Luftqualität 2015: Stickstoffdioxid-Belastung weiterhin zu hoch

Erstmals seit Jahren wieder erhöhte Ozonkonzentrationen – deutlich weniger Feinstaub als 2014

Luftqualität 2015: Auswertung der Feinstaubwerte; Stand Januar 2016

Die Auswertung der noch vorläufigen Messdaten der Länder und des Umweltbundesamtes (UBA) für das Jahr 2015 zeigt: Die Luft in deutschen Städten ist nach wie vor zu stark mit Stickstoffdioxid belastet. Wie in den Vorjahren gab es auch im Jahr 2015 an rund 60 Prozent der verkehrsnahen Messstationen Überschreitungen des Grenzwertes von 40 µg/m³ (Mikrogramm/Kubikmeter) im Jahresmittel.

„Die Kommunen müssen Maßnahmen ergreifen, um die Stickstoffdioxid-Belastung in den Innenstädten schnellstmöglich zu reduzieren“, sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. „Diesel-Pkw müssen schrittweise aus den Innenstädten verschwinden, Umweltzonen sollten ausgeweitet und verschärft werden. Und wir brauchen deutlich mehr Elektromobilität – nicht nur beim Auto.“  Stickstoffdioxid kann insbesondere in Kombination mit Feinstaub zu Gesundheitsschäden an Atemwegen sowie Herz- und Kreislaufsystem führen.

In der vorläufigen Auswertung "Luftqualität 2015" werden die Schadstoffe Feinstaub (Download: PM10-Jahresmittelwerte aller Stationen für 2015), Stickstoffdioxid (Download: NO2-Jahresmittelwerte aller Stationen für 2015) sowie Ozon betrachtet. 

Ozon: Der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer hatte für die Luftqualität eine Schattenseite: In den sommerlichen Schönwetterperioden mit zum Teil extremen Temperaturen traten seit langem erstmals wieder hohe Ozonkonzentrationen und sogar Werte über der Alarmschwelle von 240 µg/m³ auf. Der mit 283 µg/m³ gemessene Maximalwert des Jahres 2015 war der höchste Messwert seit dem Hitzesommer 2003. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren war 2015 überdurchschnittlich mit Ozon belastet, kommt aber an die hohe Belastung zu Beginn der 1990er Jahre nicht heran. Es gibt aber keinen Grund zur Entwarnung: „Es müssen weiterhin Maßnahmen ergriffen werden, um die Ozonbelastung weiter zu verringern. Denn der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Schwellenwert von 100 µg/m³ (im Mittel über acht Stunden) wird in Deutschland nicht flächendeckend eingehalten“, so Krautzberger. Erhöhte Ozonkonzentrationen können beim Menschen Reizungen der Atemwege, Husten, Einschränkungen der Lungenfunktion bis hin zu deutlichen Atembeschwerden hervorrufen. 

Feinstaub: Langfristig betrachtet war 2015 eines der am geringsten belasteten Jahre. Der EU-Tagesgrenzwert (PM10-Tagesmittelwerte dürfen nicht öfter als 35-mal im Jahr über 50 μg/m³ liegen)  wurde lediglich an zwei verkehrsnahen Messstationen in Stuttgart und Berlin überschritten. Wie schon im Vorjahr blieben auch 2015 extreme, feinstaubbegünstigende Wetterlagen aus, wie sie beispielsweise im Frühjahr und Herbst 2011 beobachtet wurden. Dennoch sollten die Feinstaubemissionen weiter verringert werden, denn die WHO empfiehlt auch beim Feinstaub eine deutlich niedrigere Schwelle, nach der nicht öfter als an drei Tagen im Jahr die PM10-Tagesmittelwerte über 50 µg/m³ liegen sollen. Dieser Wert wurde lediglich an 23 Prozent aller Messstationen eingehalten. Es ist erwiesen, dass eingeatmeter Feinstaub beim Menschen gesundheitsschädlich wirkt. Die möglichen Folgen reichen von Schleimhautreizungen und lokalen Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien bis zu verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen, einer erhöhten Thromboseneigung oder Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems.

Umweltbundesamt Hauptsitz

Wörlitzer Platz 1
06844 Dessau-Roßlau
Deutschland

  • Balkendiagramm: In den Jahren 2012-2015 gab es nur noch Überschreitungen an "städtisch verkehrsnahen" Messstationen, aber auch hier deutlich unter 10%. Die meisten Überschreitungen gab es im Jahr 2003: etwa 68% der "städtisch verkehrsnahen" Stationen
    Prozentualer Anteil der Messstationen mit Überschreitung des Grenzwertes für das PM10-Tagesmittel

    Abbildung 2 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Balkendiagramm: In allen Jahren (2015, 2011 und 2005-2014) gab es die meisten Überschreitungstage an "städtisch verkehrsnahen" Messstationen. Betrachtet man alle Stationen, nahm die Zahl 2015 deutlich ab gegenüber 2011. Belastetste Monate 2015: März & Feb
    Mittlere Anzahl von PM10-Überschreitungstagen (Tagesmittelwerte > 50 μg/m³) pro Monat

    Abbildung 3 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Kurvendiagramm: Ob ländliche, städtische oder städtisch verkehrsnahe Messstation: Die PM10-Jahresmittelwerte sanken in der Tendenz in den Jahren 2000 bis 2015
    Entwicklung der PM10-Jahresmittelwerte im Mittel über ausgewählte* Messstationen

    Abbildung 4 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Kurvendiagramm: Die Jahresmittelwerte sind im ländlichen und städtischen Hintergrund 2015 niedriger als noch im Jahr 2000. "Städtisch verkehrsnah" gab es keine Verbesserung, die Werte stiegen und sanken dann etwa wieder auf das Niveau von 2000.
    Entwicklung der NO2-Jahresmittelwerte im Mittel über ausgewählte* Messstationen

    Abbildung 5 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Balkendiagramm: Im ländlichen Hintergrund gab es seit dem Jahr 2000 keine, im städtsichen kaum Messstationen mit Überschreitungen. Bei stästisch verkehrsnahen Stationen stieg der Anteil von gut 40% im Jahr 2000 auf gut 70% 2010. Seitdem sinkende Tendenz
    Prozentualer Anteil der Messstationen mit Überschreitung des Grenzwertes für das NO2-Jahresmittel

    Abbildung 6 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Deutschlandkarte, eingefärbte Flächen geben die Ozonkontentration im Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an. Diese lag flächendeckend bei über 108, in großen Teilen von West- und Mitteldeutschland bei über 180.
    Deutschlandkarte der maximalen 1-Stundenmittelwerte der Ozonkonzentration am 3. Juli 2015

    Abbildung 7 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Säulendiagramm: Informationsschwelle wurde relativ zu 1990 u. zur Zahl der jeweils betriebenen Messstationen besonders oft überschritten 1994 (knapp 120%) und 2003 (knapp 140%). Im Jahr 2015 knapp 40%. Alarmschwelle wurde seit 2004 kaum noch überschritten
    Überschreitungsstunden Informations- (180 μg/m³) und Alarmschwelle (240 μg/m³) für bodennahes Ozon

    Abbildung 8 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Säulendiagramm: Besonders hoch ist der Anteil im ländlichen Hintergrund, am seltensten im städtisch verkehrsnahen Bereich. Der Anteil ist in der Tendenz seit 2001-2003 gesunken und lag 2013-2015 bei ca. 35% (ländlicher) bzw. ca. 12% (städt. Hintergrund)
    Prozentualer Anteil Messstationen mit Überschreitung Zielwert für den Schutz der Gesundheit (Ozon)

    Abbildung 9 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Säulendiagramm: Der Anteil der Stationen, die am jeweiligen Tag 120 μg bodennahes Ozon/m³ Luft als 8-Stundenmittelwert überschritten, stieg zwischen dem 1.4. und 30.9.2015 immer wieder auf Werte bis zu über 90%.
    Überschreitung des langfristigen Zielwertes zum Schutz der menschlichen Gesundheit (bodennahes Ozon)

    Abbildung 10 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
  • Säulendiagramm: Der Anteil ist im jeweils 1-jährigen gletenden Mittel über 5 Jahre in den Jahren 2007 bis 2015 deutlich niedriger als in den Jahren 1999 bis 2010. Der Anteil lag 2001-2015 bei ca. 15% im ländl. u. ca. 7% im vorstädt. Hintergrund.
    Prozentualer Anteil Messstationen mit Überschreitung Zielwert für Schutz der Vegetation (Ozon)

    Abbildung 11 des Hintergrundpapiers "Luftqualität 2015 - Vorläufige Auswertung"

    Quelle: Umweltbundesamt Abbildung als jpg-Datei herunterladen
<>
Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 Luft  Luftqualität  Feinstaub  Stickstoffdioxid  Ozon