Papier und Druckerzeugnisse

Ein Stapel weißes, unbeschriebenes Kopierpapier vor weißem Hintergrundzum Vergrößern anklicken
Kopierpapier

Stapel weißes Kopierpapier

Quelle: Thomas Renz / Fotolia.com

Die Verwendung von Altpapier bei der Herstellung von grafischen Papieren trägt zur Schonung von Ressourcen und zur Verminderung des Abfallaufkommens bei, besonders beim Einsatz von Altpapier aus haushaltsnaher und gewerblicher Erfassung. Die mit der Zellstoff- und Holzstofferzeugung unmittelbar verbundenen Umweltbelastungen können so vermieden werden.

Vorteile von Recyclingpapieren

Beim ökologischen Systemvergleich schneiden Papierprodukte aus Altpapier gegenüber Papierprodukten aus Primärfasern, die Holz als Faserrohstoffquelle nutzen, im Hinblick auf die Aspekte Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser und Energieverbrauch wesentlich günstiger ab – bei vergleichbaren Gebrauchseigenschaften der Produkte. Das Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit der Bundesregierung sieht vor, dass die Bundesressorts sowie die Behörden und Dienststellen der Geschäftsbereiche im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen und unter Beachtung des vergaberechtlichen Wirtschaftlichkeitsgrundsatzes den Anteil des Einsatzes von Recyclingpapier (z. B. für Kopierarbeiten, Briefumschläge und Druckerzeugnisse) – wo wirtschaftlich und technisch möglich – schrittweise von heute rund 70 % auf mindestens 90 % in 2015 steigern.

Wo immer Papier benötigt wird, sollten Produkte aus 100 Prozent Recyclingpapier verwendet werden, die die Kriterien des Umweltzeichens Blauer Engel erfüllen. Diese sind ökologisch erste Wahl. Das bestätigen Untersuchungen des IFEU-Instituts und die umfassenden Ökobilanzen des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2000 (Ökobilanzen für graphische Papiere). Die Verwendung eines Pakets Recyclingpapier (500 Blatt) spart so viel fossile Ressourcen ein, wie eine 15W-Energiesparlampe benötigt um 290 Stunden zu leuchten (IFEU-Institut 2006). Beschaffungsverantwortliche tragen zu stärkerer Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei, indem sie:

  • konsequent umweltverträgliche Papierprodukte ausschreiben
  • Energieeffiziente Drucker, Kopierer, Multifunktionsgeräte und Faxgeräte mit integrierter Duplexfunktion beschaffen, um doppelseitiges Drucken zu ermöglichen
  • Innerhalb der Organisation Maßnahmen zur Veränderung des NutzerInnenverhaltens unterstützen oder initiieren, die auf eine deutliche Verminderung (bis hin zur Halbierung) des Papierverbrauchs abzielen. Nur Papiersparen kann Abholzung, übermäßigen Wasser- und Energieverbrauch sowie CO2-Emissionen vermeiden.

Insgesamt verbraucht die öffentliche Verwaltung ca. 80.000 Tonnen Papier (Initiative Pro Recyclingpapier 2006, S.16). Diverse Einrichtungen der öffentlichen Hand nutzen bereits ausschließlich Recyclingpapier, wie der Wettbewerb Papieratlas der Initiative Pro Recyclingpapier belegt. In den 68 deutschen Großstädten, die sich am Wettbewerb Papieratlas 2010 beteiligt haben, decken die Verwaltungen, Schulen und Hausdruckereien ihren Papierbedarf, insgesamt betrachtet, zu 65 Prozent aus Recyclingpapier. Das entspricht ca. 11.000 Tonnen Papier (Email-Auskunft der Initiative Pro Recyclingpapier, 21.September 2010).

In Deutschland stagniert seit einigen Jahren der Verbrauch von Papier auf sehr hohem Niveau bei ca. 243 kg pro Person und Jahr. Weltweit wächst er hingegen weiter. Ursache dafür ist die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere Chinas aber auch anderer Länder Asiens und Osteuropas sowie Brasiliens. China lag im Jahr 2009 bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 42 kg, Brasilien bei 43 kg, Russland bei 46 kg – vom EU-Durchschnitt von 161 kg sind sie damit noch weit entfernt (VDP 2010, Leistungsbericht Papier, S. 93). Als Mindestbedarf zur Befriedigung der Grundbedürfnisse für Bildung, Kommunikation und Hygiene gelten laut Worldwatch Institute jährlich 30 bis 40 kg Papier pro Person (1999). Doch rund drei Viertel der Weltbevölkerung haben im Schnitt nur die Hälfte dieser Mindestmenge zur Verfügung.

Die Produktion einer Tonne Papier benötigt zum Beispiel für die Herstellung eines Frischfaserkopierpapiers genau so viel Energie wie die Herstellung einer Tonne Stahl. Damit ist die Papierindustrie der weltweit fünftgrößte industrielle Energieverbraucher. Hinzu kommen die Transporte von Rohstoffen und Fertigprodukten. Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit Papier deutlich. Der Verbrauch muss in den westlichen Ländern nahezu halbiert werden, nur so kann eine nachhaltige Papierversorgung gewährleistet werden.

Das Angebot an Papierprodukten aus Sekundärfasern für alle Einsatzzwecke hat sich in den vergangenen Jahren stetig erweitert und die technische Qualität wurde enorm verbessert, so dass es heute für jedes Alltagspapier dem Primärfaserprodukt vergleichbare Papiere in Recyclingqualität gibt. Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht werden. Insbesondere Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere. Sie haben aber auf der Preisebene mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. Primärfaserpapier aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fasern aus Urwaldzerstörung enthält. Wie Primärfaserpapiere hoher Qualität können auch Blauer Engel-Papiere mit solchen „no name-Produkten” preislich nicht mithalten. Dennoch gilt seit langem die Faustformel: Ein Recyclingpapier der 60er Weiße („presseweiß”) kostet in der Regel rund 15 Prozent weniger als ein vergleichbares Primärfaserpapier, die 70er Weiße rund 10 Prozent, die 80er Weiße rund 5 Prozent weniger.

Umweltbezogene Produkteigenschaften

Die Rohstoffseite: Wertvolle Wälder verschwinden in den Papiermühlen und die Plantagenflächen nehmen zu

Deutschland ist Europas größter Papierproduzent und bedeutendstes Papier-Exportland. Würden wir den gesamten Primärfaserverbrauch von rund 10 Millionen Tonnen im Jahr (inländische Produktion + Papierimporte - Papierexporte) mit heimischem Holz decken wollen, müsste alles derzeit im Jahresschnitt eingeschlagene Holz ausschließlich für die Fasergewinnung zur Verfügung stehen. Zusätzlich würden etwa 10 weitere große Zellstoffwerke benötigt (Kritischer Papierbericht 2004, S. 18-31). Rund 80 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der umweltbelastendste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert. Derzeit stammen 40 Prozent des in Deutschland eingesetzten Zellstoffs und fertigen Papiers aus Skandinavien. Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland, wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. 13 Prozent seiner Primärfasern bezieht Deutschland aus Kanada, auch hier sind Urwälder durch Holzeinschlag bedroht. Neben den nordischen, sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen, da bspw. Deutschland fast ein Viertel des Zellstoffs aus Brasilien und geringere Mengen aus Chile, Uruguay und Indonesien importiert. In diesen Ländern schwindet der Urwaldbestand weiterhin in dramatischem Ausmaß. Zu großen Teilen wird das Holz illegal eingeschlagen. Unsere hohe Zellstoffnachfrage trägt maßgeblich zur weltweiten Waldzerstörung bei.

Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Teils geschieht dies auf Brachflächen, teils werden Urwälder gerodet, um schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus anzupflanzen, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Vielfach werden durch die Plantagen Landrechte verletzt: Waldbewohnern und Kleinbauern wird die Lebensgrundlage entzogen, weil wertvolle Flächen, die zur Versorgung mit Grundnahrungsmitteln nötig wären, in artenarme Plantagen umgewandelt werden und kaum Einkommensquellen für die ansässige Bevölkerung bieten.
Die Produktionsseite: Die Herstellung von Papier zieht je nach Rohstoff sehr unterschiedliche Umweltbelastungen nach sich
Die Papierherstellung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird der Faserrohstoff hergestellt, aus dem dann im zweiten Schritt das Papier produziert wird. Faserrohstoffe sind sowohl Primärfasern aus Holz als auch Sekundärfasern aus Altpapier. Bei Nutzung von Primärfasern erfolgt das Herauslösen der Fasern aus dem stabilen Holzverbund in speziellen Produktionsstätten, den Holzschliff- oder Zellstoffwerken und verbraucht große Mengen an Holz, Energie, Chemikalien und Wasser. Erst nach diesem Fasergewinnungsprozess kommt der Primärfaserstoff als Rohstoff in die eigentliche Papierfabrik. Beide Prozesse können auch in einer integrierten Fabrik stattfinden. Dann entfallen Arbeitsschritte wie die Trocknung der gewonnenen Fasern und der Transport von der Zellstofffabrik zur Papierfabrik. Altpapier hingegen gibt allein durch Auflösen und Reinigung im Wasser seine Fasern zur nächsten Verwendung frei und jede Papierfabrik kann diese Art der Rohstoffgewinnung im eigenen Hause vornehmen.

So erklären sich die besseren Umweltwerte von Recyclingpapier, das im Vergleich mit Primärfaserpapier nur rund ein Siebtel bis ein Drittel der Wassermenge und nur etwa die Hälfte an Energie benötigt.

Die Konsumentenseite: Der Altpapiereinsatz in Deutschland hat noch nicht sein Optimum erreicht

1. Papierverbrauch und Recyclingquote:

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP 2010) sind knapp die Hälfte unseres inländischen Papierverbrauchs von fast 20 Millionen Tonnen pro Jahr Papiere für Presse und Druck, Büro und Kommunikation. Verpackungen machen 8,4 Millionen Tonnen aus. Taschentücher, Toilettenpapier, Küchenrollen & Co. werden im Umfang von 1,5 Millionen Tonnen und Papier für technische und spezielle Verwendungszwecke wie Tapeten, Filter- und Zigarettenpapier im Umfang von 1,2 Millionen Tonnen verbraucht.

2009 wurden 83 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet. An der Papier- und Pappe-Produktion machte Altpapier einen Anteil von 71 Prozent aus (VDP 2010, Leistungsbericht Papier, S. 67). Diese Altpapiereinsatz-Quote ließe sich auf 75 bis 80 Prozent steigern, wenn vor allem in den Sorten der Druck- und Büropapiere der Altpapieranteil erhöht würde, der derzeit bei 31 Prozent mit leicht steigender Tendenz liegt.

2. In Bezug auf Qualität, Gebrauchstauglichkeit und Sortimentsvielfalt bieten Recyclingpapiere beste Werte für nahezu alle Anwendungen:

Einige der führenden Kopiergerätehersteller vertreiben seit Jahren Recyclingpapiere mit Blauem Engel unter eigenem Namen im Eigeneinschlag und demonstrieren damit, dass ihre Maschinen diese Papierqualität einwandfrei verarbeiten. Die Firma Xerox hat im Jahr 2002 durch Belastungstests nachgewiesen, dass sich beim Einsatz von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel keinerlei Unterschiede zum Einsatz von vergleichbarem Primärfaserpapier ergeben und dieses Ergebnis in einem Zertifikat bestätigt.

Perfekte Optik

Das Marktforschungsinstitut TNS Emnid wies Ende 2005 in einer bundesweiten repräsentativen Umfrage nach, dass bei identischem Inhalt ein auf Recyclingpapier gedrucktes Magazin als dem weißen Primärfaserpapier gleichwertig empfunden wurde. Etliche Großunternehmen arbeiten seit Jahrzehnten mit Recyclingpapier und bestätigen dessen hervorragende Farbwiedergabe und Bildqualität bei Drucken und Kopien.

Lange Archivierbarkeit

Für die Aufbewahrung von Papier in Stadt-, Landes- und Bundesarchiven spielt die Alterungsbeständigkeit eine entscheidende Rolle. Alle Büropapiere mit Blauem Engel erfüllen die DIN-Norm 6738 und entsprechen der höchsten Lebensdauerklasse LDK 24-85. Damit erfüllen sie bei schonender Behandlung und Lagerung höchste Ansprüche und sind mehrere 100 Jahre alterungsbeständig.

Die Frage nach dem Weißgrad

Ökologisch betrachtet, gilt die Devise: Nur so weiß wie nötig. Für viele Anwendungen ist eine 60er Weiße (nach ISO) völlig ausreichend, zumal geringere Kontraste die Augen entlasten. Wollen Institutionen nicht auf hohe Weiße verzichten, sind 70er und 80er Weiße empfehlenswerte Alternativen. Inzwischen gibt es sogar Recyclingpapiere der 100er Weiße (nach ISO) mit Blauem Engel. Zu bedenken ist allerdings, dass sehr helle Sekundärfaserqualitäten nur durch einen erhöhten Einsatz besserer Altpapiersorten zu erzielen sind. Laut Vorgaben des Blauen Engels dürfen bis zu maximal 35 Prozent besserer Altpapiere eingesetzt werden. Diese Sorten sind jedoch knapp auf dem Markt, denn den Großteil des anfallenden Altpapiers machen die sogenannten unteren und mittleren Sorten mit über 80 Prozent aus. Außerdem ist für eine höhere Weiße eine aufwändigere Faserreinigung mit zum Teil höheren Energie- und Wassereinsätzen nötig.

3. Ökobilanzierungen bestätigen: Recyclingpapier hat die Nase weit vorn:

Doch auch Recyclingpapier ist ein energieintensives, wertvolles Produkt, bei dem die größten Umweltentlastungspotenziale in der sparsamen Verwendung bestehen. Nur durch konsequentes Papiersparen werden weitere Abholzung verhindert und weltweite Zellstofftransporte minimiert. Papier vermeiden oder einsparen ist in öffentlichen Einrichtungen allerdings immer ein Zusammenspiel mehrerer Abteilungen und Personen. Deshalb ist es für den Erfolg sehr wichtig, dass das gemeinsame Vorhaben formuliert, kommuniziert und von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitgetragen wird. Konsequentes Papiersparen bedeutet im Büroalltag und für die Veranstaltungsorganisation immer:

  • Verzicht auf überflüssige Ausdrucke,
  • Konsequent doppelseitiges Drucken (Voreinstellungen im Betriebssystem einrichten)
  • Nicht mehr benötigte Papiere und Verpackungen sollen der Altpapiersammlung zugeführt werden.

Genau besehen stehen sich Primär- und Sekundärfasern nicht als Konkurrenten gegenüber, sondern als unterschiedliche Generationen in der gleichen „Materialfamilie”: Jede Sekundärfaser war einmal eine Primärfaser und ist nach mindestens sechsmaligem Gebrauch stofflich „am Ende”. Der ökologische Vorsprung der Sekundärfaser besteht darin, dass zu ihrer Gewinnung kein Holz eingeschlagen, dieses nicht mit Hilfe von Hitze (Kochung) und Chemikalien aufgeschlossen und das Fasermaterial nicht aufwändig gebleicht werden muss, wie es zur Gewinnung der Primärfaser geschieht.

Als ökologische Pluspunkte von Sekundärfaserpapier gegenüber Primärfaserpapier können zusammenfassend folgende Aspekte angeführt werden:

  • Der Prozesswasserbedarf der Papierherstellung aus Altpapier ist zwei- bis sechsmal niedriger als der für die Papierherstellung aus Holz.
  • Das Abfallaufkommen wird vermindert.
  • Der Gesamtenergiebedarf ist drei bis viermal niedriger, als der für die Papierherstellung aus Holz.
  • Die Art des Energieeinsatzes für die Produktion von Recyclingpapier ist noch optimierbar (bis hin zum vollständigen Einsatz klimaneutraler erneuerbarer Energieträger).
  • Die Ressource Holz wird geschont und steht für andere Nutzungen zur Verfügung. Die Flächenkonkurrenz wird vermindert.
  • Die Entlastung der globalen Waldressource bedeutet (zum Teil indirekten) Schutz von Primärwäldern, Erhalt der Biodiversität und des Lebensraums der lokalen Bevölkerung.
  • Sekundärfaserverwendung bedeutet "Papier der kurzen Wege", und damit geringere Energieeinsätze für den Transport.

Diese Umweltvorteile wurden in Ökobilanzierungen seit den 1990er Jahren immer wieder nachgewiesen, am umfassendsten mit den „Ökobilanzen für graphische Papier” des Umweltbundesamtes im Jahre 2000 mit klaren Empfehlungen:

  • Es ist wesentlich umweltverträglicher, graphische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dafür frische Fasern aus dem Rohstoff Holz zu verwenden.
  • Es ist wesentlich umweltverträglicher, Altpapier wieder zu recyceln und daraus neues Papier herzustellen, als Altpapier zu verbrennen, um daraus Energie zu gewinnen. Altpapier auf Abfalldeponien zu beseitigen, ist aus Umweltschutzsicht die schlechteste Lösung.

Eine Untersuchung des IFEU-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes zu Kopierpapier aus dem Mai 2008 (unveröffentlicht) bestätigt diese Empfehlungen.

Archivierbarkeit

Recyclingpapier mit Blauem Engel ist alterungsbeständig und fördert die Kreislaufwirtschaft

1. Hintergrund

Die Verwendung von Altpapier bei der Herstellung von grafischen Papieren trägt zur Schonung von Ressourcen und zur Verminderung des Abfallaufkommens bei, besonders beim Einsatz von Altpapier aus haushaltsnaher und gewerblicher Erfassung. Die mit der Zellstoff- und Holzstofferzeugung unmittelbar verbundenen Umweltbelastungen können so vermieden werden. Außerdem schneiden beim ökologischen Systemvergleich Papierprodukte aus Altpapier gegenüber Papierprodukten aus Primärfasern, die Holz als Faserrohstoffquelle nutzen, im Hinblick auf die Aspekte Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser und Energieverbrauch wesentlich günstiger ab – bei vergleichbaren Gebrauchseigenschaften der Produkte.

Seit 1992 hat der Deutsche Bundestag in einem Beschluss (Drucksache 12/3247, Petition Nr. 1-12-18-270-11220) entschieden, dass Recyclingpapier in Büros der Bundesverwaltung der Vorzug zu geben ist. Auch in den meisten Landesverwaltungen wird dieser Empfehlung aus ökologischen Gründen gefolgt. Diese Papiere werden archiviert, ohne dass sie die Anforderung der Holzfreiheit nach DIN ISO 9706 erfüllen. Im Umweltbundesamt wird bereits seit den siebziger Jahren ausschließlich Recyclingpapier eingesetzt und archiviert.

Auch das aktuelle Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit der Bundesregierung sieht vor, dass die Bundesressorts sowie die Behörden und Dienststellen der Geschäftsbereiche den Anteil des Einsatzes von Recyclingpapier auf mindestens 90 % in 2015 steigern (Quelle: Zielvorgabe aus Ziff. 6 c Maßnahmenprogramm NHK der BR, Beschluss des Staatssekretärsausschuss vom 6.12. 2010). Somit rückt die Beschaffung von Recyclingpapier als ressourcenschonende Alternative zu Frischfaserpapier in den Fokus. In dem Zusammenhang wird auch die Alterungsbeständigkeit dieser Sekundärfaserpapiere diskutiert. So wird z. B. gefordert, dass nur Recyclingpapiere eingesetzt werden dürften, die DIN ISO 9706 erfüllen, die jedoch viele Recyclingpapiere allein wegen ihres Anteils an Lignin (ausgedrückt über die Kappa-Zahl) ausschließt – so auch Papiere mit dem Blauen Engel. Es ist zwar möglich, ein Recyclingpapier aus unbedruckten bzw. holzfreien Schnittresten einer Druckerei herzustellen. Für dieses Recyclingpapier kann  jedoch das Umweltzeichen „Blauen Engel“ nicht vergeben werden, da es die Anforderungen an die zu verwendenden Altpapiersorten nicht erfüllt.

Der Blaue Engel hingegen verlangt die Erfüllung der DIN 6738, einer Norm, die auf eine Definition einer bestimmten Papierzusammensetzung verzichtet und stattdessen Kriterien festlegt, anhand derer beurteilt werden kann, in welche Altersbeständigkeitskategorie das jeweilig untersuchte Papier einzuordnen ist. Das vorliegende Positionspapier betrachtet die in der Diskussion genannten Aspekte und gibt eine klare Empfehlung für alterungsbeständiges Recyclingpapier mit dem Blauen Engel, das mit der DIN 6738 die Erfüllung höchster Anforderungen an die Archivierbarkeit sichert und dabei die Kreislaufwirtschaft fördert.

2. Bestimmung der Alterungsbeständigkeit von Papieren

Für die Bestimmung der Alterungsbeständigkeit von Papier existieren zwei gültige Normen, die DIN ISO 9706 und die DIN 6738. Keiner der beiden Normen kommt ein Vorrang oder eine Alleinverbindlichkeit zu, das heißt, beide Normen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Papiere, welche die Kriterien für alterungsbeständiges Papier aus einer der Normen erfüllen, sind zur Verwendung für dauerhaft aufzubewahrende Dokumente gleichermaßen geeignet. Während die DIN ISO 9706 auf die Herstellung des erzeugten Produktes abzielt, verfolgt die DIN 6738 eine andere Zielrichtung, nämlich die Alterungsbeständigkeit der Papiere während des Gebrauchs bzw. Lagerung.

 a) DIN 6738

Die DIN 6738 verzichtet auf eine Definition einer bestimmten Papierzusammensetzung, um die technische Entwicklung von Papierprodukten nicht zu blockieren. Stattdessen legt sie Kriterien fest, anhand derer beurteilt werden kann, in welche Altersbeständigkeitskategorie (Lebensdauer-Klasse, LDK) das jeweilig untersuchte Papier einzuordnen ist. Für die Einordnung werden die Papiere einem Prozess der „beschleunigten Alterung“ unterzogen. Dabei werden Papierproben bei einer Temperatur von 80° Celsius und einer relativen Luftfeuchte von ca. 65 Prozent aufbewahrt und der Rückgang der Festigkeit und die Versprödung der Papiere gemessen. Je nach Untersuchungsergebnis werden die Papiere in vier Lebensdauer-Klassen eingeordnet. Papiere, die die Kriterien der höchsten Lebensdauer-Klasse LDK 24-85 erfüllen, gelten als „alterungsbeständig“, da sie nach heutigem Erkenntnisstand bei schonender Behandlung und Lagerung voraussichtlich eine Lebensdauer haben, an die höchste Anforderungen gestellt werden können. Papiere, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, erfüllen diese höchste Lebensdauer-Klasse LDK 24-85. Danach dürfen diese Papiere alterungsbeständig genannt werden.

 b) DIN ISO 9706

Die DIN ISO 9706 bezieht sich auf die Faserstoffzusammensetzung der Papiere. Das heißt, dass alle holzhaltigen und auch nicht vollständig von Lignin entfernten zellstoffhaltigen Papiere die ISO 9706 nicht erfüllen können, unabhängig davon, ob sie sich in der Praxis als alterungsbeständig erweisen oder nicht. Da fast alle Altpapiersorten zur Herstellung von Recyclingpapieren holzhaltige Fasern enthalten, kann die DIN ISO 9706 auch nicht erfüllt werden.

 Relevanz des Ligningehalts für die Alterungsbeständigkeit

Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass die mechanischen Papiereigenschaften unabhängig vom Ligningehalt sind. Dieses Ergebnis spiegelt sich in der kanadischen Norm „Permanence of Paper for Records, Books and Other Documents“ (CAN/CGSB-9.70-2000) wider, die nicht mehr den Ligningehalt begrenzt, um eine ausreichende mechanische Papierfestigkeit zu erzielen. Lediglich die optischen Papiereigenschaften bleiben bei einer Begrenzung des Ligningehaltes erhalten.

Zudem werden seit über 25 Jahren alle in Europa hergestellten Primär- und Sekundärfaserpapiere für Kopier- und Druckzwecke im neutralen oder alkalischen Bereich und mit einer ausreichenden alkalischen Reserve hergestellt, welche ein geeignetes Mittel ist, saure Abbauprodukte und damit die Abnahme der mechanischen Papiereigenschaften zu verhindern. Der sogenannte „Säurefraß“, der bis zu einer Zerstörung der Blattstruktur führen könnte, ist damit ausgeschlossen. Die Forderung nach der DIN ISO 9706 bei der Archivierung ist somit nach Auffassung des Umweltbundesamts nicht mehr sachgemäß. Für zu archivierendes Schriftgut hält das Umweltbundesamt die in der DIN 6738 formulierten Anforderungen an eine Lebensdauer an die höchste Ansprüche gestellt werden kann (LDK 24-85) für eine gelungene Synthese zwischen berechtigten kulturpolitischen Zielen und Umweltschutzzielen.

3. Förderung der Kreislaufwirtschaft

Relevanz der Altpapiersorten

Die Verwendung von Altpapier bei der Herstellung von grafischen Papieren trägt zur Schonung von Ressourcen und zur Verminderung des Abfallaufkommens bei. Dies gilt in besonderem Maße beim Einsatz von Altpapier aus haushaltsnaher und gewerblicher Erfassung, die mit über 80 Prozent den Großteil des anfallenden Altpapiers ausmachen. Bessere Sorten sind knapp auf dem Markt.

Um der DIN ISO 9706 zu entsprechen, müsste ein Recyclingpapier jedoch ausschließlich aus besseren Altpapiersorten wie unbedruckten bzw. wenig bedruckten  holzfreien Schnittresten hergestellt werden, da diese wenig Lignin enthalten. Der Blaue Engel erlaubt nur bis zu maximal 35 Prozent bessere Altpapiere einzusetzen, um insbesondere die hochwertige Verwertung unterer und mittlerer Altpapiersorten zu fördern und damit die Umsetzung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetztes zu unterstützen. Aus dem Gesetz ergeben sich gerade für die öffentliche Hand direkte Pflichten zur Verwendung von Erzeugnissen, wie sie Recyclingpapiere darstellen. Für unsere Empfehlung, Recyclingpapiere in möglichst hohem Umfang zu verwenden, haben die vom Umweltbundesamt vorgelegten „Ökobilanzen für grafische Papiere“ die wissenschaftliche Grundlage geliefert.

Relevanz des Weißgrads

Ein Recyclingpapier mit dem Blauen Engel ist bis zu einer 100er Weiße erhältlich. Dieses Papier wird jedoch vom Umweltbundesamt nicht empfohlen, da die hohen Weißgrade nur durch einen erhöhten Einsatz besserer Altpapiersorten zu erzielen sind, aber gerade der Einsatz der unteren und mittleren Altpapiersorten gefördert werden soll.

Fazit

Alle graphischen Papiere mit dem Blauen Engel erfüllen die Anforderungen der Lebensdauerklasse LDK 24-85 und dürfen damit als alterungsbeständig bezeichnet werden, auch wenn über das verwendete Altpapier ligninhaltiger Zellstoff oder Holzschliff, beispielsweise aus Zeitungen, eingetragen wird. Nach heutigem Erkenntnisstand haben diese Papiere laut der DIN 6738 bei schonender Behandlung und Lagerung voraussichtlich eine Lebensdauer, an die höchste Anforderungen gestellt werden kann.

Durch die Vorgabe zur Verwendung von 65 Prozent unterer und mittlerer Altpapiersorten bei der Recyclingpapierherstellung fördert der Blaue Engel gezielt eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.

Mehr Informationen zu den Ergebnissen der Untersuchung des IFEU-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes

Als ersten Schritt führte das Institut eine umfassende Marktanalyse durch. Anschließend wurden Zahlen zur Produktion von Büropapieren aus Primär- und Sekundärfasern für den deutschen Markt in einer Umweltbilanz ausgewertet. Das in Deutschland beschaffte Kopierpapier kommt aus folgenden Regionen und Produktionsprozessen:

Verglichen wurden die Umweltbelastungen von sechs für den deutschen Markt typischen Kopierpapiergruppen (Clustern):

  • Nicht integrierte Herstellung von Büropapier aus Sulfatzellstoff nordischer Herkunft

Kürzel: „ZS NORD“

  • Nicht integrierte Herstellung von Büropapier aus Sulfatzellstoff aus Übersee

Kürzel: „ZS SÜD“

  • Integrierte Herstellung von Büropapier nordischer Herkunft; Basis Sulfat-Zellstoff

Kürzel: „PAP NORD (Sulfat)“

  • Integrierte Herstellung von Büropapier nordischer Herkunft; Basis Sulfit-Zellstoff

Kürzel: „PAP NORD (Sulfit)“

  • Integrierte Primärfaser-basierte Herstellung von Büropapier südeuropäischer Herkunft; Basis Eukalyptus-Sulfatzellstoff

Kürzel: „PAP SÜD“

  • Büropapiere aus Sekundärfasern (Kürzel: „RCP“)

Dabei wurden die Prozessschritte der Fasergewinnung und der Papierherstellung betrachtet einschließlich der eingesetzten Energie, aller Hilfsmittel wie Chemikalien und Wasser sowie der Transportwege. Bei fast allen untersuchten Indikatoren, wie dem Energie- und Wasser-verbrauch sowie zum Teil auch den Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, liegen die Umweltlasten bei der Herstellung von Recyclingpapier am niedrigsten.

Die IFEU-Studie und das Umweltbundesamt kommen zum Ergebnis:

  • Recyclingpapier hat nach wie vor aus gesamtökologischer Sicht viele Vorteile gegenüber Frischfaserpapier.
  • Je nach Randbedingungen kann die CO2-Bilanz zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
  • Aus ökologischen Gründen sollte auf Zellstoff aus Übersee verzichtet werden und Altpapier zur Produktion von Recyclingpapier aus regionaler Sammlung stammen.
  • Andere wichtige schwer quantifizierbare Aspekte wie Flächenkonkurrenz, Biodiversität, Ressourcenschutz sind für die Bewertung von Papierprodukten ebenfalls zu berücksichtigen.
Tabelle: Nicht integriert hergestellte Papiere Mitteleuropa: ca. 50%, 400.000 Tonnen. Integriert hergestellte Papiere NORD: ca. 20%, 160.000 Tonnen. Integriert hergestellte Papiere SÜD, Portugal: ca. 20%, 160.000 Tonnen. Recycling-Kopierpapier: ca.10%
Regionen und Produktionsprozesse von Kopierpapier
Quelle: Umweltbundesamt

Ergebnisse & Tabellen der Studie des IFEU-Instituts

Beim Wasser kommt die Recyclingvariante mit 40 Prozent gegenüber dem Primärfaserpapier aus, belastet das Wasser nur mit ca. 25 Prozent der Schmutzfracht (angegeben in CSB = Chemischer Sauerstoffbedarf, der zum vollständigen Abbau der organischen Abwasserinhaltsstoffe nötig ist) und trägt im Vergleich zum Primärfaserpapier mit weniger als 50 Prozent% zur Überdüngung („Aquatische Eutrophierung”) bei.

Holz ist der wesentliche Rohstoff der Primärfaserpapiere, während er bei den Recyclingpapieren null ist, da diese keine primären Holzfasern benötigen. Der in der Abbildung ersichtliche Unterschied zwischen den Primärfaserpapieren und dem Recyclingpapier ist daher als solcher natürlich eine Trivialität. Der Holzbedarf sollte vielmehr als ein Indikator für die Flächen- bzw. Naturraumbeanspruchung und den damit verbundenen möglichen Druck auf die Umwelt angesehen werden. Zudem gibt es Aufschluss über die Holzmengen bzw. Waldflächen, die als Ressource geschont würden bzw. für andere Zwecke nutzbar wären, wenn Recyclingpapier anstelle von Primärfaserpapier verwendet wird.

Die Ergebnisse zum Energieverbrauch zeigen, dass die Herstellung von Primärfaser-Kopierpapier nach wie vor ein energieintensiver Prozess ist. Je Tonne Primärfaser-Papier werden zwischen 40-58 GJ Primärenergie benötigt. Dabei ist allerdings die in der Holzfaser (und somit im Papier) gespeicherte Energie (etwa 15 GJ je Tonne) mitgerechnet. Auch bei Abzug dieser Feedstock-Energie ist der Primärenergiebedarf der Primärfaser-Kopierpapiere (27-43 GJ) deutlich höher als der des Recycling-Kopierpapiers.

Das Bild ändert sich allerdings, wenn man nur den Primärenergiebedarf betrachtet, der mit nicht erneuerbaren Energieressourcen gedeckt wird. Hier sind die 2 Varianten integrierter Primärfaser-Kopierpapiere aus nordischer Herstellung günstiger als das Recycling-Kopierpapier. Dies ist auf den hohen Anteil an biogener Energie (Energierückgewinnung aus der Schwarzlauge sowie zusätzliche Nutzung von Rinde und zugekauften Hackschnitzeln) zurückzuführen und deren Nutzbarkeit sowohl für die Zellstoffaufbereitung als auch die Papierherstellung. 

Das Recycling-Kopierpapier zeigt jedoch Vorteile gegenüber den nicht integrierten Primärfaser- und dem integrierten Primärfaser-Papier aus Portugal. Der Vorteil gegenüber dem Papier aus nordischem Zellstoff (die Papierherstellung selbst wird in Deutschland angenommen) ist nur knapp, da auch bei diesem Szenario ein hoher Anteil von biogener Energie im Zellstoffprozess zum Tragen kommt. Im Vergleich zum Papier aus Übersee-Zellstoff ist der Vorteil deutlicher, da der Überseetransport nicht unerheblich zu Buche schlägt.

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Rechnungen & Prognosen der Studie des IFEU-Instituts

Die Treibhausgasbilanz in der Grafik unten zeigt, dass Primärfaserpapier, dank seiner typischen Produktionseigenschaften in bestimmten Fällen CO2-Werte erreicht, die teilweise bei oder sogar unter denen von Recyclingpapier liegen. Folgende Faktoren tragen dazu bei:

  • Der Rohstoff Holz ist, sofern er aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, CO2-neutral,
  • die energiereichen, nichtfaserigen Holzanteile (über 50 % der Holzmasse) dienen als Energiequelle für den Prozess der Zellstoffgewinnung,
  • in integrierten, modernen Zellstoffwerken wird in der Regel mit der überschüssigen Energie auch noch Papier aus dem Zellstoff hergestellt
  • und / oder es kann Strom ins öffentliche Netz abgegeben werden.

Die angesprochenen Fälle, in denen Frischfaserpapiere niedrigere CO2-Werte als Recyclingpapiere erreichen, betreffen 20 Prozent des deutschen Kopierpapiermarktes. Diese Papiere stammen aus den integrierten Papier- und Zellstoffwerken Skandinaviens. Wenn auch moderne Zellstoffwerke den Primärfaserstoff für Papier ohne fossile Energie herstellen, weil sie das Holz zur Hälfte stofflich als Fasergrundlage und zur anderen Hälfte energetisch für den Zellstoffkochprozess nutzen, so ist die Papierindustrie dennoch alles andere als „klimaneutral”:

Denn für die Papier- und Zellstoffindustrie wird von Jahr zu Jahr mehr Frischholz benötigt. Auch wenn dieses Holz nachhaltig erwirtschaftet wird, steht die Fläche, auf der es wächst, anderen Nutzungen (Landwirtschaft) nicht mehr zur Verfügung. Auf diesen Flächen könnten bei verstärkter Nutzung von Recyclingpapier alternativ z. B. Energiepflanzen zur Erzeugung biogener Kraftstoffe angebaut werden.

Hierzu wurde beispielhaft folgende Rechnung aufgestellt:

1. Ausgangswert: Holzbedarf pro t Papier:  
2,3 t (Eukalyptus mit 12% Wassergehalt)            

2. Umrechnung von Holzmenge in Flächenbedarf:
1 t Eukalyptus-Holz benötigt 1,3 ha*a
Bezogen auf die t Papier: 2,3 t * 1,3 (m2*a)/t = 3 ha*a
Alternativnutzung: Anbau von Energiepflanzen zur Herstellung von Bioethanol zur Substitution von Ottokraftstoff
Einsparpotential liegt bei mindestens 3,4 t CO2-Äquiv./(ha*a)

3. Integrierte Frischfaserpapierproduktion in Skandinavien spart 550 kg CO2 im Vergleich zur Recyclingpapier
550 kg – 3.400 kg CO2-Äquiv./(ha*a) Einsparpotential aus alternativer Holznutzung = 2.850 kg CO2-Äquiv./(ha*a)

Die Nutzung von 1 t Recyclingpapier spart mindestens 2.850 kg CO2-Äquiv./(ha*a), wenn die für das Holzwachstum benötigte Fläche - als alternativer Nutzung – zum Anbau von Energiepflanzen verwendet wird, und mit dem erzeugten Bioethanol Ottokraftstoff ersetzt wird.

Darüber hinaus ist der Verlust von Naturwald eines der größten ökologischen Probleme auf der Erde und bewirkt massive Beeinträchtigungen des globalen Klimahaushalts. Dieser Faktor sollte in die Bewertung der Ressourcen- und Klimarelevanz der Papierindustrie mit einfließen, da bereits die Hälfte des industriell eingeschlagenen Holzes in der Papier- und Zellstoffherstellung verarbeitet wird. Dieser Effekt ist aber derzeit auf der Produktebene nur schwer quantifizierbar.

In den nächsten Jahren wird erwartet, dass sich die Faserrohstoffquellen von den skandinavischen Ländern mehr und mehr in die äquatorialen Gebiete verlagern, da dort erheblich höhere Zuwachsraten erzielt werden können. Für die Papier- und Zellstoffherstellung wird bisher in den meisten Fällen Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verarbeitet. Jedoch steht dieses Holz für andere Nutzungen nicht mehr zur Verfügung. Für diese Nutzungen (Brennstoff, Baumaterial) wird dann eventuell auch vermehrt Holz nicht legaler Herkunft eingesetzt.

Auch Plantagen liefern ihr Holz nicht klimaneutral: Für das Anlegen, die Düngung, Bewässerung und Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln, für die Abholzung und auch den Transport zum Zellstoffwerk sind erhebliche Mengen an fossiler Energie nötig. Diese Informationen werden in den Ökobilanzen bisher nur teilweise berücksichtigt.

Die eigentliche Papierproduktion in der Papierfabrik erfordert zusätzlich fossile Energien ebenso wie alle nachgelagerten Schritte wie Druck und Verarbeitung, Distribution und Rückholung des Papiers nach Gebrauch.

Klimabilanz der Papierproduktion
Treibhauseffekt: Wie muss die Papierwirtschaft gestaltet werden, um zukunftsfähig zu sein?
Quelle: Umweltbundesamt

Verwendete Literatur

Quellen

Jupp Trauth, Evelyn Schönheit, forum ökologie und papier, 2007

1. Überarbeitung: Umweltbundesamt und Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), September 2011

2. Überarbeitung: Umweltbundesam, Februar 2014 (Kapitel "Archivierbarkeit" ergänzt)

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Weitere Informationen

Arbeitshilfen Papier

  • Leitfaden zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung von Papier und Druckerzeugnissen

    Der Leitfaden wird derzeit überarbeitet.

  • Handlungsempfehlungen zum Papiersparen (18.08.2011)

    Handlungsempfehlungen Papiersparen

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