Landbau. Weiterhin wirkt sich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel positiv auf den Schutz der Gewässer aus.

Die organische Düngung und der Anbau von stickstofffixierenden Eiweißpflanzen (Leguminosen) fördern die Humusbildung und die Bodenfruchtbarkeit. Bodenlebewesen finden gute Lebensbedingungen vor und sorgen durch ihre Aktivität für ein stabiles Bodengefüge. Der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten verringert durch die nahezu ganzjährige Bedeckung des Bodens die Gefahr des Bodenabtrags durch Erosion.

Weiterhin fördert der Ökolandbau durch vielfältige Fruchtfolgen mit Zwischenfruchtanbau und dem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel die biologische Vielfalt von Pflanzen und Tieren in der Agrarlandschaft. Die artgerechte Tierhaltung, die genügend Auslauf und Bewegung, frische Luft, eine längere Mastzeit und einen geringeren Antibiotikaeinsatz gewährt, dient dem Tierwohl und sorgt für Akzeptanz in der Bevölkerung.

Zu guter Letzt leistet der Ökolandbau auch einen Beitrag zum Klimaschutz, denn die Herstellung von in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzten Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist mit einem hohen Ressourcen- und Energieverbrauch und dem Ausstoß des klimawirksamen Kohlendioxids verbunden. Mit dem höheren Humusgehalt des Oberbodens werden zudem auch höhere Mengen an Kohlendioxid gespeichert und der Atmosphäre entzogen.

Neben den positiven Umweltleistungen sind die erzeugten Bio-Produkte häufig weniger mit unerwünschten Rückständen wie zum Beispiel Nitrat, Pflanzenschutzmittel oder Antibiotika belastet. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist grundsätzlich verboten.

Ökolandbau

Der Flächenanteil des Ökologischen Landbaus ist ein Schlüsselindikator der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen auf 20 Prozent zu erhöhen, dies jedoch ohne Zeithorizont. Mit derzeit gut sechs Prozent an der Landwirtschaftsfläche ist Deutschland von diesem Zielwert jedoch noch weit entfernt. Weitere Anstrengungen und eine ausreichend finanzielle Förderung durch die Europäische Agrarpolitik, des Bundes und der Länder sind daher erforderlich.
Im Jahr 2014 bewirtschafteten insgesamt 23.398 Betriebe – das sind 8,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands - ihre Flächen nach den Grundsätzen und Regeln des ökologischen Landbaus. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche betrug 1.047.633 Hektar und damit 6,3% an der gesamten landwirttschaftlich genutzten Fläche. Die Zahl der Betriebe des Ökologischen Landbaus und die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland stagnierten demnach im Vergleich zum Vorjahr 2013. Die Gründe für diese Stagnation sind die stark gestiegenen Preise für konventionelle Rohstoffe, womit die Preisdifferenz zwischen ökologischen und konventionellen Produkten sinkt, so dass bei den Landwirten die Bereitschaft sinkt, auf die ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Der Anteil an der Landwirtschaftsfläche betrug somit 6,4 Prozent.

Der innerdeutsche Vergleich zeigt, dass der Ökolandbau je nach Bundesland unterschiedliche Bedeutung hat. Während 2014 zum Beispiel in Brandenburg (10,3 %), im Saarland (11,9 %), in Hessen (11,1 %) und in Mecklenburg-Vorpommern (8,9 %) ein deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegender Flächenanteil ökologisch bewirtschaftet wurde, hatte der Ökolandbau in Niedersachsen (2,8%), Sachsen (4%) und Schleswig-Holstein (3,7%) eine deutlich geringere Bedeutung.

Bioprodukte erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Deutschland ist größter Absatzmarkt und größter Bio-Produzent in Europa. Im Jahr 2013 wurde ein Umsatz von geschätzten 7,55 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Zuwachs von rund 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2012: 7,04 Milliarden Euro). Bezogen auf den gesamten Lebensmittelmarkt erhöhte sich der Bio-Anteil auf insgesamt rund 4 Prozent. Trotz des leichten Zuwachses der ökologisch bewirtschafteten Flächen von etwa 2,5 Prozent, übersteigt die Nachfrage nach Bioprodukten das Angebot immer noch deutlich. Ein Teil dieser Importe könnte auch hierzulande produziert werden, was jedoch weitere Anstrengungen im Hinblick auf die Planungssicherheit und -verlässlichkeit der Förderpolitik voraussetzt.

Organisation und rechtliche Regelungen

Die gesetzliche Grundlage für den Ökologischen Landbau ist die Verordnung (EG) Nr. 834/2007 vom 28. Juni 2007 „über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91“. Ziele, Grundsätze und Regeln für die ökologische/biologische Produktion wurden in dieser Verordnung genauer formuliert und sollen zu mehr Transparenz und Verbrauchervertrauen führen.  Ergänzt wird die Verordnung durch eine Durchführungsverordnung (EG Nr. 889/2008). Das nationale Öko-Landbaugesetz (ÖLG) dient der Durchführung dieser EU-Verordnungen und erlassenen Rechtsakte und bündelt bestimmte Vollzugsaufgaben wie zum Beispiel die Zulassung und das Kontrollsystem. Mit der Änderung im Jahr 2009 wurde das Gesetz an die neuen EU-Vorschriften für den ökologischen Landbau angepasst. Die EU-Ökolandbau-Verordnung soll in wesentlichen Teilen novelliert werden. Der Ende März von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf zur Revision der Öko-Verordnung wird jedoch vom Bundesrat, den Verbänden und den Agrarministern als nicht erforderlich und im Hinblick auf eine gewünschte Weiterentwicklung des Ökolandbaus als nicht zielführend abgelehnt.

Viele ökologisch wirtschaftendee Betriebe in Deutschland sind in Anbau- und Erzeugerverbänden organisiert. Die meisten gehören dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e. V. (BÖLW) als Spitzenverband der gesamten deutschen Biobranche an. Der BÖLW ist bestrebt, die Entwicklung der ökologischen Lebensmittelwirtschaft zu fördern und ihre gemeinsamen Interessen zum Ausdruck zu bringen. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten steht die Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen. Die Richtlinien der deutschen Anbauverbände des Ökologischen Landbaus erfüllen die Kriterien der EU-Öko-Verordnung, sind in einigen Punkten aber strenger als die EU-Vorschriften.

Zur besseren Kennzeichnung ökologisch erzeugter Produkte steht mit dem Biosiegel seit 2001 ein bundesweit einheitliches Öko-Label zur Verfügung. Die Europäische Kommission führte zum 1. Juli 2010 ein neues EU-Bio-Logo (ein aus Sternen geformtes Blatt) verpflichtend für Bio-Produkte ein. Seit dem 1. Juli 2012 muss das EU-Bio-Logo nach einer zweijährigen Übergangsfrist nun verbindlich auf allen Bioprodukten abgedruckt sein. Es gewährleistet die schnelle Wiedererkennung ökologisch erzeugter Produkte durch den Verbraucher. Neben dem verpflichtenden EU-Bio-Siegel können Hersteller in der EU ihre Bio-Produkte auch weiterhin mit den anerkannten, national bekannten Bio-Siegeln und privatwirtschaftlichen Logos (zum Beispiel Demeter, Naturland) kennzeichnen.

Förderung des Ökologischen Landbaus

Die besonders umweltverträgliche und ressourcenschonende Produktion ökologischer Erzeugnisse erfordert einen höheren Bewirtschaftungsaufwand und eine höhere Arbeitsintensität bei der Verarbeitung. Aufgrund der geringeren Erträge und des höheren Aufwands sind Bio-Produkte in der Regel teurer als konventionelle Lebensmittel und Konsumgüter. Ökobetriebe stehen dennoch wirtschaftlich häufig besser da, als vergleichbare konventionelle Betriebe. Die ökologischen Umweltleistungen werden im Rahmen der europäischen Agrarpolitik und der Länder als Agrarumweltmaßnahme gefördert und honoriert. Insbesondere der Ein- beziehungsweise Umstieg auf eine ökologische Wirtschaftsweise erfordert in den ersten zwei bis drei Jahren, in denen die Produkte noch nicht als Öko-Ware mit entsprechend höheren Preisen verkauft werden dürfen, eine gezielte Unterstützung. Die Einführung bzw. Umstellung und die Beibehaltung des ökologischen Landbaus wird in Deutschland als ein Bestandteil der Agrarumweltprogramme nach der Verordnung (EU) Nr. 1698/2005 des Rates über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) unterstützt. Der Bund beteiligt sich über die Bund-Länder-„Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (">GAK) an der Förderung des Ökologischen Landbaus. Die Finanzierung der Förderprogramme teilen sich die Europäische Union sowie der Bund (60 Prozent) und die Länder (40 Prozent). Die EU-Gelder müssen von den Bundesländern kofinanziert werden. Das heißt, dass sie nur abgerufen und eingesetzt werden können, wenn die Bundesländer aus ihrem Haushalt selbst Finanzmittel aufbringen. Entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip haben die Bundesländer bei der Umsetzung der Agrar-Förderprogramme Gestaltungsspielräume, um die Programme länderspezifisch auszurichten. Die Förderprämien für die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus sind daher in den Bundesländern unterschiedlich hoch. Aufgrund der Haushaltssituation einiger Bundesländer wurde die Beibehaltungsförderung ab dem sechsten Anbaujahr teilweise ganz eingestellt.

Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Ökologischen Landbau hat die Bundesregierung Ende 2001 darüber hinaus das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) aufgelegt, das unter anderem eine stärkere Unterstützung der Vermarktung ökologisch erzeugter Produkte umfasst. Das Programm war für 2010 mit 16 Millionen Euro ausgestattet und soll mittelfristig auf diesem Niveau fortgeführt werden. Das Bundesprogramm wurde mehrmals verlängert und mit Beschluss des Deutschen Bundestags 2010 für andere Formen der nachhaltigen Landwirtschaft geöffnet. Es wird unter dem Namen „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Ladnwirtschaft (BÖLN)” noch bis voraussichtlich Ende 2015 weitergeführt. Das Informationsmanagement wurde um Maßnahmen zur nachhaltigen Landbewirtschaftung ergänzt und bestehende Maßnahmen entsprechend erweitert. Darüber hinaus werden im Rahmen der erarbeiteten Forschungslinie seit Juli 2011 Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie der Technologie- und Wissenstransfer für eine nachhaltige Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten über das Programm gefördert.

Die Bereitschaft von Landwirten zur Umstellung auf ökologischen Landbau setzt eine finanzielle Planungssicherheit und Verlässlichkeit voraus. Das Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, einen Anteil von 20 Prozent Ökolandbauflächen in Deutschland zu erreichen, hängt ganz wesentlich von der Sicherstellung ausreichender Mittel für den Ökolandbau ab. Es liegt somit in der Hand der europäischen und deutschen Agrarminister, sich für eine ausreichende Ausstattung der zweiten Säule der Agrarpolitik und entsprechende Mittel im Bundes- und Länderhaushalt einzusetzen, um die Belange des Umweltschutzes in der Landwirtschaft stärker zu unterstützen.

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