Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub

Ein Diagramm zeigt die Zahl von Überschreitung des WHO-Richtwertes für Feinstaub betroffener Menschen in Deutschland (PM10). Die Belastung abseits der Gebiete mit hoher Verkehrsbelastung ging zwischen 2007 und 2014 deutlich zurück.zum Vergrößern anklicken
Von Überschreitung des WHO-Richtwertes für Feinstaub (PM10) betroffene Bevölkerung
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Belastung durch Feinstaub abseits der Gebiete mit hoher Verkehrsbelastung ging seit 2007 deutlich zurück.
  • Die Witterung hat im Jahresverlauf und von Jahr zu Jahr einen Einfluss auf die Feinstaub-Konzentration.
  • Die Freisetzung von Feinstaub und Schadstoffen, die zusätzlichen („sekundären“) Feinstaub bilden können, hat nur geringfügig abgenommen.
  • Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass der Richtwert der WHO bis 2030 nicht mehr überschritten werden soll.

 

 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Feinstaub in der Atemluft ist gesundheitsschädlich: Die Partikel werden über das Atemwegssystem aufgenommen. Je nach Größe dringen sie unterschiedlich tief in die Atemwege ein. Sie können über das Lungengewebe auch bis ins Blut gelangen. So gilt Feinstaub als Auslöser für unterschiedliche Krankheiten (siehe Indikator „Gesundheitsrisiken durch Feinstaub“).

Feinstaub entsteht vorwiegend durch menschliche Aktivitäten. Wichtig sind beispielsweise Verbrennungsprozesse, bei denen Ruß entsteht. Ein Teil des Feinstaubs ist „sekundärer“ Feinstaub: Er entsteht in der Atmosphäre aus Vorläufersubstanzen, etwa Stickoxiden aus Verbrennungsprozessen und Ammoniak aus der Landwirtschaft.

Der Indikator betrachtet den ländlichen und städtischen Hintergrund, also die Belastung im gewissen Abstand von den Emissionsquellen wie Industrieanlagen und Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen. Dem Indikator wird als Bewertungsmaßstab der Richtwert der WHO zum Schutz der Gesundheit zugrunde gelegt. Den Grenzwert der EU-Luftqualitäts-Richtlinie (EU-RL 2008/50/EG) schätzt das Umweltbundesamt als zu hoch ein.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Die Zahl der Menschen, die Feinstaub-Konzentrationen oberhalb des WHO-Richtwertes ausgesetzt sind, ist seit 2007 deutlich zurückgegangen. Das liegt vor allem daran, dass Maßnahmen zur Emissionsminderung erste Erfolge zeigen, insbesondere im Verkehr. Andererseits wird diese Entwicklung beispielsweise durch die steigende Anzahl der Haushalte mit Holzfeuerung überlagert. Ferner hat die von Jahr zu Jahr variable Witterung direkten Einfluss auf die Belastung der Luft mit Feinstaub.

Mit der EU-Luftqualitäts-Richtlinie wurde für die Feinstaubfraktion PM10 ein Grenzwert für ein Kalenderjahr von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgeschrieben. Dieser Wert wurde in Deutschland in den letzten Jahren nicht mehr überschritten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den strengeren Belastungswert in Höhe von 20 µg/m³ als Richtwert (WHO 2006). Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sieht vor, dass der WHO- Richtwert bis 2030 für die gesamte Bevölkerung nicht mehr überschritten werden soll (Bundesregierung 2016).

Impulse für einen Rückgang der Feinstaub- Belastung sind vor allem von verbindlichen internationalen Luftschadstoff-Abkommen (siehe Indikator „Emission von Luftschadstoffen“) und den von den Städten und Gemeinden definierten Luftreinhalteplänen zu erwarten.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Um die Indikator-Daten zu ermitteln, werden Modelldaten des Transportmodells REM-CALGRID mit PM10-Messdaten kombiniert und mit einem statistischen Verfahren auf die Fläche Deutschlands interpoliert. Die PM10-Konzentrationen werden mit Bevölkerungsdichtekarten zusammengeführt, um den räumlichen Bezug zwischen PM10-Belastung und der betroffenen Bevölkerung herzustellen. Die hier dargestellten Daten repräsentieren die ländliche und städtische PM10-Hintergrundbelastung in Deutschland ohne den Verkehrsanteil. Ausführlich zur Methode siehe Kallweit et al. (2013).

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Gesundheitsrisiken der Bevölkerung in Deutschland durch Feinstaub".