Boden beobachten und bewerten

Entnahme einer Bodenprobe im Wald.zum Vergrößern anklicken
Für die Entnahme einer Bodenprobe kommt meistens Bohrgerät zum Einsatz.
Quelle: Umweltbundesamt

Um den Boden nachhaltig schützen zu können, muss sein Zustand kontinuierlich und langfristig überwacht werden. Bodendaten leisten einen wichtigen Beitrag, um frühzeitig Veränderungen und Beeinträchtigungen des Bodenzustands und der Bodenfunktionen zu erkennen. Sie sind Grundlage, um erforderliche Maßnahmen einleiten zu können. Hier ein Überblick über die wichtigsten Projekte auf Bundesebene.

Boden-Dauerbeobachtung

Auf fast 800 Boden-Dauerbeobachtungsflächen unter Acker, Grünland, Forst und Sondernutzung (z. B. Siedlungen, Weinbau) wird in Deutschland der Boden langristig beobachtet. Ziel des Monitoringprogramms ist es, den aktuellen Zustand der Böden zu erfassen, ihre Veränderungen langfristig zu überwachen und Entwicklungstendenzen abzubilden. Für die Boden-Dauerbeobachtung sind die Länder zuständig. Die Daten der Boden-Dauerbeobachtung werden in den Ländern und vom Umweltbundesamt für vielfältige Fragestellungen im Bodenschutz abgefragt und eingesetzt. Die Aussagegenauigkeit der Messreihen wird mit jeder weiteren Untersuchung zunehmen. Das Umweltbundesamt führt die Daten in einem Fachinformationssystem zusammen und hat die Möglichkeit länderübergreifende Auswertungen durchzuführen.

  • Schaubild: Die Bodendauerbeobachtung ist ein zentrales Instrument der Umweltbeobachtung
    Die Bodendauerbeobachtung ist ein zentrales Instrument der Umweltbeobachtung
    Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt
  • Die Messfläche bei der Bodendauerbeobachtung ist 50x50 Meter groß.
    Eine Messfläche der Boden-Dauerbeobachtung ist im Freiland nicht gekennzeichnet.
    Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt
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Bodenzustandserhebung im Wald

BZE Wald und ICP Forest (Level I und II)

Die Projekte BZE Wald und ICP Forest bewerten und überwachenden Waldzustand sowie den Zustand der Waldböden. Anhand der Daten sind beispielsweise Aussagen zum Kohlenstoffkreislauf, dem Nährstoff- und Wasserhaushalt sowie zu diffusen stofflichen Belastungen im Boden möglich. Die Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (BZE) koordiniert und regelt die Einrichtung und den Betrieb der Meßstandorte, den Mindestparametersatz sowie die Untersuchungsmethoden. Das Programm liegt in der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Das Thünen-Institut, Institut für Waldökologie und Waldinventuren hält die Daten in einer zentralen Datenbank und ist für die Koordinierung und Analyse der Daten verantwortlich. Ein Bundesdatensatz wird 2015 zur Verfügung stehen.

Bodenzustandserhebung Landwirtschaft

Mit der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft erfolgt erstmalig eine deutschlandweite, konsistente und repräsentative Inventur der Kohlenstoffvorräte in den obersten 100 Zentimetern landwirtschaftlich genutzter Böden. An circa 3.200 Probenahme-Standorten werden deutschlandweit auf Acker- und Grünland, Gartenland und Sonderkulturflächen die Kohlenstoffvorräte des Bodens bestimmt. Ein wesentliches Ziel besteht darin, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bodenkohlenstoffvorräte zu prognostizieren. Das Programm liegt in der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Für die Koordinierung und Umsetzung ist das Thünen-Institut, Institut für Agrarrelevante Klimaforschung verantwortlich.

Landwirtschaftliche Dauerfeldversuche

Gegenwärtig werden noch 40 Dauerfeldversuche an 19 Standorten in Deutschland betrieben (Stand: September 2011). Sie dienen der kontinuierlichen Untersuchung verschiedener Fragestellungen des Acker- und Pflanzenbaus wie Düngung, ökologischer Landbau, Stoffkreisläufe und Ertragssteigerung. Darüber hinaus sind sie auch ein wichtiger Baustein für die Untersuchung von langfristigen bewirtschaftungs- und klimabedingten Veränderungen der Bodeneigenschaften (z. B. Humus- und Nährstoffgehalte und -vorräte im Boden). Agrarwissenschaftliche Forschungseinrichtungen des Bundes und der Länder sowie Universitäten sind für die Einrichtung und den Betrieb zuständig.

Umweltprobenbank des Bundes

Die Umweltprobenbank ist ein Archiv von Proben, mit denen die Qualität der Umwelt dokumentiert und bewertet wird. Sie liefert dem Bundesumweltministerium eine wissenschaftliche Grundlage, um Maßnahmen im Umwelt- und Naturschutz ergreifen und ihren Erfolg kontrollieren zu können. Seit 2002 werden routinemäßig an elf ausgewählten Standorten in Deutschland Bodenproben entnommen. Das Archiv für Umweltproben befindet sich im Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Schmallenberg.

Foto einer Probenahme im Wald.
Die Streuauflage von Waldböden erfordert eine besondere Beprobung.
Quelle: Umweltbundesamt

Agrarmeteorologische Daten des Deutschen Wetterdienstes

Das agrarmeteorologische Messprogramm des Deutschen Wetterdienstes liefert seit den 1960er-Jahren Messreihen zu Bodenfeuchte und Bodentemperatur. Deutschlandweit bestehen etwa 500 Standorte. Nutzer sind vor allem landwirtschaftliche Betriebe, Agrarbetriebe, Landwirtschaftskammern und agrarwissenschaftliche Institute. Die Daten bilden eine wichtige die Grundlage für eine standortgerechte und umweltschonende landwirtschaftliche Bodennutzung.

Bodenschätzung

In der Bodenschätzung werden die Beschaffenheit und die Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlich nutzbaren Böden im gesamten Bundesgebiet auf einheitliche Art und Weise kontinuierlich erfasst. Grundlage ist ein Netz von rund 4.100 Musterprofilen (Musterstücke) sowie ein Schätzungsrahmen für Acker- und Grünland. Zu den Daten gehören Bodeneigenschaften (z.B. Bodenart, Humusgehalt, Steingehalt und Gründigkeit). Die Einschätzung der Ertragsfähigkeit erfolgt anhand von Relativzahlen zwischen sieben und 100. Zweck der Bodenschätzung ist es, für die Besteuerung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen des Bundesgebiets einheitliche Bewertungsgrundlagen zu schaffen (Bodenschätzungsgesetz – BodSchätzG). Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich ist die Festsetzung landwirtschaftlicher Fördermittel und die Ausweisung von agrar- und umweltpolitischen Maßnahmen.

Foto einer Profilgrube bei der Bodenschätzung.
Für die Bodenschätzung werden Bodenprofile aufgegraben und begutachtet.
Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt
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